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In der Ruhe liegt die Kraft 2011 August
In der Ruhe liegt die Kraft 5 Years, 5 Months ago
E-Visa/Work-permit
Am 05-08-2011, nachdem wir unsere beiden Stromer nach erfolgreich beendeter Spannungs-Tätigkeit wieder zum Flughafen nach Chennai gebracht hatten, machten wir uns auf den Weg zum „Under-Secretary to Govt. of Tamil Nadu, Public Department (Foreigner)“ in die alten Räume der Tamil Nadu Hauptverwaltung, nachdem die neue (alte) filmschauspielende CM (Chief Minister) des Staates den Umzug in das von der Vormals-Regierung erbaute, 45 Mio. € teure Gebäude wie vor der Wahl angekündigt rückgängig gemacht hatte.
Wir mußten also nicht lange suchen, da wir erst zu Beginn des Jahres 2011 in diesen Räumen die Verlängerung des E-Visum bis 23-06-2011 erhalten hatten.
Es ist einfach besser, persönlich zu erscheinen, statt sich auf Anwälte zu verlassen, welchen man hinterher telefonieren muß.
Der Rest war einfach: Die freundliche Dame suchte in einem dicken Buch unsere Namen, fand diese unter dem Eintrag vom 27-07-2011 und bereitete mit Hilfe der Chefin die Verlängerung des E-Visum bis 23-06-2012 vor, welche wir per Stempel und Unterschrift dann nach(!) 4 Uhr p.m. erhielten. Der Tag war also für diesen Stempel verbraucht. Aber immerhin. Wir haben also jetzt ein E-Visum:
E für EMPLOYMENT. Das heißt, der Arbeitsvertrag mit der PMD kann bis zu diesem Zeitpunkt aufrecht erhalten werden.
Das heißt nicht, daß wir arbeiten dürfen, da wir die hierfür notwendige Arbeitsgenehmigung (W-Permit), die eine schriftliche Anerkennung unserer Zeugnisse durch die Indische Zentralverwaltung voraussetzt, nicht haben.
Da dieser Unterschied schwer zu vermitteln ist, traf ich mich am 06-08-2011 um 19:30 Uhr mit dem Chief Medical Officer von Pondy, der die Problematik deutlich erkannte:
Sie brauchen also eine schriftliche Anweisung der notwendigen Schritte, um in Tamil Nadu als Hebamme, bzw. Arzt arbeiten zu können, damit die Deutschen Ihre derzeitige Situation, nicht arbeiten zu dürfen, verstehen. Er rief den DDH in Viluppuram an, um von diesem ein solches Schreiben zu erwirken.
Meine insgeheime Wette über den Ausgang dieses Gesprächs habe ich gewonnen:
Der DDH, Herr Krishnamurti, verwies auf das Medical Council in Madras, wo man die „Rules and Regulations für im medizinischen Bereich in Tamil Nadu tätige Ausländer“ erhalten würde. Herr Kalimuthu, Chefoberster Doktor in Pondy, hat versprochen, mir den Namen des Verantwortlichen in Madras zu geben, damit das Verfahren zur Verständlich-Machung der Verwaltungs-Schritte nicht zur unendlichen Geschichte ausartet.
Ungeachtet dessen hat er mich nochmals eindringlich darauf hingewiesen, daß die Aufnahme einer Tätigkeit ohne Vorliegen einer Genehmigung – wie überall in der Welt, so auch in Indien, eine Straftat ist. Ich hatte das wohl verstanden.
Bleibt zu hoffen, daß es zwischen Indien und Deutschland Anerkennungsverträge der entsprechenden Zertifikate gibt. Wenn nicht, greift die Prozedur der Anerkennung ausländischer Berufszeugnisse wie ich sie von meinem Klinik-Alltag kenne:
Anerkennungsjahr in einer zugelassenen Einrichtung, Prüfung und ggf. Sprachtest.
Dann war´s das!
Bleiben Sie uns verbunden!
Ihr Dr. W. Donné
Der Sonntags-Hindu ist immer lesenswert: Gefälschte Zugangspapiere zum Medizin-Studium, Betrügereien ungeahnten Ausmaßes, Korruption ohne Ende und – die Suche nach einer Verwendung des Neuen Chief Secretariat in Chennai, geplant von Deutschen Architekten, die zu meinem Erstaunen u. a. den Bahnhofs-Vorplatz in Koblenz gestaltet haben. Irgendwie hatte ich den Namen schon mal gehört oder gelesen.. http://www.gmp-architekten.de/en/projects.html dann „T“ „Tamil Nadu Legislative Assembly Complex“ und bewundern. Laut Hindu hat das Ensemble bislang 500 Millionen Rupien gekostet, was nicht den von mir o. g. 45 Mio € entspricht.
Armes Indien?! Bei http://www.thehindu.com/news/states/tamil-nadu/article2331534.ece?homepage=truen kann man nachlesen.
Juli 2011
Der Juli 2011 5 Years, 5 Months ago
Hallo Ihr Lieben,
Seit dem 19. Juli sind wir genau 2 Jahre in Indien. Im Rückblick ist die Zeit unglaublich schnell vergangen. Es war eine sehr aufwühlende Zeit, meistens hatte ich das Gefühl von einer Katastrophe zur Nächsten zu rutschen, aber in Summe muss ich sagen, haben wir doch alles irgendwie gemeistert. Und darauf bin ich auch ein wenig stolz. Denn da waren die unverständlichen Verzögerungen am Hausbau, die Tatsache, dass wir seit Anfang 2010 die meiste Zeit allein auf der Baustelle gearbeitet haben, damit es wenigstens etwas weiter geht – zur Erinnerung: vor 1 Jahr, also Juli 2010, war es noch nicht möglich in der Geburtshilfestation zu Übernachten, da es noch nicht einmal eine funktionierende Toilette gab. Wir sind also täglich von unserer Wohnung in Pondicherry nach Anaiyeri gefahren; täglich 70 km hin und wieder zurück, bei dem Verkehr. Dann waren da die Riesensorgen um den Container, Visaverlängerungstragödie erste Teil, die mittlerweile zum zweiten Teil erweitert wurde und, und, und.
Wenn auch mit vielen Bedenken, Zweifeln und schlaflosen Nächten verbunden, ging es am Ende doch immer, wenn eben auch mit großer Verzögerung. Als dann Ende Juni 2011 die ersten Kinder im MHC geboren wurden, hatte ich endlich – nach so langer Zeit – das Gefühl, ich bin hier richtig. Angekommen. Die ganze Mühe im Vorfeld schien sich gelohnt zu haben und nun können wir so richtig durchstarten. Medizinisch lief auch alles bestens, das hat sich natürlich herumgesprochen und viele Frauen kamen in Folge zu Vorsorgen oder auch um einfach mal zu gucken. Alles schien sich nun doch zu finden und ich dachte: siehste mal Hanka, manchmal lohnt es sich wirklich zu warten.
Da Probleme wohl aber die Eigenschaft haben nie vollständig zu verschwinden, um nicht zu sagen auch zu einer gewissen Vermehrungsquote neigen, begannen Mitte dieses Monats Probleme, mit denen ich nie gerechnet hätte und deren Auswirkungen verheerende Ausmaße angenommen haben. Begonnen hat alles damit, dass wir unsere dritte wehende Frau verlegen mussten, Wolfgang hat dies bereits ausführlicher unter „Aktuelle Infos“ beschrieben. Als wir nachts um 4 Uhr mit unserer Frau in dem ein Jahr alten staatlichen Krankenhaus ankamen und die Zustände in dieser Klinik sahen, war ich mehr denn je davon überzeugt, dass die Arbeit, die im MHC bereits begonnen wurde, extrem wichtig ist.
Ihr könnt es Euch nicht vorstellen!
Die fünf! diensthabenden Krankenschwestern wurden durch unser Kommen geweckt und waren nicht sehr erfreut. Dick und rund, in ihre Schwesternuniform gepresst und einem, wenn auch etwas verrutschten, Häubchen auf dem Kopf glichen sie eher einer aufgeblasenen Karikatur ihres Berufsstandes. Unsere Frau wurde auf eine blutige Unterlage gelegt, keine Ahnung wie viele Frauen vor ihr da schon liegen mussten, und wir wurden gebeten draußen zu warten. Dort hing eine Tafel mit den Geburten- und Sterberaten der letzten Monate. Ich hab es nicht mehr genau im Kopf aber von etwa 230 Geburten im Monat März gab es 17 Totgeburten (Kinder, die am Termin Tod geboren werden). Und das in einer Klinik mit allen Möglichkeiten (OP, Narkosearzt, Kinderarzt, Medikamenten etc.). Ein Blick in das gegenüberliegende Zimmer gab eine kleine Erklärung für diese Zahlen. Da lagen in einem etwa 15m2 großem Raum 6 Frauen, auf den bereits bekannten Metallbrettern, nackt, ohne Trennwand, sich hin-und her drehend, stöhnend, weinend, einigen liefen Blut oder andere Flüssigkeiten zwischen den Beinen heraus. Alles voller Mücken und sonstigem Getier, alles dreckig und keine Betreuung. Ein Anblick, den ich nie vergessen werde! Zurück bleibt die Frage, wie können Menschen – in dem Fall Frauen – anderen Frauen eine solche menschenunwürdige Behandlung zukommen lassen? Ich war so schockiert und aufgeregt, dass ich selbst auf der Rückfahrt noch am Zittern war. Ist es wirklich so schwer zu putzen oder einer Frau mal gut zuzusprechen?
Aber das nur nebenbei, denn was ich eigentlich erzählen wollte, war die doch sehr eindringliche Nachfrage der diensthabenden Frauenärztin, wer denn die Papiere, die wir über unsere Frau hatten, geschrieben habe. Es wurde von Dr. Annie zunächst versucht der Antwort auszuweichen, aber dann doch gesagt, dass ich das war. Der prüfende Blick der Ärztin auf die Papiere, dann auf mich und wieder auf die Papiere hinließ ein sehr ungutes Gefühl. Im Auto kam mir dann der Gedanke, dass ich, da ohne Arbeitsgenehmigung, eigentlich froh sein kann, dass die Gute nur komisch geguckt hat.
Ja, die Arbeitsgenehmigung ist ein weites Feld und offensichtlich das größte Staatsgeheimnis überhaupt, denn auch in Deutschland ist es wohl unmöglich herauszubekommen, wie man an so einen Zettel hier in Indien kommt. Aber auch vor Ort ist das nicht so einfach.
So waren wir diesbezüglich in Chennai und haben beim Nursing and Midwife Counsel vorgesprochen. Großes Erstaunen gab es, da ich eben „nur“ ein Hebammendiplom habe und keines über Krankenpflege vorlegen konnte. Erklärungen meinerseits wurden zwar interessiert angehört, am Ende konnte man mir jedoch nicht weiterhelfen und ich wurde an die Zentrale in Delhi verwiesen. Nach 9! Tagen vergeblichem E-Mail Schreibens und endlosen Telefonwarteschlangen konnte ich endlich in Delhi jemanden erreichen. Nur leider war ich da anscheinend auch falsch, ich solle mich doch bitte an die All India Assoziation wenden. Die Zentrale in Delhi ist nur für die Vergabe von Ausbildungsplätzen zuständig. Adresse oder irgendeine Kontaktmöglichkeit konnte man mir nicht geben, das könne ich doch im Internet nachsehen. Kann ich, wenn denn dazu irgendetwas zu finden wäre, was mir bei meinem Problem irgendwie weiterhilft. In meiner Verzweiflung bat ich Samy um Hilfe. Er, als mein indischer Arbeitgeber, ist immerhin der eigentlich Verantwortliche für die Besorgung der Erlaubnis. Er versprach, sich mit einem Bekannten in Verbindung zu setzen und mir die Telefonnummer dieser Assoziation zu organisieren. Darauf warte ich immer noch.
Da alle unsere Wege bisher im Sand verliefen, kam uns die Idee, einen Bekannten in Pondicherry um Rat zu bitten, bei dessen Frau ich Anfang 2010 ein Praktikum in deren privater Frauenklinik machen durfte. Dieser Bekannte, selbst Arzt und mittlerweile Chief Medical Officer der Regierung von Pondicherry, war immer sehr hilfsbereit und freundlich und so auch diesmal. Er nahm sich direkt Zeit, sich unsere Sorgen anzuhören. Da er sehr gut bekannt ist mit dem Amtsarzt in Viluppuram, rief er diesen auch sogleich an, um sich über die Rechtslage bezüglich Arbeitsgenehmigung in Tamil Nadu zu informieren. Und dann kam es, die Rechtslage, so der Amtsarzt, schreibt vor, dass wir zunächst ein 1-jähriges Praktikum an einem stattlichen Krankenhaus machen müssen, ein sogenanntes Anerkennungsjahr, danach sind Examina in Medizin und der Landessprache zu schreiben und erst dann würden wir die Genehmigung bekommen.
Schock!
Unser Arbeitsvertrag läuft in genau einem Jahr aus, bis dahin sollte eigentlich alles soweit laufen, dass unsere indischen Kollegen die Geburtshilfestation allein weiter führen können.
Auf unsere dann schon sehr verzweifelt vorgebrachte Nachfrage, ob es denn wirklich keine andere Möglichkeit gäbe in Tamil Nadu zu arbeiten, wurde unser Bekannte auf einmal sehr ernst und machte uns mit Nachdruck klar, dass es anders nicht geht, denn wie soll man sonst unsere Qualifikation prüfen. Es gäbe nur eine Möglichkeit, wir müssen unseren Arbeitsvertrag verlängern. Und das ist unmöglich. Wenn wir trotzdem, also ohne Genehmigung, arbeiten würden wären wir in der gleichen Liga wie Quacksalber und das würde mit Gefängnis und Geldstrafe bestraft – weiß ich, hab ich schon oft genug in der Zeitung gelesen.
Auf dem Weg aus seinem Büro stieg mir schon das Wasser in die Augen. Ich verstand definitiv nichts mehr!
Diese Information gab ich direkt an meine Entsendeorganisation die AGEH und an Samy weiter. Die Antwort aus Deutschland ließ nicht lange auf sich warten: Arbeitsverbot, bis die Situation geklärt ist.
Seitdem, das war am 15.Juli, sitze ich nun in Pondicherry, da es für mich zu schmerzhaft ist in der Geburtshilfestation zu sein und Dr. Annie und Schwester Mary-Agnes beim Arbeiten zuzuschauen. Außerdem möchte ich nicht in die Verlegenheit kommen medizinisch zu arbeiten, da ich es eben einfach nicht darf.
Stillstand. Von 100 auf 0 in 1 Sekunde, das tut weh.
Die Tage hier in Pondi sind lang, viel Zeit zum Denken und Grübeln. Der Klassiker ist dabei: Warum war es Samy nicht möglich, die Papiere, die Teresa und ich ihm im Dezember 2009! gegeben hatten – alle Zeugnisse, formloser Antrag -, an den Amtsarzt in Viluppuram weiterzuleiten?
Gefolgt von: Wieso hat er auf meine Nachfragen bloß geantwortet, dass es ausreicht, wenn wir die Papiere abgeben, wenn die Geburtshilfestation angemeldet wird? Die Ausstellung einer Arbeitsgenehmigung würde dann ganz automatisch gehen. Hat er sich das ausgedacht? Der Amtsarzt ist damals wie heute der gleiche.
Ich bin verzweifelt, müde und wie gelähmt.
Mittlerweile kam Samy auf die Idee einen Anwalt in Chennai einzuschalten, der sich der ganzen Sache annehmen soll. Von diesem kam am 28.7. eine E-Mail, dass durch die Zahlung von 25.000 Rupien (etwa 400 Euro) die Arbeitsgenehmigung durch den Direktor des Nursing/Midwife Councel in Chennai ausgestellt werden kann. Was heißt das, er kann, muss aber nicht? Wie ist denn nun die Gesetzlage? Anerkennungsjahr oder nicht? Was wird denn der Amtsarzt sagen, wenn wir ihm die Arbeitsgenehmigung vorlegen und er doch genau weiß, dass wir kein Anerkennungsjahr gemacht habe und keine Examina geschrieben haben? Will er dann vielleicht 50.000 Rupien, um den Mund zu halten?
Ist das alles ein schlechter Scherz oder will der Anwalt sich nur bereichern?
Oder geht hier alles nur ums Geld? Keine Moral?
Psychoterror ist ein Scheiß dagegen!
Heißt das, ich kann wieder hoffen?! Wird nun doch alles gut, oder was?
Ich weiß nicht, ob ihr Euch das vorstellen könnt, aber aus dem Loch, in das ich vor nunmehr 2 Wochen hineingeworfen wurde, komme ich einfach so schnell nicht wieder raus. Die Mail des Anwalts war für mich kein Grund zu Freude, stattdessen noch mehr Fragezeichen und Unverständnis.
Und keine Reaktionen von den Verantwortlichen aus Deutschland. Ich fühle mich hilflos.
Ich hänge also weiter in der Luft, immer zwischen „es ist alles aus“ und „vielleicht hilft der Anwalt doch“. Das lähmt mich und jeder Tag, an dem keine Neuigkeiten kommen, verstärkt den Frust, die Wut und die Traurigkeit.
Auch bezüglich der Visaverlängerung werden wir von unserem Anwalt wie gewohnt hingehalten; auch von der Seite also keine Neuigkeiten. Jede Woche rufen wir an und fragen nach und bekommen zur Antwort, dass nächste Woche alles geklärt sei. Ja ja.
Kurz vor der großen Tragödie kamen unsere beiden „Stromer“ aus Deutschland und kämpfen sich seitdem tapfer durch die unendlichen Fehler der Stromverlegung im MHC. Sie machen das mit solcher Hingabe, dass ich die Gedanken „wofür denn noch“ schnell verdränge. Wolfgang hilft ihnen so gut er kann und ist ständig unterwegs zwischen Pondicherry und Anaiyeri, um Fehlendes zu besorgen.
Außerdem haben wir seit der letzten Juliwoche Cara zu Besuch, eine Krankenpflegeschülerin aus Heidelberg, die gerne ein Praktikum bei uns machen wollte. Leider geht das nun nicht, da Arbeitsverbot. Zum Glück konnten wir sie aber im deutsch-indischen-missionsärztlichen Klinikum in Chetpet „unterbringen“, wo sie sicher ein breiteres Spektrum an Krankheiten und Patienten sehen kann. Dennoch tut es mir leid.
So ihr lieben, ich werde Euch – wie immer – über jede Veränderung auf dem Laufenden halten.
Bis bald
Eure Hanka
Juni 2011
Der Juni 2011 5 Years, 6 Months ago
Ihr Lieben zu Hause,
damit ich nicht ganz so aus dem Tritt mit meinen Monatsberichten komme, nun auch von mir noch einmal eine grobe Zusammenfassung des Juni 2011 in Indien. Wolfgang hat ja in letzter Zeit auch fleißig die „Aktuellen Infos“ gepflegt, so hoffe ich, dass ich nun nicht alles wiederhole.
Die gute Nachricht zuerst – auch wenn die ganz eigentlich schon in den Julibericht hineingehören würde – am Freitag dem 1.7.2011 kam das 2.Kind im MHC zur Welt. Diese Geburt fand ich persönlich viel aufregender als die Erste. Mrs. Pasarala, eine Zweitgebärende, kam mit vorzeitigem Blasensprung 12 Tage über die Zeit, gegen 16 Uhr ins MHC. Wir waren eigentlich schon auf dem Weg nach Pondicherry, um uns mit unserem Anwalt zwecks Visadrama zu treffen. Das haben wir dann kurzerhand verschoben und ich konnte meine neugekauften homöopathischen Kügelchen, zum Einleiten der Wehen, ausprobieren. Alle überzeugten Schulmediziner von Euch werden jetzt sicher die Augen drehen, aber es hat geholfen und gegen 18.30 Uhr waren die Wehen regelmäßig und kräftig. Was jedoch meine innere Unruhe nicht wirklich lockerte. Jedenfalls kam das Kind mit einer Nabelschnurumschlingung und ziemlich blau, aber sich direkt über alles ärgernd, ganz normal auf die Welt. Der Kopfumfang von 36 cm! ist für eine deutsche Frau schon viel – normal sind 34 cm – aber für die kleinen und doch recht zarten indischen Frauen: Hammer! Nach der Geburt der Placenta haben wir dann auch gesehen, dass das Kind nicht nur einen großen Kopf hat, sondern auch viel Glück. Wie Wolfgang bereits erzählt, lag der Ansatz der Nabelschnur nicht – wie normal – auf dem Mutterkuchen selbst, sondern auf den Eihäuten. Wäre der Blasensprung (einreißen von Eihäuten) in diesem Bereich passiert, wäre das Kind verblutet, ohne dass irgendjemand etwas hätte machen können.
Unsere beiden indischen Kollegen Dr. Annie und Mary-Agnes, die natürlich anwesend waren, waren auch sehr überrascht, haben von dieser Erscheinung aber noch nichts gehört.
Insgesamt lief es unter den beiden Geburten zwischen allen beteiligten sehr gut. Wir haben uns gut verstanden und ich würde schon gar das Wort harmonisch verwenden. Mein Tamil ist ja leider noch immer nicht so herzeigbar, aber bringt zumindest auch das schmerzverzerrteste Gesicht zum Lächeln. Somit ist die Sprache unter den „Medizinern“ schon überwiegend Englisch, wird aber direkt an die Frau übersetzt, wovon ich natürlich viel lernen kann.
Wir haben nach der 1. Geburt nun auch die ersten Nachsorgen durchführen können. Wenn wir mit dem weißen Auto in die Dörfer fahren, löst das immer noch einen ziemlichen Trubel aus; man könnte doch meinen, dass sich die Leute irgendwann an unsere Weisnasen gewöhnt haben… Jedenfalls geht es unserer ersten Mutter mit Kind weiter sehr gut. Das Kind hat gut zugenommen und mit dem Stillen gibt es keine Probleme. Die Rückbildung der Gebärmutter ist wunderbar; bis auf den Wochenfluss, der soll wohl nur noch spärlich laufen, wobei mir nicht ganz klar ist, wie man das Beurteilen kann, wenn die Frau keine Unterhose trägt.
Das Kind hat nun sogar auch schon seine Geburtsurkunde, somit wird sein Geburtsdatum sicher nicht vergessen werden können, wie das leider seiner Mutter passiert ist. Und das ist keine Seltenheit, von den ca. 10 Schwangeren, die wir bisher zur Vorsorge im MHC hatten, wussten etwa 4 ihr Geburtsdatum nicht.
Nun zu den weniger guten Nachrichten: es gibt weiterhin keine neuen Informationen bezüglich unserer Visa und Arbeitserlaubnis. Seit dem 24.6. sind unsere Visa wieder abgelaufen und erst seit heute (3.7.) haben wir zumindest einen Stempel in unseren Registrierungspapieren, dass die Dokumente zur Verlängerung eingereicht wurden. Damit, so sagt mein mittlerweile bester Freund der Anwalt, könnten wir gut 1 Monat im Land bleiben, ohne Probleme. Gut, dass wir das letztes Jahr nicht wussten, wo wir mit diesem Papier 6 Monate im Land geblieben sind. Nun soll wohl auch innerhalb von 1!!! Woche der Police Officer von Viluppuram bereit sein, uns einen Stempel in unsere Pässe zu drücken, dass unsere Visa verlängert sind, sagt zumindest mein bester Freund. Der möchte mich mittlerweile bei Terminen gar nicht mehr dabei haben, das muss nun alles Wolfgang allein regeln. Also die Situation ist alles andere als schön…
Was die Arbeitserlaubnis angeht kann ich auch keine Neuigkeiten erzählen. Außer, dass uns das Gewarte auf ein Gesprächstermin mit dem Amtsarzt in Viluppuram – der uns eigentlich führen sollte/wollte auf dem unendlich langen Weg zur Arbeitsgenehmigung – nun doch zu doof ist und wir versuchen werden auf eigene Faust bei den Behörden in Chennai vorzusprechen. Nach dem wir die letzten 2 Wochen wenigstens 4-mal in Viluppuram waren und mehrere Stunden in dem entzückenden Vorzimmer von Mr. Krishnaraj, dem Amtsarzt, gewartet haben und ihn nicht sprechen konnten, obwohl offensichtlich anwesend und allein.
Was uns gegenüber bei den Besuchen im Gesundheitsamt vom Personal Assistent des Mr. Krishnaraj klar ausgedrückt wurde ist die Tatsache, dass durch die Zahlung von 600.000 Rupien (etwa 10.000 Euro) alle unsere Genehmigungsprobleme, sei es Arbeitsgenehmigung oder Krankenhauszulassung, mit einmal gelöst wären.
Was ist das nur für ein Land?
Somit kämpfen wir uns also tapfer weiter durch diesen Bürokratenwahnsinn, als ob wir sonst nichts zu tun hätten. Ständig gespalten zwischen dem Bedürfnis im MHC zu sein, um für die Frauen endlich da sein zu können und dem Wissen, dass wir genau das nicht dürfen ohne gültiges Papier.
Etwas Gutes gib aber zum Abschluss doch noch: nächste Woche erwarten wir zwei Elektriker aus Deutschland – von Wolfgang liebevoll „Stromer“ genannt – die sich der Stromversorgung des MHC annehmen wollen. Vielleicht können wir dann unseren Medikamentenkühlschrank auch als solchen benutzen. Momentan hat dieser wenigstens 3-mal die Woche eine Kerntemperatur von 25°C, bei gefühlten 50°C Außentemperatur kein Wunder.
In diesem Sinne, macht Euch kühle Gedanken, ich versuch´ das jetzt auch einmal…
Alles Liebe und bis bald
Eure Hanka
26. Juni 2011
Ihr Lieben zu Haus,
ES IST DA!!!
