LOT ist auf Englisch PLUMB. Das Verb ist sinngemäß "ausrichten oder ins Lot bringen". Daraus abgeleitet ergibt sich der Beruf des PLUMBER, der auf Deutsch Klempner, Spengler, Flaschner, Rohrleger oder vornehm Installateur wäre. 

Liebe Freunde und Wegbegleiter,

nach langer Pause erlaube ich mir wieder einige Gedanken zum Thema. Siehe oben. Wenn man Klempner im Englischen Wörterbuch sucht, findet man auch den Hinweis auf TINSMITH, Blechschmied. Was ich nicht finden konnte, war eine Wortverwandtschaft zu Kesselflicker.. 

In der Tat ist eine Reihe von Berufen aus dem universell einsetzbaren Dorfschmied entstanden, nachdem die Welt der Dinge teilweise recht kompliziert wurde, sodaß sie für eine Einzelperson nicht mehr überschaubar war. So stelle ich mir den Weg der Spezialisierung vor. 

Als 1969 das Haus meiner Eltern umgebaut wurde, führte der Dorfschmied die Installation von Wasser, Abwasser und Strom und die Einrichtung von Küche, Bad  und Toilette durch. Das hat er gut gemacht. Mitunter zu gut, weil die Verbindungen unlösbar waren. Er hatte einen Plan, dem er die nötigen Informationen entnehmen konnte. Ohne Diskussionen mit dem Architekten ging das nicht. Sie mussten sich verständigen. Das Ergebnis kann sich heute noch sehen lassen.

Weshalb ich das erzähle? Auf der Baustelle gibt es natürlich einen Plumber. Wie bei uns vor 40 Jahren. Betraut mit den oben genannten Aufgaben. Unterschied: Die Verständigung mit dem Architekt klappt nicht. Warum auch immer. Ergebnis: Das meiste muß zweimal gemacht werden. Erst falsch, dann richtig. Manchmal auch das nicht. So komme ich dazu, endlich handwerklich tätig zu werden und im MHC das Lot fällen zu dürfen.. Also habe ich eins gekauft und suche nun die Senkrechten. Bei GEMS, einer Art Baumarkt in Pondicherry bekomme ich als guter Kunde zwischenzeitlich zehn Prozent Rabatt. Mit dem Chef unterhalte ich mich über das Wetter, die politische Lage und sonstiges und nicht wie üblich übers Essen. 

Es ist gelungen, acht Türschlösser funktionsfähig zu montieren, zwei Waschbecken im Waschraum so anzubringen, daß sie auch an der Wand bleiben, was schwierig war, da eine Dübelbefestigung  an der Qualität der Backsteine scheitert. Mit einem Kunstharz-Zement-Gemisch der Indischen Firma Fosrock ließ sich das Problem beheben. Nur der Installateur, dessen Aufgabe dies gewesen wäre, war nicht da. Eine ganze Woche lang. Bedauerlich, da er bestimmt einiges für ihn Neues gesehen hätte. Es müssen noch acht Waschbecken, die dazugehörenden Mischbatterien und die Abflüsse angebracht weden. Gelegenheit genug, Erfahrungen zu sammeln und diese umzusetzen. 

Die Qualität Indischer Installationsweise wird man dann sehen können, wenn die seit Monaten auf dem Dach liegenden weißen Wassertanks mit der Pumpe verbunden, mit Wasser befüllt und dieses Wasser den Hähnen entnommen wird.. Die Abwasserwege müssen aber neu definiert werden, da eine Kläranlage eingebaut werden soll, die seit vier Wochen erwartet wird, aber wohl wegen widriger Umstände bislang nicht angekommen ist. Erst dann werden die Gräben für die Abwasser-Rohre gegraben und die Verbindungen zum Haus festgelegt.  Schwierig, dies nachzuvollziehen... Indien ist ein Entwicklungsland - auf dem Lande. Trotz Bagger und Kränen und modernster Bauweise in den Städten.. Man darf es nicht vergessen.


Um dies alles zu bewerkstelligen, wurden inzwischen 16000 km zurückgelegt, größtenteils mit dem großzügigerweise von der Indienpartnerschaft des AVG Trier zur Verfügung gestellten Kleinwagen, der bei den schlechten Strassenverhältnissen dem absoluten Härtetest unterzogen wird. Danke für diese Hilfe! 

