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Der Juni 2011 5 Years, 6 Months ago

Ihr Lieben zu Hause,

damit ich nicht ganz so aus dem Tritt mit meinen Monatsberichten komme, nun auch von mir noch einmal eine grobe Zusammenfassung des Juni 2011 in Indien. Wolfgang hat ja in letzter Zeit auch fleißig die „Aktuellen Infos“ gepflegt, so hoffe ich, dass ich nun nicht alles wiederhole.

Die gute Nachricht zuerst – auch wenn die ganz eigentlich schon in den Julibericht hineingehören würde - am Freitag dem 1.7.2011 kam das 2.Kind im MHC zur Welt. Diese Geburt fand ich persönlich viel aufregender als die Erste. Mrs. Pasarala, eine Zweitgebärende, kam mit vorzeitigem Blasensprung 12 Tage über die Zeit, gegen 16 Uhr ins MHC. Wir waren eigentlich schon auf dem Weg nach Pondicherry, um uns mit unserem Anwalt zwecks Visadrama zu treffen. Das haben wir dann kurzerhand verschoben und ich konnte meine neugekauften homöopathischen Kügelchen, zum Einleiten der Wehen, ausprobieren. Alle überzeugten Schulmediziner von Euch werden jetzt sicher die Augen drehen, aber es hat geholfen und gegen 18.30 Uhr waren die Wehen regelmäßig und kräftig. Was jedoch meine innere Unruhe nicht wirklich lockerte. Jedenfalls kam das Kind mit einer Nabelschnurumschlingung und ziemlich blau, aber sich direkt über alles ärgernd, ganz normal auf die Welt. Der Kopfumfang von 36 cm! ist für eine deutsche Frau schon viel – normal sind 34 cm – aber für die kleinen und doch recht zarten indischen Frauen: Hammer! Nach der Geburt der Placenta haben wir dann auch gesehen, dass das Kind nicht nur einen großen Kopf hat, sondern auch viel Glück. Wie Wolfgang bereits erzählt, lag der Ansatz der Nabelschnur nicht - wie normal - auf dem Mutterkuchen selbst, sondern auf den Eihäuten. Wäre der Blasensprung (einreißen von Eihäuten) in diesem Bereich passiert, wäre das Kind verblutet, ohne dass irgendjemand etwas hätte machen können.

Unsere beiden indischen Kollegen Dr. Annie und Mary-Agnes, die natürlich anwesend waren, waren auch sehr überrascht, haben von dieser Erscheinung aber noch nichts gehört.

Insgesamt lief es unter den beiden Geburten zwischen allen beteiligten sehr gut. Wir haben uns gut verstanden und ich würde schon gar das Wort harmonisch verwenden. Mein Tamil ist ja leider noch immer nicht so herzeigbar, aber bringt zumindest auch das schmerzverzerrteste Gesicht zum Lächeln. Somit ist die Sprache unter den „Medizinern“ schon überwiegend Englisch, wird aber direkt an die Frau übersetzt, wovon ich natürlich viel lernen kann.

Wir haben nach der 1. Geburt nun auch die ersten Nachsorgen durchführen können. Wenn wir mit dem weißen Auto in die Dörfer fahren, löst das immer noch einen ziemlichen Trubel aus; man könnte doch meinen, dass sich die Leute irgendwann an unsere Weisnasen gewöhnt haben… Jedenfalls geht es unserer ersten Mutter mit Kind weiter sehr gut. Das Kind hat gut zugenommen und mit dem Stillen gibt es keine Probleme. Die Rückbildung der Gebärmutter ist wunderbar; bis auf den Wochenfluss, der soll wohl nur noch spärlich laufen, wobei mir nicht ganz klar ist, wie man das Beurteilen kann, wenn die Frau keine Unterhose trägt.

Das Kind hat nun sogar auch schon seine Geburtsurkunde, somit wird sein Geburtsdatum sicher nicht vergessen werden können, wie das leider seiner Mutter passiert ist. Und das ist keine Seltenheit, von den ca. 10 Schwangeren, die wir bisher zur Vorsorge im MHC hatten, wussten etwa 4 ihr Geburtsdatum nicht.

Nun zu den weniger guten Nachrichten: es gibt weiterhin keine neuen Informationen bezüglich unserer Visa und Arbeitserlaubnis. Seit dem 24.6. sind unsere Visa wieder abgelaufen und erst seit heute (3.7.) haben wir zumindest einen Stempel in unseren Registrierungspapieren, dass die Dokumente zur Verlängerung eingereicht wurden. Damit, so sagt mein mittlerweile bester Freund der Anwalt, könnten wir gut 1 Monat im Land bleiben, ohne Probleme. Gut, dass wir das letztes Jahr nicht wussten, wo wir mit diesem Papier 6 Monate im Land geblieben sind. Nun soll wohl auch innerhalb von 1!!! Woche der Police Officer von Viluppuram bereit sein, uns einen Stempel in unsere Pässe zu drücken, dass unsere Visa verlängert sind, sagt zumindest mein bester Freund. Der möchte mich mittlerweile bei Terminen gar nicht mehr dabei haben, das muss nun alles Wolfgang allein regeln. Also die Situation ist alles andere als schön…

Was die Arbeitserlaubnis angeht kann ich auch keine Neuigkeiten erzählen. Außer, dass uns das Gewarte auf ein Gesprächstermin mit dem Amtsarzt in Viluppuram - der uns eigentlich führen sollte/wollte auf dem unendlich langen Weg zur Arbeitsgenehmigung - nun doch zu doof ist und wir versuchen werden auf eigene Faust bei den Behörden in Chennai vorzusprechen. Nach dem wir die letzten 2 Wochen wenigstens 4-mal in Viluppuram waren und mehrere Stunden in dem entzückenden Vorzimmer von Mr. Krishnaraj, dem Amtsarzt, gewartet haben und ihn nicht sprechen konnten, obwohl offensichtlich anwesend und allein.

Was uns gegenüber bei den Besuchen im Gesundheitsamt vom Personal Assistent des Mr. Krishnaraj klar ausgedrückt wurde ist die Tatsache, dass durch die Zahlung von 600.000 Rupien (etwa 10.000 Euro) alle unsere Genehmigungsprobleme, sei es Arbeitsgenehmigung oder Krankenhauszulassung, mit einmal gelöst wären.
Was ist das nur für ein Land?

Somit kämpfen wir uns also tapfer weiter durch diesen Bürokratenwahnsinn, als ob wir sonst nichts zu tun hätten. Ständig gespalten zwischen dem Bedürfnis im MHC zu sein, um für die Frauen endlich da sein zu können und dem Wissen, dass wir genau das nicht dürfen ohne gültiges Papier.

Etwas Gutes gib aber zum Abschluss doch noch: nächste Woche erwarten wir zwei Elektriker aus Deutschland – von Wolfgang liebevoll „Stromer“ genannt – die sich der Stromversorgung des MHC annehmen wollen. Vielleicht können wir dann unseren Medikamentenkühlschrank auch als solchen benutzen. Momentan hat dieser wenigstens 3-mal die Woche eine Kerntemperatur von 25°C, bei gefühlten 50°C Außentemperatur kein Wunder.

In diesem Sinne, macht Euch kühle Gedanken, ich versuch´ das jetzt auch einmal…

Alles Liebe und bis bald

Eure Hanka