Das MHC war sehr erfolgreich im Juli 2013! Insgesamt 3 Dörfer konnten wir besuchen um die dort lebenden Schwangeren zu untersuchen, ihnen von unserem Geburtshaus und unserem Service zu berichten und sie zu anschließenden Yoga Stunden und weiteren Checkups in unser MHC einzuladen.

Zudem beschäftigten wir uns intensiver mit der Schulung der indischen Schwestern: Zum bisherigen wöchentlichen Unterricht kam nun der von uns neu eingeführte Notfall-Unterricht hinzu, in dem geburtshilfliche und allgemeinmedizinische Notfälle aktiv durchgespielt und im Anschluss zu Papier gebracht werden. Wir verteilten Referate, die in Zweierarbeit erarbeitet wurden, auf diese Weise konnte der Unterricht eigenständig vorbereitet werden. Das intensive Auseinandersetzen mit den gewählten Themen spiegelte sich positiv im Notenspiegel des allmonatlichen schriftlichen Tests wider. Auch den bislang wenig ausgeprägten technischen Kenntnissen wurde auf die Sprünge geholfen: Im wöchentlichen Computer-Unterricht konnten die Schwestern in Einzel- oder Zweierarbeit lernen, wie man Dokumente und Tabellen erstellt, Dienstpläne schreibt und druckt.

Am 13. Juli letzten Jahres kam im Jipmer Hospital in Pondicherry ein Zwillingspaar per Kaiserschnitt zu Welt, das MHC berichtete regelmäßig über das Befinden der Kinder, die einen ganzen Monat stationär bei uns blieben bis sie letztendlich mit gutem Trinkverhalten und Gewicht entlassen werden konnten. Zum ersten Geburtstag des Jungen Vigay und des Mädchens Priyadharshiny besuchten wir die Familie, brachten Geschenke und können nun erfreulicherweise berichten, dass sich die Kinder sehr gut entwickelt haben.

Ein weiterer Hausbesuch galt Frau Yasotha und ihrer kleinen Tochter, die im November im MHC geboren und über deren Befinden und unzureichende Gewichtszunahme schon oft berichtet wurde. Noch immer waren wir mit der Entwicklung der Kleinen unzufrieden, weswegen wir uns nun mehr auf Ernährungsberatung und auf das korrekte Zufüttern des Mädchens konzentrierten. Wir hoffen auf positive Ergebnisse im nächsten Monat.

In der zweiten Hälfte des Monats kamen innerhalb von vierzehn Tagen fünf Kinder im MHC zur Welt. Vier der fünf Geburten brachten Besonderheiten mit, seien es Schwierigkeiten während der Geburt oder auch im Wochenbett. Letztendlich konnten aber alle Probleme behoben und fünf gesunde Frauen mit fünf gesunden Babies aus unserer Betreuung entlassen werden.

Zu guter Letzt darf ich noch unseren neusten Zuwachs im Team vorstellen und begrüßen: Ende des Monats schloss sich uns Hebamme Aileen Hanschke an, sie wird das geburtshilfliche Team für 3 Monate unterstützen, wir sind gespannt, was die nächste Zeit bringt...

Yasmin Metwaly

Monatsbericht Juni 2013


Ende Mai verließ uns die Hebamme Stephanie Röhnisch nach ihrer viermonatigen tatkräftigen Unterstützung im MHC. Wir danken ihr von Herzen für ihre Bemühungen und ihren Einsatz in unserem deutsch-indischen Team.

Auf die letzten Tage im Mai und Anfang Juni kam es leider zu Verlegungen dreier Frauen, die bei uns gebären wollten. Die Gründe, warum wir entschieden haben, die Betreuung der Frauen dem Personal der hiesigen Krankenhäuser zu überlassen, waren ein Geburtsstillstand und schlechte kindliche Herztöne. Letztendlich kamen jedoch drei gesunde Kinder zur Welt, auch die Mütter sind wohl auf.