Bilder werde ich dann wieder ins Netz stellen, wenn deutliche Änderungen sichtbar sein werden und vieles Erwähnenswerte ist ja den Berichten von Hanka John zu entnehmen. Zwischenzeitlich begleitenTeresa Zepp und Josef Malat das Werden des MHC von Deutschland aus. Beiden an dieser Stelle vielen Dank für die Mitwirkung. 

Nachdem die zögerliche Abwicklung der Visa-Verlängerung erhebliche Unsicherheiten zeitigte, wurde am 22-06-2010 vom zuständigen Polizei-Superintendant in Viluppuram auf der Rückseite der Erstregistrierung handschriftlich ein Vermerk angefügt, dem zu entnehmen ist, daß der Antrag auf Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung gesetzmäßig und zeitgerecht eingegangen ist und vom Districtcollector ordnungsgemäß durch die Verwaltung von Tamil Nadu an die Indische Zentralverwaltung adressiert ist. Was immer das bedeuten mag.. Para 7 des Ausländergesetzes von 1947 weist daraufhin, daß ein Verbleiben über den genehmigten Zeitpunkt hinaus eine Straftat ist, die mit Gefängnis und Geldstrafe geahndet wird und daß die Zentralregierung Entscheidungsfreiheit hat über die adäquaten Gründe einer Aufenthaltsgenehmigung. Für Herrn Ganesan, den Anwalt, ist alles ohne Probleme. Das mag ich wohl glauben..

Auf der Baustelle finden sich immer wieder interessierte Menschen, darunter unsere "Nachbarskinder" ein, die helfen wollen. Die Mädels - es keimt Hoffnung - gehen sehr geschickt mit Bohrmaschiene, Schrauben und Werkzeug um und zeigen ein unglaubliches Interesse. Antony, der Leiter der Don-Bosco-Schule im nahegelegenen Odiyatur hat die Problematik einer Berufs-Ausbildung der jungen Leute erkannt und wird eine Berufsschule einrichten. Das ist ein schweres Stück Arbeit und sicher auch reichlich Zündstoff, wenn die Jungen mehr wissen wie die Alten. Es ist aber höchste Zeit, besser zu sein. Und auch für das MHC wird es allmählich Zeit, seine Leistung zeigen zu dürfen. Vage Prognose: Ende Juli 2010. Wenn nicht wieder irgendwelche Langweiler sich monatelange Lieferfristen für Einrichtung und Ausrüstung herausnehmen. In Deutschland würde man sich einen anderen Zulieferer aussuchen. Nicht so hier. Kaum ein Unterschied. Doch: In Madras bemüht man sich, dem Kunden gute Leistung anzubieten. Aber man kann nicht alles aus Chennai kommen lassen. Das ist umständlich und teuer. Wenn´s nicht anders gehen sollte, muß man diesen Weg versuchen. 

Zwei Waschbecken sind fest in der Wand verankert, die Siphons vorbereitet, die Böden geschliffen und die Fenster geputzt. Ende Juni werde ich mit dem Verfliesen der Toiletten beginnen. Da darf nichts schiefgehen, im wahrsten Sinn des Wortes. Daß ich, bevor ich hier als Arzt tätig werden kann, solche Dinge erledigen muß, habe ich mir auch nicht träumen lassen. Nichts wird unversucht bleiben, um die Aufgabe hier gut zu starten. Auch wenn es viele Hindernisse gibt. Die Frauen und Kinder in dieser Gegend haben ein Recht darauf. Auch sie warten schon lange. Geduldig.

Haben Sie Geduld und bleiben Sie uns verbunden!  

Ihr Dr. W. Donné


 
 

 

 

Liebe Freunde und Wegbegleiter! 

Um vier Uhr des 22-03-2010 waren wir aufgebrochen: Hanka John, Prof. M. Laubscher, sein Freund Raman und ich. Interessante Gespräche machten die Fahrt kurzweilig. Die im Bau befindliche Straße war eingeschlammt. Eine ungewohnte Art des Staßenbaus..  Ananthapuram verlassend kamen wir aus dem Staunen nicht heraus: In der Ferne blinkten tausend Lichter von der Stelle des Maternity-Hospitals. Um Punkt sechs erreichten wir das Haus. Nicht zu glauben, was da in zwei Tagen aufgestellt worden war. Das ganze Areal war Baldachin-überdacht, eine Bühne aufgestellt.. und Lautsprecher. Laut eben. Wie Indien so ist. Wie Indien auch ist, startete die Zeremonie nicht um halbsieben, sondern zehn nach sieben, gerade noch rechtzeitig in der verbleibenden Stunde, die von den Tempel-Priestern als günstig für eine solche Veranstaltung befunden worden war. 