Das erste Kind in der Geburtshilfestation kam gestern, den 24.6.2011, um 22.07 Uhr zu Welt. Es ist ein Junge, der sich, wie Jungen nun manchmal so sind, etwas Zeit gelassen hat, aber letzten Endes ließ sich die Spontangeburt nicht verhindern. Mutter und Kind sind also wohlauf und haben heute Nachmittag in Begleitung sämtlicher Familienangehöriger das MHC gesund und munter verlassen. Wir haben sie in ihre Hütte begleitet, damit wir sie für spätere Nachsorgenbesuche besser finden können und durften den Zeremonien zur Begrüßung des kleinen Menschen beiwohnen.
Aber nun erst mal ein kurzer Abriss der letzten Tage:
Die Schwangere, Mrs. Karalaira, kam bereits vor drei Tage zur Schwangerenvorsorge ins MHC, da der errechnete Termin bereits am 13.6. war und bisher noch immer keine Wehen eingesetzt hatten. Alle von uns durchgeführten Untersuchungen waren aber normal und unauffällig. Da wir weiterhin ohne Visa und Arbeitserlaubnis im Land sind, wollten wir sie trotzdem der Frauenärztin vorstellen, die für uns momentan noch die unterschreibende Fachärztin ist. Da diese Ärztin, Dr. Poomadu, jedoch in Viluppuram lebt und arbeitet, sind wir tags drauf mit noch einer weiteren Schwangeren zu ihr gefahren, um abzuklären, dass wir nicht noch weitere Gesetze brechen. Nach der Untersuchung von Dr. Poomadu wurden wir zu einem Ultraschallspezialisten geschickt. Nach gut 3 Stunden Wartezeit, machte der dann seinen Schall und änderte kurzer Hand den Termin auf den 27.7. Somit wieder im legalen Feld fuhren wir zurück und bestellten Mrs. Karalaira einen Tag später noch einmal zur Kontrolle zu uns ein. Soweit kam es dann aber nicht, denn in derselben Nacht setzten gegen 3 Uhr morgens die Wehen ein. Um 6 Uhr wurde Annie, unsere indische Ärztin im MHC, informiert, dass die Wehen jetzt heftiger sind und Mrs. Karalaira gern zu uns kommen würde. Leider war der Ambulanzfahrer nicht erreichbar und so habe ich sie, zusammen mit Anbarasu, aus dem Nachbarort, ca. 8km entfernt abgeholt. Dort erwartete uns eine strahlende Schwangere.
Als wir das MHC gegen 7 Uhr erreichten, kamen die Wehen alle 8 Minuten, heißt, für eine Erstgebärende wie Mrs. Karalaira, das könnte noch etwas dauern. Den Tag haben wir ganz gut rumgebracht, da ständig andere Besucher für unsere wehende Frau kamen und man sich einfach auch viel zu erzählen hatte. Außerdem konnten Annie, Mary-Agnes und ich die Zeit gut nutzen, um in die unendlichen Weiten der Geburtshilfe einzufühlen, was sehr interessant und auch schön war.
Bis ca. 18 Uhr wurden die Wehen nicht mehr, aber auch nicht weniger; am Anfangsbefund änderte sich dadurch aber leider nicht viel. Also nahmen wir ein leichtes, sehr sehr leichtes, Schmerzmittel zu Hilfe, auch mit der Vorstellung entweder – oder. Mrs. Karalaira entschied sich für „oder“ und eröffnete, auch ohne dass die Wehen wesentlich mehr geworden wären. Um es etwas abzukürzen, kurz nach 10 erblickte der bisher leider namenlose kleine Kerl das Licht der Welt; 2560 g, 51 cm und mit echten Übertragungszeichen.
Dieses Ereignis bringt gleich dreifach Glück, mal abgesehen von dem Glück was alle Beteiligten hatten: zum einen wurde das Kind an einem Freitag geboren – unglaublicher Glückstag, dann ist es ein Junge – ja, was für ein Glück und dann auch noch eine normale Geburt – unfassbares Glück!!! Um sich dafür zu bedanken, werden morgen, Sonntag, gleich 6 Messen in den umliegenden Kirchen für das MHC und für Mutter und Kind abgehalten.
Mrs. Karalaira ist auch ohnedies – da Hindu – überglücklich und die erste, der in der Umgebung von Anaiyeri eine menschenwürdige Geburt ermöglicht wurde.
Ich bin froh und dankbar, dass ich Mrs. Karalaira bei der Geburt ihres Kindes begleiten durfte!
Und ich danke allen, die dies ermöglicht haben!
Seit lieb gegrüßt, von einer glücklichen, wenn auch totmüden
Hanka
Mai bis Mitte Juni 2011
Mai bis Mitte Juni 2011 5 Years, 7 Months ago
Ihr Lieben zu Hause,
lang habe ich mich nicht gemeldet, entschuldigt bitte.
Ich habe immer versucht meine bisherigen Monatsberichte offen und ehrlich zu schreiben, ich halte nichts davon, Euch etwas vorzumachen, was nicht ist. Dies möchte ich auch weiterhin beibehalten, auch wenn es nicht einfach ist.
Wie ich ja bereits im letzten Bericht angedeutet habe, gibt es Anschuldigungen aus Deutschland, die für uns nicht einfach zu handhaben sind. Um dies zu klären sind wir Ende Mai nach Deutschland gereist, um mit den Zuständigen darüber zu sprechen. Uns wird vorgeworfen, das Projekt durch unsere „Pingeligkeit“ zu verzögern und bisher noch immer nicht mit der medizinischen Arbeit begonnen zu haben. Dem aufmerksamen Leser der letzten ca. 20 Monatsberichte wird nicht entgangen sein, dass wir alles Erdenkliche tun, um das Projekt zum Laufen zu bringen und das heißt für mich auch das Haus in einen Zustand zu versetzen, dass man damit und vor allem darin arbeiten kann. Ich will mich jetzt auch nicht in elend langen Erklärungen verlieren. Wer Fragen oder Anmerkungen dazu hat, kann sich gern mit mir in Verbindung setzen (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.). Ich freue mich über jede Anfrage.
Jedenfalls konnten die Anschuldigungen nicht aus der Welt geräumt werden, was für mich eine echte Motivationsbremse ist und dadurch die Sinnfrage ganz groß rauskommt. Nichts desto trotz bin ich wahnsinnig stolz und glücklich über den Zustand der Geburtshilfestation und ich freue mich auf den Tag an dem wir endgültig eröffnen können. Dieser Tag könnte auch sehr bald kommen, wenn da nicht, ja, wenn da nicht unsere berühmten drei Probleme wären…
Eigentlich bin es auch wie a bissel leid, Euch ständig mit all den Problemen hier zu zu texten, aber siehe oben, offen und ehrlich soll es doch sein, sonst kommt Ihr auch noch auf die Idee zu denken, wir säßen hier nur in der Sonne und warten darauf, dass die fertige Geburtshilfestation vom Himmel fällt.
Also Problem 1: Aufenthaltsgenehmigung (Visa) und Arbeitserlaubnis
Ja, ja, wie schnell doch so ein Jahr vergeht, wenn man sich amüsiert…
Auch wenn unsere Visa erst im Januar verlängert wurden, laufen sie doch schon wieder am 23.6.2011 ab, da sie eben rückwirkend und nur für ein Jahr verlängert wurden. Im April haben wir wieder alle Papiere durch unseren Anwalt eingereicht. Nun hat Ende Mai die Regierung in Tamil Nadu gewechselt und einige neue Formulare müssen noch nachgereicht werden. Unser Anwalt ist weitestgehend tiefenentspannt. Dennoch laufen die Visa eben sehr bald aus und bisher haben wir noch nichts Neues gehört.
Zum Punkt der Arbeitserlaubnis kann ich eigentlich nicht viel sagen, da mir sämtliche Erklärungen abhanden gekommen sind. Wir sprechen ja nun schon seit gut 1 ½ Jahren über dieses Papier. Selbst zu Zeiten als Teresa noch da war, wurde mit Samy eifrig darüber diskutiert, da wir ohne, ganz klar, nicht arbeiten dürfen. Teresa und ich hatten sogar bereits alle Zeugnisse eingereicht. Und, ich trau es mich bald gar nicht zu sagen, von Samy wurde immer gesagt: No problem, wenn das Haus fertig ist bekommen wir ganz automatisch die Arbeitserlaubnis ausgestellt. Nun war, leider während unseres Deutschlandaufenthaltes, der Amtsarzt in der Geburtshilfestation, um diese „abzunehmen“. Dazu später mehr, nur erst mal so viel, er beanstandete, das wir nicht da sind und auch keine Arbeitsgenehmigung haben, ohne die wir nicht arbeiten dürfen – sag bloß –, diese müsse in Delhi beantragt werden. Außerdem müssen Wolfgang und ich wohl ein Examen schreiben und einen Sprachtest in Tamil ablegen.
Ok.
Wie gesagt, dazu fällt mir auch nichts mehr ein, selbst nix Ironisches.
Problem 2: die Stromversorgung
Wie im Aprilbericht geschrieben, hatten wir Jakob zu Besuch, ein Elektriker aus der Schweiz, der bei einem Zwischenstopp aus Bangladesch, unserer Stromprobleme begutachten wollte. Dies hat er auch mit Hingabe und unglaublicher Geduld getan. Sein nachfolgender Bericht ist kurz gefasst ein Arbeitsverbot für die Geburtshilfestation, da die Stromverlegung und –versorgung so miserabel ist, das ein medizinisches Arbeiten im Haus höchst verantwortungslos und fahrlässig wäre. Solche Zustände hätte er noch nicht einmal in Bangladesch gesehen und da sei eigentlich alles immer noch eine Spur heftiger. In einer gut 9 seitigen Ausführung hat er viele Vorschläge für Verbesserungen angefügt.
Nach dem wir diesen Schock verdaut hatten, haben wir unseren Aufenthalt in Deutschland auch dazu benutzt mit allen Beteiligten nach Lösungen zu suchen. Die Frage, wie es bei einem Neubau überhauptdazu kommen konnte hilft ja nun auch wirklich niemandem mehr.
Im letzten Meeting vor der Heimreise wurde uns von indischer Seite gesagt, dass ausgebildete Elektriker in Indien nicht verfügbar wären, sondern eben nur Elektriker die ihr Handwerk durch Erfahrung gelernt haben. Dagegen spricht ja generell nichts, nur scheint hier wirklich einiges schief gelaufen zu sein, was nun eben die Anwesenheit von ausgebildeten Fachmännern unumgänglich macht, die aber wiederum nur in Chennai sind und wahrscheinlich nächstes Jahr Zeit hätten, sich unserer Probleme zu widmen.
Somit gibt es für uns eigentlich nur eine Lösung: in Deutschland einen Elektriker finden, der uns helfen würden. An dieser Stelle nun endlich auch mal ein GROßES DANKESCHÖN an Heidrun und Helmut Wießner, die zu Hause der Dreh- und Angelpunkt des Vereins PIRAPPU sind. Ihr beiden seid einfach Spitze! Durch ihre Hilfe und die Hilfe von Renate Fichter – zu ihr später mehr – konnten zwei „Stromer“ gefunden werden, die sich bereiterklärt haben, nach Indien zu reisen. Sie stehen bereits in regem Kontakt zu Jakob und bereiten ihren Aufenthalt und die Arbeit hier vor. Der Einsatz der Beiden berührt mich sehr und schiebt wieder etwas Motivation nach…
Problem 3: Zulassung der Geburtshilfestation
Wie bereits erwähnt, war während unseres Heimataufenthaltes, der Amtsarzt in der Geburtshilfestation, um das Haus abzunehmen. Warum das gerade in der Zeit passierte, als wir nicht da waren, weiß ich nicht. Jedenfalls, um es kurz zu machen, hat das Haus die Zulassung nicht bekommen. Es wurde danach vom Amtsarzt ein Bericht erstellt, der auch ziemlich klar stellte, dass wir diese Zulassung eigentlich auch nicht bekommen können, da neben 2 gynäkologischen Fachärzten auch 2 Kinderärzte und Anästhesisten anwesend sein müssen. Außerdem brauchen wir einen Apotheker, der die Apotheke (ehemals Lagerraum) betreut, einen Laboranten der die bereits vorhanden Laborgeräte bedient und einen Techniker, der die medizinischen Geräte wartet. Leider haben wir nicht im Lotto gewonnen und können uns auch noch keine Leute klonen.
Nach unserer Rückkehr haben wir die volle Geschichte gehört, die nach einem gewissen Entsetzen eigentlich nur noch in einem fassungslosen Lächeln endete. Sicher kein schöner Anblick.
Jedenfalls sei unserer Ärztin Annie vom Amtsarzt empfohlen worden, Mann und Kind zu nehmen und sich ihrer Karriere zu widmen, sie wolle doch wohl nicht hier auf dem Dorf versauern. Außerdem habe er auch gefragt, wann wir denn vor hätten „dieses Drama“ zu spielen.
Drama?
Ist aktuell noch nicht genug Drama in Indien?
Nein, da dem Amtsarzt sehr wohl klar sei, dass dies alles nicht zu regeln und auch absolut nicht machbar ist, wird wohl, wie angeblich von nahezu allen Krankenhäusern hier in Tamil Nadu, eine Art 1 Tag-Theater-Show aufgeführt. An diesem Tag ist der Amtsarzt anwesend, neben dem kompletten, oben erwähnten, Personal. Die werden für einen Tag gut bezahlt, bekommen ein feines Mittagessen und erzählen dem Kontrolleur, dass sie hier arbeiten, alles wunderbar ist und überhaupt. Zusätzlich wird alles an Patienten einbestellt, was noch laufen kann und die Patientenakten eingesehen. Ziel: Es soll an einem Tag gezeigt werden, dass dieses Haus arbeitsfähig ist und bisher auch alles super gelaufen und keine Probleme aufgetreten seien. Denn, und das ist das Kuriose an der ganzen Sache, arbeiten sollte das Haus bereits vor seiner Abnahme. Wie soll denn sonst der Amtsarzt beurteilen können, ob es funktionsfähig ist?!? Wenn jedoch irgendetwas in dieser Schwebephase bis zur Zulassung passieren sollte, machen wir uns natürlich strafbar!
???
So sieht die Situation zumindest derzeit hier aus, wenn andere Informationen dazu kommen sollten, werde ich Euch auf dem Laufenden halten.
Aber insgesamt ist das alles mehr als gruselig und wir stehen beide ziemlich ratlos da.
Nun zum Abschluss aber noch was Schönes. Wir hatten vor unserer Heimreise Besuch von Renate Fichter, offiziell die Kassenprüferin von PIRAPPU und unter uns gesagt, eine tolle Frau. Da sie von Deutschland aus die ganzen Verzögerungen und Probleme nicht so richtig nachvollziehen konnte, hat sie sich kurzerhand auf den Weg gemacht, sich selbst vor Ort ein Bild von allem zu machen. Nach einer großen Lobeshymne für das Haus wurde ihr allerdings doch recht schnell klar, dass die Uhren in Indien einfach anders ticken und viele Probleme, die hier so auftreten, in Deutschland einfach nicht bekannt sind.
Sie hat hautnah unsere doch sehr großen Stimmungsschwankungen miterlebt – von morgens: alles ist super/ wir schaffen das, bis abends: nichts geht mehr. Sie hat versucht uns immer wieder aufzubauen und vor allem, sie glaubt an uns und das Projekt, versteht und kann zuhören. Dafür möchte ich nochmal DANKE sagen.
Manchmal, in all dem Durcheinander von Vorwürfen, Angriffen, Arbeit und Zeitdruck ist es eine Wohltat, wenn jemand sich die Mühe macht und versucht zu verstehen, nachfragt und zuhört.
Gut zu wissen, dass es solche Menschen doch noch gibt.
Alles Liebe und Gute für Euch.
Bis bald
Eure Hanka
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April 2011
Der April 2011 5 Years, 8 Months ago
Ihr Lieben zu Hause,
der April ist rum – Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie froh ich darum bin. Denn es gab diesen Monat einige schockierende Nachrichten und unschöne Mitteilungen, auf die ich aber nicht weiter eingehen möchte. Diese Dinge sollte man erst mal in Ruhe mit allen Beteiligten besprechen und nach Lösungsansätzen suchen. Nur so viel, die Belastungen hier werden nicht weniger.
Deshalb diesen Monat auch nur eine kurze Zusammenfassung.
Wir haben Anfang des Monats ein Notstromaggregat gekauft. Wir erhoffen uns, dass damit ein Großteil unserer Stromprobleme gelöst werden kann. Das gute Stück ist am 29.April geliefert worden. Der Anschluss wird wohl in den ersten Maitagen geschehen, mit tatkräftiger Hilfe von Jakob Schaub, einem Elektriker aus der Schweiz, der auf seinem Rückweg von Bangladesch (wo er seit mehreren Jahren ein Hilfsprojekt leitet) nach Deutschland bei uns vorbeigekommen ist. Ich finde, das ist ein unglaubliches Engagement und wir sind wahnsinnig dankbar und froh um seine Unterstützung.
Eines der Personalbadezimmer im ersten Stock ist weitestgehend fertig gestellt und benutzbar.
Der „Steriraum“ ist fertig. Er macht seinem Namen nun auch volle Ehre und hat einen funktionierenden Autoclaven, den wir bereits ausgiebig genutzt haben. Naht- und Nabelbestecke, geburtshilfliche Zangen und Saugglocken, sowie Spekula sind sterilisiert.
Auch unsere Waschmaschine hat ihren Dienst begonnen.
Die Bettwäsche für die Kreißbetten ist fertig genäht.
Wir haben angefangen, die ersten Ausbildungseinheiten für unsere indische Krankenschwester/ Hebamme Mary-Agnes und Ärztin Annie durchzuführen.
Und nicht zuletzt haben wir bisher 3 schwangere Frauen zu Vorsorgeuntersuchung in der Geburtshilfestation begrüßen dürfen. Ich hätte bald nicht mehr damit gerechnet, dass ich in der Geburtshilfestation jemals das Geräusch eines laufenden CTGs (kindlicher Herztonschreiber) höre. Die Freude darüber schafft es allerdings nur für einen Moment, die oben erwähnten Belastungen zu verdrängen.
Außerdem haben wir Kontakt zu einer deutsch-indischen Klinik ca. 1 Stunde von Anaiyeri entfernt aufgenommen. Diese Klinik hatte letztes Jahr 50 jähriges Jubiläum und begann ihre Arbeit mit der Behandlung von Leprakranken. Mittlerweile ist es ein gut funktionierendes Allgemeinkrankenhaus und ein echtes Schmuckstück. Leider wurde uns erst im April von dieser Klinik berichtet. Somit können wir erst jetzt von ihren Erfahrungen profitieren, aber besser spät als nie. Wir versuchen eine gute Zusammenarbeit mit ihnen zu erreichen; die Möglichkeit unsere sämtlichen geburtshilflichen Medikamente bei ihnen zu bestellen wurde uns bereits zugesagt.
Ja, und ihr werdet es nicht glauben, die Visaverlängerung geht in die 2.Runde. Yippie! Alle Papiere sind eingereicht, inklusive neuerdings erforderlichem polizeilichem Führungszeugnis. Lasset uns warten!
So, dass war es diesmal in aller Kürze.
Genießt die kühle Luft in Deutschland, heiß ist auch nicht immer schön.
Alles Liebe
Hanka
März 2011
Der März 2011 5 Years, 9 Months ago
Ihr Lieben zu Hause,
lasst mich diesen Monatsbericht mit der Neuigkeit beginnen, dass „wir“ – in dem Namen die Inder – seit dem 2.4.11 Weltmeister im Cricket sind! Da das Spiel nachmittags 14.30 Uhr begann, war es für uns, die eher nicht Cricketbegeisterten, die perfekte Möglichkeit wieder auf die Jagd nach noch Fehlendem für die Geburtshilfestation zu gehen, denn die Stadt war leer! Leider waren auch einige Geschäfte geschlossen, andere hatten trotz Öffnung keine Lust auf Verkauf, aber trotzdem konnten wir so einiges organisieren. Als dann abends gegen 22.30 Uhr der Sieg feststand, konnten auch wir das nicht überhören. Großartig!!! Knaller und Raketen und jede Menge Jubelrufe und nicht zu vergessen, alles was eine Hupe hat, benutzte diese auch. Da stellt sich schon so ein gewisser Lokalpatriotismus ein. WE ARE THE CHAMPIONS! Nach 28 Jahren, der nunmehr zweite Tittel für die Inder und dann auch noch im eigenen Land! Herzlichen Glückwunsch!!!
Zurück zu meinem Monatsbericht, der diesen Monat etwas holprig erscheinen mag.
Denn irgendwie kommen wir nicht so voran, wie gehofft. Zum einen stellt sich so nach und nach heraus, dass durch die lange Standzeit des Containers, doch mehr kaputt gegangen ist als zunächst gedacht. Das fängt bei sämtlichen sterilen Dingen, wie Handschuhe, Spritzen, Kanülen an, die alle abgelaufen sind und deshalb neu gekauft werden müssen. Und geht weiter bis zu den Akkus in einigen elektrischen Geräten, die durch fast 2 Jahre Nichtbenutzung total entladen waren und auch durch energisches Zureden nicht mehr zum Betrieb zu überreden sind. Sehr schade, denn es kostet nicht nur Geld, sondern vor allem unglaublich viel Zeit die nötigen deutschen Batterien, Akkus und Sicherungen hier in Indien zu bekommen.
Hinzu kommt, dass das Stromproblem noch immer nicht geklärt ist. Wir haben also weiter lustig blinkende ausgeschaltete! Glühbirnen des Nächtens in unseren Zimmern und eine nicht berechenbare Überspannung, die nicht nur unsere privaten Geräte, wie Laptops, zermürbt, sondern vor allem die medizinischen Geräte einfach, schnell und sicher kaputt macht. So haben wir nun nicht nur den Verlust des Druckers zum Schallgerät zu bedauern, sondern auch eine Untersuchungsleuchte und ein Absauggerät. Selbst beim Ultraschallgerät waren die Sicherungen schon durch und auch der Akku im Eimer; heißt, es braucht viel Zeit und Geduld und quasi eine Telefonstandleitung nach Deutschland, um das alles zu reparieren. Allerdings scheint es so, dass sobald ein Teil repariert ist, 2 andere dafür unsere volle Aufmerksamkeit beanspruchen. Nicht so schön, deshalb ist zurzeit nichts mehr am Netz, bis das geklärt ist.
Tja und da Wolfgang, naja und ich erst recht nicht, keine so wirkliche Erfahrung mit Stabilisatoren, Generatoren und UPS (Uninterrupted Power Supply) haben, können wir da auch wenig zur Hilfe beitragen. Und mir ist wirklich nicht klar, warum das alles so lange dauert, denn – lasst mich kurz überlegen – das ist doch nun alles keine Neuigkeit, oder?
Wie dem auch sei, erschwerend hinzu kommt, dass die letzte Märzwoche der Strom eigentlich mehr weg war als da. Und das heißt v.a. für Wolfgang, dass die handwerklichen Arbeiten überwiegend still liegen. So können wir zwar im Personalfrauenbadezimmer in der ersten Etage duschen, aber leider noch nicht zur Toilette gehen.
Sicher werden einige von Euch denken, dass wir ja nun mal in Indien sind und Stromausfälle, bzw. Stromprobleme kommen eben hier vor. So ist das nun mal. Außerdem kann man wohl eine Geburt auch bei Kerzenschein begleiten, das ging ja früher auch so.
Ja, da könnte man wohl recht haben und bei einer normalen Geburt spricht auch sicher nix gegen Stromsparmaßnahmen und Kerzenlicht, aber was wenn irgendetwas nicht normal läuft? Was, wenn Mutter und/oder Kind irgendwie Hilfe brauchen? Und von der Geburt mal ganz abgesehen, was passiert mit den kühlschrankpflichtigen Medikamenten, wenn der Strom, wie in der letzten Märzwoche ganze 2 Stunden am Tag da ist? Dann könnte man das Geld für die Medikamente auch gleich nehmen und in die Saale kippen – würde meine Mutter jetzt sagen.
Nun gut, das jetzt weiter auszubauen, würde zu weit führen, aber ich hoffe ihr versteht worauf ich hinaus will.
Während Wolfgang sich also ganz der Reparatur- und Einbauarbeiten widmet, sitze ich in der Sonne und freue mich. Ähm, das war ein Scherz!
Also, mein Monat sah wie folgt aus: Regale für den Lagerraum zusammenschrauben und selbigen einräumen, alles natürlich mit großartiger Hilfe von Gerda, Mary-Agnes und Annie. Wir haben den kompletten Containerinhalt katalogisiert, sortiert und in insgesamt 105 krabbeltiersichere Kisten verpackt; die Inventurliste für den Lagerraum umfasst 64 Seiten und ich möchte Euch jetzt tief beeindruckt sehen.
Mitte des Monats sind wir nach Chennai zum Flughafen gefahren, um Gerda wieder zu verabschieden (vielen Dank, auch an dieser Stelle für Deine Hilfe!) und konnten gleich noch medizinischen und handwerklichen Bedarf für die Station bestellen. Ja, leider nur bestellen, denn man kann hier nicht, wie bei IKEA kommen-aussuchen-bezahlen-mitnehmen. Also mussten wir 7 Tage später nochmal fahren, um alles abzuholen. Chennai bei 45°C im Schatten ist jedes Mal ein Erlebnis der besonderen Art. Dann hieß es also wieder die neuerworbenen Schränke für den Kreißsaal zusammenzubauen. Diesmal konnten Mary-Agnes und Annie es schon fast allein, auch wenn ihnen, glaube ich, immer noch nicht klar ist, warum es nicht besser ein Schreiner macht, auf den man 4 Wochen warten kann.
Außerdem haben wir einen Flyer für schwangere Frauen erstellt, mit Hinweisen zu den Vorsorgeuntersuchungen, Ernährung usw. Die Übersetzung vom Englischen ins Tamilische hat, jetzt bitte nicht wundern, für einen A4 seitigen Text ganze 3 Tage gedauert. Tamil ist also nicht nur für begriffsstutzige Ausländer wie mich eine Herausforderung, sondern auch für Muttersprachler selbst.
