Im Aufbau. Danke für Ihr Verständnis
Nachdem ich in diesem IT-Superpower-Land das vierte Mal aus dem Internet geflogen bin, jetzt letzter Versuch, Aktuelles zu plazieren. Das dauert in der Regel eine bis zwei Stunden und kostet Nerven.
Mit dem 16. September wurde der Benzinpreis in Indien um etwas mehr als 3 Rs angehoben. Das Centre for Science and Environment (CSE) verurteilt dies, da der Preis für Diesel unverändert bleibt (wegen Bus, LKW-Transport und Eisenbahn) und diese Erhöhung nurmehr den Graben zwischen den Armen (überwiegend Kleinwagen- und Motorradbesitzern) und den Reichen Autobesitzern vertiefen und ebenso ein nicht unerheblicher Verlust für die öffentliche Gesundheit darstellen würde, da zwischenzeitlich der Dieselanteil neuzugelassener PKW 36% betrüge und es an der Zeit sei, eine Steuer für SUV und andere großvolumige Luxusautos einzuführen, um diese Ungerechtigkeit zu beheben. In Madras begegnen einem tatsächlich immer mehr Toyota-Van 2,5 l, Audi (Vorsprung durch Technik), Volkswagen (das Auto), BMW, Mercedes-Benz (The best or nothing) und – Porsche. Ja! Richtig dicke Autos für richtig viel Geld. Allein in dieser Stadt werden täglich eintausend Neufahrzeuge zugelassen. Der Benzinpreis liegt also jetzt in Madras bei 70, 82 Rs. Josef Malats Umrechnungskurs zugrunde legend entspräche das in Deutschland etwa 3, 50 €/l.
Zum Glück haben die Tamilen richtig gewählt und die Chefin (CM) des Landes Jayalithaa hat wie versprochen damit begonnen, Segnungen über die Armen zu schütten, indem sie für 12 000 arme Familien Jersey Milchkühe und 4 Ziegen/Schafe für 100 000 arme Landfamilien, Küchengeräte, Tischventilatoren und Herde für Hausfrauen (250 000), Laptops für staatliche und staatlich unterstützte Schulen und 4 g Gold für zu verheiratende Töchter verteilt und verteilen läßt. Die Milchkuh-Empfänger werden eigens hierfür nach Gujarat gebracht, damit sie sich die rechte Kuh aussuchen können. Das Programm umfaßt Ausgaben in Höhe von zusammengerechnet 2353 Millionen Rs „this year“.
Für die überwiegende Anzahl der PHC soll High Tech eingeführt werden. Unter anderem Telemedizin. Hierfür werden zusätzlich 15 000 Ärzte gebraucht. Da die Medizinstudenten vom Land nicht die gute(n) Ausbildung - Möglichkeiten der (ein)gebildeten Stadt- Bevölkerung hätten, will die CM dafür sorgen, daß die Medizinstudenten vom Tamil-Land nicht an dem zentralen Eintrittsexamen zur Weiterbildung teilnehmen müssen. Die Zentralverwaltung Indiens hat diese Form der Prüfung beschlossen, um den teilweise miserablen Standard der Indischen Ärzte zu heben und gleiche Bedingungen zu schaffen ohne Möglichkeiten der korruptiven Beeinflussung. Man darf gespannt sein…
Auch im August, nämlich zum ersten, wurde vom Umweltministerium Indiens eine rechtsverbindliche Abgabe für Plastiktüten eingeführt, um die Umweltverschmutzung und den Energie-Verbrauch einzuschränken. Die Abgabe beträgt 3, 5 und 7 Rs je nach Größe der Tüte und wird in den Einkaufszentren von Chennai durchgezogen, wobei man keine Möglichkeit hat, um diese Tüte herum zu kommen, da man nur mit versiegelter Tüte hinaus kommt. Insofern ein bißchen ärgerlich, wenn ich dann mit meiner Stofftüte vom Auroville-Bäcker erst hinein will, was schwierig ist – und hinaus geht halt nicht. Immerhin ein Anfang. In Pondicherry interessiert das niemand. Und auch sonst werden weiter diese verbotenen 40 Micron Beutel verwandt, ohne daß sich irgendwer daran stören würde. Will man diesen Beutel nicht, muß man die mitleidig fragenden Blicke eben ertragen. Das geht aber.
Liebe Freunde und Wegbegleiter!
Durch meinen Exkurs ins ´Forum´ bin ich ein wenig ins Straucheln geraten, was die Zeitabfolge und die Ereignisse anlangt. Ich bitte um Nachsicht.