Von daher sollte es also gelingen, dieses Unternehmen Maternity-Hospital-Anaiyeri!

Nach dem Frühstück unter freiem Himmel wurde zunächst von Lothar Kleipaß das gelbe Band durchtrennt; im Anschluß an die obligatorische Tafel-Enthüllung zerschnitt der Bischof von Pondicherry ein weiteres gelbes Band und segnete das Haus. Wie der Bischof mir nach dem Gottesdienst versicherte, ist ihm die Arbeit für die Armen dieser Gegend eine Herzensangelegenheit und er will die Station nach Inbetriebnahme öfter besuchen. Eine nette Geste. Die anschließenden Ehrungen mit Schals und Tanzvorführungen fanden im Beisein der Lokal-Politiker statt und zogen sich bis in die Dunkelheit. Anstrengend , aber farbenfroh und fröhlich. 

Da gleichzeitig der Weltfrauentag zelebriert wurde und der Aufgabenstellung des MHC entsprechend,  war die Mehrzahl der Teilnehmer weiblich. 

Vor Antritt der Rückreise pflanzten wir im Scheinwerferlicht noch Bäume. Ich hatte die Nachbars-Kinder zu Hilfe gebeten. Damit haben die Mädels  ´ihre´ Bäume. Somit  ist das MHC in Teilen bereits in der Verantwortung der Einheimischen. 

Das ist der Plan.

Das war in Kürze der Einweihungsbericht. Die Station ist auf dem Weg. Und auf der Tafel steht, daß sie nur mit Hilfe vieler gutmeinender Menschen aus Deutschland entstehen konnte. Das sind Sie! Und den Menschen hier ist das bewußt! Danke Ihnen allen!

Ihr Dr. W. Donné

 

P.S.: Das Einfügen der Bilder in diesen Text ist mißlungen. Fotos daher wie immer im Foto-Album

(22. März 2010)

Es war einfach rührend, die beiden zu begleiten -  zu sehen, mit welche Hingabe und fast jugendlicher Neugier sie seine Wege über die Jahre in Indien, seine Hinterlassungen und Spuren verfolgte. Sie war mit ihm nach Indien aufgebrochen, seine Eindrücke nachzuvollziehen, von welchen er so oft berichtet hatte.. 

Trudel und Hermann Josef Scheidtweiler  waren im Februar 2010  im PMD-Land. Ein Stück des Weges war ich mit ihnen; auf den Feiern zu deren Begrüßung, auf den Fahrten durch ausgedehnte Reisfelder, den Besichtigungen und Vorführungen. 

Und es hat gut getan, die Vertrautheit der beiden zu erleben. Es gibt es eben doch, dieses Gefühl, für einander da zu sein, das Leben und Erleben teilen zu können..

Liebe Freunde und Weg-Begleiter,

der Einladung von Herrn Arokiasamy,  am Besuch des Ehepaares Scheidtweiler  aus Wachendorf in der Eifel teilzunehmen, bin ich gerne nachgekommen. Und es hat Freude bereitet. Siehe oben. Trudel wollte erleben, wovon ihr Mann ihr erzählte, wenn er aus Indien zurückgekehrt war und hat sich erstmals mit ihm zusammen auf den Weg gemacht.

Somit konnte ich zu Februar-Beginn einen Einblick bekommen in Aktivitäten anderer PMD-Kooperationspartner. Und zwei bedeutende Persönlichkeiten kennenlernen.

Danke Trudel und Hermann-Josef. 

Ansonsten war der Februar vollgestopft mit Treffen und Unterredungen. Einerseits mit Herrn Dhandapani (Architekt) andererseits auf der Baustelle – und zum Teil lautstark – zwischen dem Architekten und den Arbeitern, die  bestimmte Anweisungen seitens des Architekten auszuführen  offenbar nicht imstande oder willens waren, was Herrn Dhandapani dann offenkundig nicht sonderlich gefiel..