Dann haben wir 7 Meter Baumwolle gekauft, um das Spannbettlakenproblem für die Kreißbetten anzugehen.
Wir haben Hinweisschilder (wie: Bitte hier nicht rauchen und Bitte Handy im MHC ausstellen) erstellt und immerhin auch eine grobe Müllsortierungsordnung erarbeitet. Letztere habe ich in Pondicherry in einer mehrstündigen Aktion als Aufkleber drucken lassen, sodass nun bald jeder Mülleimer einen geklebt bekommt. Wir hoffen, das hilft, die Mülltrennung zu vereinfachen. Wenn dann das kleine Müllhaus von 12 qm mal seiner Bestimmung übergeben wird, woran nun schon seit Mitte Februar mehr oder weniger fleißig gearbeitet wird, steht dem neuen Müll-Management im Maternity-Health-Centre nichts mehr im Weg.
Der Spülraum ist nun auch nahezu fertig, heißt das Spülbecken hat Wolfgang wunderbar eingebaut, Wasserhahn sitzt, der Sterilisator seht an seinem Platz und der Wasser Zu- und Ablauf ist fertig. Bei der Rohrverlegung nach draußen hat Wolfgang ausversehen ein Ameisengroßlager in der Wand aufgespürt. Die Freude war auf beiden Seiten nicht übermäßig… Jedenfalls kamen die Tierchen in solchen Massen aus der Wand, dass nur der Großeinsatz von „Mortein“ (heißt so, wie es riecht und wirkt) half. Nun wird jedenfalls, ich glaube mittlerweile zum dritten Mal, eine Art Graben um das komplette Haus gezogen, diesmal aber wirklich 20 cm tief und gut 40 cm breit, der mit Schotter gefüllt wird, da dieser von Kleintieren dieser Art nicht besonders geschätzt wird.
Und dann hätten wir da auch immer noch das Frischwasserproblem. Das Wasser in den Tanks auf dem Dach sieht weiter trüb und dreckig aus. Aber auch da sind wir dran und man darf auf die weitere Entwicklung gespannt sein.
Ja, und so zieht sich Monat für Monat hin. Es ist immer viel zu tun, so ist es nicht und es passiert immer wieder Neues, womit wir im Vorfeld niemals gerechnet hätten.
Wir versuchen tapfer zu sein, auch wenn das nicht immer leicht ist. Manchmal ist das alles nicht so einfach hier. Aber manchmal, wie am Abend des 2.4., wenn alles jubelt und sich freut und man sich irgendwie dazugehörig fühlt, ist es einfach nur schön.
In einem kleinen Ort auf dem Weg nach Anaiyeri steht an einer Schule geschrieben: Wenn Du nach Westen willst, dann gehe nicht nach Osten.
In diesem Sinne, behalten wir unser Ziel im Auge, auch wenn der Weg vielleicht etwas länger ist.
Bis bald!
Eure Hanka
Februar 2011
Der Februar 2011 5 Years, 10 Months ago
Ihr Lieben zu Hause,
ich möchte das „Ritual“ der Monatsberichte nicht vernachlässigen, deshalb jetzt erst mal einen kurzen Rückblick über den Februar, und dann möchte ich Euch natürlich über die weitere Öffnung der Holzboxen auf dem Laufenden halten.
Nachdem wir am 17.Februar die ersten zwei Holzkisten aus unserem Container erfolgreich geöffnet hatten, konnten die restlichen zwei Boxen erst am 1.März in Angriff genommen werden. Grund für diese Verzögerung war ein akuter Personalmangel, so dass Wolfgang, Gerda und ich es uns nicht zugetraut haben quasi allein-zu-dritt weiter zu machen. Und das war gut so. Denn die verbliebenen zwei Kisten beinhalteten die durchaus schwereren Gegenstände. Also haben wir die Zeit genutzt, um die Personaltoilette im 1.Stock fertig zu verfugen und nach einer Lösung für das „Spülenproblem“ in unserem Spülraum zu suchen. Jedes Krankenhaus sollte ja einen Raum haben, indem benutzte Instrumente gereinigt und sterilisiert, Putz- und Desinfektionsmittel gelagert werden und, wie in unserem Fall, eine Waschmaschine für die Klinikswäsche steht, eben eine sogenannte Spüle. Dafür braucht es natürlich auch ein Spülbecken und einen Wasser Zu- und Ablauf. Selbiger wurde im Zuge des Innenausbaus zu hoch angebracht, was sich nun als echtes Problem herausstellte, da ein Spülbecken zwar eingebaut werden könnte, dann jedoch das Abwasser aufwärts ins Abwasserrohr einfließen müsste. Also hat Wolfgang kurzer Hand die Wand aufgesägt und das bestehende Rohr freigelegt. Zum Glück, denn wie sich herausstellte, hätte dieses Rohr niemals Wasser geleitet und zu einer kompletten Überschwemmung geführt, da die Rohre nicht dicht verbunden waren und noch dazu kaputt. Dieser Zufallstreffer wirft nun jedoch die berechtigte Frage auf, wie denn wohl die anderen Rohre im Haus verbunden sind. Da hilft nur eins: Abwarten.
Außerdem haben wir Regale für den Store-Room gekauft und aufgebaut, sowie Türen für die Personaltoilette bestellt, die leider wieder umgetauscht werden müssen – sofern möglich – da sie einfach falsch gearbeitet wurden.
Unser Alltag sieht also weiter eher nach Handwerkerdasein aus, als nach Medizinern. Wobei ab und zu schon mal „Patienten“ nach kleineren Unfällen zu uns in die Station kommen, um z.B. eine Platzwunde o.ä. verbinden zu lassen. Das freut uns natürlich, da es ja ein gewisses Vertrauen der Bevölkerung zeigt.
Und dann habe ich im Februar das erste Mal ein richtiges Hindufestival miterlebt. Mehr oder weniger zufällig sind wir auf dem Weg dem zu einem Meeting mit Samy durch Aniyur gefahren. Dort empfingen uns schon etliche Menschen auf der Straße, recht ansehnliche Boxen mit ganz viel Musik und mit vielen Blumen und Obst geschmückte Traktoren. Erst auf den nächsten Blick wurde klar, dass nicht nur die Traktoren mit Obst geschmückt waren, sondern auch einige Frauen, die Zitronen an kleinen Haken in ihrer Haut hängen hatten. Nein, sie sahen nicht entspannt aus. In dem ganzen Gewimmel auf der Straße wurde erst nach und nach klar, dass die Traktoren in einer Art Prozession durch das Dorf gezogen wurden. Ja, sie wurden gezogen und zwar von 3-4 Männern, die ca. 10 cm große Haken in ihrem Rücken stecken hatten. Die Haut war durch das Gewicht des Traktors dermaßen unter Spannung, dass wir kaum glauben konnten, dass sie nicht reißt. Außerdem hing an jeder Seite des Fahrzeugs ein Mann in der Waagerechten, ebenfalls nur durch große Haken befestigt. Mit quasi offenem Mund und einer Mischung aus Faszination und Unverständnis haben wir diesem Umzug beigewohnt, da wir mit dem Auto auch nicht weiter kamen. Später fragten wir Samy nach dem Sinn dieser Veranstaltung. Nach einer kurzen Bemerkung von wegen alles religiöser Blödsinn, erzählte er dann doch, dass die Männer, die durch die Haken wie auch immer gemartert werden, dies wohl freiwillig tun, um durch Leiden in diesem Leben die Chancen auf ein besseres nächstes Leben zu erhöhen.
Heißt für mich im Umkehrschluss, dass ich in meinem nächsten Leben sicher keine Minute mehr warten muss. Jippie!!!
So, ihr Lieben, nach dieser erbaulichen Nachricht, spann ich Euch nicht länger auf die Folter und berichte ganz fix, was die weitere Öffnung der Holzboxen ergab.
Alles ist in Ordnung! Kein Schimmel, keine Ameisen, kaum Rost. Alles gut! Das Auspacken an sich war noch einmal ein Kraftakt, der seinesgleichen sucht, aber mit Hilfe von 8 starken Männern und beinah genauso starken 5 Frauen, haben wir es geschafft. Mir war zwischendurch vor lauter Aufregung so schlecht, dass ich wohl ganz grün aussah, aber wo gehobelt wird…
Jedenfalls ging alles ohne Probleme; in der Tat ein richtiges Hand in Hand arbeiten, was totalen Spaß gemacht hat. Das Beatmungsgerät in den OP, die Reanimationseinheit für Neugeborene in den 1.Kreißssal, der Gyn-Stuhl ins Arztzimmer, OP Tisch und Lampen in den OP, usw. Alles war wie bisher super verpackt und funktioniert soweit man das im Schnellcheck sagen kann. Und so langsam aber sicher, sieht das Haus wirklich nach „Krankenhaus“ aus. Als dann am Nachmittag noch die gut 800 kg Tupfer, Handschuhe und Verbandsstoffe ausgepackt waren und somit auch die letzte Kiste quasi ohne Makel ausgeräumt war, kam neben sehr großer Erleichterung und Freude, auch die ganz große Erschöpfung. Was für ein Mammut-Akt!
Trotzdem wollten wir noch unbedingt den Stecker des Ultraschallgerätes in die Steckdose stecken. Und was soll ich Euch sagen, meine Leber ist in Ordnung! Heißt: ES FUNKTIONIERT! Kaum zu glauben, aber 1 ¾ Jahr in Sonnenhitze und Regen scheint dem Inhalt des Containers aber auch so gar nichts ausgemacht zu haben.
Ja, 1 ¾ Jahr im Container und nichts passiert, aber in der ersten Nacht in der Geburtshilfestation kommt eine kleine unschuldige Überspannung von ca. 300 V angerollt und zack funktioniert der Drucker vom Ultraschallgerät nicht mehr. Da fällt mir dann auch keine Bemerkung mehr zu ein…
Hinzukommt, dass in meinem Zimmer die, wohlgemerkt, ausgeschaltete Glühbirne nachts immer ein wildes Zucken und Leuchten bekommt, was mich schon die ein oder andere schlaflose Minute gekostet hat, da ich befürchten musste, dass es nun so langsam losgeht und ich vielleicht morgen bunte Zebras sehe. Aber wahrscheinlicher ist wohl, dass das mit der fraglichen Stromverlegung zusammenhängt.
Also, das Stromthema ist noch immer nicht vom Tisch und es bleibt diesbezüglich weiter mehr als spannend!
Soweit die Neuigkeiten von hier.
Alles Liebe
Eure Hanka
P.S. Die Bilder zu den Berichten sind nun wieder, wie gewohnt, in der Bildergalerie zu finden.
17. Februar 2011
Der 17.Februar 2011 5 Years, 11 Months ago
Meine Lieben zu Hause,
der 17.Februar 2011 war ein historischer Tag! Und daran möchte ich Euch, wenn auch etwas verspätet, teilhaben lassen…
Zum einen bin ich am 17.Februar zum 2.Mal Tante geworden!!! Luis ist da!!! Die ersten Fotos haben mich am nächsten Morgen per E-Mail erreicht (es lebe das Internet!!!) und, was soll ich sagen, ich bin verliebt! Was für ein herrlicher kleiner Kerl! Mutter und Kind sind wohlauf und mir bleibt nur, mich, gute 9000 km weit weg, einfach riesig zu freuen! Und das Gefühl überwiegt, auch wenn ich schon traurig bin, nicht da sein zu können…
Zum anderen haben wir am 17.Februar die ersten zwei Holzkisten aus unserem Container ausgepackt.
Nachdem wir am 2.Februar den Container geöffnet und die 4 großen Holzkisten (zum Teil über 1 Tonne schwer; siehe auch den Bericht unter „Aktuelles“) mit Hilfe eines Gabelstaplers vorsichtig heraus geladen hatten, mussten wir leider mit dem Ausräumen der Kisten noch warten, da einen Tag vor der Containeröffnung begonnen wurde, das Dach im Treppenhaus zu reparieren. Somit war also das Haus wieder „offen“ für Streifenhörnchen, alles Mögliche an Flug- und Krabbelinsekten und eben auch Unmengen an Staub. Am 15. Februar war das Dach dann soweit fertig; ein Regenhärtetest wird leider erst beim nächsten Monsun zeigen, ob diese Arbeiten denn nun erfolgreich waren. Somit konnten wir am 16.Februar das Haus wieder einmal komplett auf den Kopf stellen, putztechnisch gesehen und am 17. Februar, morgens 9 Uhr ging es los.
Leider war das auch ein Tag, an dem unsere beiden Putzfeen und auch Mary-Agnes (unsere indische Hebamme) sehr wichtige Termine auswärts zu erledigen hatten. Also blieb nur der harte Kern der Mannschaft Anbarasu, sowie der Bruder von Lourdesamy (auch ein Wachmann), Gerda (eine Bekannte von Josef, die aktuell einen Großteil Ihres Jahresurlaubs hier verbringt, um uns unter die Arme zu greifen; dafür auch an dieser Stelle DANKE!), Wolfgang und ich.
Drei Männer, zwei Frauen, 1 Akkuschrauber und 2 herkömmliche Handgeräte. Dazu gefühlte 150 Schrauben, die seit 1 3/4 Jahren in dem Holz der Kisten saßen und eher wenig Lust hatten dieses wieder zu verlassen. Und dazu dann noch gut 35°C im Schatten und ab 10 Uhr Stromausfall. Macht zusammen sehr viel Spaß!!! Was jetzt ausnahmsweise mal nicht ironisch gemeint war. Es war wirklich ein gutes Arbeiten, gegen 11 Uhr hatten wir die erste Kiste geöffnet, zuerst der Deckel, dann die Vorderseite, da beides mit ebengenannter Schraubenzahl hübsch verbunden war. Und dann sahen wir den Inhalt das erste Mal komplett:
2 Patientenuntersuchungsliegen und 12 Bundeswehrkisten.
Unglaublich! Alles unversehrt! Kein Schimmel, keine Ameisen, kein Rost, nix! Alles ganz! Die Liegen passen perfekt in die dafür vorgesehenen Zimmer und sehen toll aus! Den Inhalt der 12 Kisten haben Gerda und ich in geduldiger Kleinarbeit ausgeräumt und zunächst auf einer großen Folie im 1 Stock sortiert. ALLES IST IN ORDNUNG!!!
Von diesem Erfolg dermaßen motiviert, ging es direkt nach dem Mittagessen weiter. Da konnte uns auch der noch immer anhaltende Stromausfall nicht aufhalten – Akkuschrauber werden eh überbewertet, es lebe die Handarbeit! Nach über einer schweißtreibenden Stunde hatten wir dann auch diese Kiste geknackt und siehe da: 2 herrliche Kreißbetten und etliche Plastikkisten mit Fachliteratur.
Nur, wie diese Betten (eins etwa 250 kg schwer) aus dem Karton über die Eingangstreppe ins Haus bekommen? Gerade als wir diesen Gedanken laut ausgesprochen hatten, kam Lourdesamy (unser Hausbewacher) zur nachmittäglichen Stippvisite aufs Grundstück. Anbarasu schickte ihn aber gleich mit der Bitte um „Manpower“ Hilfe zurück auf die Straße, wo er umgehend 2 doch recht kräftige junge Männer fand, die gerne mit angepackt haben. So ist das eben auf dem Dorf, da ist Anaiyeri auch keine Ausnahme. Gerda und ich fungierten als Lotsen, während 5 Männer unter schnaufen und stöhnen ein Bett nach dem anderen über 3 Treppenstufen in den Eingangsbereich der Geburtshilfestation schleppten. Von dort konnten sie dann ohne Probleme in die Entbindungszimmer geschoben werden. Und sie sehen wunderbar aus!!! Der Strom kam gegen 19 Uhr wieder und dann wurde es nochmal spannend. Funktionieren die Motoren in den Betten noch? Wir hatten aus Krankenhäusern in Wittlich und Mainz halbautomatische Kreißbetten geschenkt bekommen, heißt: Fußteil ist manuell zu bedienen und Kopf- und Beckenteil automatisch per Fernbedienung.
Und das Unglaubliche passierte: Stecker in die Steckdose und alles funktioniert!!!
Jubel!!!
Auch die CTG-Geräte, die wir bisher aus den Kisten bergen konnten, laufen ohne Probleme.
Es ist einfach nicht zu fassen und wir sind unglaublich dankbar und froh!!!
Ihr seht, ein historischer Tag!
Nun endlich auch an dieser Stelle ein GANZ GROSSES DANKESCHÖN den Mitarbeitern der Firma Konex, für die unglaublich professionelle Verpackung! Ohne diese wäre sicher der überwiegende Teil der Spenden in dem Container nicht mehr zu verwenden.
Ich halte Euch über den Zustand der restlichen zwei Kisten auf dem Laufenden.
Bis dahin
Eure Hanka
Januar 2011
Der Januar 2011 5 Years, 11 Months ago
Ihr Lieben zu Hause,
Sicher fragt Ihr Euch schon, ob denn bei unserer Einreise nach Indien alles geklappt hat.
Ihr werdet es nicht glauben, no problem at all! Beim Einchecken in Deutschland hatte zwar die Dame am Schalter offensichtlich einen schlechten Tag, kann ja mal passieren. Deshalb durften wir die Koffer öffnen und das Gewicht gleichmäßig verteilen (ein Koffer hatte 26kg der andere 34kg, nein, das geht natürlich gar nicht!) Keine Sorge, ich habe nicht aus Versehen meinen ganzen deutschen Hausstand mitgenommen, das meiste war für die Geburtshilfestation, Sachen eben, die man in Indien nicht bekommt – mal abgesehen von 5 Tüten Haribo und der ein oder anderen Packung Mirácoli.
Jedenfalls sind wir ohne Probleme durch die deutschen Passkontrollen gekommen, der Flug war wunderbar und der Passkontrolleur in Indien warf einen kurzen Blick auf unsere ganzen Papiere, einen etwas längeren Blick auf die unglaublich lange Schlange hinter uns, sagte „Ok, no problem“ und durch waren wir.
Kaum zu glauben!
Unser Gepäck wartete auch schon auf uns, also nix wie raus aus dem Flughafen. Und da war es wieder, Indien! Warm. Laut. Unglaublich hell und viele schreiende Menschen.
Nachdem mir der Abschied von meiner Familie und meinen Freunden diesmal doch sehr schwer gefallen ist (nach dem letzten deutschen Telefonat mit meiner Mutter am Flughafen war das leider ganz offensichtlich), war dieses Raustreten aus dem Flughafengebäude wie eine Umarmung. Zurück. Endlich.
Und der erste Tag ging gut weiter. Nachdem wir uns im Hotel kurz frisch gemacht hatten, sind wir weiter zur Visaverlängerungsbehörde – Ihr erinnert Euch, uns fehlte noch immer der Stempel im Pass. Nachdem wir irgendwie das richtige Gebäude gefunden hatten, saßen wir da und warteten. Es verging eine Stunde – nix passierte. Es verging eine weitere Stunde – nix. Nach der dritten Stunde durften wir unser Anliegen vortragen und die Pässe abgeben. Nach der vierten Stunde bekamen wir zwei Briefe für den Police-Officer in Viluppuram (Portosparaktion) und unsere Pässe zurück – nur ohne Stempel. Nach kurzer Diskussion durften wir wieder Platz nehmen – ohne Pässe wohlgemerkt – und hatten 30min später, Tatsache einen Stempel über die Verlängerung unserer Arbeitsvisa in unseren Pässen.
Tja, es geht doch!
Leider ging dann der Rest des Monats nicht so gut weiter.
Problem 1: Das Auto.
Bevor wir nach Deutschland gefahren sind, hatten wir das Auto einem guten Bekannten, ich würde schon sagen Freund, zur sicheren Verwahrung gegeben, da es uns in unserer Straße in Pondicherry nicht wirklich gut aufgehoben schien. Denn hier sind des Nachts auch schon mal betrunkene Halbstarke am Start – ja, die gibt es hier auch – die das Kleine angepinkelt haben und dann auch noch übers Dach gelaufen sind. Also dachten wir, unter Beobachtung unseres Freundes, in seinem Carport direkt vor seinem Haus, ist es besser aufgehoben. Falsch gedacht. Dem Auto ging es zwar soweit gut, nur fehlten leider sämtliche Sticker (gespendet von, etc.), die Anschnallgurte waren abmontiert, der Erste Hilfe Kasten fehlte und insgesamt wurden über 1000km damit gefahren. Was für eine Enttäuschung! Sicher, man könnte auch sagen: „Es ist ja nur ein Auto und es fährt doch auch noch gut, also. Seid nicht so materiell!“ So würden wir vielleicht denken, wenn das Auto denn wirklich uns gehören würde, tut es aber nicht. Es ist eine Spende der „Indienpartnerschaft des Auguste Victoria Gymnasiums“ in Trier an die PMD und wir dürfen das Auto nutzen, solange wir in Indien sind. Somit ist uns natürlich der Zustand des Autos sehr unangenehm und die berechtigten Nachfragen von deutscher Seite verständlich. Wir haben das Auto durchchecken lassen und natürlich auch neue Sticker bestellt. Es ist soweit wieder in Ordnung.
Hinzu kommt die große menschliche Enttäuschung, weil wir mit dem Verhalten unseres „Freundes“ nie und nimmer gerechnet hätten. Manchmal erkennt man eben zu spät, wie ein Mensch wirklich zu einem steht und wem man vertrauen kann; dies gilt leider nicht nur für die Inder.
Problem 2: Die Geburtshilfestation
Durch diese Erfahrung doch etwas niedergeschlagen sind wir dann umgehend zu der Geburtshilfestation nach Anaiyeri gefahren. Und mein erster Eindruck war, wie eigentlich immer, wunderbar. Die Mädels (Seely und Selvi, unsere beiden Putzfeen und Mary-Agnes, unsere Hebamme und Mitarbeiterin am Projekt) haben sich riesig gefreut uns zu sehen. Mr. Lourdesamy (unser Security-Mann) kam etwas später und lachte, dass es nur so gluckerte, vor lauter Freude. Und dann wurde erzählt und berichtet, was die letzten Wochen so passiert ist. Neben familiären Dingen, z.B. das Mary-Agnes ihr Mann über die Wochenenden Arbeit gefunden hat und dass die Frau von Lourdesamy ins Krankenhaus musste, da sie Bluthochdruck und Diabetes hat – was wohl in der Gegend um Anaiyeri eine sehr häufige Kombination ist – , wurde natürlich auch übers Essen und Wetter geredet. Geregnet hatte es nur 3 Tage. Das wunderte uns, denn in Pondicherry (gut 70 km weiter östlich) erzählte man uns, dass es viel und heftig geregnet hat, aber wahrscheinlich ist der Monsun eben ein nicht zu planendes Ereignis. Was uns aber am brennendsten interessierte, war natürlich, was am Haus selbst so passiert ist. Die Mädels haben regelmäßig geputzt und das sah man auch, denn es glänzte, dass es eine Freude war. Die Elektriker aus Viluppuram waren an 3 Tagen da und die Stromprobleme scheinen alle gelöst. Auch die Wassertanks auf den Dächern wurden regelmäßig gereinigt, was eigentlich gar nicht auf dem Plan stand. Ein Blick in die Tanks zeigte dann jedoch trotzdem sehr trübes Wasser und einen mit Sand besetzten Boden. Das Wasser, welches die Quelle fördert, scheint also noch immer nicht in Ordnung zu sein. Wo wir dann schon auf dem Dach waren, mussten wir leider feststellen, dass die Risse, die über das komplette Dach ziehen, unverändert waren. Auch an den Fenstern und im Treppenhaus hatte sich bezüglich des Reinregnens nichts getan. Und so ging es dann Stück für Stück weiter. Die Abwasserrohre unserer Minikläranlage lagen so da, wie wir sie verlassen hatten, der Abflussgraben vor dem Haus war weiterhin mit Müll, Steinen und Erde verlegt und auch von einer kleinen Stellfläche für die Mülleimer war nichts zu sehen.
Nun gut, dachten wir, reden wir erst einmal mit Annie, Anbarasu und Samy darüber.
Das Gespräch ergab, dass in den 4 Wochen unserer Abwesenheit das Stromproblem behoben wurde. Leider konnten, so sagte Samy uns, aufgrund des Monsunregens keine weiteren Arbeiten erledigt werden.
Hinzukommt
Problem 3: Annie arbeitet in einer Privatklinik in Viluppuram
Ja, Ihr habt richtig gelesen. Ich habe ca. 20 Stunden gebraucht diese Info einzuordnen. Wolfgang war da erstaunlich schneller. Jedenfalls ist es so, dass Annie (unsere indische Ärztin und Mitarbeiterin am Projekt) seit Anfang des Jahres in einer Chirurgischen Privatklinik in Viluppuram von 8 bis 16 Uhr arbeitet. Das kann ich auf der einen Seite verstehen, sie möchte Erfahrungen sammeln und medizinisch Arbeiten.
Bisher war Anuj (ihr nun einjähriger Sohn) der Grund für ihre mehr oder weniger kurzen „Besuche“ in Anaiyeri, was ich auch nachvollziehen kann, denn die Fahrt von über 30 min. auf extrem schlechten Straßen ist für das Kind sicher keine Freude. Um ihn jedoch an die neue Umgebung und an ein Kindermädchen aus der Gegend zu gewöhnen, hatten sie beschlossen, nach Anaiyeri zu ziehen. Diese Idee fand ich, nach etwas Bedenken, gar nicht schlecht, weil ich auch dachte, dass sie vielleicht dann Zeit hat, um, zusammen mit Mary-Agnes, das ein oder andere vorzubereiten (Bewerbungsgespräche von Schwestern/Hebammen zu planen, Fortbildungen, Arbeitsstandards, etc.), damit wir nach unserer Rückkehr richtig durchstarten können.