Zum 01. Juni durften wir die indische Krankenschwester und Hebamme Ruby Christina als neues Mitglied in unserem Team willkommen heißen. Dank ihrer Anstellung können nun morgens und nachmittags zwei unserer indischen Hebammen zum Dienst erscheinen, was uns wiederum ermöglicht, Patientinnen im MHC zu betreuen und zur gleichen Zeit Hausbesuche und Village Visits zu erledigen.

Am 02. Juni ist das im Mai bei uns geborene, kranke Baby Jasmin verstorben. Wir konnten die junge Mutter auch nach dem Tod ihrer kleinen Tochter weiter betreuen, sie in ihrer Trauer begleiten und ihr helfen, ohne Einsatz von Medikamenten abzustillen.

Am 03. Juni gebar eine Mutter ihr erstes Kind bei uns. Die Geburt verlief komplikationslos und außergewöhnlich schnell, leider musste die junge Familie im Anschluss in ein Krankenhaus verlegt werden, da der Hämoglobin-Wert der Frau zu niedrig war. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt konnten wir die weitere Betreuung und Behandlung mit pflanzlicher Medikation erfolgreich fortsetzen.

Das MHC hat nun das Zertifikat „Life Member of Indian Medical Association“. Dieses ermöglicht uns, die Indian Medical Association bei medizinischen Anschaffungen jeglicher Art um Rat fragen zu können, z.B. wo welcher Artikel zu erstehen ist. 

Unsere Ärztin Dr. Annie ist aus beruflichen Gründen vom Campus des MHC weggezogen. Sie besucht uns seither sporadisch und lässt ihre Patienten in ihrem Auftrag von den Krankenschwestern behandeln.

Die Pechsträhne des MHC setzte sich mit einer weiteren Verlegung unter Geburt fort. Wir hoffen, dass sich dies in Zukunft ändert und wir wieder reichlich physiologisch verlaufende Geburten betreuen dürfen.

Erfreulicherweise konnten wir drei Village Visits in umliegenden Dörfern durchführen, zwei davon mit anschließender Yoga-Stunde, bei denen die Schwangeren ihre Pflichten mal ganz außer Acht lassen und sich nur auf sich und ihren Körper konzentrieren konnten.

Yasmin Metwaly

Der Mai war für unser Team ein sehr lehrreicher und aufwühlender Monat.

Er begann mit täglichen Unterrichtseinheiten in der staatlichen Schule von Anaiyeri für Kinder im Alter von 8 bis 16 Jahren. Bis zum 10. Mai haben wir mit den Kindern teils spielerisch die folgenden Gesundheitsthemen besprochen: Ernährung, Hygiene, Alkohol und Rauchen, Schwangerschaft, Zyklus und Menstruation, durch Insekten und verunreinigtes Trinkwasser übertragbare Krankheiten sowie Erste Hilfe. Zum Abschluss dieses Sommercamps gab es ein großes Fest, zu dem wir alle eingeladen wurden und einen öffentlichen Dank vor dem Publikum erhielten.

Gleichzeitig fanden bis Mitte Mai wie auch schon im April Womens-Health-Camps mit anschließenden Dorfbesuchen und Checkups für Schwangere und Mütter mit Säuglingen statt. Bei diesen Health-Camps haben wir Frauen aus Selbsthilfegruppen in verschiedenen umliegenden Dörfern über unser “Maternity Health Centre” und unsere Arbeitsweise informiert und sie in Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Hygiene und Ernährung geschult.

Erfreulicherweise erhielten wir im Mai das von “Ein Herz für Kinder” gespendete, nagelneue CTG, welches nun unseren älteren CTG-Geräten aus Deutschland den Einsatz streitig machen wird. Mithilfe des CTGs können wir Herztöne und Wehen aufzeichnen und somit frühzeitig erkennen, wie es dem Kind im Mutterleib geht. Dank des integrierten Akkus, der einige Stunden hält, brauchen wir nun nicht mehr bei jedem CTG den Generator einschalten. Dieser benötigt Diesel und verursacht zusätzliche Kosten. Die Geräte aus Deutschland können durch die unregelmäßige Stromspannung in Indien beschädigt werden. somit haben wir nicht nur ein modernes Gerät hinzugewonnen, sondern können auch noch Kosten einsparen. Vielen Dank dafür an “Ein Herz für Kinder”.