Das ist nicht neu, das kennt man.. Deshalb will ich dies an dieser Stelle nicht weiter vertiefen..

Fakt ist, daß – und jetzt nehme ich einen Teil vom März vorweg – schubweise mit Nachdruck am Bau gewerkelt wird und zumindest äußerlich ein erheblicher Fortschritt sichtbar ist. Frau Claudia Stroppel von BENGO, unterwegs im Auftrag des BMZ, konnte sich vom Baugeschehen Anfang März ein Bild machen. Eine enorme Beschleunigung der Bautätigkeit entstand unter dem Ein(Druck) der Einweihungsfeier, die zunächst für den 31-03-2010 vorgesehen, nunmehr am 22-03-2010 stattfinden soll unter Teilnahme der wichtigsten Repräsentanten des In- und Auslands.. Dieser Zeitpunkt ist etwas überraschend, das kennt man. 

Ein bißchen traurig bin ich, weil vermutlich von all den Deutschen Unterstützern des Projekts sich niemand ad hoc frei machen können wird, um an der Feier teilzunehmen. Wenn doch: In Pondy wird sich einer riesig freuen..

Die Teilnahme an der Tauffeier von Anuj-Nilam, Anies und Anbarasus Sohn, war Zeichen der Zugehörigkeit zu Samys Familie und eine besondere Ehre. Hierzu gibt es wie immer, wenn im Forum die Berichte von Hanka John Wichtiges bereits erwähnten, von meiner Seite lediglich Bilder. 

Ebenfalls eine Ehre war die Einladung von Frau Lambrich zur Jahreshauptversammlung der Frauengemeinschaft in Perscheid mit der Möglichkeit, kurz über das Projekt zu berichten. Eine Aufgabe, der ich gerne nachkam im Rahmen eines Ultrakurz-Besuches in Deutschland.  Die Teilnahme so vieler Menschen an unserer gemeinsamen Aufgabe in Indien tut einfach gut! Danke!

Den März 2010 in weiteren Teilen vorwegnehmend: Teresa Zepp sowie Josef Malat sind wieder hier in Pondicherry eingetrudelt. Teresa hatte ihre Eltern Elke und Werner mitgebracht und ihnen ´ihr´ Indien gezeigt. Wie ich glaube, waren die beiden sehr beeindruckt von allem. Zwischenzeitlich sind die Eltern wieder wohlbehalten in Deutschland angekommen. Herzliche Grüße von dieser Stelle!

Den Fortgang der Dinge werde ich zwanglos diesem Bericht anfügen, um nicht zeitliches ´Durcheinander´ zu verursachen. 

 

Bis dahin allen, die mit uns sind, alles Gute!

 

Ihr Dr. W. Donné

 

Liebe Freunde und Wegbegleiter!

 

Eingangs vielen herzlichen Dank unseren neuen Unterstützern und danke den „Alten“ für ihre Verbundenheit! Die Zahl der Helfenden  ist größer geworden und hilft uns beim Einsatz für die Mütter und Kinder im Projektgebiet.  

Eine meiner Begleiterinnen ist nicht mehr dabei; meine Tante Annele Rau, die trotz ihres hohen Alters meine Wege nach und in Indien aufmerksam und wohlwollend begleitete, ist im Januar 2010 gestorben. Ihr Interesse an diesem Unternehmen hat immer gut  getan!

Neujahr und Pongal liegen hinter uns und auch RD, der Republic Day, der zu den wichtigsten Festen in Indien zählt. Vielleicht nicht ausschließlich. Es gibt noch Deewali, Weihnachten, Ostern, diverse Mondfeste und..  die Geburt von Annies und Anbarasus Sohn Ashwin am 18-01-2010.

Viereinhalb Stunden bevor in Mittel-Europa Raketen und Sektkorken mit Getöse das Jahr 2010 bekrachten, hatten sich in Pondicherry Zehn-Tausende an der Strandpromenade versammelt und brüllten sich pünktlich (!) 0:00 ein „Happy New Year“ zu. Entgegen sonstiger Gewohnheit ohne elektronische Verstärkung und somit erträglich. Wohl die einzige Nacht in Indien ohne irgendein Hupen-Getöse oder Motorenlärm. 