Leider sind sie bisher – sicher auch wegen der Arbeit in Viluppuram – noch nicht umgezogen, und somit ist von alle dem, was ich mir so gedacht hatte, nichts passiert.
Ein eindeutiger Fall von zu hohen Erwartungen meinerseits.
Wie dem auch sei, das Enttäuschungsmoment saß auch hier wieder recht tief und es bleibt
Problem 4: Wie soll es weiter gehen?
Zunächst haben wir versucht die Ereignisse hier und unsere Enttäuschung darüber in Worte zu fassen.
Daraufhin haben wir wenig Unterstützung erfahren…
Dann hatten wir, seit dem dies alles passiert ist, einige Nächte zum „darüber schlafen“ bzw. Zeit zum Reden und Denken, wahlweise Nachts, denn schlafen war nicht so…
Ergebnis: Wir wollen die Arbeit in der Geburtshilfestation beginnen. Soviel ist klar.
Und wir haben noch nicht komplett die Nase voll, denn Wolfgang steht wieder in den Gräben für die Abwasserrohre, wundert sich und macht es nun am Ende wirklich selbst, auch wenn das nicht unseren Ansichten von interkultureller Zusammenarbeit, um nicht zu sagen Entwicklungsarbeit, entspricht. Aber ohne seinen Einsatz im „Rohrgraben“ würde die teuer (vor allem im zeitlichen Sinne) erkaufte Minikläranlage sehr schnell nicht mehr funktionieren und unbenutzbar sein. Und ohne Toilette ist das Haus natürlich auch nicht einsatzbereit. In diesem Zusammenhang möchte ich nochmal an unser Vorhaben hier erinnern: Vorsorge ist besser als Heilung. Das trifft eben auch auf die Umstände im und am Haus zu. Sicher könnte man zuwarten, bis ein Problem eintritt, auch wenn man es bereits vorhersieht. Aber sind wir dann besser dran, wenn z.B. ein Toilettenproblem entsteht und das „Krankenhaus“ bereits im Dienst ist? Sollte man nicht alles tun, dies, soweit es geht, zu verhindern?
Nun gut, diese Arbeiten sind jedenfalls jetzt beendet.
Das Wasserproblem werden wir versuchen, mit Hilfe von Filtern zumindest vorrübergehend zu lösen. Und zum Thema rein regnen und Müllstellplatz, sagte man uns, dass sich gekümmert wird.
Ok.
Ganz vorsichtig wage ich mich mal wieder an so etwas wie einen Plan heran:
Wir werden versuchen Anfang Februar den Container auszuräumen, werden dann die Geburtshilfestation fertig einrichten und tapfer weiter alles versuchen, um mit der medizinischen Arbeit zügig beginnen zu können.
Denn: Die Geburtshilfestation wird mit großer Freude in und um Anaiyeri erwartet!
Zumindest haben wir von einem Bewohner Anaiyeris ungefragt viele aufbauende Worte gesagt bekommen. Er könne gut verstehen, dass es aufwendiger ist ein „Hospital“ zu bauen und dass es deshalb auch länger dauert; schließlich soll es ja richtig gut werden und nicht irgend so ein „bullshit“ (O-Ton). Er und seine Leute würden 100% hinter uns stehen.
Ich kann mir vorstellen, dass die Situation hier in Indien für Euch wahrscheinlich noch viel schwieriger nachzuvollziehen ist, als für uns.
Es ist keine einfache Zeit, für jeden von uns.
Deshalb DANKE an alle, die trotzdem hinter uns und dem Projekt stehen!
In diesem Sinne
Bleibt mir gesund!
Eure Hanka
Forum Archiv
Dezember 2010
Der Dezember 2010 6 Years ago
Ihr Lieben,
der Dezember 2010 war ein aufregender Monat, keine Frage, der bisher aufregendste.
Nachdem uns Anfang des Monats von mehreren Seiten geraten wurde Indien zu verlassen, da unsere Visa noch immer nicht verlängert worden waren, sind wir relativ überraschend aus Indien abgereist. Der illegale Aufenthalt hat uns und unsere Partner doch sehr nervös gemacht. Mit Hilfe unseres Anwaltes konnten wir eine Ausreisegenehmigung erwirken und, trotz vieler Befürchtungen, ohne Komplikationen ausreisen.
Wir haben bevor wir geflogen sind mit unseren indischen Projektpartnern alle weiteren Schritte besprochen, so daß wir die Hoffnung haben, daß in unserer Abwesenheit das Haus in den Zustand gebracht wird, der einen direkten Start nach unserer Rückkehr erlaubt. Das heißt, daß die Stromversorgung geklärt, daß Frisch-und Abwasser geregelt und daß die Probleme mit ungewollten Regenwasser im Haus gelöst sein müssen. Eine große Liste an Arbeiten und wir alle dürfen auf das Ergebnis gespannt sein.
Wir hatten unterdessen viele Wege in Deutschland zu gehen, da wir vor allem alle Partner und Unterstützer über den aktuellen Stand der Dinge informieren wollten und natürlich das Visaproblem mit dem indischen Konsul in Frankfurt zu diskutieren hatten. Letzteres konnten wir am 29.12. weitestgehend klären. Unsere Ausreisegenehmigung enthält auch einen Einreisestichtag an dem wir wieder in Indien zu sein haben. Alles weitere kann und wird einzig und allein durch die indischen Behörden in Delhi und Chennai zu lösen sein. Nach unserer Info kam kurz nach unserer Ausreise eine Bescheinigung, daß die Visa verlängert sind. Ein Vermerk in unseren Pässen ist aber nur in Indien möglich. Also werden wir versuchen, am 9.01.2011 wieder nach Indien zurück zu fliegen, was nach Aussage des indischen Konsuls in Frankfurt mit der bereits erwähnten Ausreisegenehmigung ohne Probleme möglich sein soll. Auf die Ansage „no problem madam“ reagiere ich zwar wirklich allergisch, aber was bleibt uns? Wir werden es also versuchen und ihr könnt heute schon mal anfangen, die Daumen zu drücken, daß alles gut geht. Insgesamt eine mehr als verwirrende Prozedur, die es schafft reichlich, Sorgen zu kreieren.
Aber trotz aller Unklarheiten kam ich so jedoch in den Genuß, Weihnachten mit meiner Family zu verbringen und das war einfach wunderbar! Ich konnte viele Freunde besuchen, auch wenn ich es nicht geschafft habe, alle zu sehen, was mich schmerzt. Der Schnee hat das Seinige getan, manche Besuche einfach platzen zu lassen. Aber zumindest konnte ich mit vielen ausgiebig telefonieren und das ist ja auch schon mal was.
Und ich konnte ein bißchen Kraft und Energie tanken, es geht eben nix über ein Verwöhnprogramm von Mama.
Somit blicke ich, wenn auch etwas unsicher, aber dennoch voller Zuversicht in ein hoffentlich tatenreiches neues Jahr.
Es kann nur besser werden!
Euch allen wünsche ich einen guten Start ins Neue Jahr! Bleibt gesund und munter!
Bis nächstes Jahr
Eure Hanka
November 2010
Der November 2010 6 Years, 1 Month ago
Meine Lieben zu Hause,
wieder ein Monat rum… Tick tack tick tack und eigentlich ist wieder nichts wirklich Spannendes passiert.
Nein, wir haben noch immer nicht den Container aufgemacht, geschweige denn mit der medizinischen Arbeit begonnen. Dafür hat seit Mitte des Monats endlich der Monsun eingesetzt und wir haben reichlich Wasser. Überall. Was für den Container bedeutet, dass er nun die zweite Hauptmonsunzeit unausgepackt im Regen steht. Nicht so schön!
Man kann sich wirklich nicht vorstellen, wie viel Wasser so vom Himmel fallen kann.
Und wenn dann noch etwas Wind geht und der Regen gegen die Scheiben plätschert, dann kommt bei mir die Frage auf, warum Fenster? Es regnet so heftig rein, als ob wir sie vergessen hätten. Ok, fairer halber muss ich sagen, dass es nicht „nur“ ein bissel Wind ist, sondern schon richtige Taifungeschichten, die sicher nicht auf der Tagesordnung stehen, aber wozu Fenster, wenn sie keinen Schutz bieten?! Das Problem mit undichten Fenstern ist von Seiten unseres Ingenieurs nur durch den Vorbau von Schiebefenstern zu lösen. VETO! Jetzt wo das Haus so halbwegs fertig ist, sollen wir anfangen und neue Fenster einbauen? Abgelehnt!
Durch den reichhaltigen Regen bekommt leider auch der septische Tank eine gute Spülung von allen Seiten, was allerdings seine Funktionsfähigkeit einschränken könnte. Wir werden sehen. Was uns wirklich schockiert hat ist, dass seit einigen Tagen auch durch die Zimmerdecke in die Mitarbeiterzimmer im Haupthaus rein regnet, nicht viel, aber kleine unschuldige Tröpfchen kommen gelegentlich von oben. Manchmal frage ich mich, ist das der erste Monsun, den die Inder hier durchmachen müssen? Die Tatsache, dass es letztes Jahr auch einen gab, spricht dagegen. Aber warum versuchen sie dann nicht, sich dementsprechend vorzubereiten, anzupassen oder wenigstens ihre Häuser danach zu bauen?
Die Hütten und Straßen in der Umgebung sind alle in einem so gnadenlos schlechten Zustand, das kann man sich nicht vorstellen! Alles ist voller Schlamm, das Wasser steht so hoch, dass es in viele Häuser einfach durch die Haustür reinläuft, die Menschen haben keine Möglichkeit, ihre Sachen zu trocknen, oder sich selbst, gekocht wird irgendwie mit nassen Holz im Haus, weil draußen ja Regen und selbst die Straßen geben nach und nach ihren Geist auf. Im März dieses Jahres wurde die Straße vor dem MHC neu gebaut und ist derzeit so gut wie nicht befahrbar. Riesige Löcher tun sich auf, an denen man mit einem Zweirad irgendwie vorbeikommt, aber im Auto oder Bus… no way.
Wenn man auf dieser Straße weiter Richtung Viluppuram fährt, kommt man nicht weit, da sie einfach in einer Breite von 10m weggespült ist. Plötzlich hat man einfach das Ende der befahrbaren Welt erreicht und steht vor einem 10m breiten Flusslauf. Und die Menschen hier leben mit und in diesen Zuständen schon seit… immer.
Aber: Es kann ja nicht immer regnen! Und von der Seite geht wohl alles irgendwie irgendwann vorbei.
Genug Regengeschichten; was gab es noch im November 2010?
Das große Stromrätsel hat sich leider immer noch nicht gelöst. Folgende Frage sollten dringend beantwortet/bearbeitet werden: Warum ist nicht in allen Steckdosen eine Erdung (obwohl 100mal besprochen)? Warum ist der Durchlauferhitzer im Erdgeschoß mit dem Licht in Wolfgangs Zimmer in der ersten Etage verbunden (heißt, wenn man warmes Wasser im Erdgeschoß möchte geht bei Wolfgang das Licht an)? Und der Klassiker: Wie kann man eine Stromspannung von knapp 400 V handhaben (für die Nichtstromkenner unter Euch – mich eingeschlossen – normal sind 220V; by the way ist das der Moment wo bei Wolfgang das Licht definitiv wieder ausgeht, bildlich gesprochen)? Also alles in allem noch viel Arbeit, der Regen macht die Sache nicht besser und außerdem muss der Sohn des Elektrikers verheiratet werden und das geht eindeutig vor.
Dann haben wir diesen Monat sämtliche europäische Steckdosen eingebaut, mit tatkräftiger Unterstützung unserer indischen Putzfeen. Dafür mussten leider alle bisher dafür vorgesehen Öffnungen in der Wand per Schlagbohrer vergrößert werden, da diese schlicht und ergreifend zu klein waren. Mit fachmännischer Anleitung von Wolfgang und mir (der großen Schlagbohrerkennerin!) haben Seeli und Selvi (unsere Putzfeen) das eigenhändig ausgeführt. Und sie hatten riesigen Spaß, naja und wir natürlich auch! Eigentlich hätten sie ganz gern alle Steckdosen wieder neugemacht, aber genug Dreck ist genug Dreck.
Alle Zimmer mussten vorher komplett ausgeräumt und nachher geputzt und wieder eingeräumt werden. Aber zu guter Letzt sind jetzt alle Steckdosen fertig, die Zimmer wieder sauber und eingeräumt.
Im selben Atemzug haben wir die Verbindungstüren zwischen den Entbindungszimmern und Arzt- und Hebammenzimmer eingebaut. Sieht alles sehr schön aus und ist gut gelungen.
Und dann habe ich im November die erste interne Fortbildung für das medizinische Personal abgehalten. Thema: Hygiene im MHC. Zum Glück hatte ich in meiner Vorbereitungszeit in Deutschland auch einen Kurs über Ausbildungsmethoden, was mir sehr geholfen hat, das Seminar zu gestalten. Es hat zwar etwas gedauert, bis ich alle Materialien organisiert hatte (in Tamil& Englisch), aber am Ende ist es wohl ganz gut gelungen und ich denke, wir alle haben was gelernt und hatten auch was Spaß dabei.
Mary-Agnes und ich haben im November begonnen erneut an unsere Umfrage zu arbeiten. Die im letzten Jahr erhobene zeigte keinerlei Ergebnisse, so dass wir beschlossen haben, die Fragetaktik und Art& Weise der Durchführung zu verändern und eben alles noch mal zu machen; das kennt man ja mittlerweile. In diesem Zusammenhang haben wir die für die umliegenden Dörfer zuständige Dorf-Krankenschwester um ihre Mithilfe gebeten. Diese hat ihren Arbeitsplatz in der Gesundheitsstation in Anathapuram und ist eine freundliche, recht pummelige Frau, die Menstruationsbeschwerden auf kleine Würmer, die in der Gebärmutter leben zurückführt, aber das nur nebenbei. Wie dem auch sei, so kam ich mal wieder in den Genuss, die Gesundheitsstation zu besuchen und schlagartig relativiert sich alles, was ich oben über den mangelhaften Zustand des MHCs geschrieben habe. Wir hatten diese Station schon einmal vor 4 Jahren besucht, auf unserer Bedarfsanalysetour. Was ich mir kaum vorstellen konnte, das Haus und die ganzen Gegebenheiten sind in einem noch schlechterer Zustand als vor 4 Jahren. Alles nass und schimmelig, alles voller Mosquitos, alles dreckig und irgendwie kaputt. Katastrophal! Wie hier eine Frau ihr Kind zur Welt bringen kann, ohne dass wenigstens einer von beiden einen bleibenden Schaden, wenn nicht sogar schlimmeres, davon trägt, ist mir ein großes Rätsel. Dieser Besuch hat wieder einmal sehr eindringlich die Notwendigkeit unseres Tuns gezeigt UND wir können sehr stolz auf das MHC sein, auch wenn sicher nicht alles perfekt ist, so ist es doch in einem um Kilometer besseren Zustand als alles Umliegende!
Was mich diesen Monat besonders gefreut hat ist, dass in Pondicherry ein Hebammen Kongress stattfand. Da der Stand der Hebamme in Indien eher dem eines Hilfsarbeiters entspricht, was wohl auch an der Ausbildung von 6 Monaten liegt, fand ich es unglaublich spannend und aufregend, diese zum Teil sehr interessierten und patenten Frauen zu treffen.
Mal abgesehen von den zu Hauf wohl einbestellten KrankenpflegeschülerInnen, die als Füllmasse für leere Stühle dienen sollten und die das alles die Bohne interessiert hat, war diese Tagung ein voller Erfolg. Ich habe viel Neues über die Art& Weise der indischen Geburtshilfe gelernt, das jetzt auszubauen würde einfach zu weit führen. Wer Interesse hat kann sich aber gerne mit mir in Verbindung setzen.
Und zu guter letzt hatten wir diesen Monat einen Schlafgast in der Wohnung in Pondicherry. Christina, eine Studentin aus Italien, suchte eine kostengünstige Bleibe und da sie mit unserem Sprachlehrer arbeitet, hat er vermittelt. Ausländer und Ausländer, das passt sicher gut, dachte er sich, und so war es auch. Wir waren zwar die überwiegende Zeit ihres Aufenthaltes hier in Pondi in Anaiyeri, aber selbst dieser eine Tag mit ihr hat mich mal wieder so richtig herzhaft zum Lachen gebracht und das tut einfach unglaublich gut!
So, meine Lieben, das waren die Neuigkeiten aus Indien.
Gebt auf Euch acht und bis nächsten Monat!
Eure Hanka
Oktober 2010
Der Oktober 2010 6 Years, 2 Months ago
Meine Lieben zu Hause,
ich habe diesen Monat die ehrenvolle Aufgabe, einen Bericht über die positiven Seiten unsere Arbeit im Oktober 2010 zu schreiben, Wolfgang wird die Probleme diskutieren. Das nenn ich Arbeitsteilung.
Also, dann:
Nachdem mir letzten Monat beim Anschalten der Ventilatoren kleine Blitze, die durch die Schalterkästen ziehen, aufgefallen sind, hat Wolfgang die ganze Stromsache noch mal genauer unter die Lupe genommen und festgestellt, dass die Erdung im Haus vergessen und viele Kabel nicht richtig verlegt wurden. Gefährlich, aber änderbar. Somit waren die extra aus Viluppuram einbestellten Elektriker den ganzen Monat gut beschäftig und das freut mich für die Jungs. Sie werden ihre Arbeit im November abschließen, denke ich.
Lothar Kleipaß (siehe unter „Partner“) hat uns im Oktober für eine Woche besucht, um eine Art Bestandsaufnahme der Geburtshilfestation, unserer Arbeit und der der PMD durchzuführen. Wir hatten einige gute Treffen, die mir für einen Moment wieder etwas Motivation und Hoffnung gegeben haben. Er hat uns viele Anregungen gegeben, wie wir unser Arbeit verbessern und Probleme offen und ehrlich zu kommunizieren versuchen können. Ich denke, dass das indisch-deutsche Team viel davon lernen kann, denn offenes Reden ist nicht unbedingt von den Indern erfunden worden.
Und, aber nur so nebenbei, war Lothar der erste, der im Haupthaus übernachtet hat, in einem Patientenbett. Dafür konnte er morgens auch warm duschen. Wolfgang und ich hausen ja aktuell noch im Gästezimmer über der Küche, welches wir mit dem ein oder anderen Streifenhörnchen teilen, die wiederum meine Matratze zum Nestbau benutzen. Letzteres finde ich nicht besonders lustig, da die abnehmende Matratzendicke mir zunehmend Rückenschmerzen beschert. *
Der letzte von uns bestellte Schrank ist geliefert. Mit Hilfe von Lothar wurde der Schrank dann auch fachmännisch aufgebaut und sieht ganz toll aus! Selbst Annie, unsere indische Ärztin, hat zum ersten Mal selbst mit handangelegt und Räder unter den Schränken angeschraubt, damit man sie zum drunter Putzen leichter verschieben kann.
Außerdem haben wir die Verbindungstüren zwischen den Entbindungszimmern und Arzt- und Hebammen Zimmern bekommen, die natürlich auch super sind.
Ihr erinnert Euch an die Schränke für den Steril Raum, die wir mit viel Aufwand im September bestellt haben? Ihr werdet es nicht glauben, sie sind pünktlich geliefert, richtig
zusammengebaut und aufgestellt wurden.
Es geht also doch! Der Steril Raum ist nun auch fertig und ganz wunderbar. *
Ich habe diesem Monat vor allem wieder viel mit den Mädels geputzt und Mary-Agnes (unsere indische Hebamme) und ich haben auch einen Putzplan erstellt, auf Englisch und Tamil. Den habe ich in Pondi tippen (weil mein Rechner kein Tamil kann), ausdrucken und laminieren lassen. So ganz langsam wird es.
Und, da die Schreiner, die die Steril-Raum-Schränke aufgebaut haben, was zum Essen brauchten, habe ich, zusammen mit Mary-Agnes und Silly (unsere indische Putzfee, die aber gerne Kochfee wäre) viel gekocht. Und das war wirklich gut. Wir waren in Ananthapuram einkaufen und haben alles vor- und zubereitet. Alles zusammen und überwiegend auf Tamil. Wenn es ums Essen geht, sind die Tamilen wirklich beeindruckend. Alles wird erst mal 3 Stunden besprochen (was wird zu welcher Mahlzeit gekocht und wie, wo wird es gekauft und wieviel), natürlich wird alles wieder zehnmal umgeworfen und dann wieder neu diskutiert. Aber neben viel Gerede wird auch viel gekocht. Und zwar Unmengen! Wir alle, in Summe 8 Menschen, haben in 3 Tagen 8 Kilo Reis gegessen, 3 Kilo Kartoffeln, 3 Kilo Tomaten, 3 Kilo Bohnen, 2 Kilo Linsen und so weiter. 1 Kilo Mehl allein für die Chappaties zum Frühstück an einem Tag. Wahnsinn. Und wenn es ums Essen geht nehmen die Tamilen auch kein Blatt vor den Mund, es wird knallhart gesagt, wenn’s nicht schmeckt. Was vor allem Silly ziemlich getroffen hat.
Also, ich hatte wirklich lustige Tage! * So ganz allmählich kommen meinem Hirn die tamilischen Hieroglyphen nicht mehr ganz so fremd vor und ich verstehe zunehmend mehr, wenn auch das Reden noch etwas unbeholfen ist. Aber ich habe tatkräftige Unterstützung von „meinen“ Mädels, die tapfer versuchen, mir Unterricht zu geben.
Und ganz nebenbei hatten wir auch unseren ersten Patienten. Mary-Agnes’ Familie hat nämlich ein kleines Grundstück auf dem ein Brunnen ist. Diesen haben sie reinigen lassen und bei der Gelegenheit kam es zu einem Unfall, wo sich 2 Männer kleine Schnittverletzungen zugezogen haben. Die haben Mary-Agnes und ich natürlich fachmännisch gereinigt und verbunden und dann gab’s noch zur Belohnung eine Tetanus Impfung. Davon waren die Jungs dann wirklich begeistert. Die „weiße Schwester“ hat den Einstichort mit der Hand bestimmt, die Einstichstelle vorher sogar desinfiziert und die Spritze hat auch gar nicht weh getan! Es geht nichts über gute Publicity! Ich hoffe, das spricht sich rum und die Leute, vor allem natürlich die Schwangeren, werden gern zu uns kommen. Die Männer waren aber schon mal ganz angetan, auch von der Sauberkeit im Haus.
Nach diesem Erfolgserlebnis blicke ich nun einfach mal positiv in den November und hoffe, dass irgendwann auch unsere Visa verlängert werden und wir die ganzen Probleme, die Wolfgang unter „Aktuelles“ erzählen wird, auch noch lösen werden.
Wir haben schon so viel erreicht, dann wird das wohl auch noch gehen, oder?!
Wäre doch gelacht!
In diesem Sinne bis nächsten Monat
Eure Hanka
September 2010
Der September 2010 6 Years, 3 Months ago
Ihr Lieben zu Hause,
wie schnell doch immer so ein Monat vergeht! Aber das hatten wir ja schon…
Zunächst erst einmal wieder ein großes DANKE an Christian, der es immer wieder schafft, unsere Webseite zu reparieren. Leider gibt es wohl eine große Anzahl an Würmern und Viren, die unsere Seite total spannend finden. Da das keine Einzelgänger sind, wurde zwischenzeitlich die Möglichkeit der Neu-Anmeldung gesperrt. Aber keine Sorge, meine Monatsberichte werdet Ihr weiterhin lesen können (ich werde auch versuchen, das ein oder andere Foto einzufügen und hoffe, es gelingt) Womit wir direkt beim Thema sind – Monatsbericht.
Der September war unruhig.
Aber die guten News zuerst, ja? Die ersten zwei Patientenzimmer sind fertig! Fertig geputzt, fertig eingerichtet, fertig und großartig! Ich finde sie super! Und alle Inder in unserem Team auch, denke ich. Die Inder in unserer Region neigen nicht so zu Überschwänglichkeit und deshalb deute ich mal ein „Nalla irukku“ (es ist gut), als „Hey, dass sieht echt Spitze aus, das haben wir gut hinbekommen, super!
Auf jeden Fall ist ein Anfang gemacht und das soll ja immer das Schwierigste sein.
Dann wurden diesen Monat tatsächlich 2 der 3 bestellten Schränke geliefert. Leider sind diese etwas zu groß, um sie wie geplant in die Kreißsäle zu stellen, aber das Haus hat ja glücklicherweise genug Zimmer. Offensichtlich habe ich mich etwas vermessen, aber das liegt bei mir in der Familie, ist also erblich bedingt und keine Frage von Vorsatz. Seitdem misst Wolfgang alles noch mal nach.
Außerdem konnten wir ein weiteres Regal für unseren Abstellraum erwerben, ein Hb-Meßgerät und haben es am Ende doch geschafft, das Mobiliar für unseren Steril-Raum zu ordern. Letzteres gefällt mir besonders gut und wird hoffentlich irgendwann im Oktober geliefert. Die ganze Bestellaktion hat uns allerdings gut 2 Wochen gekostet und gefühlte hundert Falten mehr, mal abgesehen von einer Stange Geld.
Seit einigen Tagen haben wir in Anaiyeri auch einen funktionierenden Stromzähler. Yippie! Die ganze Sache wurde auch gebührend gefeiert mit Blumenkranz und Kerzenanzünden und so. Indisch eben. Dass der Raum im Security Haus eine Müllhalde ist, interessiert da niemanden. Ich hoffe nur, dass diese Zeremonie dem guten Stück helfen wird auch wirklich zu funktionieren, denn auf die Arbeit von Mr. Shanmughan kann man sich wirklich nicht verlassen(siehe unten).
Ansonsten sind wir wohl auf, auch wenn zunehmend leicht reizbar, gesund und munter.
