Der September 2009 in Indien 7 Years, 3 Months ago

Ihr Lieben in Deutschland,

der Monat September 2009 wird zum Container-Monat erklärt. Ich hoffe nur, daß ich den Bericht für den Oktober nicht genauso beginnen muß...
Also, was ist diesen Monat passiert?
Der Container raubt uns allen mittlerweile den Schlaf. Aber vielleicht fange ich besser von Vorne an. Zunächst wurde behauptet, daß irgendwie auf dem Weg von Deutschland nach Indien, die für die Auslösung des Containers am Hafen extrem wichtigen Originalpapiere verloren gegangen sind. Große Aufregung! Viele Telefonate und Suchnachfragen per Internet ergaben, daß die Papiere doch nicht verloren gegangen sind, sondern nur bisher nicht zugestellt wurden. Was die Sache nicht vereinfachte, denn da waren sie trotzdem nicht. Also warten. Und wieder Telefonate, um heraus zu finden, wer sie hat und wo sie sind. Ohne Erfolg, zum Thema Datenschutz möchte ich hier nichts weiter sagen.
Trotzdem sind wir, auch ohne Originale, nach Chennai gefahren, um die Containersuche zu starten. Eine Reise nach Chennai bedeutet für uns von Pondy aus um 4.30 Uhr aufstehen, 5.00 Uhr los zum Busbahnhof, 5.30 Uhr Bus nach Viluppuram, 7.00 Uhr Treffen mit Samy in Viluppuram und von dort mit dem Auto weiter, so daß wir gegen 11.00 Uhr Chennai erreichen. Dort haben wir bei einer Shipping Agency vorgesprochen, die Samy empfohlen wurde. Diese haben uns jedoch weitergereicht an eine andere Gesellschaft, die mit solchen Aktionen wie der unseren, mehr Erfahrung haben soll. Dort wurde dann via Internet herausgefunden, daß der Container bereits seit gut 7 Tagen in Chennai steht. Anrufen und Bescheid sagen wird in Indien wohl überbewertet. Egal, die für uns wichtige Auskunft war, alles gut, alles kein Problem, nach Vorlage der Originalpapiere könne der Container ausgeliefert werden. Also wurde über Logistisches gesprochen, wie z.B. der Transport mit dem LKW und ein Kran für das Abladen in Anaiyeri.
Zurück in Pondy haben wir zwischen Deutschland und Indien so gut wie alles auf den Kopf gestellt UND
wie durch ein Wunder wurden die Papiere dann, wenn auch gut 10 Tage zu spät, zugestellt.
Jubel!
Also, wieder nach Chennai. Siehe Prozedur oben.
Ich mache es jetzt mal kurz. Nach 3 Tagen warten, Warten, WARTEN und immer wieder vertröstet werden und von A nach Z geschickt werden, in den gleichen, dann 3 Tage alten Klamotten haben wir uns ohne Container auf den Rückweg gemacht.
Frust!
Der Container steht noch immer am Hafen. Es fehlt ein wichtiges Papier, das nur von wichtigen Leuten ausgestellt werden kann, die natürlich Wichtigeres zu tun haben und uns zum Teil nicht einmal zuhören wollen.
Megafrust!
Auch Samy scheint zusehends ratlos, was nicht unbedingt zur allgemeinen Beruhigung beiträgt. Wir versuchen weiter, was wir können, aber bisher ist kein Land in Sicht. Nur Wasser und davon genug.
Wenn also jemand von Euch eine Idee hat, wie man einen Hilfscontainer - bestückt mit unglaublich tollem medizinisch notwendigem Bedarf - Zollfrei aus einem Hafen in Indien rausbekommt, wird ein Kreißzimmer nach ihr oder ihm benannt! Das ist doch mal eine Ansporn, oder? Also ran Leute, rein ins schnelle Internet oder setzt Euch vor oder in die Botschaften - ganz gleich welche, indisch oder deutsch -und los geht's!!!
Spaß beiseite, die Situation hier ist für uns alle nicht einfach grad, da ohne Container kein Maternity Hospital. Und jeder Tag, den das gute Stück in Chennai steht, kostet. Außerdem gehen uns langsam die Ideen aus, wen man noch fragen könnte.

Aber etwas gutes gab es diesen Monat. Samy, Annie (indische Ärztin, die im Projekt mitarbeitet), Wolfgang und ich waren für eine Woche in Bali auf einem Seminar über interkulturelle Kommunikation. Organisiert und durchgeführt hat das alles die AGEH aus Köln und ich möchte auch an dieser Stelle nochmal Danke sagen! Es waren ca. 45 Teilnehmer aus ganz Asien da und ich fand es total spannend, die unterschiedlichen Projekte, Leute und Erfahrungen kennen zu lernen.

Oh nein, ich lüge. Ein weiteres großes Highlight war Teresas Ankunft hier in Pondy, begleitet von ihrer Schwester Hanna! Leider hatte ich nicht soviel Zeit mit beiden zusammen, wegen dem Containerprogramm, siehe oben. Nun ist Hanna wieder in Deutschland - liebe Grüße!!!
Unser Team ist also komplett und eigentlich könnte es losgehen, wenn das Haus fertig wäre und der Container am Ort.
Achja, das Haus: ES SIEHT GUT AUS!!!! Heißt, vor 10 Tagen wurde die Decke auf das Haupthaus gegossen. Es regnet nicht und so hoffe ich, daß alles schnell trocknet und dann der Innenausbau starten kann. Das Küchenhaus ist sogut wie fertig, im Bad mit blauen Blümchenfliesen und ein grasgrünes Klo (kein Kommentar).
Ja, es regnet nicht, auch wenn um uns nur Wasser zu sein scheint, siehe oben. Statt dessen gönnt uns der indische Sommer nochmal einen richtigen Einblick und definiert Hitze neu.
Und quasi nebenbei nehmen wir weiter Sprachunterricht, auch wenn das Konzentrieren etwas schwer fällt.
Mein Tag sieht nun auch etwas anders aus. Morgens kurz vor 6 Uhr raus, dann eine Stunde Yoga, Frühstück und ab vor den Rechner. Das dauert den ganzen Vormittag, da ich mich in buddhistischem Gleichmut mit dieser Internetverbindung üben muß. Dann Sprachunterricht und ab zum Markt, um Menschen zu sehen und Essen einzukaufen, kochen, essen und Tamil lernen. So läuft das hier normaler Weise, wenn nicht grad Containerprogramm läuft. Aber es geht mir gut und ich habe trotz allem das Gefühl, daß das schon irgendwie gehen wird. Und ich mag es!!!

Gut, nun drückt alle kräftig die Daumen, daß sich hier jemand unseres Containers und unser erbarmt.

Eure Hanka