Jahres-Abschluß 2014

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Am 7. September wurde ein kleines Mädchen im MHC willkommen geheißen. Die Kleine hatte es sehr eilig, auf die Welt zu kommen und war innerhalb einer Stunde geboren. Mutter und Kind sind wohl auf und schon nach kurzer Zeit nach Hause gegangen.

Mitte des Monats kam eine weitere Frau mit Wehen und wollte im MHC entbinden. Aufgrund schlechter Herztöne haben wir sie ins Sri Lakshmi Narayna Hospital verlegt. Das Kind wurde per Kaiserschnitt auf die Welt geholt und mußte auf Grund einer Mekoniumaspiration einen Tag beatmet und mit Medikamenten behandelt werden. Der kleine Junge hat sich aber schnell erholt und wurde nach zehn Tagen mit seiner Mama entlassen.

Am Ende des Monats bat ein Mann um einen Ultraschall für seine Frau, die starke Oberbauchschmerzen hatte. Sie war in der 32. Schwangerschaftswoche, Wehen konnten ausgeschlossen werden. Sie wurde bis zu dem Zeitpunkt in einer kleinen Krankenstation in der Nähe behandelt. Sie bekam Schmerzmittel und etwas für die Verdauung, allerdings ohne Erfolg. Die Frau kam in einem sehr schlechten Zustand bei uns an. Da wir keine Herztöne hören konnten, beschlossen wir die Frau sofort zu verlegen. Es war uns klar, daß wir ihr hier nicht helfen können. Zehn Minuten nachdem sie das große Krankenhaus in Villupuram erreichten, ist sie an einem Herzinfarkt gestorben. Wir sind alle sehr betroffen und können kaum fassen, was passiert ist.

Ansonsten war der September sehr ruhig.

Da die indischen Nurses das MHC beinahe alleine leiten können, wird unsere Hilfe nicht länger gebraucht. Es wurde mit dem Team von Pirappu und dem Team im MHC darüber gesprochen und entschieden, daß wir früher nach Hause zurück fliegen. Ab 1. Oktober wird alles von dem indischen Team geleitet. Bis Anfang November sind wir noch vor Ort bzw. telefonisch für das Team erreichbar.

Hiermit möchten wir, Cathrin und Conny, uns für die Zeit hier bedanken, die ihre Höhen aber auch Tiefen hatte. Es war eine sehr interessante Erfahrung mehrere Monate in einem fremden Land mit anderer Kultur und verschiedenen Wertvorstellungen zu leben und zu arbeiten. Wir werden die Zeit hier nicht vergessen!

Der August in Tamil Nadu war für das deutsch-österreichische Team der Urlaubsmonat, wie in der Heimat. Ende Juli kam Cathrins Schwester mit ihrem Mann zu Besuch, gemeinsam reisten sie nach Kerala und haben die Zeit dort sehr genossen. Kurz nach Cathrins Rückkehr kam Connys Mann. Nach kurzem  Aufenthalt im MHC ging die Reise für  die beiden über den Süden Tamil Nadus ebenfalls nach Kerala. Mit vielen neuen Eindrücken zurück hatte Jürgen dann noch ein paar Tage hier in Anaiyeri um die nähere Umgebung und das tägliche Treiben im MHC kennenzulernen. Und noch während seines Aufenthaltes kamen Cathrins beste Freundinnen aus Graz. Für sie ging die Reise dann nach Goa, Hampi, Bangalore und auf die paradiesischen Andamanen.

Es gab im August auch einiges zu feiern. Die Tochter von Manimozhi bekam ihre ersten Ohrringe und das wird hier richtig gefeiert. Mit der Familie geht es in den Tempel und nach stundenlangen Zeremonien werden dann die Ohrlöcher gestochen. Leider müssen sie vorher ihre Haare opfern, das geht natürlich nicht ohne Tränen. Neue Kleider sollen über den Verlust hinweg trösten. Rubys Schwester steht kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes, auch das ist natürlich ein Grund zu feiern. Bei der sogenannten Bangles-Function werden der Schwangeren viele Armreifen übergestreift, die Glück bringen sollen. Einigen Lärm machte die Ganesha-Function, bei der grosse Ganesha-Statuen aus Pappmache oder Ton im Wasser versenkt werden. Buben und junge Männer begleiten Ganesha auf seinem Weg mit viel Trommeln, Tanz und lauter Musik.

Mitte des Monats bekam Cathrin die Gelegenheit ein anderes Projekt der PMD  zu besuchen. „Home for Homeless“ heisst dieses und wird von französischen Studenten seit vielen Jahren finanziell aber auch mit körperlicher Arbeit unterstützt. Cathrin verbracht zwei Tage mit den Studenten am PMD Gelände und konnte ihnen auch beim Häuser bauen helfen.