Das waren die guten News.
Nun also zu unseren Sorgen- und Problemfällen.
Samy hat zwar seine Herz-OP in Chennai gut überstanden, konnte es aber nicht vermeiden sich drei Tage nach seiner Heimkehr von mehreren Bienen stechen zu lassen, was eine böse allergische Reaktion hervorgerufen hat. Nach dem hastigen Genuss von reichlich Cortison, ist er nun sehr langsam auf dem Weg der Besserung und hat außerdem einen allergischen Husten geerbt. Alles in allem ist er schlapp und müde und gibt reichlich Anlass zur Sorge.
Am Haus gibt es, trotz aller Freude über zwei fertige Zimmer, auch viel Anreiz, sich zu sorgen. Die von Mr. Shanmughan (Plumber und Strommensch) erledigte Arbeit erweist sich zunehmend als schlecht, was vor allem Wolfgang an den Rand seiner Geduld bringt. Die Warmwassererhitzer sind falsch montiert, dass die Leitungen vertauscht wurden ist dabei sogar das geringste Problem. Hauptproblem ist, dass Verbindungsmuttern aus nichtedlem Metall bereits nach 3 Wochen rosten und die Innenwände der Schläuche schon so zerfressen sind, dass sie kaum noch dicht zu bekommen sind. (siehe: Galvanisches Element) Also alles musste ausgetauscht und umgesetzt werden. Das Dichtungsproblem zieht sich weiter bis zu den Wasserhähnen. Es ist frustrierend, und zwar nicht nur für Wolfgang, wenn in dem zweiten fertigen Patientenzimmer, am Morgen nach der Fertigstellung 10 cm hoch das Wasser steht, nur weil Mr. Shanmughan eine Dichtung vergessen hatte. So etwas darf nicht passieren, wenn das Haus in Betrieb ist, deshalb musste Wolfgang alle Wasserverbindungen noch einmal bearbeiten. Nicht lustig finde ich auch, dass wenn man die Ventilatoren an- bzw. ausschaltet ein Blitz durch die Schalter zuckt, sprich: alles muss nochmals kontrolliert werden. So Kleinigkeiten halten tierisch auf und von der eigentlichen Arbeit ab.
Auch nicht so schön, aber leider nicht mehr änderbar, ist, dass die Patientenbetten nicht durch die Türen passen. Dafür kann ich ausnahmsweise Mal nix, auch wenn sich das nach John´schem Augenmaß anhört. Laut Plan sollten die Türen 100 cm Öffnung haben, nun haben sie aber nur 90 cm und das heißt, die Betten (93 cm) müssen im Zimmer bleiben und können nicht wie geplant, zum Transport der Patienten von OP/Kreißsaal ins Zimmer genutzt werden. Ärgerlich.
Von der Visasituation gibt es leider nichts Neues zu berichten, was irgendwo auch sorgt. Aktuell scheinen wohl die „Commonwealth Games“ in Delhi wichtiger zu sein als die Bearbeitung von Visaanträgen von Ausländern.
Und, der Sorgen kein Ende, unserem Straßenhund fehlt seit geraumer Zeit ein Ohr, das er im Kampf mit so einem Stinkeköter von nebenan verloren hat. Das hat sich natürlich Mega entzündet und ihm mittlerweile das halbe Gesicht weggefressen. Das Antibiotikum von uns wollte er nicht mehr fressen und Tierärzte machen keine Hausbesuche. Somit stinkt er die ganze Straße zu, was eigentlich alles fernhält, was hier nicht unbedingt hin muss. Das trifft leider nicht auf die Gauner von der Revelation Church neben uns zu, die trotzdem mit Inbrunst jeden Abend ihr Halleluja singen. Aber zum Glück sind wir überwiegend unterwegs oder in Anaiyeri.
Trotz der ganzen Ärgernisse, Sorgen und dem Muskelkater (nicht lachen, aber die Treppen im Haus auf und ab, 1000-mal am Tag, das strengt echt an) ist es für mich weiterhin das Größte, hier zu sein.
Also dann, passt auf Euch auf.
Bis nächsten Monat.
Eure Hanka
P.S. Wir arbeiten daran, auch Bilder ins Netz stellen zu können. Ist aber nicht ganz so einfach…
August 2010
Der August 2010 6 Years, 4 Months ago
Hallo zusammen,
nachdem unsere Webseite erfolgreich von einem Virus befreit wurde, kann ich nun auch endlich wieder eine kurze Zusammenfassung der letzten Wochen hier in Indien schreiben.
Der August fing schon mal gut an: Ein Bekannter hier in Indien begrüßte mich, nachdem wir uns längere Zeit nicht gesehen hatten, mit der Frage, ob ich denn größer oder fetter geworden sei. Eine Frage, die man Frauen im Allgemeinen und mir im Besonderen nicht stellen sollte. Aber ich lerne hier auch eine gewisse Art von Humor, sodass ich darüber am Ende nur noch lachen konnte.
Dann gab es große Aufregung, da Wolfgang für zwei Wochen nach Deutschland fahren musste und die Visasituation weiterhin nicht klar ist und somit auch das Ausreisen aus Indien nicht so einfach möglich ist. Mit Hilfe unseres Anwaltes bekam er dann zwar ein Schreiben, das bescheinigte, dass alle Papiere ordnungsgemäß eingereicht und die Sache in Arbeit ist, dennoch konnte er nur mit viel Diskussion am Flughafen das Land verlassen. Auch die Wiedereinreise war wohl nichts für schwache Nerven.
Ich habe Wolfgangs Abwesenheit genutzt, um in der Geburtshilfestation das Wort PUTZEN neu zu definieren. Das Haus hat jetzt also eine gewisse Grundsauberkeit und ist sogar überwiegend krabbeltierfrei. Außerdem sind alle bisher gekauften Schränke aufgebaut, trotz zum Teil fehlender Aufbauanleitung! Allerdings fehlte dann doch das ein oder andere Schräubchen, sodass, nach Wolfgangs Rückkehr, wir erst einmal wieder nach Chennai fahren mussten, da die fehlenden Dinge in Pondi nicht zu bekommen waren. Den „Einkaufsmarathon“ in Chennai haben wir dann gleich noch dazu genutzt, um weitere Schränke und medizinischen Bedarf zu bestellen. Es ist schon recht anstrengend, durch diese 7 Mio. Stadt mit dem Auto zu kurven, auf der Suche nach dem richtigen Geschäft, mit den richtigen Schrauben. Und dann werd ich mich wohl nie daran gewöhnen, dass man nicht einfach in einen Laden geht, 20 Schrauben kauft, bezahlt und das Ganze ist in 10min. abgehakt – nein, über 2 Stunden für 20 Schrauben. Ich kann Euch auch nicht sagen, was dabei immer so lange dauert. Der obligatorische Tee nimmt wirklich nur einen Bruchteil der Zeit in Anspruch, da ich es auch mittlerweile schaffe, dieses kochendheiße Zuckerwasser in 2 min. runter zu bekommen.
Aber zurück zum Wesentlichen. Alle im Juli und Anfang August bestellten Einrichtungsdinge wurden geliefert. Somit haben wir jetzt 4 Patientenbetten mit abwaschbarer Matratze und abwaschbaren Kissen, Drehhocker, Instrumentiertische für OP und Kreißsaal aus Edelstahl, einen Rollstuhl, Patientenschränke, Schreibtische und 6 verschiedene Schränke zum Verstauen des Containerinhaltes. Und nicht zu vergessen Bettwäsche, Vorhänge und natürlich den ganzen Papierkram, sprich Patientenakten, Formulare und Mutterpässe. Ich finde, dass hört sich doch alles ganz gut an. Wie gesagt, haben wir noch weitere Schränke und Regale bestellt, denn mit den 6 Schränken werden wir wahlweise nicht weit kommen. Außerdem haben wir Unmengen an verschieden großen Plastikkisten.
Somit ist, finde ich, alles gut vorbereitet für die Öffnung des Containers, wenn denn mal alle Schränke und Regale wirklich stehen.
Auch das Wasserproblem, was ich in meiner Alleine-Zeit in Anaiyeri hatte, scheint zunächst gelöst. Die Pumpe war kaputt und ich hatte für mehrere Tage eine Campingsituation vom Feinsten. Die Pumpe ist also wieder in Ordnung und liefert auch, dank Regenzeit, reichlich Wasser. Inwieweit das auch funktioniert wenn Trockenzeit ist, müssen wir wohl oder übel abwarten. Dennoch muss das Wasser auf Reinheit getestet werden, da auch in Indien eine Gesundheitsstation nicht ohne sauberes Wasser arbeiten darf. Das dürfte noch ein Problem geben, denn das Wasser aktuell hat eine bräunlich-gelbe Farbe, sieht nicht lecker aus und riecht auch nicht gut.
Klar ist auch, dass das Haus vom Gesundheitsamt in Viluppuram abgenommen werden muss nachdem die Einrichtung fertig ist. In dem Zusammenhang wird dann auch unsere Arbeitserlaubnis beantragt, was ein nicht unwesentliches Problem geben wird, da wir, wie gesagt, zurzeit noch nicht mal eine gültige Aufenthaltsgenehmigung haben. Und da unsere Papiere erst am 28.8.2010 – 3 Monate nachdem sie in Viluppuram eingereicht wurden – ihren Weg von Chennai nach Delhi aufgenommen haben, rechne ich nicht mit einer Antwort noch in diesem Jahr. Aber ich habe hier auch gelernt, mir um ungelegte Eier keine Sorgen mehr zu machen.
Wirklich ernsthafte Sorgen hat uns unser indischer Projektpartner Samy im August gemacht. Er hat wohl schon seit mehreren Jahren ein Herzproblem, was jetzt so problematisch wurde, dass er sich einer Bypass Operation in Chennai unterziehen musste. Aber zum Glück hat er alles gut überstanden und ist nun wieder zu Hause bei seiner Familie.
Insgesamt war also meine erste Zeit in Anaiyeri ganz produktiv. Ich konnte mich auch in einem Tamil-Englisch-Hände-und-Füße-Gemisch irgendwie verständigen. Was, glaub ich, für alle total lustig war.
Die Leute auf dem Land sind sehr hilfsbereit, neugierig und freundlich. Allerdings stirbt wohl die Hoffnung zuletzt, dass sie sich irgendwann an meinen Anblick gewöhnen werden und mich nicht immerzu anstarren, als ob ich grad vom Mars gefallen wäre – groß und fett wie ich nun mal bin. Einer ist sogar vom Fahrrad gefallen, als er mich sah…
Naja und die Ruhe und Landschaft und die saubere Luft – was soll ich sagen – phänomenal.
Das war es in Kürze aus Indien.
Bleibt gesund und munter!
Bis bald
Eure Hanka
Forum Archiv
18. August 2010
Der 18. August 2010! 6 Years, 5 Months ago
Meine Lieben zu Hause,
Heute ist ein ganz besonderer Tag, markiert ihn Euch rot im Kalender, macht ein dickes Kreuz hinein, malt eine Blume dazu,…, sorry, ich verliere mich…
Ihr werdet es nicht glauben, aber nach einem Jahre und einem Monat in Indien, bin ich heute, am 18.August 2010, nach Anaiyeri gezogen.
Endlich!
Dass dieser Tag wirklich noch kommen könnte, habe ich zwischenzeitlich kaum noch geglaubt.
Doch wie kam es nun zu diesem Ereignis?
Ich habe ja im letzten Monatsbericht angedeutet, dass wir am überlegen sind, wie wir die restlichen Baumaßnahen weiter beschleunigen können. Die Idee kam, wurde passend platziert und nun ist das Haus so gut wie fertig. Zugegebener Maßen war das nun auch kein Zauberstück mehr, aber in den letzten 2 Wochen ist mehr passiert als in den 4 Wochen davor.
Schade nur, dass man immer erst ernste Maßnahmen ergreifen muss, damit sich was tut, aber so sind sie eben die Inder.
Da nun die Waschbecken hängen (nach 2 maliger Reklamation heute sogar fest an der Wand), aus den Wasserhähnen Wasser kommt und die Minikläranlage angeschlossen ist und zunächst auch funktioniert, war das für mich der Startschuss meine 7 Sachen zu packen und endlich herzuziehen.
Seit ca. 14 Uhr indischer Zeit bin ich nun hier und seitdem putze ich und das wird wohl auch die nächsten 2 Wochen so weitergehen.
Putzen, PUTzen, PUTZEN.
Dennoch bekomm ich irgendwie die Geckos nicht aus dem Gästezimmer über der Küche, wo ich zunächst schlafen werde, da im Haupthaus außer Waschbecken und Wasserhähnen noch nichts steht. Ich hoffe nur, dass die Tierchen, von mir liebevoll Fred getauft, an der Decke hängen bleiben und sich nicht in mein Bett fallen lassen.
Also, es ist schon noch ein Berg an Arbeit, bis das erste Kind hier geboren werden kann, aber es geht voran und an dieser positiven Stimmung wollte ich Euch unbedingt teilhaben lassen.
Nächste Woche werden wir die Patientenbetten und sonstiges medizinisches Gerät aus Chennai abholen, ich hoffe, dass bis dahin alles geputzt ist. Dann heißt es Regale und Schränke aufbauen. Dann wird der Container ausgeräumt und dann kann es auch eigentlich schon bald losgehen.
Aber ich wollte ja keine Pläne mehr machen…
Also, ich werd mich jetzt mal, hoffentlich ohne Freds, ins Bett begeben.
Ich bin wirklich in Anaiyeri!
Eure Hanka
Juli 2010
Der Juli 2010 6 Years, 5 Months ago
Ihr Lieben,
ab dem 20. Juli 2010 ist es offiziell: Wir sind ein Jahr in Indien und konnten mit unser Arbeit in Anaiyeri bisher nicht beginnen.
Das ist einfach nur Mist.
Ich erspare Euch die schier endlosen Erklärungen, die wir uns von indischer Seite anhören und die Gedanken, die ich mir dazu mache; einen Teil davon könnt Ihr Euch sicher denken oder habt Ihr in den letzten Monatsberichten gelesen.
Die Frage ist: WIE soll es weiter gehen bzw. KANN es überhaupt noch weiter gehen?
Aber zunächst möchte ich Euch kurz vom Juli 2010 berichten.
Wir schlafen und essen weiter in Pondicherry und verbringen die übrige Zeit in Anaiyeri.
Highlight des Monats war der Besuch von Valerie, einer Kinderärztin aus Paris. Als Spenderin einer französischen Organisation, wollte sie sich die Verwendung der Gelder direkt vor Ort ansehen und war deshalb zu Gast bei Samy. Ihre erfrischende Art hat uns beiden, glaube ich, noch einmal einen richtigen kleinen Motivationsschub gegeben. Aber das nur nebenbei.
Was haben wir in 4 Wochen erreicht? Die Waschbecken wurden problemlos umgetauscht (die von uns bereits so mühevoll angebrachten Waschbecken konnten leider nur mittels Hammer von der Wand entfernt werden).
Die Mini Kläranlage steht an ihrer Stelle und alle fehlenden bzw. defekten Teile wurden geliefert/ erneuert, die Abwasserrohre liegen weitestgehend korrekt.
Wir waren mit unseren indischen Kollegen in Chennai und haben Einrichtungsbedarf bestellt (Schränke, Stühle, Tische).
Mary-Agnes (unsere indische Hebamme) und ich haben begonnen, im Erdgeschoß zu putzen.
Wolfgang und ich haben eine Liste erstellt um zu helfen, die endgültige Fertigstellung des Hauses besser zu koordinieren und zu organisieren.
Drei Wochen später ist von diesem Plan nichts umgesetzt worden (heißt, nichts davon ist fertig), obwohl wir eigentlich ständig vor Ort sind. Euch die Gründe für diesen Fehlschlag zu erklären, ist ein weites Feld, würde sich am Ende auch nur nach Ausreden anhören und das Verständnis nicht erleichtern.
Was muss also noch getan werden?
Die Mini Kläranlage muss vollständig mit den Rohren vom Haus verbunden werden und braucht noch einen Ablauf, der das geklärte Wasser ins Feld leitet. Die noch immer fehlende Toilette stellt für mich bei den 10 Stunden Tagen auf der Baustelle eine echte Herausforderung dar.
Frischwassertanks auf dem Dach müssen mit dem Haus verbunden werden (spannender Moment: sind alle Rohre dicht?) und natürlich auch mit der Wasserpumpe.
Das Gelände um die Station muss begradigt werden; zurzeit sieht es aus wie eine Mondlandschaft mit einem pinken Gebäude in der Mitte.
Die Stromverlegung muss fertig gestellt werden und alle freiliegenden Kabel und offene Kabelkästen müssen versorgt werden.
Waschbecken und Wasserhähne müssen montiert werden.
Im Groben wäre es das dann auch schon.
Dem aufmerksamen Leser der vorangegangenen Berichte wird nicht entgangen sein, dass diese Punkte bereits seit mehreren Monaten an erster Stelle der „to do list“ stehen.
Die berechtigte Frage, warum es nicht einfach abgearbeitet wird, kann ich Euch nicht beantworten. Nur so viel, wir haben alles versucht und geben nicht auf, es weiter zu probieren. Noch nicht. Wie sagt man so schön: Entwicklungshilfe ist, wenn´s auch mal klappt. Und sicher gehört das, was wir hier so erleben zu den vielen Puzzleteilen der Entwicklungshilfearbeit dazu. Und ich glaube, das ist der Knackpunkt der ganzen Sache. Die ländlichen Gebiete Indiens sind eben ein klassischen Entwicklungsland und das vergisst man gelegentlich. Auch wenn in den Städten Raketen gebaut und Herzen transplantiert werden, die Situation auf dem Land könnte dazu gegensätzlicher nicht sein.
Dennoch, genug ist genug und somit sind wir am Überlegen, zusammen mit unseren deutschen Helfern und Unterstützern, welche Maßnahmen jetzt ergriffen werden können und müssen, um den Bau doch noch zu beenden. Das könnte unter Umständen nicht so ganz angenehm werden.
Die Zeit wird zeigen und natürlich der weitere Verlauf der Ereignisse hier, inwieweit eine Zusammenarbeit dann noch möglich ist.
Aber eines ist klar, die Lage hier in Indien steht auf Messers Schneide.
Man sagte uns, dass es in Indien gut möglich ist, dass sich alles in aller letzter Minute doch noch zum Guten wendet.
Die Hoffnung stirbt zum Schluss.
Eure Hanka
Juni 2010
Der Juni 2010 6 Years, 6 Months ago
Ihr Lieben,
wieder ein Monat rum und keine Änderung.
Langsam weiß ich nicht mehr, wie ich mein Hiersein Euch bzw. mir selbst erklären kann. Ich kann Euch nur so viel sagen, dass wir unser bestes versuchen, die Dinge ins Laufen zu bringen, aber an so vielen, vielen Kleinigkeiten hängen bleiben.
Die Zeit vergeht und am Ende eines Monats sitze ich wieder hier und versuche einen Bericht zu verfassen, wo es eigentlich nichts Besonderes zu erzählen gibt; keine Meilensteine, die wir hinter uns gebracht hätten und die den Blick auf ein gutes Ergebnis offenlegen würden. Nur Unmengen an zum Teil frustrierenden und zeitaufwendigen Nebensächlichkeiten.
Trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf. Keiner hat gesagt, dass es leicht werden würde.
Wir sind also weiter in Pondicherry, da die Geburtshilfestation in Anaiyeri noch immer nicht bereit ist, uns dort wohnen und arbeiten zu lassen. Das liegt vor allem daran, dass es noch immer keine richtig angeschlossene Abwasseranlage gibt. Selbige ist zwar nach langer telefonieren-abwarten-nichts tut sich-telefonieren-Endlosschleife am Dienstag, den 29.6.2010, wirklich geliefert worden, allerdings nicht so wie gehofft. Zum Einen ist der Tank nicht so transportiert worden wie er sollte – im Stehen und festgebunden -, sondern im Liegen und hin-und her rollend auf dem LKW. Zum Anderen wurde er mit einem eher weniger zärtlichem Fußtritt vom Transporter getreten. Beides lässt die Vermutung keimen, dass irgendetwas innerhalb des Tanks nicht mehr an der Stelle ist, an die es gehört. Was aber an und für sich kein Problem ist, da sowieso ein Mechaniker der Firma Sintex aus Chennai für den Anschluss der Anlage kommen sollte. Dieser könnte dann gleich die nicht mitgelieferten, weil vergessenen, Anschlussschläuche mitbringen. Schöne Idee soweit, nur leider bekommen wir den Mechaniker nicht an Land. So ist das in Indien, Planung gut, Durchführung eher nicht. Also heißt es wieder telefonieren, sich Versprechen anhören, wann der Mensch in Anaiyeri sein wird, warten, feststellen, dass er nicht kommt, wieder telefonieren usw. diese Endlosschleife hatten wir ja bei der Lieferung schon. Dieses Verhalten ist für unsere europäischen Seelchen nicht leicht nachzuvollziehen. Es scheint, als ob man in Indien nichts verkaufen möchte, keinen Wert auf Kundenzufriedenheit und positives Firmenimage legt und jedem eigentlich alles egal ist. Diese „LMA“ Haltung ist für uns das schlimmste. Das raubt uns fast den letzten Nerv und so gut wie jede Motivation, da es sich auf alle Bereiche des Lebens hier zu beziehen scheint. Es ist egal, ob es um Handel, Umwelt, Verkehr, Mitmenschen, Tiere etc. geht. Jeder ist sich selbst der Nächste.
Das jetzt weiter auszubauen würde zu weit führen.
Also, was ist Gutes passiert in Monat Juni:
Die Mauer um das Grundstück ist fertig, wenn auch noch nicht komplett verputzt, aber sie steht. Der Fußboden im Erdgeschoß ist poliert und glänzt, dass es eine Freude ist. Die Mosquitonetze sind an allen Fenstern und mit etwas Glück auch bald an allen sonstigen Öffnungen (Türen, Lüftungen), die das Haus so aufweist, somit kann die Geburtshilfestation für mosquitofrei erklärt werden. Leider trifft das noch nicht auf Schlangen (einen Gast dieser Art hatten wir letztlich im OP) und sonstiges Kriechgetier zu, aber wir arbeiten an einer Lösung. Die Ventilatoren hängen, weiß und mit Verlängerung, damit bei 3,20 m Zimmerhöhe am Boden auch was ankommt. Allerdings muss auch diese Arbeit noch etwas ausgebessert werden, da die Stangen doch erheblich wackeln und leider auch im OP einer angebracht wurde, wo nun grad keiner hingehört. Die Türen im Erdgeschoß sind komplett, bis auf die Türgriffe, aber ich will Euch nicht mit Kleinigkeiten langweilen. Jedenfalls sehen sie sehr gut aus, zumindest von Weitem. Denn wenn man genauer hinschaut, könnte einem Auffallen, dass sie doch arg zerkratzt und verbeult sind, aber wer schaut hier schon genauer hin…
Zwei Waschbecken haben Wolfgang und ich im OP-Waschraum mit viel Aufstand in die Wand geklebt, da in den Wänden so große Hohlräume sind, dass die Dübel im Nirvana verschwinden bzw. keinen Halt haben. Also, zwei von 8 Waschbecken hängen und sehen sehr schön aus. Wenn nun auch noch die Abflüsse passen würden und alles DICHT verschlossen werden könnte, wäre das noch viel schöner. Dann könnten wir sagen: JA, wir haben etwas gut hinbekommen. Nun, sieben der acht Waschbecken müssen wieder umgetauscht werden, da es nicht möglich ist die Ausgüsse zu montieren. Man hat uns da wahrscheinlich 18. Wahl verkauft. Wie wir die eingeklebten Becken wieder herausbekommen sollen, wissen wir auch noch nicht.
Upps, da ist mir doch etwas weniger Gutes in meine Auflistung des Guten im Juni geraten – Sorry.
Weiter im Text.
Ich habe das Mädchen-Bad im 1. Stock gefliest. Ich!
Ich möchte Euch jetzt schwer beeindruckt sehen!
Na gut, sie sind vielleicht nicht ganz so gerade, wie die von Wolfgang, aber sie hängen und sehen den Umständen entsprechend gut aus (unter uns, die Fliesen, die wir auf Anraten des Ingenieurs gekauft haben, sind Mist. Sie wechseln ihre Farbe wie ein Chamäleon, je nach Nässegrat, sind zum Teil unterschiedlich groß und haben leider auch die Reise von Habvergessenwoher nicht so gut überstanden, viele sind einfach kaputt.) Aber sie sind an der Wand und das im platzsparenden Dünnbett. Da hier herkömmlicherweise Fliesen in einem 5-10 cm dicken Zementbett liegen, was die Räume noch kleiner machen würde, hatte Wolfgang diese Methode vorgeschlagen. Eigentlich unter der Vorstellung dies zusammen mit dem Fliesenleger zu erledigen. Leider hat der sich, nach der Beendigung seiner Arbeiten im Erdgeschoß, nicht mehr sehen lassen. Fehlendes Interesse oder Probleme in der Verständigung? Keiner weiß es. Aber, dadurch bin ich in den Genuss des Fliesenlegerstiftes gekommen und nach anfänglichen Reibereien nun auch gern dabei. Das bedeutet seit den letzten Wochen aber auch, 6 von 7 Tagen nach Anaiyeri zu fahren. Morgens 5 Uhr raus aus dem Bett, 6.30 Uhr los und abends im Dunkeln wieder zurück. Wenn der indische Verkehr nicht wäre, würde man die 65 km auch auf einer Pobacke absitzen. Aber der indische Verkehr ist da und er ist gnadenlos.
Auch finden weiter wöchentlichen Treffen mit unseren indischen Kollegen statt, die aber nur wenig nennenswerten Erfolg zeigen, da z.B. die Erstellung eines Dienstplanes eine befürchtete Herausforderung darstellt. Aber alle Seiten versuchen tapfer weiter eine Lösung zu finden.