Am 14.5. Ist die kleine Jasmin mit einer in der Schwangerschaft nicht erkannten Meningocele bei uns im MHC geboren worden. Eine Meningocele ist eine Form der Spina Bifida - eine Neuralrohrfehlbildung. Bei dem Mädchen haben sich Rückenmarkshäute durch den Wirbelspalt in der Lendenwirbelsäule hervorgehoben, so dass von außen eine etwa daumenbreite Zyste sichtbar war. Um zu verstehen was wir durch diese traurige Problematik erlebt haben und warum es zu ethischen Diskursen kam, beschreibe ich mögliche Folgen, die mit dieser Erkrankung einhergehen können. Viele Menschen mit dieser Fehlbildung leiden unter unterschiedlich stark ausgeprägten Lähmungen und Sensibilitätsstörungen, die von der Inkontinenz über eine völlige Blasenlähmung, wodurch ein Katheterisieren notwendig wird, bis hin zu einer Querschnittslähmung oder gar zu Hirnschädigungen aufgrund der Entstehung eines Hydrozephalus (Wasserkopf) reichen können. Häufig sind Fehlstellungen und Muskelungleichgewichte im Bereich der Wirbelsäule, Hüfte oder in den Beinen die Folge. Die Kinder benötigen mehrere Operationen und Rehabilitationsmaßnahmen im orthopädischen und urologischen Bereich. In Deutschland ist diese Problematik aufgrund des gut ausgebildeten Gesundheits- und Sozialsystems gut händelbar. In Indien jedoch gibt es wenige Unterstützungsmöglichkeiten wie integrierte Kindergärten, Schulen und Arbeitsstätten für Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. Die staatlichen Krankenhäuser sind nicht besonders gut und private Häuser verlangen sehr hohe Summen für Operationen und Krankenhausaufenthalte, was besonders für die armen Menschen, die wir betreuen, ein großes finanzielles Problem darstellt.

Kurz nach der Geburt von Jasmin haben wir sie und ihre Mutter, ihren Vater, die Oma und ihre Tante zuerst nach Pondicherry in ein staatliches Krankenhaus gebracht. Da ihr dort nicht geholfen werden konnte, sind wir weiter in ein privates Krankenhaus gefahren. Dort hätte man sie innerhalb kurzer Zeit operieren können, jedoch konnte das Personal die entstehenden Kosten nicht genau im voraus kalkulieren. Wir sahen uns also gezwungen, weiterhin ein staatliches Krankenhaus zu finden, da die Kosten für die Gesundheitsversorgung in diesem durch den indischen Staat übernommen wird. Wir fuhren auf Anraten einer Ärztin weiter nach Chennai, wo Jasmin in einem Krankenhaus aufgenommen und uns versichert wurde, dass der operative Verschluss der Meningocele am nächsten Tag erfolgen würde.

Wir erfuhren jedoch, dass sich die Familie aus persönlichen Gründen dagegen entschieden hatte und mit dem Kind in ihr Dorf zurückkehren würde. Diese Entscheidung war für uns schwer zu akzeptieren. Durch regelmäßige Hausbesuche unterstützten wir die Familie auf ihrem schwierigen Weg. Wir brachten der Mutter eine Milchpumpe und halfen ihr beim Anlegen von Jasmin, da die Kleine viel Gewicht verloren hatte. Außerdem hatte sie bereits Fieber woraufhin wir der Familie die Reinigung der bereits offenen Meningocele erklärten, da dies eine hohe Infektionsquelle darstellte. Das Fieber sank und wir konnten die Familie überzeugen, noch einmal mit uns nach Pondicherry zu dem Neurologen zu fahren, der bereits unsere Hebammen Verena und Katharina nach ihrem Unfall behandelt hatte. Dr. Annie hatte den Termin für die Familie ausgemacht. Wir wurden dort an einen Neurochirurgen weitergeleitet, der die Familie ein weiteres Mal über die möglichen Folgen der Erkrankung informierte. Der Arzt empfahl uns, nach Vellore zu fahren und das Kind dort operieren zu lassen. Dieses Krankenhaus hat einen besonders guten Ruf. Obwohl die Familie sich erst sträubte, fuhren wir zwei Tage später nach Vellore. Da wiederum keiner der Ärzte versichern konnte, dass Jasmin ohne Beeinträchtigungen aufwachsen würde, entschied sich die Familie entgültig dafür, keine weiteren medizinischen Maßnahmen durchführen zu lassen. Der Zustand von Jasmin verschlechterte sich und sie nahm weiterhin an Gewicht ab. Am 2. Juni ist sie zuhause gestorben.