Pongal (Ernte-Dank und auch die Bezeichnung für das Essen) startet mit dem Hindu-Neujahr am 14-01, dauert mindestens drei Tage und ist in Tamil Nadu dieFestlichkeit. Dem „Bhogi Pongal“, gewidmet dem Gott Indra, der für alle Freuden des Lebens zuständig ist,  folgt „Surya Pongal“ zu Ehren des Sonnengottes ohne den Leben auf der Erde nicht möglich wäre. Am dritten Tag, „Mattu Pongal“ werden die Tiere, besonders die Ochsen und Kühe geehrt, gebadet, geschmückt und deren Hörner farbig lackiert. Das ist der besondere Tag der Bauern.

Tag eins beginnt mit einem Ölbad, danach werden neue Kleider getragen. Dieser und der Vor-Tag sind eine Art „Frühjahrs-Putz“, an dem man sich von nicht notwendig Scheinendem, besonders aber von Müll trennt, was mit dessen Verbrennung auf den Straßen in Madras zur Einstellung des Flugverkehrs führte.

In weiten Teilen des Landes wird Zuckerrohr mit Milch verkocht und nach diversen Zutaten der versammelten Familie als besonderes Essen gereicht. Die vor den Türen der Hütten und Häuser auf die Straße üblicherweise gestreuten Mandalas sind in dieser Zeit besonders kunstvoll und es gibt Wettbewerbe wie bei „Unser Dorf soll schöner werden“. Die Tempel sind noch mehr als sonst besucht und die Priester danken Indra für den Regen, den er allen Früchten zukommen ließ.

An Tag zwei werden die Häuser geschmückt, die Familien besuchen einander und es wird eine spezielle Speise, die aus Reis, Cashew-Nüssen, Cardamum und regionsspezifischen Gewürzen besteht, in einem besonderen Messing-Topf zubereitet. Dieser Topf wird zunächst an einen sonnigen Platz vor dem Haus gebracht, damit der Sonnengott ihn sehen kann, bevor man den Inhalt an die Vielzahl der Clan-Mitglieder verteilt.

Tag drei ist der Tag der Tiere, besonders der Widerkäuer. Mit einer unglaublichen Hingabe werden die Tiere, die man sonst nicht gerade liebevoll behandelt, gebadet (!), die Hörner gereinigt, poliert und mit Girlanden geschmückt. Die Tiere erhalten ebenfalls „Pongal“ zu essen und zu meiner Verwunderung Bananen. Die Indischen Rindviecher scheinen Allesfresser und Kummer gewöhnt zu sein..

Mit dem 19-01-2010 startete „Bonjour India“, das Festival Frankreichs in Indien, welches bis zum 27-01-2010 dauernd, den „Republic Day“ einschloß, der am 26-01 in ganz Indien als Tag der Gründung der Indischen Republik im Jahr 1950  gefeiert wird. Mit Glanz und Gloria, Aufmärschen etc. Farbenprächtig und aufwendig wie alles, was hierzulande gefeiert wird.  Es werden weder Kosten noch Mühe gescheut, um alles ins rechte Licht zu setzen. Keine Stromabschaltung oder sonstige Ausfälle.. Dieser Tag ist der Tag der Regierungsgeschenke. Privatschulen erhalten Busse, Kinder Schuluniformen und für die Ärmsten hatte Herr Minister M. K. Stalin die ersten von einigen hunderttausend Fernsehgeräten parat. Versprochen ist versprochen..

Der Aneinander-Reihung der Festtage ist zu entnehmen, was von informierter Seite angekündigt war und menschlich nachvollziehbar ist: Die „Brückentage“ dienten vielen als willkommene Gelegenheit, nicht zu arbeiten und somit tat sich in weiten Teilen des Landes nicht wirklich viel, insbesondere, da einige Tage des Januar 2010, die nicht mit den Feiertagen zusammenfallen(!) von den Tempel-Priestern als besonders günstig für Hochzeiten bestimmt waren, was zu ausgebuchten „Marriage-Halls“ und aufgrund der mehrtätigen Dauer einer Indischen Hochzeit zu entsprechenden Arbeits-Ausfällen führte. 