Somit bleibt wenig Zeit für anderes. Sprachunterricht geht bei dem Zeitplan nicht und so versuche ich im Auto etwas Tamil zu sprechen, wenn wir Leute ein Stück des Weges mitnehmen. Und sie verstehen mich! Und was noch viel erstaunlicher ist, ich sie auch! Da bin ich schon was froh, wobei natürlich die einfachen Fragen nach Name, wohin, warum, kein Geniestreich sind. Aber es ist ganz lustig, was ja nicht ganz unwichtig ist. Aber am schönsten ist es, wenn wir durch die, um Anaiyeri liegenden, Dörfer fahren, wo man uns nun so langsam kennt und alle Kinder und viele Erwachsene wie wild anfangen zu rufen, zu winken, auf uns zulaufen und sich wirklich ehrlich freuen uns zu sehen. Da scheint auf einmal alles möglich, sogar dieses Projekt doch noch zum Laufen zu bekommen.
An dieser Stelle auch noch einmal ein großes DANKESCHÖN an den Indienverein des Auguste-Victoria-Gymnasium in Trier, die dem Geburtshilfe-Projekt das Auto gespendet haben. Ohne diesen kleinen Hyundai wäre die Betreuung des Hausbaues und der Kauf & Transport der vielen benötigten Dinge nicht möglich.
Wo war ich?
Achja, Zeit für anderes:
Yoga findet nicht mehr statt, wobei ich mir eigentlich fest vorgenommen habe, morgens selbst auf unserem Dach etwas zu üben, aber mein Schweinehund… ihr wisst schon. Selbst unsere wenigen Kontakte hier in Pondi zu pflegen fällt schwer, da ich abends meist stumpf umfalle und bis zum nächsten Morgen tief und fest schlafe. Selbst die Straßenhunde, die sich wohl nachts immer wieder ärgern, höre ich nicht mehr. Nur unsere „Freunde“ von der Revelation Church nebenan schaffen es noch mich zu wecken, dafür aber recht zuverlässig und zur Zeit jeden 2.Tag ab 4.30 Uhr in der Früh.
Das waren die Neuigkeiten hier aus Indien. Ich mache jetzt keine Planungen mehr, was vielleicht im Juli alles passieren könnte. Falls aber doch Ungewöhnliches geschieht, werdet Ihr es hier zeitnah lesen können.
Passt auf Euch auf und gehabt Euch wohl!
Eure Hanka
Neues von der Visaverlängerungsfront Juni 2010
Neues von der Visaverlängerungsfront 6 Years, 7 Months ago
Ihr Lieben,
wie ich Euch versprochen habe, melde ich mich heute kurz, um Euch auf den neuesten Stand der Visasituation zu bringen. Wie Ihr ja vielleicht wisst, laufen unsere Visa morgen, 23.06.2010, aus. Nachdem wir alle unsere Papiere durch unseren Anwalt vor über zwei Monaten bei den entsprechenden Behörden eingereicht haben und bis Freitag, 18.06.2010 noch immer keinerlei Nachricht erhalten hatten, waren wir mehr als unruhig und sehr besorgt. Wir spielten sogar schon mit dem Gedanken, doch vorzeitig wieder ausreisen zu müssen, da ohne Verlängerung der Visa keine legale Aufenthaltsgenehmigung möglich ist.
Einige Telefonate mit unserem Anwalt, der uns weiter mit dem Satz „no problem, Madam“ versuchte, geschmeidig zu halten und zahllose Versuche auf dem deutschen Konsulat in Chennai einen Ansprechpartner zu bekommen, der uns irgendwie weiterhelfen kann, was uns aber nur endloses Warten in Telefonwarteschlangen bescherte, beruhigte uns nicht wirklich. Also sind wir heute Vormittag kurzentschlossen zusammen mit unserem Anwalt nach Viluppuram gefahren, um die Situation vor Ort zu besprechen.
Das Ergebnis: Unsere Papiere sind ordnungsgemäß und vollständig eingereicht. Sehr gut.
Nun ist es wohl aber in Indien üblich, dass, selbst nach Ablauf der bisherigen Visa bzw. Aufenthaltsgenehmigungen und trotz rechtzeitigen Einsendens aller für eine Verlängerung notwendigen Papiere, noch zwei weitere Monate über das Ablaufdatum hinaus, über unseren Anträgen gebrütet werden darf. Also haben wir einen schicken Stempel auf unsere „alte“ Aufenthaltsgenehmigung bekommen und dürfen die nun immer mit uns herumtragen, denn die Visa in unseren Pässen sind ab morgen abgelaufen und somit ungültig.
Heißt: In zwei (ich schätze mal grob in 4-5) Monaten werden wir Nachricht erhalten, ob unsere Verlängerung genehmigt ist und für wie lange. Beantragt haben wir eine Verlängerung für 2 Jahre, es kann aber sein, dass zunächst nur ein Jahr genehmigt wird und wir dieses Spiel nächstes Jahr wieder durchziehen dürfen. Herrliche Aussichten!
Aber, wie dem auch sei, wir bleiben zunächst hier und das sogar halbwegs legal und darüber freue ich mich jetzt einfach mal!!!
Wenn morgen dann auch endlich unsere kleine süße Mini-Kläranlage geliefert wird, was uns eigentlich für Samstag, 19.6., versprochen wurde, kann diese vielleicht auch noch in diesen Monat angeschlossen werden.
JAAAA!
Kaum zu glauben, denn dann würden wir endlich ins Haus ziehen und mit unserer Arbeit ein Jahr verspätet anfangen können.
Vielleicht geschehen hier noch Zeichen und Wunder, wer weiß.
So, nun fühlt Euch mal alle herzlich von mir gedrückt!
Wir gehen dass jetzt angemessen Feiern: in die klimagekühlte Schokolaterie und trinken eine heiße Schokolade bei 35° C im Schatten. Wunderbar!
Eure Hanka
Mai 2010
Der Mai 2010 6 Years, 7 Months ago
Ihr Lieben,
es ist Freitag der 4.Juni und nach einem Tag mit unerträglicher Hitze fängt es jetzt, 23.10 Uhr, endlich an zu regnen. Frei nach dem Motto „es kann ja nicht immer regnen“ freue ich mich riesig und nutze diese Hochstimmung, um Euch die letzten 4 Wochen zu erzählen (während der Doktor wie wild das Dach putzt, mit Hilfe der Unmengen an Regen, die gerade runter rasseln).
Tja, im Mai 2010, was soll ich Euch sagen, waren wir weiterhin in Pondicherry. Langsam fällt auch mir dazu nichts mehr ein. Es gibt offensichtlich unvorhersehbare Verzögerungen, die mit vielen Worten, mehr oder weniger sinnvoll, erklärt werden. Hauptproblem ist weiter unser Herzchen die Kläranlage. Nach mehreren persönlichen Vorsprachen in Chennai, etlichen E-Mails und unzähligen Anrufen haben wir noch immer nicht die Auskunft, ob und wann das gute Stück geliefert wird, geschweige denn einen Kaufvertrag (trotz Anzahlung von RS 25.000) oder mal die Info, wo denn hier überhaupt das Problem ist. Niemand fühlt sich zuständig und wir werden vertröstet, hingehalten oder auch schlichtweg verarscht. Und die Wut über dieses Verhalten steigt ins Unermessliche, wenn ich mir überlege, dass, wäre das Teil da wo es hingehört, nämlich in der knapp 4 Meter tiefen Grube vor der Geburtsstation, dann könnte man schon ernsthaft darüber nachdenken dort auch zu wohnen. Dann könnte man schon mal Putzen und unseren „Special Friend“ den Mauermeister zu Tode nerven oder wenigstens dazu bewegen, sich mal etwas zu beeilen. Ja, alles wäre viel einfacher, aber nicht ärgern, es regnet!
Wo wir gerade bei der Firma Sintex sind, würde mich mal interessieren, ob vielleicht jemand von Euch ähnliche Erfahrungen mit der Firma Sintex gemacht hat. Eigentlich dachten wir nämlich, dass durch den Kauf dieser Mini-Kläranlage der Firma Sintex für unsere Geburtsstation, die ganze Abwassersituation in der Umgebung revolutioniert werden könnte. Andere kämen dadurch vielleicht auch auf die Idee, dass diese Anlage doch viel besser ist als die herkömmlichen Septik-Tanks, da sie geklärtes Wasser auswirft, was bedenkenlos ins Feld geleitet werden kann und deutlich weniger Wartungskosten hat, zum quasi gleichen Preis wie die „alten“ Anlagen. Davon würde nicht nur die Umwelt profitieren und natürlich die Menschen der Region, sondern eben auch die Firma Sintex. Aber scheinbar sehen nur wir dieses Potenzial.
Das nächste Problem, oder besser, was noch zu tun ist, bevor es endlich mit Einrichten losgehen kann, ist die Schutzmauer um das Grundstück. In den letzen 4 Wochen wurden gerade mal 3 Meter von noch insgesamt ca. 120 Meter Mauer gebaut. Tja, this is India. Angeblich sind Steine zurzeit nicht zu bekommen, was mich doch schon arg wundert, da der Bau der Mauer nun wirklich keine Neuigkeit ist. Vielleicht würde es schneller gehen, bekäme der Mauermeister die, dem Doktor unter vier Augen, vorgeschlagenen RS 200.000 für die Hochzeit seiner Tochter, vielleicht würde aber auch der von Wolfgang gekaufte Baseball-Schläger die Sache verkürzen. Ich weiß es nicht, finde aber beide Vorschläge nicht erbaulich. Die Verwunderung bleibt und nimmt auch gerne noch andere Formen an, denn die im November bis Januar ausgesuchten Mosquitonetze, Türen, Türfüllungen, Ventilatoren etc. waren zum Teil Anfang Mai noch nicht einmal bestellt. Und dann passiert, was eben passieren muss: „hammer nich määhr“. Kommt mit doch alles irgendwie bekannt vor.
Ansonsten muss ich sagen, sieht das Haus langsam aber sicher nahezu fertig aus. Die Malerarbeiten sind fast beendet, es wurden sogar die Fliesen und Fenster schon mal vorgeputzt, die Aluminiumrahmen für die Türen wurden eingebaut und auch die Türen, nur leider ohne Türfüllung, da die eben nicht bestellt wurden. Es scheint so, als ob eine Fertigstellung sich nicht mehr verhindern ließe und unter Umständen auch noch in diesem Leben eintritt.
Soweit zum Haus.
Trotz allem war der Mai für mich ein bewegender Monat, da meine Mutter mich hier besucht hat. Nach fast einem Jahr, indem wir uns nur über eine miserable Skype-Verbindung gesehen haben, war ich sehr froh, sie endlich mal wieder live und in Farbe zu haben. Ich finde es wirklich großartig, dass sie sich mit nun 67 Jahren, ganz allein und nach gut 16 Jahren mal wieder in ein Flugzeug setzt, dann 9 Stunden nach Indien fliegt und noch dazu mit 5 Worten Englisch durch die indische Passkontrolle kommt. In den zwei Wochen, die sie hier war, kam gelegentlich die Frage auf, von wem ich denn DAS wohl geerbt habe, tja Mutti, ich würd man sagen von Dir.
Und wir hatten eine schöne Zeit: wir haben uns tapfer durch den indischen Verkehr gekämpft, sei es auf dem Moped, im Auto oder zu Fuß und haben hier in Pondi und Umgebung einiges gesehen, haben abends im Sonnenuntergang Yoga auf dem Dach geübt, waren gut Essen, haben uns natürlich die Geburtsstation angesehen und haben eben viel geschnackt und Zeit gehabt. Da der Mai wohl der heißeste Monat hier sein soll, hatte ich im Vorfeld doch einige Bedenken, ob sie das auch alles so aushält. Hat sie und zwar besser als ich, die, bevor der große Regen kam, ihre Körperkühlung nur mit dem Verlust von reichlich Flüssigkeit aufrechterhalten konnte.
Möglich war das alles nur durch das Sponsoring meine Bruders und dafür nochmal DANKE Bruderherz – Du bist der beste!!!
Viel mehr Neues ist im Mai dann auch leider nicht passiert. Zu den regelmäßigen Treffen mit unseren indischen Kollegen, Sprachunterricht, Fahrten nach Anaiyeri und Papierkram-Vorbereitungsarbeit am Rechner, kamen nun noch die, schon fast regelmäßigen, Fahrten nach Chennai zu den extrem hilfreichen Mitarbeitern der Firma Sintex (rrrh). Wenigstens konnten wir das in-Chennai-Sein nutzen, um nach medizinischem und handwerklichem Bedarf zu schauen, so waren die gut 4 Stunden Hinfahrt und 4 Stunden Rückfahrt nicht ganz umsonst. Und wir haben gute Läden gefunden, die sehr hilfreiche und noch dazu freundliche Mitarbeiter haben. Es geht also auch anders.
Da ich leider bisher noch keinen Ersatz für Teresa finden konnte (hat denn wirklich keine von Euch Lust auf ein Abenteuer?!?), wird es nun erst mal so sein, dass zuerst die Arbeit in der Station zum Laufen gebracht werden soll und danach erst mit der „mobilen“ Arbeit in den Dörfern begonnen werden kann. Ich finde das so eher suboptimal, da für meine Begriffe die Hebammenarbeit nicht nur in der Geburtshilfe besteht, sondern vor allem in Aufklärungsarbeit, Vorsorge und Nachsorge direkt in den Familien. Nur so können alle Frauen erreicht werden, die aus welchen Gründen auch immer, nicht in die Station kommen können. Außerdem planten wir ja überwiegend ambulante Geburten zu betreuen(heißt Entlassung aus der Station 6 Stunden nach Geburt), deshalb gibt es auch nur zwei Patientenzimmer, was eben eine regelmäßige Nachsorge zu Hause von Anfang an absolut notwendig macht.
Offensichtlich scheint es für indische Hebammen/Krankenschwestern leider nicht so spannend zu sein, wie für mich, auf dem Land zu arbeiten. Deshalb überlegt die indische Regierung, eine Zusatzzahlung von monatlich RS 3500 einzuführen, sodass eine Landhebamme dann ca. RS 6000 (~100 €) monatlich verdienen würde (bezugnehmend auf die wohl in Deutschland heißen Diskussionen über die Bezahlung von Hebammen, rege ich daher zu einer Überdenkung des Ausdrucks „am Hungertuch nagen“ an, der mir doch in diesem Zusammenhang eher unpassend erscheint).
Wie dem auch sei, wir brauchen also mindestens 3 weitere indische Hebammen, die dann natürlich zunächst ausgebildet und eingearbeitet werden sollten.
Von der Visumsituation kann ich leider auch nichts Neues berichten, außer, dass unser Anwalt alle unterschriebenen Papieren und die nicht unerhebliche Bearbeitungsgebühr in der „Meldebehörde“ in Viluppuram abgegeben hat. Es bleibt also weiter aufregend, um nicht zu sagen zum Nägelkauen spannend.
Im Juni 2010 wird sich so einiges entscheiden.
Werden unsere Visa verlängert?
Wird die Kläranlage dann doch noch geliefert?
Werden wir endlich nach Anaiyeri ziehen und mit der (Einrichtungs-) Arbeit beginnen können?
Ich werde Euch engmaschig auf dem Laufenden halten und sobald es irgendetwas Neues gibt, könnt Ihr das genau hier lesen. Es lohnt sich also im Juni öfter mal auf die Internetseite zu schauen!
Frei nach meinem Monatsmotto „es kann ja nicht immer regnen“, genieße ich die kühle Regenluft und hoffe, dass alles gut gehen wird.
Eure Hanka
Forum Archiv
April 2010
Der April 2010 6 Years, 8 Months ago
Ihr Lieben,
es ist einfach nicht zu glauben, wie schnell so ein Monat vergeht! Vier Wochen sind mal wieder vergangen, wie ein Fingerschnipp, ich glaube hier in Indien läuft ein Zeitdieb herum…
Also, dann erzähl ich Euch mal schnell was diesen Monat hier so passiert ist.
Nachdem ja im März einige wichtige Besucher aus Deutschland da waren und die Bauarbeiten am Haus, aufgrund einer großen Anzahl an Arbeiter, ich will schon sagen zügig voran gingen, passierte nach der Abreise dieser Besucher und in der ersten Aprilwoche so gut wie gar nichts mehr. Und das, obwohl uns versprochen wurde, dass das Haus Mitte April soweit fertig gestellt sein wird, dass wir anfangen können einzurichten, was ja bekanntlich auch noch was dauern wird. Also, die Stimmung hier war frostig und das bei gut 38°C im Schatten. Was tun?
Merke: Telefonieren ist in so einer Situation immer eine gute Idee. Ein Anruf von uns bei Lothar in Deutschland führte zu einem Anruf von Lothar bei Samy in Indien. Ein Kindergarten ist nix dagegen, aber nun wird wieder gearbeitet. Über die Qualität der Arbeit kann ich eigentlich nicht viel sagen, weil ich nicht Handwerker bin, sondern Hebamme. Aber merkwürdig finde ich schon, dass zuerst der Fußboden fertig abgeschliffen wurde und danach erst die finalen Malerarbeiten an Decke und Wänden begonnen haben, dass die Scheiben in den Fenstern daumenbreit weiße Farbe vom Rahmen abbekommen haben, genauso wie die Fliesen an den Wänden von der Deckenfarbe und eben auch der fertig abgeschliffene Boden (irgendetwas abzudecken, damit es nicht vollgekleckert wird, scheint in Indien was für Warmduscher zu sein). Aber wirklich nur noch wundern können wir uns darüber, dass Zuckerrohrwasser auf dem Dach verteilt wurde, bevor es endgültig mit Fliesen abgedichtet wurde. Dies erklärt vielleicht die Scharen von Ameisen und anderem Getier, die bisher meinen, das Haus für sich Nutzen zu können, was Wolfgang und auch mich zusehends nervös macht, nicht zu vergessen, dass Zuckerwasser nicht unbedingt förderlich für die Bausubstanz sein könnte. Naja, was soll man machen? Der Glaube verlangt wohl, dass, damit „Gott“ nicht bös ist, weil ein Dach vor seiner Nase geschlossen wird, ihm Zuckerwasser quasi als Ausgleich angeboten werden sollte. Mh. Ich dachte, dass Gott immerzu und überall ist, auch in Häusern mit Dächern ohne Zuckerrohrwasser. Wieder was gelernt.
Zurück zum Haus: Was muss noch getan werden, bevor wir einziehen können? Wenn das Dach dann irgendwann fertig ist und etwas getrocknet hat, dürfen da zwei 1000 Liter fassende Frischwassertanks drauf. Sehr wichtig, weil sonst haben wir kein Wasser zu m Putzen, Duschen, Toilette etc.. Dann brauchen wir noch irgendetwas wohin unser gebrauchtes Wasser laufen kann, sprich einen septischen Tank, oder besser ein Waste-Water-Treatment-System. Dass in Indien aber auch der Kauf einer solchen Anlage nicht so leicht ist, wie es sich vielleicht anhören mag, ist zurzeit unser größtes Problem. Wolfgang bemüht sich seit mehr als 14 Tagen irgendwie den Vertreter dazu zu bewegen, uns so ein gutes Stück zu verkaufen. Hört sich merkwürdig an? Ist es auch. Erst wollte der Mann unbedingt nach Pondicherry kommen, sagte aber den Termin kurz vorher ab; dann war es schwierig bis unmöglich ihn telefonisch zu erreichen; dann wollte er unbedingt nach Anaiyeri kommen, um sich alles genau vor Ort anzusehen, den Termin hat er kurz vorher abgesagt, da er unbedingt mit seinem Chef kommen wollte und auch diesen Termin hat er dann wieder abgesagt. Nun haben wir für kommende Woche wieder einen Termin. Mal schauen. Es wird doch wohl möglich sein in Indien so etwas zu kaufen! Ich erzähl Euch das, damit ihr besser verstehen könnt, was hier so abgeht und nicht denkt, wir liegen nur in der Sonne und freuen uns.
Jedenfalls, wenn dann die Wassersituation irgendwann geklärt ist, brauchts nur noch ein paar Türen unten im Erdgeschoss, Mosquitonetze überall, Waschbecken, Wasserhähne, Licht, Ventilatoren, Schutzmauer ums Grundstück und fertig ist die Geburtshilfestation in Indien. Ich spekuliere so auf einen Einzug Ende Mai – Anfang Juni. Es ist also wirklich nicht mehr viel, auch wenn sicher so einiges wieder ausgebessert und verändert werden muss. Aber ein Ende ist wirklich langsam in Sicht. Und ich als Nichthandwerker und noch dazu Frau muss sagen, dass mir das Haus gefällt. Werde nächste Woche Gardinenstangen und noch mehr Stoffe für Gardinen kaufen, das wird ein Spaß!
Nun gut. Was gab´s denn noch im April 2010?
Am 15. Hatten wir unser erstes Meeting mit schwangeren Frauen und jungen Müttern aus der Umgebung. Ziel war, das Haus und seine Funktion bekannter zu machen, uns vorzustellen und die Frauen kennen zu lernen, ihre Nöte, Wünsche und Probleme rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Und es war sehr interessant! Es kamen 36 Frauen aus den umliegenden Dörfern Richtung Norden. Nachdem wir uns und die Funktion des Hauses vorgestellt hatten (ich habe mal wieder eine Rede in Tamil gehalten), gab es eine Vorstellungsrunde und dann Gruppendiskussionen und Gespräche über Erwartungen und Vorstellungen an eine Geburtshilfestation und eben Sorgen und Nöte in diesem Zusammenhang. Ich habe viel Neues erfahren und manches Bekannte hat sich bestätigt , z.B. dass die Frauen auch in Notfällen sich am Ende der Warteschlange vor den Krankenhäusern einreihen müssen, dass sie oft lang mit dem Bus über indische Straßen zum nächsten Krankenhaus fahren müssen und dort immer sehr unfreundlich behandelt werden, dass die Schwiegermütter die Frauen zur Arbeit antreiben, selbst Hochschwanger bzw. kurz nach der Geburt und dass Frauen quantitativ weniger Essen bekommen als Männer, auch wenn sie schwanger sind. Die Gesichter der Frauen bestätigen, was sie sagen. Sie sehen dünn und abgearbeitet aus, für die Bedürfnisse bereits vorhandener Kinder scheint keine Kraft mehr da zu sein und so bekommt das ein oder andere Kind schon mal mächtig eine geklebt. Das ist hier normal und wahrscheinlich haben sie es auch nicht anders erlebt.
Das Leben hier ist nicht leicht. Oft werden die Frauen im Alter von 17-18 Jahren verheiratet, an einen Mann den sie nicht kennen, geschweige denn lieben. Sie leben im Haus des Mannes, indem die Schwiegermutter das Sagen hat. Das Haus besteht meist aus einem Raum, Küche ist der Platz vor dem Haus, Toilette das Feld nebenan. Privatsphäre gibt es nicht, die Frauen leben wie Sklaven und wie die Kinder entstehen, will ich mir dann einfach nicht mehr vorstellen. Was kann aus den Kindern, die so entstehen und aufwachsen, werden?
Alles in allem fand ich das Meeting nicht schlecht, auch wenn es noch einiges zu verbessern gibt. Aber, mit ein wenig Glück, haben wir noch über zwei Jahre Zeit, das zu optimieren und dafür sind wir ja auch da.
Von unserer Visaverlängerungssituation gibt es kaum Neuigkeiten. Nach einem Treffen unseres Anwaltes mit den zuständigen Behörden in Viluppuram haben wir erneut die Auskunft bekommen, dass das alles kein Problem und auch noch genug Zeit ist. Wir werden also jetzt Anfang Mai alle Papiere einreichen und dann hoffe ich mal, dass alles wirklich problemlos läuft. In Summe wäre es, neben dem Kauf des Autos, das erste was glatt gehen würde.
Naja und ansonsten verbringe ich meine Tage weiter mit viel Computerarbeit (Standards übersetzen, nach Richtlinien im Internet suchen, Formulare für die Station ausarbeiten…). Allerdings packen mich oft auch Zweifel, ob sich das jemals ein Mensch durchlesen wird, was für die Motivation nicht wirklich hilfreich ist. Außerdem versuche ich weiter, hinter die Geheimnisse dieser Sprache Tamil zu kommen. Auch das gestaltet sich aufgrund meines fehlenden Sprachtalentes eher schwierig. Es ist für mich weiterhin nahezu nicht möglich, die Menschen hier zu verstehen. Einzelne Brocken ok, aber ganz Sätze, no way. Und wenn ich mir dann noch überlege, dass ich quasi seit einem Jahr am Sprachelernen bin, stellt sich die berechtige Frage nach dem Sinn oder Unsinn dieser Veranstaltung.
Wie immer waren wir auch im April regelmäßig auf der Baustelle. Da Wolfgang das Badezimmer im ersten Stock in Eigenregie fertigstellt, kam auch ich in den Genuss endlich mal wieder etwas zu „arbeiten“. Und als ich dann noch zu hören bekam, dass ich doch recht hilfreich auf der Baustelle bin, hüpft mein kleines Seelchen schon etwas.
Ja und dann ist Josefs Zeit hier in Indien nun auch abgelaufen und er ist zurück in Deutschland. Er wollte in der Anfangszeit der Arbeit in der Station so ein wenig als „Mädchen für alles“ fungieren, es war aber immer klar, dass seine Mitarbeit zeitlich begrenzt sein wird. Leider kam er nun nicht so richtig zum Einsatz, da das Haus nach 8 Monaten Verspätung immer noch nicht fertig und seine, für diese Arbeit vorgesehene Zeit, beendet ist.
Ich möchte mich auch an dieser Stelle für seine Hilfe und Unterstützung bedanken! Er wird hier fehlen, nicht nur wegen dem guten Essen, was er uns abends immer gezaubert hat.
