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Ihr Lieben zu Haus,

ES IST DA!!!

Das erste Kind in der Geburtshilfestation kam gestern, den 24.6.2011, um 22.07 Uhr zu Welt. Es ist ein Junge, der sich, wie Jungen nun manchmal so sind, etwas Zeit gelassen hat, aber letzten Endes ließ sich die Spontangeburt nicht verhindern. Mutter und Kind sind also wohlauf und haben heute Nachmittag in Begleitung sämtlicher Familienangehöriger das MHC gesund und munter verlassen. Wir haben sie in ihre Hütte begleitet, damit wir sie für spätere Nachsorgenbesuche besser finden können und durften den Zeremonien zur Begrüßung des kleinen Menschen beiwohnen.
Aber nun erst mal ein kurzer Abriss der letzten Tage:
Die Schwangere, Mrs. Karalaira, kam bereits vor drei Tage zur Schwangerenvorsorge ins MHC, da der errechnete Termin bereits am 13.6. war und bisher noch immer keine Wehen eingesetzt hatten. Alle von uns durchgeführten Untersuchungen waren aber normal und unauffällig. Da wir weiterhin ohne Visa und Arbeitserlaubnis im Land sind, wollten wir sie trotzdem der Frauenärztin vorstellen, die für uns momentan noch die unterschreibende Fachärztin ist. Da diese Ärztin, Dr. Poomadu, jedoch in Viluppuram lebt und arbeitet, sind wir tags drauf mit noch einer weiteren Schwangeren zu ihr gefahren, um abzuklären, dass wir nicht noch weitere Gesetze brechen. Nach der Untersuchung von Dr. Poomadu wurden wir zu einem Ultraschallspezialisten geschickt. Nach gut 3 Stunden Wartezeit, machte der dann seinen Schall und änderte kurzer Hand den Termin auf den 27.7. Somit wieder im legalen Feld fuhren wir zurück und bestellten Mrs. Karalaira einen Tag später noch einmal zur Kontrolle zu uns ein. Soweit kam es dann aber nicht, denn in derselben Nacht setzten gegen 3 Uhr morgens die Wehen ein. Um 6 Uhr wurde Annie, unsere indische Ärztin im MHC, informiert, dass die Wehen jetzt heftiger sind und Mrs. Karalaira gern zu uns kommen würde. Leider war der Ambulanzfahrer nicht erreichbar und so habe ich sie, zusammen mit Anbarasu, aus dem Nachbarort, ca. 8km entfernt abgeholt. Dort erwartete uns eine strahlende Schwangere.
Als wir das MHC gegen 7 Uhr erreichten, kamen die Wehen alle 8 Minuten, heißt, für eine Erstgebärende wie Mrs. Karalaira, das könnte noch etwas dauern. Den Tag haben wir ganz gut rumgebracht, da ständig andere Besucher für unsere wehende Frau kamen und man sich einfach auch viel zu erzählen hatte. Außerdem konnten Annie, Mary-Agnes und ich die Zeit gut nutzen, um in die unendlichen Weiten der Geburtshilfe einzufühlen, was sehr interessant und auch schön war.
Bis ca. 18 Uhr wurden die Wehen nicht mehr, aber auch nicht weniger; am Anfangsbefund änderte sich dadurch aber leider nicht viel. Also nahmen wir ein leichtes, sehr sehr leichtes, Schmerzmittel zu Hilfe, auch mit der Vorstellung entweder - oder. Mrs. Karalaira entschied sich für „oder“ und eröffnete, auch ohne dass die Wehen wesentlich mehr geworden wären. Um es etwas abzukürzen, kurz nach 10 erblickte der bisher leider namenlose kleine Kerl das Licht der Welt; 2560 g, 51 cm und mit echten Übertragungszeichen.
Dieses Ereignis bringt gleich dreifach Glück, mal abgesehen von dem Glück was alle Beteiligten hatten: zum einen wurde das Kind an einem Freitag geboren – unglaublicher Glückstag, dann ist es ein Junge – ja, was für ein Glück und dann auch noch eine normale Geburt – unfassbares Glück!!! Um sich dafür zu bedanken, werden morgen, Sonntag, gleich 6 Messen in den umliegenden Kirchen für das MHC und für Mutter und Kind abgehalten.
Mrs. Karalaira ist auch ohnedies – da Hindu – überglücklich und die erste, der in der Umgebung von Anaiyeri eine menschenwürdige Geburt ermöglicht wurde.

Ich bin froh und dankbar, dass ich Mrs. Karalaira bei der Geburt ihres Kindes begleiten durfte!
Und ich danke allen, die dies ermöglicht haben!

Seit lieb gegrüßt, von einer glücklichen, wenn auch totmüden

Hanka