Die Entscheidung der Familie und das damit besiegelte Schicksal des Mädchens gingen uns sehr nahe und so wichtig deren Betreuung auch war, sie stellte für uns eine große Herausforderung dar. Es gab Zeiten, in denen wir die Kleine am liebsten nach Deutschland gebracht hätten um ihr anders helfen zu können. Wir mussten lernen zu akzeptieren, dass wir hier in Indien sind, einem fremden Land, in dem die kulturellen, religiösen und sozialen Umstände einen wesentlichen Unterschied zu den deutschen darstellen. Aufgrund der unzureichenden Rehablilitations- und Hilfemaßnahmen und den unterschiedlichen Glaubensrichtungen vor allem auf dem Lande, wäre das Leben der Familie durch die möglichen Folgen der Erkrankung mit enormen Schwierigkeiten verbunden gewesen.

Die kleine Jasmin wird uns lange in Erinnerung bleiben.

Meine Mutter kam mich am 26. Mai besuchen und da meine Zeit nach 4 Monaten im MHC zuende war, sind wir gemeinsam am 30. Mai weitergereist. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt und konnte vieles über die Lebensgewohnheiten und –umstände in Indien lernen. Ich danke Pirappu und PMD sehr für die Möglichkeit, im Geburtshilfeprojekt arbeiten zu können und denke gerne an die Zeit und die vielen lieben Menschen, die ich kennenlernen durfte zurück.

Stephanie Röhnisch für das Indien-Team

Monatsbericht April

Der Monat begann für uns mit einer fraglich Hepatitis B positiven Schwangeren, die wir nach einem glücklicherweise negativen Schnelltestergebnis aber bei suspekten kindlichen Herztönen in ein Krankenhaus nach Pondicherry verlegten, wo sie am nächsten Tag einen Kaiserschnitt bekam. Mutter und Kind sind wohl auf.

Kurze Zeit später erhielten wir erfreulichen Besuch: Eine Krankenschwester aus Gengavalam und zugleich Mutter einer der Frauen, die bei uns geboren haben, lobte das MHC und die Arbeit des Teams, sie schien sehr beeindruckt, was uns natürlich freute und mit Stolz erfüllte.

Am 06.04. um Punkt zwei Uhr morgens folgte die lang ersehnte 50. Geburt in unserem Maternity Health Centre! Obgleich sich die Eröffnungsphase in die Länge zog und die Geburt durch Wehenmittel unterstützt werden musste, brachte die erschöpfte Frau letztendlich einen gesunden Jungen zur Welt. Voller Stolz nahm das Elternpaar am nächsten Tag die Geschenke anlässlich dieses wichtigen Tages an: Eine Garnitur Babykleidung und einen Sari für die glückliche Mutter. Zudem gab es einen Schokoladenkuchen mit der Aufschrift ''50. delivery PMD MHC 06.04.2013'' für die gesamte Familie und unser Team.