Tja, und so sind Wolfgang und ich nun der harte Kern hier in Indien. Manchmal kommt es mir schon so vor, als ob wir die letzten, auf einem sich im Sinken befindenden Schiff, sind.
Aber wahrscheinlich macht mich die Wartezeit auch einfach nur mürbe. Außerdem ist es heiß. Sehr heiß. Auch wenn es vor 2 Tagen nachts mal anständig geschüttet hat, war es leider nicht der ersehnte Monsun, sondern nur ein Regenguss. Die Luft ist jetzt sauber, dafür kann die Sonne ungehindert von Staub und Dreck auf uns niederbrennen. Herrlich!
Ihr merkt, so eine richtige Stimmungskanone bin ich derzeit nicht, aber alles wird gut, wenn wir nur endlich in dieses Haus einziehen können und unser Visum verlängert ist.
Bis dahin freu mich erst mal darauf, dass meine Mutter mich Ende Mai für zwei Wochen besuchen kommt. Super, oder?! Mit 66 Jahren macht sie sich auf den Weg, um mal zu schauen, wo ihre Tochter sich so rumtreibt. Das hätte sie sich vor 10 Jahren wahrscheinlich auch nicht träumen lassen.
Es ist schon manchmal bestaunenswert, wo das Schicksal einen so hintreibt.
In diesem Sinne, gebt auf Euch acht!
Eure Hanka
März 2010
Der März 2010 6 Years, 10 Months ago
Hallo Ihr Lieben,
heute ist der letzte Tag im März, Zeit für einen kleinen Rückblick.
Der März begann für mich ganz wundervoll. Meine Freundin Anabel aus Dortmund war da und wir haben eine kleine Reise nach Delhi und Agra unternommen. Herrlich! Nachdem ich quasi seit 7 Monaten hier in Pondicherry bin, war es schon wie Urlaub auch mal etwas anderes zu sehen. Und ich muß Euch sagen, das Taj Mahal sollte man gesehen haben! Wir hatten beide etwas Pipi in den Augen, als wir morgens um 6.30 Uhr endlich vor diesem unglaublichen Gebäude standen. Und die Highlights an diesem Tag nahmen kein Ende, denn das Fort in Agra, von dem ich bisher noch nicht so viel gehört hatte, ist ein echter Augenöffner. Absolut wunderbar, was da gebaut wurde! Das so genannte Baby Taj, etwas kleiner als die große Schwester, dafür mit viel mehr liebe zum Detail, und dann noch einmal das Taj Mahal bei Sonnenuntergang machten diesen Tag zu einem perfekten Tag. Und nicht zu vergessen die Gesellschaft von Ana!
Die ganze Tour wäre nicht möglich gewesen, wenn Ana sie nicht gesponsert hätte, da meine Finanzen ziemlich auf Kante genäht sind. Dafür auch an dieser Stelle nochmal: DANKE Ana!!!
Zurück in Pondi hatte ich das erste Mal das Gefühl „nach Hause“ zu kommen. Merkwürdig, aber schön. Und der Alltag hat mich auch schnell wieder: Sprachunterricht, Papierkram vorbereiten, Internetrecherche, Meetings mit Samy und dem Architekten, regelmäßige Fahrten zur Baustelle, auf der im März erstaunlich viel gearbeitet wurde. Es standen wichtige Besuche aus Deutschland an, Frau Stroppel von Bengo und Lothar Kleipaß vom ILD, die eine Art Dopingwirkung hatten. So wurde das Gelände eingeebnet und mit der Schutzmauer um das Grundstück begonnen. Fast alle Fliesen sind verlegt, über die Farbauswahl in den Kreißsälen bin ich sehr glücklich, im 1. Stock ist der Zementboden fertig, alle Zimmer sind geweißt und sehen schon fast einzugsfertig aus. Die Haustür, aus schönem, aber leider recht dünnem Holz, ist eingebaut und das ganze Haus wurde von außen gestrichen (sieht leider aus, als ob es einmal in Gummibärchensaft getaucht wurde). Aber es macht zumindest von weitem den Eindruck, als ob es fertig ist. Leider nur von weitem, denn bei genauerem Hinsehen fehlt doch noch einiges, bevor wir dort wirklich arbeiten können. So haben wir ein neues Sorgenkind: den septischen Tank, denn das, was da momentan diesen Namen trägt, verdient ihn nicht. Wolfgang hat mit Hilfe umfangreicher Internetrecherche herausgefunden, dass es auch in Indien Firmen gibt, die kleine übersichtliche Kläranlagen herstellen und verkaufen. Ich denke, dass wir so etwas anschaffen werden, denn dadurch trägt wenigstens das MHC nicht zu einer weitere Verschmutzung Indiens mit Fäkalien bei. Dafür müssten dann auch die außen liegenden Abwasserrohre neu gelegt werden, die momentan in wellenförmigen Linien über das Grundstück zum Tank führen, und dann hoffentlich das Abwasser in einem angemessenen Gefälle in die Anlage leiten (denn auch in Indien läuft Wasser lieber bergab als bergauf, erst recht, wenn es benutzt ist und gerne zu Verstopfungen führt). Alles Dinge, von denen ich vor einem Jahr aber auch nicht den Hauch einer Ahnung hatte. Und, es stellt sich natürlich schon die entwicklungspolitisch ketzerische Frage, inwieweit Latrinenprogamme sinnvoll sind, wenn es auch richtige Kläranlagen gibt, die eine Verschmutzung des Grundwassers mit Fäkalien verhindern könnten.
Zurück zum Haus: die Zusammenarbeit mit den Bauarbeitern gestaltet sich weiterhin kompliziert. So wurde z.B. 3! Stunden über den Einbau eines vergessenen Türrahmens im 1.Stock diskutiert, in Anwesenheit aller Betroffenen, damit wir am letzten Montag feststellen durften, dass es doch anders gemacht wurde und somit der Einbau einer anderen Tür nicht mehr möglich ist. Mag sich alles nach Problemchen anhören, aber eine 3! Stunden Diskussion ist nicht nur in Indien nervenzehrend und wenn sie dann ohne Erfolg ist, frustriert das sehr.
Aber, wir versuchen es weiter, morgen ist schließlich ein neuer Tag.
Wir sind jetzt schon das Visaverlängerungsproblem angegangen, da ich im Internet gelesen hatte, dass das doch eine etwas umständliche Prozedur ist (23 Papiere müssen von 12 Beamten unterzeichnet werden). Da wir und auch Samy keine Erfahrung damit haben, haben wir einen Anwalt eingeschaltet, der das alles für uns regeln wird. Ich denke, dass man sein „no problem, Madam“ ernst nehmen kann und bin, was das angeht, guter Dinge.
Ja, und wie ihr schon unter „Aktuelles“ lesen konntet, standen am 22.03.2010 die Sterne besonders gut, sodass das Maternity Health Centre schon mal eingeweiht wurde. Sicher ist sicher. Somit sind jetzt alle Räume gesegnet und in einem Kreißsaal wurde sogar ein kleines Ritual abgehalten. Milch wurde auf einem Holzfeuer so lange erhitzt, bis sie überkochte. Eine herrliche Sauerei und die Wände dieses Kreißsaals sehen nun auch nicht mehr ganz weiß aus, da zusätzlich viele Öllampen angezündet wurden, die wunderbar qualmten. Alles in allem, ein berauschendes Fest, viele Frauen und Kinder sind gekommen (die Schüler hatten sogar schulfrei), viel Tanz und laute Musik, viele Ehrungen mit bunten Tüchern, sehr viele und extrem lange Reden und wirklich richtig gutes Essen. Riesig gefreut habe ich mich, dass meine beiden Sprachlehrer aus Deutschland, Mani und Alex, die zufällig gerade in Pondicherry waren, vorbei gekommen sind und auch die leitende Ärztin mit Ehemann aus dem Ashwini Hospital in Pondicherry, bei denen ich eine Woche im Februar hospitieren durfte. Eine gelungene Überraschung!
Nun heißt es, die gewonnene Aufmerksamkeit, die dieses Fest in der Bevölkerung erregt hat, auch auszunutzen und weitere Meetings und Treffen im Haus zu organisieren. Das erste dieser Art wird Mitte April stattfinden.
Leider kann ich immer noch nicht absehen, wann unsere „Wartezeit“ hier in Pondi endlich ein Ende hat. Tatsache ist nur, dass es langsam wirklich Zeit wird, denn mein Geduldsfaden wird zusehends dünner.
Hinzu kommt, dass ich mir die Arbeit hier ohne Teresa noch immer nicht so recht vorstellen kann, was meine Unruhe nicht wirklich mindert.
Aber: ein Schritt nach dem anderen, nur nicht huscheln…
In diesem Sinne.
Bis bald
Eure Hanka
Hebamme gesucht März 2010
Hebamme gesucht 6 Years, 10 Months ago
Ihr Lieben zu Hause,
in meinem letzten Bericht hatte ich mich im Ton vergriffen, deshalb habe ich ihn aus dem Forum entfernen lassen. Das passiert mir leider in letzter Zeit häufiger, da meine Nerven manchmal einfach blank liegen. Ich möchte mich bei allen, die ihn noch gelesen und sich dadurch verletzt gefühlt haben, entschuldigen.
An dieser Stelle DANKE an Christian, der Betreuer unserer Webseite, der schnell und geduldig meine Fehler behebt.
Ich versuche es jetzt einfach nochmal, denn das ist vielleicht ähnlich wie wenn man vom Fahrrad fällt, man sollte zügig wieder aufsteigen.
Der Grund, weshalb ich mich so zeitnah nach meinem letzten Bericht schon wieder melde ist, dass hier eine Veränderung eingetreten ist, die für mich überraschend kam und ich hoffe, dass vielleicht eine von Euch helfen kann.
Teresa wird an dem Projekt hier in Indien nicht weiter persönlich teilhaben, befindet sich auf dem Weg zurück nach Deutschland und wird uns von da aus weiter unterstützen.
Ich bleibe etwas ratlos zurück, da viel Arbeit ansteht und ich mir nicht so wirklich vorstellen kann, wie ich diese als einzige deutsche Hebamme bewältigen kann.
Deshalb suche ich auf diesem Weg eine Unterstützung.
Welche Hebamme unter Euch hat Zeit und Lust zu einem großen Experiment?
Die Arbeit besteht zunächst darin, das Maternity Health Centre (MHC) funktionstüchtig zu machen, sprich Putzen, Container ausräumen und Haus einrichten. Da dies zusammen mit unseren indischen Kollegen geschehen wird, ist das sicher eine gute Gelegenheit Tamil zu lernen, weil ohne man in den Dörfern nicht weit kommen wird (im Englischen solltest Du fit sein).
Es wird häufige und regelmäßige Meetings geben, in denen zusammen mit den indischen Kollegen Konzepte und Richtlinien entwickeln, überarbeiten und verbessern werden. Wir werden viel durch die Dörfer fahren, uns und das MHC bekannt machen, mit den Menschen sprechen und fragen, zuhören, beobachten.
Da wir die Arbeit hier als Teamarbeit verstehen, wirst Du einen indischen Counterpart an Deiner Seite haben, von Ihr lernen können, genauso wie sie von Dir. Wir werden zusammen Fortbildungen, Kurse und Seminare vorbereiten und durchführen. Und es wird natürlich auch den „normalen“ Hebammenalltag geben, wie Vorsorge, Nachsorge und Betreuung von Geburten, inklusive Schichtdienst. Und das alles im ländlichen Südindien, wo viel Armut herrscht und es nicht nur im Sommer sehr heiß ist, umgeben von herrlicher Landschaft.
Hört sich nach Abenteuer an, oder? Ist es auch und zwar das Beste überhaupt. Ihr könnt dabei sein, wie hier etwas Großartiges entsteht! Ich glaube an dieses Projekt und daran, dass es funktioniert.
Ich hoffe sehr, dass sich eine Kollegin findet. Allerdings sollte ich der Fairness halber erwähnen, dass es da noch ein kleines Problem gibt, die Bezahlung. Kost und Logis sind frei und vielleicht ist auch ein kleines „Taschengeld“ möglich, aber in keinem Fall ein Gehalt wie in Deutschland.
Also, wenn sich das für eine von Euch trotzdem interessant anhört, dann schreibt mir.
Kontakt bitte über: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Ich freue mich sehr von Euch zu hören.
Bis bald
Eure Hanka
Januar und Februar 2010
Januar und Februar 2010 6 Years, 10 Months ago
Hallo Ihr Lieben zu Hause,
Ein ganz großes SORRY, dass ich mich erst jetzt wieder melde, aber, Ihr werdet es nicht glauben, mein Rechner war mal wieder nicht ansprechbar. Nun redet er wieder mit mir und
somit kann ich auch wieder mit Euch reden. Was mich natürlich sehr freut. Die Frage ist nur, wo anfangen nach so langer Zeit.
Begonnen hat das Neue Jahr mit meiner ersten kleinen Tropenkrankheit (Dengue-Fieber). Alles nicht weiter schlimm, a bissel Fieber und eben Knochenschmerzen, was dem Guten auch den Namen Knochenbrecherfieber eingebracht hat. Hab mir sagen lassen, dass es erst beim zweiten Mal richtig schlimm wird, von der Seite war alles im grünen Bereich. Blöd war halt nur, dass mich das gut zwei Wochen lahm gelegt hat und ich eigentlich nicht viel machen konnte (ich hatte ja schon genug damit zu tun, mich umzudrehen). Aber es geht mir wieder sehr gut und alles ist beim alten.
Das erste Highlight in diesem Jahr war die Geburt von Annies Sohn Anuj Nilam am 18.01.2010. Leider per Kaiserschnitt, weil Annie, obwohl sie 3 Tage über Termin war, einfach keine Wehen bekommen wollte und sich noch dazu der Muttermund nicht öffnete. Wenn das mal kein Grund ist! Wie es das Schicksal so wollte, waren wir (Wolfgang und ich) während der Geburt im Krankenhaus dabei. Krankenhaus ist ein wenig übertrieben, eigentlich war es die Privatpraxis von Frau Dr. Poomadu – wenn Ihr mich fragt, acht Zimmer, mit mehr Mücken drinnen als Menschen. Wolfgang durfte sogar mit in den OP, wovon er sich Tage später immer noch nicht richtig erholt hatte. Er mag ja manchmal sehr genau sein, aber Mücken im OP Feld und ein neugeborenes Kind, das gut 1 Stunde in einer Plastikschale auf dem Boden unter einem Ventilator steht, geht halt wirklich gar nicht. Wer das überlebt hat schon mal was geschafft. Zum Glück haben beide das bisher ganz gut überstanden und auch Annie hat sich wohl so langsam von dem Schock erholt, dass sie nun eine Narbe längs über den ganzen Bauch hat, anstatt quer. Sie kannte das von ihrem Medizinstudium in Chennai auch anders. Am 14.Februar ist der Kleine dann getauft wurden. Es war ein großes Fest mit vielen Gästen, die alle ihren Segen auf dem Gesicht des Kindes hinterlassen haben. Armes Kind, denn, geschätzte 200, mehr oder weniger fremde, Leute, die mit mehr oder weniger sauberen Händen in meinem Gesicht rummachen, fänd ich persönlich nicht so schön. Deshalb hatte ich es vorgezogen, mich mit den restlichen anwesenden Kids (ca.15 zwischen 5 und 13 Jahren) näher zu befassen. Was für ein Spaß! Tamil-Lernen kann so einfach sein. Ich kann jetzt zumindest fließend bis 10 zählen und auch ein kleines Liedchen wozu man eigentlich zu zweit, wahlweise aber auch zu 15., in die Hände klatscht. Das war echt lustig!!!
Und so kommen wir auch gleich zu meinem zweiten Highlight im Januar. Samy hat zusammen mit einem Herrn Stalin (Gesundheitstrainer von der christlichen medizinischen Hochschule von Vellore) ein Seminar für Frauen aus den Selbsthilfegruppe organisiert mit dem Thema: Health Education Training in Punkto Säuglingsernährung. Davon war ich sehr begeistert!! Ich hatte riesigen Spaß mit den Frauen, und ich glaube die auch so ein Stückchen mit mir – Ihr wisst mein Tamil und so und dann bin i auch noch soo groß und weiß und überhaupt. Naja und wir alle zusammen hatten viel Spaß mit Herrn Stalin, der seinerseits der erste Inder ist, den ich getroffen habe, der wirklich an seiner Arbeit interessiert ist und Spaß dran hat, jemandem, in dem Fall auch noch Frauen, etwas beizubringen. Super! Ich hatte ja einen ähnlichen, wenngleich auch sehr viel ausführlicheren Kurs im Rahmen meiner Vorbereitung. Der Vergleich zwischen beiden ist vielleicht nicht ganz fair, dennoch würde der Indische in jedem Fall gewinnen. Selbst die Tatsache, dass ich nur, ich will jetzt mal maßlos übertreiben, vielleicht jedes 18. Wort verstanden habe, bringt dem ganzen keine Minuspunkte. Was für ein lebendiger Kurs, alle waren so interessiert und wissbegierig, jede wollte etwas sagen und selbst als am Ende die Präsentationen anstanden und das gelernte quasi in einer Art „Kurztrainingseinheit“ gezeigt werden sollte, waren die Mädels zwar aufgeregt, aber dennoch mit Eifer dabei. Ok, die Handytelefoniemanie der Inder kann man ihnen wohl einfach nicht abgewöhnen – denn selbst bei der Präsentation klingelt das gute Stück tapfer, wenn auch unbeantwortet, vor sich hin – wobei erstaunlicher Weise selbst Herr Stalin davon genervt war. Er erzählte uns auch, dass er wohl seit gut 20 Jahren versucht, seinen Mitmenschen die öffentliche Defäkation abzugewöhnen – ein Feld für die Mädels und ein anderes für die Buben, ist halt auf Dauer auch kein Zustand für eine aufstrebende Weltmacht wie Indien, wobei mich das jetzt wieder an diese kleine süße Maus im TV erinnert, die ständig versucht die Weltmacht an sich zu reißen, wie heißt sie doch gleich, egal – auf jeden Fall hat Herr Stalin damit bislang sehr wenig Erfolg. Eine Bekannte hier aus Pondicherry – Hilde, Ethnologin und seit 20 Jahren mehr oder weniger hier in Indien beschäftigt – erklärte uns unter anderem, warum es so schwierig ist das Toilettenproblem in Indien zu lösen. Spannende Sache, ihr seid bestimmt schon ganz aufgeregt das zu erfahren, gel? Wir könnten natürlich auch ein kleines Quiz veranstalten und Ihr schreibt mir Eure Vorschläge dazu ins Forum?!?
Besser nicht, wenn dann nix kommt bin i ganz traurig und mit der Preisvergabe wird es auch nicht so einfach.
Also, kurz und knapp: es ist wohl schlicht und ergreifend nicht üblich, um nicht zu sagen unsittig, Körperausscheidungen jeglicher Form in Indien zu sammeln. Ich finde, dass ist eine maßgebende Info, denn wenn man weiß, wo das Problem ist, kann man damit auch besser umgehen und es vielleicht gar beseitigen. Ist doch so, oder? Was mir persönlich jedoch in Punkto Hausbau im Januar auch nicht weitergeholfen hat. Ich weiß, was und wo das Problem war: es war ganz einfach niemand da, der gearbeitet hat. Aber was dagegen tun? Ich versuche es immer mal wieder mit Verständnis und das klappt auch meist ganz gut. Denn: die Arbeiter haben eigentlich das ganze Jahr keinen Urlaub – ok, unsere haben wenigstens den Sonntag frei, was nicht allen vergönnt ist – und da kann ich schon verstehen, wenn so herausragende Feiertage, wie Neues Jahr, Pongal (Erntedankfest) und besonders gute Tage zum Heiraten, etwas ausgedehnt werden. Leider führte das in unserem Fall zu einem kompletten Baustopp im Januar. Und da kommt dann doch Ärger auf, denn das Haus ist ja nicht für mich, sondern für die Frauen und Familien aus den eigenen Reihen und je schneller es fertig wird, umso schneller verbessert sich die Gesundheitsversorgung. Und wir sind ja eh schon fast 5 Monate im Verzug… Nun gut, aber Anfang Februar wird nun wieder mehr oder weniger fleißig gearbeitet, je nachdem, wer sich zu Besuch angemeldet hat. Zum Glück gibt es da zurzeit einige Ankündigungen aus Deutschland, die zu einer erheblichen Beschleunigung der Baumaßnahmen geführt haben. Und der aktuelle Stand ist der: Treppenaufgang zum ersten Stock hat jetzt auch ein Treppenhaus, es wurde endlich begonnen, die Fliesen im Erdgeschoß zu legen, das Security Haus ist gemauert, die Rohre für Strom und Wasser sind weitestgehend verlegt (mit ein bissel Glück bekommen wir sogar Licht im Vorratsraum), Türrahmen sind drin und die Fensterrahmen samt Glasfenster auch (leider vor dem Streicher der Rahmen). Wirklich deprimierend, was die ganze Strom- und Wasserverlegungssituation angeht, ist, dass Wolfgang sich so viel Mühe gegeben hat diese irgendwie zu verbessern. Er hat Pläne ausgearbeitet und Rohre gekauft, sich selbst Werkzeug gebaut, um alles irgendwie doch ein wenig besser zu machen, als es eben momentan ist. Leider haben wir es nicht geschafft, dass unseren Bauarbeitern nahe zu bringen. Mag sein, dass Bauarbeiter, egal ob deutsch oder indisch, nicht gern Verbesserungsvorschläge annehmen. Mag sein, dass man uns trotz Dolmetscherin, die wir dafür engagiert hatten, nicht richtig verstanden hat. Ich weiß es nicht. Tatsache ist nur, dass, außer dem Siphon, nichts von dem was vorgeschlagen auch angenommen wurde. Das macht mich ratlos, da hilft auch kein positives Denken.
Was dem Haus jetzt nur noch fehlt ist ein funktionierender Septiktank, die Rohre die das Abwasser in Selbigen leiten, die Mosquitonetze vor den Fenstern, sämtliche Türen, alles muss, denke ich, von außen und innen nochmal gestrichen werden (und ich hoffe noch immer, dass wir bei der Auswahl der Farben dabei sein dürfen; man erinnere sich nur an das grüne Klo im blauen Badezimmer im Gästezimmer auf dem Küchenhaus), alle Armaturen müssen angebracht werden, das Gelände muss eingeebnet werden und dann würde ich mal sagen, können wir mit dem Putzen beginnen und irgendwann dann auch den Containers ausräumen. Super, oder?! Ihr merkt, ich versuche tapfer zu sein… nicht ganz ist mir das jedoch gelungen, als wegen der herrlichen Schutzmauer, die um das Gelände gebaut werden soll, drei Palmen, die vor dem Haus standen und sich so wunderbar im Wind wiegten und soo tollen Schatten gemacht haben, einfach rausgerissen wurden. Da hatte ich dann doch was Pipi in den Augen und habe mir eigentlich vorgenommen, nicht mehr auf die Baustelle zu gehen, bis alles fertig ist. Ich kann eh nichts an dem ändern, was da passiert und ich brauche meine Nerven noch für anderes (keine Sorge, werd das aber nicht durchhalten, dafür bin ich einfach zu neugierig). UND: es gibt die vorsichtige Ansage, dass wir Ende März Einweihung feiern, sprich, dass das Haus fertig sein soll. Bin sehr gespannt, denn ähnliche Ankündigungen gab es auch schon im November 2009.
So, was hatten wir denn noch?? Achja, sehr spannend fand ich meine Hospitation in einer privaten Frauenklinik hier in Pondi Anfang Februar. Da es leider nicht möglich ist, als Ausländer in einem staatlichen Krankenhaus zu hospitieren, war ich sehr froh, dass unser Architekt diesen Kontakt herstellen konnte. Und so konnte ich eine Woche der einzigen Ärztin dieser Klinik zusehen. Es gibt sicher einiges, was in Deutschland anders gelaufen wäre und auch den Umgang mit den Patienten fand ich sehr fragwürdig. Allerdings sieht diese Frau am Tag im Schnitt über 130 Patienten in ihrer Sprechstunde (von Schwangerenvorsorge bis Sterilitätsberatung, von Impfungen der Kinder bis Brustabszesse, halt alles, was man als Frau bzw. Kleinkind so haben kann, selbst wenn es eine Mandelentzündung ist). Und wie nebenbei operiert sie, betreut Geburten, auch Fehlgeburten, und leitet eben diese Klinik und um es nicht zu vergessen, sie hat auch noch Familie. Sowas gibt es hier also auch – Powerfrauen. Nur frage ich mich halt zu welchem Preis und ob man diesen zahlen sollte. Denn vielleicht wäre es gut, die Arbeit etwas zu verteilen, auf mehrere Ärzte zum Beispiel. Dann wäre sicher auch Zeit für ein freundliches oder erklärendes Wort zu den Frauen und mehr „Behandlung“ als Blutdruckmessen und Medikamente verschreiben möglich. Außerdem könnte sie sich dann zwischen den einzelnen Patienten auch die Hände waschen bzw. desinfizieren. Das fänd ich sehr schön! Alles in allem aber eine sehr interessante Erfahrung und wieder einmal das Wissen, dass unsere Arbeit nötig ist. Denn ein gutes Vorbild regt vielleicht zum Nachahmen an…
Ja, so geht die Zeit dahin, um nicht zu sagen sie rast. Ich kann es manchmal gar nicht recht glauben, dass bereits März ist. Manchmal habe ich das Gefühl, nix auf die Reihe zu bekommen; verrenne mich in Übersetzungen von Standards, der Vorbereitung des ganzen Papierkrams für die Station, Tamil lernen, WHO Berichte lesen und merke eigentlich nicht, wie die Zeit vergeht. Das drückende Gefühl, irgendetwas Wichtiges bei der ganzen Vorbereitung vergessen zu haben, nagt. Dann die Sache mit meinem Rechner, die mich wieder mehrere Wochen quasi lahm legt und ich auf Wolfgangs Rechner ausweichen muss, übel. Aber irgendwie geht immer alles.