Die am Verkauf interessierte Geschäftswelt hatte dennoch meistens geöffnet und so war es ein Vergnügen, eine ganze Reihe  fehlender Ausstattungs-Materialien und Gegenstände für das MHC zu finden, zu kaufen oder zu bestellen. 

Die Waschbecken-, Warmwasserbereiter-, Wasserhahn- und Moskito-Netz-Situation ist geklärt und die Teile gekauft bzw. bestellt. Die Hilfsbereitschaft der Indischen Geschäftsleute ist eine durchaus bemerkenswerte. Und offensichtlich helfen sich die Geschäfte aus und stellen dem Nachbarn Teile zur Verfügung, die dieser gerade nicht hat. 

Neben diesen spannenden Aktivitäten erreichte mich am 18-01-2010 auf dem Weg zur Baustelle die Nachricht von Annie, daß sie per Kaiserschnitt entbunden werden sollte. Da die jungen Leute sehr viel Wert auf die Unterstützung durch Hanka John legen und ihnen meine Meinung als Arzt wichtig scheint, insbesondere aber, weil wir den beiden Freunde sind, warteten wir auf die Ankunft des kleinen Mannes, der dann um 18:05 per Kaiserschnitt das Licht dieser Welt erblickte. Mit einem Gewicht von 2850 g guter Indischer Durchschnitt. Das Kind ist gesund. Der jungen Mutter geht es gut und der Vater ist glücklich. Jetzt wird seit zwei Wochen nach einem Namen gesucht, was nicht nur den Eltern, sondern auch den Großeltern Kopfzerbrechen bereitet und ich behaupte, daß das Kind aus diesem Grunde alle zwei Stunden quängelt..

Zwei Tage nahmen wir an einem Training für Trainer teil. Veranstaltet im PMD-Center unter Leitung von Herrn Stalin vom College für Medizinische Ausbildung in Vellore. Bemerkenswert an diesem Kurs über richtige Ernährung des Kindes waren neben den Inhalten die angenehme Art des Trainers und die Freude und spielerische Leichtigkeit mit der die achtzehn jungen Frauen sich des Themas annahmen und ihre Ideen wie sie dies dann jeweils zwanzig weiteren jungen Müttern in ihrem Dorf weitergeben wollen. Diese Art des Umgangs dürfte die im Rahmen des Projekts geplanten Schulungen nicht unerheblich erleichtern. Herr Stalin, der, etwas untypisch, ausgesprochen offen ist für neue Einsichten und Wege, hat seine Unterstützung zugesagt und findet den Plan des MHC gut, was wiederum mir gut getan hat.

Mit Herrn Dhandipani (Architekt) fand eine Reihe von Besprechungen statt, die dem Baufortschritt neue Impulse geben sollen. Trotz der eingetreten Verzögerungen, die dem Architekten unter dem Aspekt der allfälligen Inflation ein Greuel sind, da seine Kostenkalkulation instabil wird und er solche Probleme nach seiner Aussage in dieser Form nicht kennt, sind einige wichtige Maßnahmen am Bau vollendet: Der Fußboden im Erdgeschoß ist großflächig mit Granitplatten belegt, die Elektro-Installation ist in Angriff genommen und das Fliesen der Wände soll nach Abschluß der Wasser-Installation folgen. Teile des Gebäudes sind mit einem Grund-Anstrich versehen und die Schreiner haben sich an die Vorbereitung der Türen gemacht. Wenn ab jetzt wie geplant alles Hand-in-Hand gehen kann, sollten die Vorbereitungen zur Einrichtung Mitte März 2010 starten können und Ende März 2010 mit der Einbringung der Einrichtungs-Gegenstände begonnen werden. 

Wenngleich dies sehr viel später als projektiert ist, wird die Zeit nicht nutzlos gewesen sein, da Hanka John und Agnes (eine der beiden Indischen Hebammen) intensiven Erfahrungstausch pflegen und dies zu den vertrauensbildenden (wie angestrebt) Maßnahmen zählt. Nebenher wird dann auch über Privates gesprochen und man kann einiges über Dorf und Leute erfahren..  Hanka arbeitet mit Nachdruck an der Übersetzung von Standards, erstellt Graphiken und erweitert die Medikamenten-Liste. Die Preise sind derzeit nicht eruierbar, da eine neue gelbe Liste, die in Süd-Ost-Asien CIMS heißt und an die WHO-Empfehlungen angepaßt ist, noch nicht erhältlich ist. Muß man eben jeden Tag hinlaufen und fragen. „Not yet arrived“. Es wird schon werden.. Mit Februar-Beginn wird Hanka in einem Krankenhaus, welches wie MHC spezialisiert ist, ausschließlich Frauenheilkunde, Schwangerschaft und Geburt hier in Pondicherry für einige Tage hospitieren, um die „Innenstruktur“ und Abläufe kennenzulernen. Diese Klinik hatten wir bereits besucht als Teresa noch in Indien weilte und waren von der Ausstattung, dem Konzept und der Durchführung sehr angetan. Eine Gelegenheit, Tamil zu sprechen..