Die Betreuung einer Frau und ihrer Tochter wurde unverhofft wieder von uns aufgenommen. Das Kind war im November bei uns zur Welt gekommen und hatte uns damals schon durch sein äußeres Erscheinungsbild aufmerksam gemacht. Ein deutscher Kinderarzt wurde derzeit zu Rate gezogen, da Ferndiagnosen über Fotos jedoch schwierig sind und es um die finanzielle Situation der Familie nicht gut stand, ließ man die Angelegenheit zunächst auf sich beruhen. Diesen Monat kam die junge Frau abermals mit ihrer nun fünf Monate alten Tochter zu unserer Ärztin, um den Husten des Kindes abklären zu lassen. Viel auffälliger als dieser war jedoch die Gewichtszunahme, die selbst für indische Verhältnisse eindeutig unzureichend war. Wir begleiteten das Kind, ihre Mutter und ihre Großmutter zu zwei Krankenhäusern nach Pondicherry, um durch eine spezielle Blutuntersuchung eine feste Diagnose zu bekommen. Bislang war dies jedoch ohne Erfolg, so entschlossen wir uns, die Mutter mit ihrem Kind von nun an in regelmäßigen Abständen zur Gewichtskontrolle zu uns zu bitten, um wenigstens in diesem Punkt Betreuung und Beratung anbieten zu können. Wir hoffen sehr, dass sich unsere Befürchtungen, es liege ein genetischer Defekt vor, nicht bestätigen und sich das Mädchen in Zukunft kräftig und gesund entwickelt.

Am 16. bekamen wir Besuch von Dr. D.S.K. Rao, einem Vertreter der Microcredit Summit Campaign. Im Gespräch lernten beide Parteien das Projekt der jeweils anderen kennen und es kam zum regen Austausch über den Gesundheitszustand der hiesigen Bevölkerung. Das Resultat des Meetings war die Idee, durch finanzielle Unterstützung von Microcredit je eine Frau in bestimmten Dörfern der Umgebung in medizinischen Untersuchungen zu schulen, um in Zukunft eigenständig Prävention leisten und Ernährungsberatung bieten zu können. Abgesehen von dem positiven Effekt auf das Bewusstsein der Menschen für Risikofaktoren und ungesunde Lebensweisen, würden wiederum mehr schwangere Frauen auf unsere Institution aufmerksam gemacht werden. Die kommenden Monate werden zeigen, ob eine Zusammenarbeit und die Schulung jener Frauen in dem Sinne möglich ist, wie wir sie uns erhoffen. Wir sind guten Mutes.

Am selben Tag nahmen wir eine Frau auf, die nach dem Blasensprung zunächst von uns betreut, am Abend jedoch auf eigenen Wunsch ins nächstgelegene Krankenhaus verlegt wurde, um einen Kaiserschnitt zu bekommen. Das erste Kind hatte sie ebenfalls per Kaiserschnitt zur Welt gebracht und auch in diesem Fall verlief der Eingriff gut.

Am nächsten Morgen kam eine weitere Frau zu uns, die, nachdem sie zur Tür herein getreten war, in weniger als einer viertel Stunde ihr drittes Kind gebar. Die junge Frau war über die schnelle Geburt sehr froh und nahm ihre gesunde Tochter zu sich. Das kleine Mädchen war durch den rasanten Durchtritt durch das mütterliche Becken zunächst ein wenig gestresst, was sich aber nach einiger Zeit in entspannter Atmosphäre legte.

Bereits fünf Tage später folgte auch die dritte Geburt im April. Die junge Frau war am Abend bei uns eingetroffen und gebar um 01:07 Uhr ihr erstes Kind, einen Sohn. Am späten Nachmittag begleiteten wir die Familie nach Hause, wo wir, nachdem wir die klassische Zeremonie anlässlich der Geburt sehen durften, auch gleich einer weiteren schwangeren Frau vorgestellt wurden.  In deren Anwesenheit freuten uns besonders über die vielen guten Worte seitens der gesamten Familie, da sich die frische Mutter für das MHC entschieden hatte, weil es ihr von "unserer 50. Geburt" ans Herz gelegt wurde.

Den Vormittag des nächsten Tages verbrachten wir bei einem Health Training, das von PMD organisiert und auf deren Grundstück durchgeführt wurde. In dem insgesamt dreitägigen Seminar wurden die circa zwanzig Frauen verschiedenen Alters von unterschiedlichen Dozenten besucht und unterrichtet. Wir konzentrierten uns auf das Thema Schwangerschaft und hatten große Freude an dem regen Interesse, der Unterricht gestaltete sich als sehr fröhlich und interaktiv. Einige Tage später machten sich wieder zwei Hebammen unseres Team auf den Weg, ein weiteres Health Training durchzuführen, mit ebenso großem Erfolg und Spaß.