Ich habe heute in einer Zeitschrift einen Bericht über Hillary Clinton gesehen mit netten Fotos und so. Auf einem Bild war ihr Schreibtisch zu sehen, mit einem Briefbeschwerer drauf, auf dem stand: never, never, never, never give up!
Jep!!!
In diesem Sinne, man darf gespannt sein, auf die weiteren Entwicklungen hier.
Werden wir im März das „Maternity Health Centre“ wirklich einweihen?
Außerdem wird es spannendes von meiner Freundin Ana und mir zu lesen geben, die mich Ende Februar-Anfang März hier in Indien besuchte und somit leider eindeutig in den Monatsbericht März mit reingehört.
Ich versuche Euch jetzt mal etwas Sonne, in das wohl doch recht kühle Deutschland zu schicken!!!
Bis bald
Eure Hanka
Dezember 2009
Dezember 2009 in Indien 7 Years ago
Wie Ihr vielleicht schon auf „Aktuelles“ gelesen habt, ist unser Container seit dem 22.12.2009 frei !!! GROßE FREUDE!!!!
Nach einem über drei Monaten andauernden Wechselbad der Gefühle steht er nun endlich vor dem Maternaty Health Centre in Anaiyeri und ich muß sagen ,daß ist ein großartiges Gefühl.
Ein erster Meilenstein, den wir gemeinsam hier in Indien aufgestellt haben. Sicher ist nicht alles optimal gelaufen, aber diese Aktion war für Inder und Deutsche gleichermaßen Neuland.
Am Hausbau geht es Stückchen für Stückchen voran. Der Fußboden im Erdgeschoß liegt und sieht sehr hübsch aus. Die Räume haben zum Teil schon eine erste weiße Grundierung, was sie hell und groß, heißt sehr gut aussehen läßt. Wir haben entschieden, wo in jedem Raum das Waschbecken sein wird und die richtigen Türen fürs Erdgeschoß gefunden. Jetzt müssen nur noch die Fliesen verlegt werden, die Moskitonetze vor die Fenster, die Wasser- und Stromverlegung vollendet werden und natürlich alles gut durchtrocknen und dann kann es losgehen mit dem Ausräumen des Containers und überhaupt. Jaja, wir stecken voller Tatendrang. Und ein Ende des Baues ist auch abzusehen, positiv Denken!!!
Ich habe angefangen, tamilische Zeitung zu lesen. Ok, daß ist vielleicht etwas übertrieben, aber mit Wörterbuch schaffe ich in 30 Minuten 1 Überschrift. Rom wurde auch nicht an einem Tag… Mit dem Sprechen habe ich weiter so meine Problemchen. Verstehen kann ich das ein oder andere, aber ob es richtig ist… und Nachfragen ist auch komisch: „Entschuldigung, haben Sie gerade über Essen gesprochen? Und wenn ja was?“ Aber das wird schon alles werden, wenn wir in Anaiyeri sind und mit englisch nicht mehr weiterkommen. Die Grundlagen sind ja da.
Im Dezember war am Morgen leider keine Yogastunde. Da hilft auch kein positives Denken, daß war einfach blöd.
Die Temperaturen sind zur Zeit sehr angenehm, tags 30 °C, nachts 20°C. Auch wenn in den Zeitungen von einer Kältewelle die Rede ist, können unsere deutschen Temperaturfühler das nicht so recht bestätigen.
Mein Tagesablauf sieht weiterhin so aus, daß ich meist bis Mittag vor dem Rechner sitze und Mails/Berichte/Übersetzungen schreibe und danach dann versuche Tamil zu verstehen.
Ab 16 Uhr, wenn hier nach der Mittagspause wieder alle Geschäfte geöffnet haben, versuche ich Wolfgang auf der Suche nach Wasserhähnen, Waschbecken, Siphons, Rohren, etc. zu unterstützen. Da ich aber ein klassisches Mädchen bin, versteh ich davon nun leider so gar nichts, was mich bei diesen Aktionen nicht wirklich hilfreich werden läßt. Also verkrümel ich mich lieber auf den Markt und fange Essen für den Abend. Gegen 19 Uhr wird gekocht, meistens sogar eßbar und dann zieht mir meist irgendjemand den Stecker raus und ich schlafe stumpf ein. Ihr seht also, hier ist nicht wirklich „Arbeit“, aber auch keine Ferien mit Langeweile. Aber es geht mir gut und die meiste Zeit mag ich es, hier zu sein, auch wenn ich es mir irgendwann mal anders vorgestellt habe.
Achja, Weihnachten hatten wir ja auch noch. Sehr schön!!! Nach feudalem Essen, waren wir zur Mitternachtsmesse in der Stadtkirche hier in Pondicherry. Wir und der Rest der christlichen Inder in und um Pondicherry macht zusammen gefühlte 4000000 Menschen. Sehr schön!!! Alles war festlich geschmückt, mit vielen Weihnachtssternen aus Papier und noch mehr Lichtern und was in Indien nie fehlt: viel und laute fröhliche Musik. Einfach atemberaubend! Und auch bei uns in der Straße waren um die Zeit noch viele Menschen auf, man wünscht sich Merry Christmas und zieht fröhlich weiter. Mag ich!
Silvester war dann ähnlich, wenn auch geräuschvoller. Da in Indien das Abfeuern von Raketen und Knallern zu Silvester verboten ist, benutzt man hier eben seine Stimme. Ideen muß man haben! So kommt es, daß sich 0.00 Uhr alle wie wild anschreien und sich ein HAPPY NEW YEAR wünschen.
Und das möchte ich Euch nun auch noch an dieser Stelle wünschen.
Ich hoffe es wird ein glückliches Neues Jahr für Euch, bleibt gesund und munter und nicht vergessen: POSITIV DENKEN!!!
Eure Hanka
Forum Archiv
November 2009
November 2009 in Indien 7 Years, 1 Month ago
Ihr lieben zu Hause!
Und wieder ist ein Monat vorbei und noch immer kein Container in Sicht.
Was soll ich sagen?!
So langsam wird aus der buddhistischen Gelassenheit, blanke Wut und manchmal hätte ich große Lust alles hinzuschmeißen. Wir haben (vor allem Wolfgang) mit Eurer Hilfe diesen Hilfscontainer zusammen gestellt. Offensichtlich möchte man in Indien diese Art der Geschenke nicht. Nur: Ohne Container keine Geburtshilfestation und ohne Geburtshilfestation werden eben weiter Frauen in dieser Region unter menschenunwürdigen Bedingungen ihre Kinder zur Welt bringen; vielleicht sterben sie daran, vielleicht sterben auch die Kinder daran. Vielleicht auch nicht.
Was ich von einem Pfarrer hier gelernt habe ist, daß das Leben in Indien KEINEN Wert hat.
Und irgendwo beweist unsere Containersituation das auch: … Geschenke für die Armen auf dem Land … so etwas braucht Indien nicht. Der Saat kümmert sich um seine Armen.
Deshalb ist auch die Nichte von Samy an einem (vermutlichen) Kindsbettfieber gestorben. Und sie war in der Stadt zur Entbindung.
Heißt: Selbst in der Stadt sind die Bedingungen beschissen.
Wie es nach wie vor auf dem Land aussieht haben wir uns vor kurzem auch nochmal angesehen. Dafür fehlen die Worte, egal in welcher Sprache.
So sitzen wir nun hier und versuchen mehr oder weniger erfolgreich, uns zu motivieren und weiter zu machen. Die Stimmung ist schlecht und in der vielen Zeit zum Denken kommt schon auch der Gedanke auf, was mache ich hier eigentlich…
Der Hausbau geht aufgrund des Monsun eher schleppend voran. Es gibt zähe Diskussionen über den Septic-Tank, Gitter vor der Veranda und die Bänke auf selbiger. Und selbst Samy scheint langsam zu erkennen, daß es noch etwas brauchen wird, bis das Haus einzugsfertig ist, was aber ohne Container eh nicht eilt.
Jaja, keiner hat gesagt, daß es einfach werden wird.
Trotzdem war ich beim Yoga und auch beim Sprachunterricht. Wir haben Meetings mit den indischen Kollegen abgehalten, waren auf Umfragen in den Dörfern, haben nach passender Farbe fürs Haus gesucht, nach Türen, die einem nicht unter den Fingern wegschimmeln, wie meine Matratze und im Internet sogar auch weiße Plastikpanelen gefunden.
Also, nicht viel Neues in diesem Monat.
Noch ein Nachsatz zum Container (für mich das Unwort des Jahres): Wir werden jetzt Steuern zahlen und auch eine nicht unerhebliche Stand-Straf-Gebühr. Da bis heute (4.12.) der verantwortliche Steuermensch noch keine genaue Ansage gemacht hat, wie hoch die Steuern denn sein werden, würde ich mal sagen, daß da noch Hoffnung besteht und wir diese Summe auch irgendwie aufbringen können. Was dann wieder beweist: Die Hoffnung stirbt zum Schluß.
Nicht so für meinen Rechner. Der hat sich hier einen schlimmen Virus zugezogen (Khatra.exe) und wird diesen nicht überleben. Traurig. Auch in Indien, dem Land der vermeintlichen Computerspezialisten, gibt es keine Hilfe. So werde ich ihn wohl zu Grabe tragen und auch traurig sein dürfen, denn immerhin ist es ja kein Mensch und hat deshalb einen gewissen Wert.
Paßt auf Euch auf!
Hanka
September 2009
Der September 2009 in Indien 7 Years, 3 Months ago
Ihr Lieben in Deutschland,
der Monat September 2009 wird zum Container-Monat erklärt. Ich hoffe nur, daß ich den Bericht für den Oktober nicht genauso beginnen muß…
Also, was ist diesen Monat passiert?
Der Container raubt uns allen mittlerweile den Schlaf. Aber vielleicht fange ich besser von Vorne an. Zunächst wurde behauptet, daß irgendwie auf dem Weg von Deutschland nach Indien, die für die Auslösung des Containers am Hafen extrem wichtigen Originalpapiere verloren gegangen sind. Große Aufregung! Viele Telefonate und Suchnachfragen per Internet ergaben, daß die Papiere doch nicht verloren gegangen sind, sondern nur bisher nicht zugestellt wurden. Was die Sache nicht vereinfachte, denn da waren sie trotzdem nicht. Also warten. Und wieder Telefonate, um heraus zu finden, wer sie hat und wo sie sind. Ohne Erfolg, zum Thema Datenschutz möchte ich hier nichts weiter sagen.
Trotzdem sind wir, auch ohne Originale, nach Chennai gefahren, um die Containersuche zu starten. Eine Reise nach Chennai bedeutet für uns von Pondy aus um 4.30 Uhr aufstehen, 5.00 Uhr los zum Busbahnhof, 5.30 Uhr Bus nach Viluppuram, 7.00 Uhr Treffen mit Samy in Viluppuram und von dort mit dem Auto weiter, so daß wir gegen 11.00 Uhr Chennai erreichen. Dort haben wir bei einer Shipping Agency vorgesprochen, die Samy empfohlen wurde. Diese haben uns jedoch weitergereicht an eine andere Gesellschaft, die mit solchen Aktionen wie der unseren, mehr Erfahrung haben soll. Dort wurde dann via Internet herausgefunden, daß der Container bereits seit gut 7 Tagen in Chennai steht. Anrufen und Bescheid sagen wird in Indien wohl überbewertet. Egal, die für uns wichtige Auskunft war, alles gut, alles kein Problem, nach Vorlage der Originalpapiere könne der Container ausgeliefert werden. Also wurde über Logistisches gesprochen, wie z.B. der Transport mit dem LKW und ein Kran für das Abladen in Anaiyeri.
Zurück in Pondy haben wir zwischen Deutschland und Indien so gut wie alles auf den Kopf gestellt UND
wie durch ein Wunder wurden die Papiere dann, wenn auch gut 10 Tage zu spät, zugestellt.
Jubel!
Also, wieder nach Chennai. Siehe Prozedur oben.
Ich mache es jetzt mal kurz. Nach 3 Tagen warten, Warten, WARTEN und immer wieder vertröstet werden und von A nach Z geschickt werden, in den gleichen, dann 3 Tage alten Klamotten haben wir uns ohne Container auf den Rückweg gemacht.
Frust!
Der Container steht noch immer am Hafen. Es fehlt ein wichtiges Papier, das nur von wichtigen Leuten ausgestellt werden kann, die natürlich Wichtigeres zu tun haben und uns zum Teil nicht einmal zuhören wollen.
Megafrust!
Auch Samy scheint zusehends ratlos, was nicht unbedingt zur allgemeinen Beruhigung beiträgt. Wir versuchen weiter, was wir können, aber bisher ist kein Land in Sicht. Nur Wasser und davon genug.
Wenn also jemand von Euch eine Idee hat, wie man einen Hilfscontainer – bestückt mit unglaublich tollem medizinisch notwendigem Bedarf – Zollfrei aus einem Hafen in Indien rausbekommt, wird ein Kreißzimmer nach ihr oder ihm benannt! Das ist doch mal eine Ansporn, oder? Also ran Leute, rein ins schnelle Internet oder setzt Euch vor oder in die Botschaften – ganz gleich welche, indisch oder deutsch -und los geht’s!!!
Spaß beiseite, die Situation hier ist für uns alle nicht einfach grad, da ohne Container kein Maternity Hospital. Und jeder Tag, den das gute Stück in Chennai steht, kostet. Außerdem gehen uns langsam die Ideen aus, wen man noch fragen könnte.
Aber etwas gutes gab es diesen Monat. Samy, Annie (indische Ärztin, die im Projekt mitarbeitet), Wolfgang und ich waren für eine Woche in Bali auf einem Seminar über interkulturelle Kommunikation. Organisiert und durchgeführt hat das alles die AGEH aus Köln und ich möchte auch an dieser Stelle nochmal Danke sagen! Es waren ca. 45 Teilnehmer aus ganz Asien da und ich fand es total spannend, die unterschiedlichen Projekte, Leute und Erfahrungen kennen zu lernen.
Oh nein, ich lüge. Ein weiteres großes Highlight war Teresas Ankunft hier in Pondy, begleitet von ihrer Schwester Hanna! Leider hatte ich nicht soviel Zeit mit beiden zusammen, wegen dem Containerprogramm, siehe oben. Nun ist Hanna wieder in Deutschland – liebe Grüße!!!
Unser Team ist also komplett und eigentlich könnte es losgehen, wenn das Haus fertig wäre und der Container am Ort.
Achja, das Haus: ES SIEHT GUT AUS!!!! Heißt, vor 10 Tagen wurde die Decke auf das Haupthaus gegossen. Es regnet nicht und so hoffe ich, daß alles schnell trocknet und dann der Innenausbau starten kann. Das Küchenhaus ist sogut wie fertig, im Bad mit blauen Blümchenfliesen und ein grasgrünes Klo (kein Kommentar).
Ja, es regnet nicht, auch wenn um uns nur Wasser zu sein scheint, siehe oben. Statt dessen gönnt uns der indische Sommer nochmal einen richtigen Einblick und definiert Hitze neu.
Und quasi nebenbei nehmen wir weiter Sprachunterricht, auch wenn das Konzentrieren etwas schwer fällt.
Mein Tag sieht nun auch etwas anders aus. Morgens kurz vor 6 Uhr raus, dann eine Stunde Yoga, Frühstück und ab vor den Rechner. Das dauert den ganzen Vormittag, da ich mich in buddhistischem Gleichmut mit dieser Internetverbindung üben muß. Dann Sprachunterricht und ab zum Markt, um Menschen zu sehen und Essen einzukaufen, kochen, essen und Tamil lernen. So läuft das hier normaler Weise, wenn nicht grad Containerprogramm läuft. Aber es geht mir gut und ich habe trotz allem das Gefühl, daß das schon irgendwie gehen wird. Und ich mag es!!!
Gut, nun drückt alle kräftig die Daumen, daß sich hier jemand unseres Containers und unser erbarmt.
Eure Hanka
August 2009
Monatsbericht August 2009 7 Years, 4 Months ago
September 2009
Vanakkam Nanbattkal,
(das ist Tamil und heißt: Guten Tag Freunde; in Hank´scher Umschrift)
Nun ist der August vorbei und Zeit für den ersten richtigen Monatsrückblick.
Wir haben uns mittlerweile gut in der Wohnung und Pondicherry eingelebt. Straßenzüge und Namen sind nicht mehr fremd, man kennt ein paar gute Restaurants und weiß, welche nicht so gut sind und am schönsten ist es, wenn ein schüchternes Lächeln des Erkennens über das Gesicht des Gemüsehändlers huscht. Auch in der Wohnung ist nun alles was man so braucht, so haben wir seit gut 1 Woche eine niegelnagelneue Waschmaschine, worüber ich sehr glücklich bin, da unsere Sachen einfach nicht mehr sauber werden wollten.
Anfang August habe ich mich in Viluppuram registrieren lassen. Mein Wohnsitz ist nun Indien! Heißt auch, daß ich „Besitz“ erwerben kann, sodaß wir nun ein eigenes Moped besitzen.
Wir waren des öfteren auf der Baustelle in Anaiyeri und haben Samy besucht und natürlich den Fortschritt des Hauses bewundert. Trotz der erstaunlichen Hitzewelle, die bis Mitte August anhielt, wurde das Küchengebäude soweit fertig gestellt, daß jetzt mit dem Verlegen der Fliesen begonnen werden kann. Am Haupthaus wird nun die Decke = Dach auf die erste Etage gezogen und im Erdgeschoß mit dem Verputzen der Innenmauern begonnen. Ich finde das Gebäude sehr beeindruckend und habe das Gefühl, daß hier viel Gutes entstehen und erreicht werden kann.
Es gab viele Gespräche mit dem Architekten, um über das weiteren Vorgehen auf der Baustelle auf dem Laufenden zu sein.
Wir haben versucht, zu Kliniken hier in der Stadt Kontakt aufzunehmen, um zum einen uns vorzustellen und zum anderen hinter Behandlungsunterschiede und landestypisches Verhalten zu kommen. Leider braucht man für derartige Besuche und Gespräche eine extra Genehmigung, die wir bisher noch nicht erhalten konnten. Bürokratie.
Seit dem 25.8. bereichert Josef unsere kleine WG hier in Pondicherry. Wir verbringen sehr schöne lange Abende mit gutem mediterranem (Josef) oder deutschindischem (ich) Essen und führen hitzige Diskussionen über Indien im allgemeinem und im speziellen, heißt Hausbau. Er ist wirklich eine große Unterstützung und bringt noch mal einen ganz neuen Blickwinkel auf manche Sachen.
Am 29. und 30.8. waren wir in Chennai auf dem 2. HIV/AIDS Congress. Das war sehr interessant und ich habe viele neue Infos mitnehmen können. Leider war der Vortragsraum dermaßen tiefgekühlt (scheint ein indisches Statussymbol zu sein), daß ich seitdem einen mittelgroßen Schnupfen mit mir herumtrage.
Ansonsten sind meine Tage weiterhin mit viel Tamil erfüllt. Mittlerweile kann ich schon kleine Dialoge ausarbeiten, die zum Beispiel in der Station vorkommen könnten. Das macht mir sehr viel Spaß und auch unser Sprachlehrer scheint langsam ein kleines Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Soll heißen, es geht voran!
Die „Jungs“ sind überwiegend in der Stadt verschwunden und suchen in mühevoller Arbeit alles zusammen, was für die Birth Station noch fehlt. Keine leichte Sache!
Außerdem verbringe ich viel Zeit vorm Rechner. Leider ist die Internetverbindung so indisch, daß manche E-Mails ankommen, andere leider nicht. Was schon unangenehme Verwicklungen bringen kann.
Ich habe mich sehr gefreut, daß von „meiner“ Klinik in Bremen, dem Klinikum Links der Weser, unser Projekt auch weiterhin unterstützt wird! So wird nun ein dringend benötigtes Sektiosieb bereitgestellt und ein Artikel in der Betriebszeitung „Leuchtfeuer“ erscheinen. Es hilft sehr, daß so viele Menschen, so weit weg an uns denken und helfen!! Denn es ist manchmal nicht einfach, die grenzenlos erscheinende Armut der Menschen hier zu sehen. Viele wissen nicht, was sie am Abend essen sollen, wo schlafen…
Nun sind auch noch die Preise für Lebensmittel gestiegen, da die Ernte so schlecht war. Der nun doch noch einsetzende, leider eher leichte, Monsunregen ist auch eher ein Tropfen auf den heißen Stein.
Aber es ist etwas kühler und das macht für uns Europäer vieles doch einfacher.
Soviel zu dem, was war. Nun noch kurz einen Ausblick, auf das was nächsten Monat sein wird.
Teresa wird Mitte September unser Team vervollständigen. Darauf freue ich mich sehr!
Wir werden auch versuchen, nach Ende des Sprachkurses, in die Nähe der Baustelle zu ziehen. Am liebsten natürlich direkt nach Anaiyeri oder ein benachbartes Dorf. Vielleicht können wir beim Dorfpfarrer unterkommen oder Samy hat noch ein gute Idee. Dann kann es endlich losgehen mit dem genauen Kennenlernen der Gegend, der Menschen und dem richtigen indischem Leben.
Ihr seht, es bleibt weiter spannend und ich kann es kaum erwarten, daß es losgeht.
poitu vangaa!
(das ist Tamil und bedeutet soviel wie, geh nun, aber komm auch wieder, heißt also Tschüß; wieder in Hank´scher Umschrift)
Erste Eindrücke von Indien
Erste Eindrücke von Indien 7 Years, 5 Months ago
Hallo Ihr Lieben,
nun sind wir seit über 2 Wochen in Indien.
Was ist seitdem passiert?! :
Zunächst gab es viele Bedenken, ob das denn alles mit dem Visum klappt und wie die Containersituation zu bewältigen ist und und..
Nun sieht es so aus, daß viele Sorgen umsonst waren. Denn ich habe ein Arbeitsvisum!! bekommen und der Container wird Ende August/Anfang September auch in Indien sein, sodaß der Abreise nichts mehr im Weg stand.
Nach etwas Startschwierigkeiten am Frankfurter Flughafen sind Wolfgang und ich am Samstag, dem 18.7.09 in Indien gelandet. Es war gegen 2 Uhr morgens als wir den Flughafen verließen, noch immer waren viele Menschen unterwegs, die Hupen der Rikschafahrer sangen durch die Nacht, die Luft noch sehr warm, die Gerüche so vertraut – INDIEN.
Einen Tag später sind wir mit dem Zug von Chennai nach Pondicherry gefahren, wo wir die nächste Zeit verbringen werden.
Hier heißt es nun erst einmal ankommen.
Wir sind zunächst in unserer „altbekannten“ Pension, der Villa Helena untergekommen und auch hier viele bekannte Gesichter.
Seit Montag 20.7. versuchen wir im Sprachunterricht bei Dr. Arokianathan von der Universität in Pondicherry Tamil zu lernen. Das birgt gewisse Schwierigkeiten, da neben den 280 Buchstaben auch noch ein Unterschied zwischen geschriebenen und gesprochenen Tamil besteht und im täglichen Leben so schnell gesprochen wird, daß es für uns momentan kaum bis gar nicht zu verstehen ist. Aber unser Lehrer ist tapfer und versucht uns im schnelle Sprechen zu trainieren und wir üben, üben, üben…
In unserer zweiten Woche hier haben wir eine Wohnung gemietet, was die Unterbringungskosten doch erheblich minimiert. Da die Wohnung über mehrere Schlafzimmer verfügt, ist auch gleich genug Platz für unsere Unterstützung aus Deutschland – Josef und Teresa – die Ende August / Anfang September nachkommen werden.
Das wichtigste aber ist natürlich, wie geht es mit dem Bau der Geburtsstation voran?
Deshalb sind wir letztes Wochenende zu Samy und seiner Frau gefahren und haben uns alles einmal live angesehen. Ich fand es sehr beeindruckend! Nach gut 2 1/2 Jahren Planung steht man nun auf einmal vor diesem Haus. Und gleich versucht man das noch ziemlich im Rohbau befindliche Gebäude einzurichten und zu überlegen, wo stellt man alles hin, was wir dank Euch gesammelt haben. Da ich vom Hausbau so gar keine Ahnung habe, kann ich mir schlecht vorstellen, daß wir hier in 2 Monaten einziehen sollen. Hinzu kommt eine erschreckende Trockenheit, da die letzten zwei Monsunregen ausgefallen sind. Das macht vor allem den Bauern arg zu schaffen. Große Teile der sonst bepflanzten Felder liegen brach und von den wenigen, die bepflanzt werden konnten sind einige vertrocknet und die Ernte somit verloren. Auch der Bau des Hauses hat sich aufgrund von Wassermangel verzögert.
Zurück in Pondicherry gibt es nun weiter viel zu organisieren. Die eher zähe Internetverbindung und eine erstaunliche Hitzewelle vereinfachen das nicht unbedingt. Es ist erstaunlich wie schnell so ein Tag vergeht; Sprachunterricht und die Suche nach den richtigen Wasserhähnen und zack, rum ist ein Tag. Ich habe so lang darauf gewartet, hier zu sein, daß ich es manchmal noch nicht so recht glauben kann. Diese Mischung aus viel Neuem, etwas Bekanntem und der Beginn von “Alltag” in einer doch recht fremden Welt fühlt sich … fühlt sich gut an.
Soweit nun zunächst meine ersten Eindrücke.
Und da das ja hier ein Forum ist, hätte ich da eine, wenn auch etwas schwierige Frage: Wie kommt man in Indien an den Impfstoff gegen die Japanische Enzephalitis heran? In Deutschland heißt das „IXIARO“. Hier kennt man das aber nicht, egal wo man fragt. Was tun?
Danke an alle, die uns mit ihren Wünschen und Gedanken begleiten!
Hanka