Um eine gewisse Ordnung wiederherzustellen erlaube ich mir, Juli, August und September in Tagebuchform niederzulegen, auch um Sie vor meinen Allgemeinbetrachtungen zu bewahren. Die E-Visa-Geschichte fand ich allerdings bemerkens - und gleichzeitig zutiefst bedauernswert, wenn man bedenkt, daß die zusätzlichen Kosten für diese Verlängerung durch gute Verständigung des Anwalts mit dem zuständigen Beamten in Viluppuram je zweihundert Euro betrugen.
Seit längerem wird durch Fasten-Aktionen maßgeblicher Persönlichkeiten wie Anna Hazare versucht, die überbordende Korruption in Indien in den Focus der Öffentlichkeit zu bringen.
Also jetzt, beginnend mit dem Eintreffen der „Elektriker ohne Grenzen“:
09-07 Josef und Jürgen, die „Stromer“ aus dem Chiemgau, treffen in Anaiyeri ein
10-07 Ausflug nach Panamalai Hills, einem Tempel mit atemberaubendem Weitblick
11-07 Treffen mit Elektrikern aus Chennai zur Klärung der Notwendigkeiten. Dr. A. Arokiasamy anwesend
12-07 Ein ganzer Tag Anrufe von Hanka im „Nursing Council“ in Delhi bezüglich der notwendigen Arbeitsgenehmigung, die vom Amtsarzt gefordert wurde. Erfolglos
13-07 Vorsprache im Cluny-Hospital in Pondy zur Erlangung der Kenntnis des Weges, um eine Arbeitsgenehmigung zu erhalten. Erfolglos. Am Abend Gespräch mit Herrn Dr. Kalimuthu, der die Arbeitsrechtliche Situation klar macht und uns wegen möglicher polizeilicher Konsequenzen dringend davon abrät, unsere Arbeit wieder aufzunehmen. Sepp und Jürgen haben uns begleitet
14-07 Französischer National-Feiertag in Pondicherry
15-07 Treffen mit A. Arokiasamy im PMD-Centre wegen der fehlenden Arbeitsgenehmigung. Es wird beklagt, daß man falsch geleitet worden sei. Zusammen mit Sepp und Jürgen, die sich die Zeit mit einer Besichtigung des Zentrum verkürzt haben, in Pondicherry Bestellung der Kabel und des Zubehörs für die notwendige Umgestaltung der elektrischen Anlage des Rural Maternity Health Centre
18-07 Planung der Aushub-Arbeiten für die Erdkabelverlegung
19-07 Frau Doktor M. Kalasree aus Gingee wird als zukünftig mitwirkende Frauenärztin und Anästhesistin vorgestellt. Einmal pro Woche für zwei Stunden wird sie dem MHC zur Verfügung stehen und auch sonst in Notfällen. Dr. A. Arokiasamy anwesend
22-07 Vorbereitung zum Umbau der Fenster auf nach außen öffnend. Weshalb das nicht sein soll, wurde im Vorfeld tagelang besprochen. Mit einigen MHC-Mitarbeiterinnen (den Putzfrauen) reinigen wir Deutsche die Grundstücke um die Mauer des MHC von dem von hier hinüber geworfenen Müll (von Plastikflaschen über Biomüll bis zu Pampers ist alles dabei). Auf dem MHC-Gelände gibt es ein Müll-Haus mit sechs Mülltonnen zum Zwecke der Abfall-Trennung
25-07 Cara Weltermann, eine Schwesternschülerin aus Heidelberg, trifft in Pondy ein. Sie will 4 Wochen in Tamil Nadu hospitieren
28-07 Beginn der Grabungsarbeiten für die Erdkabel
29-07 Vorstellung Caras in St. Thomas-Hospital in Chetpet zur Frage der Übernahme, da für MHC keine Genehmigung vorliegt. Sr. Maria Rathinam und Sr. Nirmala freuen sich auf Caras Einsatz ab 01-08
05-08 Jürgen und Sepp fliegen nach wohlgetaner Arbeit nach Bayern zurück. Wie im Forum beschrieben anschließende E-Visa-Verlängerung in Chennai (2 Tage)
09-08 Vorsprache im Tamil Nadu Nursing Council erneut wegen Hankas Arbeitsgenehmigung. Dieses Warten auf die Chef-Nurse Frau Dr Josephine
11-08 dauert eben drei Tage. Hanka erhält Papiere und den Hinweis, daß ihre Universität die Zeugnisse und Unterlagen direkt an das Indische Nursing Council in Delhi schicken muß. Ihre übersetzten Unterlagen werden nicht akzeptiert
22-08 Treffen mit A. Arokiasamy und Anbarasu im Büro von RA Giridhar in Chennai, der das Bekannte bestätigt und anfügt, daß die Papiere wegen häufiger Fälschungen direkt von der Uni an die Zentralbehörde geschickt werden müssen.