Leider hat uns Ruby zum Ende des Monats verlassen. Wir bedauern sehr, dass es ihr nicht mehr möglich ist bei uns zu arbeiten. Für ihre Zukunft wünschen wir ihr alles Gute und hoffen sie doch ab und zu im MHC zu sehen, da sie ja um die Ecke wohnt.

Was sich als richtiger Selbstläufer entwickelt hat ist die wöchentliche Sprechstunde von Dr. Gowri, unserer Gynäkologin. Jeden Mittwoch ist reges Treiben in unseren Räumen. Bei diesen Vorsorgeuntersuchungen wurden drei Risikoschwangere selektiert und dann ins Sri Lakshmi Hospital verlegt. Auch diese Zusammenarbeit entwickelt sich sehr erfreulich. Alle Frauen die dort behandelt wurden waren sehr zufrieden, auch aus medizinischer Sicht ist die Betreuung dort sehr gut. Ein kleiner Lichtblick im sonst doch eher düsteren Krankenhausbereich.

Soweit geht´s uns beiden hier gut. Durch das gute selbstständige Arbeiten der Nurses werden die Tage für uns recht lang, da wir immer weniger zu tun haben. Es zeigt, dass das MHC immer besser auch ohne ausländischer Hilfe auskommt.

Ganz liebe Grüsse,

Cathrin und Conny

Monatsbericht Juli 

Es ist soweit! Die Nurses übernahmen ab dem 1. Juli die Leitung des MHC. Bisher hat das deutsch-österreichische Team alle Tätigkeiten begleitet und diverse Entscheidungen getroffen. Ab jetzt tragen die indischen Nurses die Verantwortung mit der Möglichkeit, sich immer bei uns zu melden. Bei Fragen oder Problemen sind wir jederzeit für sie da. Ab Jänner 2015 wird kein deutsch-österreichisches Personal mehr vor Ort sein, deshalb ist es wichtig die Selbständigkeit rechtzeitig zu trainieren. Wir sind positiv überrascht wie gut das eigenständige Arbeiten der Nurses funktioniert. Man merkt, dass sie sehr motiviert sind alleine zu arbeiten.

Seit 1. Juli haben wir zwei Neuzugänge im MHC-Team: Patrishia (fünfte Nurse) wurde mit ins Team aufgenommen, um immer zwei Nurses pro Dienst gewährleisten zu können. Sie ist mit großem Eifer und Begeisterung dabei, die vielen neuen Dinge für sie zu lernen. Frau Dr. Gowri, eine Frauenärztin, kommt jeden Mittwoch zur Sprechstunde und übernimmt die Ultraschalluntersuchungen. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, auch die Nurses kommen mit ihr gut zurecht. Bisher kamen fünf bis acht Frauen wöchentlich, um die Ärztin zu sehen.

Am 6. Juli wurde der kleine Junge von Anthonyamal geboren. Nach einer für das Kind sehr anstrengenden Geburt kam er um 13:03 Uhr auf die Welt und hatte schwere Atemprobleme. Wir verlegten das Kind in das nächste Krankenhaus in Villupuram. Am 8. Juli bekamen wir den traurigen Anruf, dass das Kind in der Früh verstorben ist. Wir versuchten der Familie mit unseren Hausbesuchen ein wenig Trost zu spenden.

Mitte des Monats durften wir im MHC einen hohen Besuch begrüßen: Der Bischof von Pondicherry kam und sah sich unsere geburtshilfliche Station an. Er war sehr beeindruckt, unter anderem von der Sauberkeit, was er uns auf deutsch mitteilte. Er war in den 70ern für einige Zeit in Europa und hat auch in Deutschland gearbeitet.

Das 88. Kind durften wir am 25. Juli im MHC willkommen heißen. Sangheeta hat nach ihren zwei Töchtern einen wunderhübschen Sohn geboren. Sangheetas Schwiegermutter unterstützte sie während der Geburt. Der Familie geht es sehr gut, sie werden regelmäßig von den Nurses zu Hause besucht.

Die letzte Frau, die wir im Juli mit Wehen begleiten durften, haben wir nach langen Stunden ohne Geburtsfortschritt ins Sri Lakshmi-Hospital in der Nähe von Pondicherry verlegt. Dort kam dann per Kaiserschnitt ein gesunder Junge zur Welt. Für die Familie eine riesen Freude, da sie ihr erstes Kind zwei Wochen nach der Geburt verloren hatten. Dies war jetzt die 2. Verlegung in dieses Krankenhaus und wir sind mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden.