Seit einigen Wochen gibt es zu meiner Freude intensiven Meinungs-Austausch mit Frau Dr. Hilde K. Link, die sich als Indien-Expertin (seit 20 Jahren Forschungsprojekte ebenda) und über Jahre in Pondicherry resident, sehr für das Pirappu-Projekt und dessen Hintergründe und Gegebenheiten interessiert. Die Hinweise von Frau Link auf Indische Besonderheiten, Deutsche Eigenheiten und die möglichen Folgen sind mir sehr wichtig und die angebotene Hilfe von unschätzbarem Wert..  

Trotz aller Freude über die Ernennung von Herrn Dr. Arokianatan zum Leiter der Fakultät für modernes Tamil  der Universität Pondicherry bleibt das Bedauern über die nun aufgrund der neuen Aufgabe für den Sprachunterricht fehlende Zeit.  An dieser Stelle herzlichen Glückwunsch und herzlichen Dank für die erwiesene Geduld und Aufmerksamkeit!

 

Ihnen (Euch) für das kommende Jahr – nein nicht nur für dieses – alles Gute!

Danke fürs Da-Sein! 

Und Danke für die erwiesene Geduld und Aufmerksamkeit!

 

Ihr Dr. W. Donné 

 

Einige Bilder hierzu sind unter „Januar 2010“ im Bilder-Katalog abgelegt.

Wer oder was ich nicht sein möchte in Indien..

Liebe Freunde und Wegbegleiter,

mit einigen Gedanken zum Jahres-Wechsel melde ich mich wieder, kritische Gedanken vielleicht, aber auch wichtige, um die Notwendigkeit unseres in Indien-Seins zu unterstreichen.

 

Wir sind in wechselnder Besatzung (Hanka John, Teresa Zepp, Josef Malat und ich) nunmehr seit fünfeinhalb Monaten im Land, haben viel gesehen, viele Überlegungen angestellt und ausgetauscht       und - bis auf den Container - relativ wenig bewegt, außer uns selbst auf nicht enden wollenden Reisen zwischen Pondicherry, Madras, Viluppuram und Anaiyeri, die, am Ende mit dem von AVG-Trier gestifteten PKW, nur nervenzehrend und zum Teil gefährlich waren,  aber doch mit der Anlieferung des wohlgepackten Container an der Geburtshilfe-Station=MHC belohnt wurden. Daß dies am 22-12-2009 ablief, wurde von uns als Weihnachtsgeschenk, welches wir teuer bezahlten, aber eben als Geschenk wahrgenommen, da erstmals ein Ergebnis unserer Bemühungen deutlich wurde. 