In den frühen Morgenstunden des 27. April brachte eine uns bislang unbekannte Frau ihre Tochter bei uns zur Welt. Sie war nur drei Stunden zuvor wegen eines Blasensprungs und beginnenden Wehen zu uns gekommen und gebar schnell und ohne Probleme. Wie wir erfreut erfuhren, hatte sich die Familie sogar ein Mädchen gewünscht, da die Frau bereits Mutter eines Jungen ist.

Diesen Monat erhielten wir die erfreuliche Nachricht, dass seitens der Hilfsorganisation "Ein Herz für Kinder" ein großzügiger Betrag an Spendengeldern für unser MHC bewilligt wurde.  Durch die Anschaffung eines CTG, eines Laptop und einer elektrischen Milchpumpe wurde damit unsere Ausstattung um drei wahrhaft nützliche Komponenten erweitert. An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal ganz herzlich bei "Ein Herz für Kinder" für jene Unterstützung bedanken, ebenso bei der indischen Firma "Walnut Group", die zur Bestellung der Milchpumpe ein Doppelpumpset beisteuerte.

Am 29.04.2013 verließ die Hebamme Verena Schurr das geburtshilfliche Team des MHC. Nach sechs Monaten intensiver Arbeit schauen wir alle auf die erstaunlichen Ergebnisse zurück, die sie mit so viel Herzblut erzielt hat. Verena, wir danken dir für deine medizinische Kompetenz, dein Engagement, deine Geduld und deine Energie, mit der du jeden Tag deine Arbeit begonnen hast. Sowohl wir deutschen Hebammen, als auch alle Mitglieder des indischen Personals, von den Reinigungsdamen über die Köchin bis hin zu den Schwestern, werden dich und deine fröhliche und herzliche Art furchtbar vermissen.

Während der fünften und letzten Geburt des Monats kam es zu einem geburtshilflichen Notfall. Wir konnten die Komplikation jedoch beheben, so dass am Ende alle Beteiligten gesund und erleichtert aufatmen konnten. Trotz der anfänglichen Enttäuschung über das bereits vierte Mädchen wurde die Familie am Ende ihres Aufenthalts letztendlich mit einem Lächeln entlassen und so nahm ein weiterer aufregender und lehrreicher Monat im MHC sein Ende.

Yasmin Metwaly für das Indien-Team

Unsere 50. Geburt verlief zunächst sehr schleppend, obwohl die Frau, die gegen Mittag mit Wehen zu uns gekommen war, schon einmal ein Kind geboren hatte. Dieses Kind hat allerdings nach der Geburt zunächst nicht geatmet und ist 4 Tage später verstorben. Es fällt also nicht schwer sich vorzustellen, dass die Geburt dieses Kindes von der Mutter und ihrer Familie mit gemischten Gefühlen erwartet wurde. Als gegen 23 Uhr der Muttermund 8cm geöffnet war und die Frau am Ende ihrer Kräfte zu sein schien, entschlossen wir uns einen Wehentropf zu starten. Das tun wir eigentlich ungern und selten, in diesem Fall waren die Wehen aber einfach zu kurz und mit zu großen Abständen. Das Kind lag optimal, die Herztöne waren gut, einer normalen Geburt stand bis auf die mangelnde Wehenkraft also nichts im Wege. 
Relativ kurze Zeit später begann die Frau mit zuschieben, sammelte noch einmal ein erstaunliches Maß an Kräften und gebar ihren gesunden Jungen auf dem Hocker. Dieser Moment war natürlich für alle Beteiligten sehr emotional. Die frischgebackene Mutter wirkte kurz sehr fassungslos ob des lebhaft schreienden Babys zu ihren Füßen und die eben noch so strenge Oma war in Tränen aufgelöst.  Auch wir Hebammen freuten uns besonders über das Familienglück: Zum einen weil es für uns die erste Geburt mit unserer neuen Hebamme im Team war, zum anderen auch, weil 50 Geburten im MHC ein Grund zum feiern sind.