Um der Hitze etwas zu entfliehen fuhren wir, Conny und Cathrin, für ein paar Tage nach Mamallapuram an den Strand. Wir haben die Tage sehr genossen und konnte auch das WM-Finale auf einem großen Fernseher verfolgen. JUHUU Deutschland ist Weltmeister!

Ganz liebe Grüße senden wir euch aus Anaiyeri,

Conny und Cathrin

Monatsbericht Juni

In Tamil Nadu ist die Ferienzeit zu Ende und schon sieht man in der Früh und am Nachmittag die Kinder in Schuluniform auf den Strassen rum laufen. Auch wir sind wieder zurück in den Schulen. Am 2. Juni gingen wir in mehrere Schulen in der Umgebung um den Direktor um Erlaubnis zu bitten, ein paar Unterrichtseinheiten abhalten zu dürfen. Es hat sich heraus gestellt, dass es mehr Sinn macht, nur mehr mit den älteren Mädchen über den Menstruationszyklus und die Schwangerschaft zu reden. Dieses Thema wird kaum im regulären Unterricht eingebunden. Vor Ort wurden dann viele persönliche Fragen gestellt, was uns ermutigte bei dem Thema zu bleiben. Die Mädchen wissen, dass sie einmal im Monat bluten, haben aber keine Ahnung was in ihrem Körper eigentlich passiert.

Zur Menarche (erste Regelblutung) wird ein grosses Fest gefeiert, aber die Aufklärung bleibt aus. Wir wurden zu einer hinduistischen Menarche Function eingeladen und mit einem kleinen Van auf indischem Wege transportiert: auf der Ladefläche stehend mit vierzig weiteren Gästen gings 30 Minuten von Anaiyeri nach Gingee über unzählige Schlaglöcher. Die Feier war mit vielen Zeremonien und Geschenken für das Mädchen sehr nett und nach einem leckeren Essen gings mit dem Bus auf normalen Weg wieder zurück.

Am 5. Juni bekamen wir Besuch aus Deutschland: Hebammenschülerin Lisa machte ihr Externat bei uns im MHC. Sie blieb mehr als drei Wochen und konnte einen guten Einblick in die Arbeit der indischen Nurses gewinnen. Wir hoffen sie hatte eine gute Zeit bei und mit uns und wünschen ihr hier nochmal alles Gute für ihre Zukunft!

Zwei kleine Jungs suchten sich  den 24. Juni als Geburtstag aus: in der Früh um 8:20 Uhr wurde das 85. Baby im MHC geboren. Meenatchi hat ihren Sohn am Hocker geboren. Zur gleichen Zeit hatte auch schon Chitra Wehen. Sie bekam ihr zweites Kind 12 Stunden später um 20:57 Uhr: Shalom Shamuel. Auf die Frage ob Chitra gerne für die Sterilistation ins Krankenhaus gebracht werden möchte, fiel die Grossmutter ins Wort und sagte: „Nein, wir möchten noch ein Kind.“ Den Kindern geht es beiden sehr gut und wogen schon nach wenigen Tage mehr als bei der Geburt.

Nach einem Village Visit in Kedar kamen fünf Frauen voller Freude zur Yoga Class. Zwei Wochen später, rief eine Frau aus dem selben Dorf an und hat darum gebeten noch einmal zur Yoga Class zu kommen: es hat ihnen so gut gefallen. Viel Getratsche und Gekichere, aber auch grosses Interesse an neuen Übungen machten diesen Vormittag zu einem abwechslungsreichen Erlebnis für alle. Uns freute es sehr, dass sich die Frauen so wohl im MHC fühlen, dass sie sich selbst darum kümmerten noch einmal zur Yoga Class zu kommen.

Am 28. Juni mussten wir leider eine Gebärende verlegen. Nach vielen Stunden Wehen ohne ausreichendem Geburtsfortschritt fuhren wir Richtung Pondicherry in das private Hospital und Medical College „Sri Lakshmi“. Die Zusammenarbeit mit diesem Krankenhaus funktionierte sehr gut und wir werden auch in Zukunft dieses Hospital einem Governmetal Hospital vorziehen.

Die Fussballübertragungen sind leider sehr ungünstig für uns. Immer wieder müssen wir für verschiedene Spiele uns um 1:30 Uhr den Wecker stellen und dann ärgern wenn nach 20 Minuten der Strom ausfällt.  Aber sonst geht es uns sehr gut!

Wir schicken ganz liebe Grüsse, Conny und Cathrin