23-08 Geburt im MHC. Begleitet wird die Drittgebärende bei der Geburt ihres dritten Mädchens von Frau Dr. Kalasree, Frau Dr. Annie und Schwester Marie-Agnes. Das Kind wiegt 2000 g und alles scheint gut. Einige Tage später verstirbt das Kind zu Hause
24-08 Joint-Director-Inspection des MHC. Es geht um die technische Ausrüstung und die Einhaltung bestimmter Indischer Krankenhaus-Regelungen
03-09 Ganz Indien feiert das Fest für Ganeshan, Sohn Shivas. Überall werden kleine und große Ganeshs verkauft, die dann liebevoll irgendwo zu Wasser (heilig) gelassen werden. Über 180 Ganeshs werden in Pondicherry mit Ochsenkarren und Lastwagen zunächst durch die Stadt und dann an die Pier
05-09 gebracht, wovon sie ins Meer gestürzt werden
07-09 Der Container wird von Anaiyeri nach Chennai in ein Warehouse gebracht
12-09 Zoll-Inspektion des Container-Inhalt
15-09 Für die Container-Behandlung werden 50 000 Rs angezahlt. Hanka John reist nach Deutschland
18-09 Entbindung im MHC unter Leitung einer wohl erfahrenen Schwester, die auch im St. Thomas Hospital in Chetpet gearbeitet hat. Das Kind wog 3800 g, ein Knabe und allen geht es gut
25-09 Frau Rekha, eine Zweitgebärende, bringt einen Sohn zur Welt. Sie war 14 Tage über Termin wie man wußte. Das Kind wog 3500 g und Mutter und Kind sind wohlauf.
Auch an diesem Tag nehmen in Wertheim/Main, Deutschland 467 Menschen am Benefiz-Lauf ´für eine bessere Welt´ des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium teil. Von hier aus danke ich allen für diese wundervolle Idee und für die Unterstützung, die wir von Ihnen erfahren
Mit dem 30-09 liegt das Prüfungs-Ergebnis des Joint-Direktors nicht vor. Lt. Auskunft müsse eine Pharmazie eingerichtet werden, die mit Klima-Anlage nunmehr auf der Terrasse des MHC gebaut werden soll. Der Apotheker wird nur einmalig für den Vertrag bezahlt, den Verkauf der Arzneimittel werden die Sprechstunden-Hilfen übernehmen. Der Container wird zur Zeit im Hafen festgehalten, da eine EORI Nummer fehlt. Herr Dr. A. Arokiasamy hat am 27-09 seine Bewerbung für das Präsidentenamt im Kakkanur-Bereich eingereicht. Seine Frau steht nicht zur Wiederwahl. Der Ambulanz-Fahrer Britto, ein 21jähriger Mann, erhält 4000 Rs Monatslohn. Der Generator hat nach dem Einbau eines Gebraucht-Teils zur 12 V – Stabilisierung den Automatikbetrieb eingestellt. Der Bericht der Elektriker steht Interessierten auf Anfrage per Post zur Verfügung.
http://www.thehindu.com/todays-paper/tp-national/tp-tamilnadu/article2472432.ece
beschreibt, was in Indien mit Medizinern ohne gültige Papiere geschieht. Gültig meint, vom Staat Indien anerkannt. Zum Verständnis
Soviel heute. Ich danke Ihnen allen! Für Ihre Geduld und Nachsicht, für Ihr
Interesse und Teilnahme, für Ihr Verständnis. Und für Ihre Unter – Stützung, die
wesentlich zum Gelingen dieser Aufgabe beigeträgt.
Ihnen alles Gute! Mit herzlichen Grüßen!
Ihr Dr. W. Donné
P.S.:
Am Sonnabend, 24-09 sollte die O2-Flasche, die -nach meiner Kenntnis- unbenutzt, ihren Inhalt eingebüßt hatte, abgeholt werden. Nach Mehrfach-Telefon-Anrufen am Sonntag ist das tatsächlich auch um 17 Uhr geschehen. Mit heute (30-09) habe ich nichts mehr von der Flasche gehört oder gesehen. Bemerkenswert hierbei ist, daß dieser Druckbehälter von mir als neu gekauft und bezahlt wurde. Das Aussehen läßt eher Altersschwäche vermuten. Gekauft bei Avasarala-Technologies, die den Indischen Markt für Narkose-Geräte dominieren (wollen). So ist das hier! Gutes Gelingen! Überall wird geputzt und gestrichen für Gandhis Geburtstag am 02-10. Das ist die andere Seite: Wie liebevoll und aufmerksam Linien nachgezogen und Girlanden angebracht werden. Aber das kennt man auch von anderswoher