Dieses Geschenk für uns, stellvertretend für die Menschen, deren medizinische Versorgung wir uns zur Aufgabe gemacht haben, ist bezahlt mit Geduldsproben, Irrwegen, Demütigungen, Zeit und am Ende Geld! Dies alles will ich nicht beklagen, weil ich viele mit mir (uns) weiß, die diese Vision, die Welt von einer Stelle aus zum Besseren für die Menschen ändern zu können, auf jede erdenkliche Weise unterstützen.. Nichts wären wir ohne die, die uns begleiten.. Wenn sich die Frauen der umliegenden Dörfer bei mir bedanken, betrachte ich dies immer als Dank an Sie (Euch), die uns (unter)stützen..  
Reisen hinterlassen naturgemäß Eindrücke und wenn man sich in einem Land längere Zeit aufhält und der Bewegungsradius kleiner wird, werden die Eindrücke eindringlicher.  Und man beginnt, seine Herkunft  unter anderen (in diesem Falle positiven) Aspekten zu sehen. 
In unserer Straße in Pondicherry ist seit einigen Tagen Großräum-Aktion in Sachen Müll! Erstaunlicherweise scheinen die Inder so etwas wie Winterputz  - oder "nach Monsun-Reinigung" - zu kennen. Die Straße ist  frei von Unrat, herumliegenden Steinhaufen und sonstigem Dreck. Ich staune und frage mich, wie lange das wohl so bleiben wird - oder kann. 
Dem Straßenköter, der zunächst von Daniela und Hanka liebevoll  von Läusen. Flöhen und Zecken befreit worden war, werden all diese umgebenden Aktivitäten sicher egal sein, denn er hat - von vielem geheilt - jetzt die Räude und langsam kein Fell mehr. Das eine verloren, das andere eingetauscht. Was besser ist, kann ich nicht entscheiden. Am besten wäre nichts von allem. Das wäre aber vielleicht das Hunde-Paradies - und das gibt es nicht. Also, Straßenhund möchte ich nicht sein. Diese Freiheit ist an Bedingungen geknüpft und so nicht wünschenswert.  
Die heiligen Indischen Kühe, die von einem Großteil der Restwelt auf irgendeine Weise bewundert werden, haben im Grunde auch ein Dasein, das ich nicht teilen wollte: Sämtliche Müllberge werden von den streunenden Kühen auf Freßbares durchwühlt.. Welch ein kuhunwürdiges Dasein! Und wie kaut man Plastiktüten wider? Nein, Kuh ist auch nichts.  
Heute bin ich, die Kanal-Straße entlanglaufend, die durchaus wegen des Verlaufs durch die Stadt und wegen des von ihr ausströmenden Gestanks den richtigen Namen trägt, an einer - Hütte ist übertrieben - vorbeigekommen (von dieser Art Behausung ist die Stadt neben allem Reichtum voll), in der nackte Kinder einen alten Fernseher liebevoll streichelten. Es gibt nicht Elektrizität in diesem Bereich. Welche Phantasien mögen diese Kinder gehabt haben - oder haben? Und es gibt Millionen solcher Kinder.. Mit meiner abendländischen Kultur-Prägung ein nicht erträglicher Gedanke für Eltern. Vater möchte ich nicht sein in dieser Welt voll Dreck, Armut, Smog und Perspektiv-Losigkeit.. 
In Pondi gibt es "Le Café", ein vierundzwanzig Stunden geöffnetes Lokal direkt am von Nach-Tsunami-Steinverschandeltem Strand, in dem sich erstaunlich viele Indische Familien niederlassen. In der Regel sind die Ehepaare in Begleitung zweier Kinder - oftmals Mädchen, die vor Luxus (Sonnenbrillen) und Fett (Übergewicht) strotzen, Digital-Cameras mit sich schleppen und von allem genug haben. Vor allem aber sichtbar sich selbst genügen. Was einerseits durchaus erstrebenswert scheint, ist angesichts der allfälligen Armut ein Affront. Ich möchte nicht  Elternteil sein für diese Kinder - und verantwortlich für ein derartiges Verhalten sein müssen. 
In Herrn Arokiasamys Haut möchte ich auch nicht stecken: Aus der "No-Problem-Veranstaltung" des MHC ist ein mit diversen Verzögerungen versehenes Vorzeige-Objekt geworden, dessen Baufortschritt jetzt auch von  einem nach Hintergründen fragenden Arzt behindert wird, der sich von Architekten und Installateuren kein X für ein U vormachen läßt und noch dazu Argumente hat, warum etwas so oder so und nicht  anders ist. Da wird der "Plumber" böse und ruft Samy an, um sich zu beschweren. 
Kenne ich, gab´s öfter im Kemperhof zu Zeiten von Herrn Hühnerfeld, dem Schreiner, aber insbesondere Bütten-Redner, der es nicht ertragen konnte, daß ein Arzt tatsächlich was von Handwerk versteht.  
Nein, unter den gegebenen Umständen, mit diesem Deutschen im Nacken, möchte ich kein Indischer Installateur sein. Das würde mich zu sehr in meinen Vorstellungen, ein Haus mit vielen Löchern zu durchbohren, stören. (Daß dies beim üblichen Haus-Bau kein Problem darstellen mag, ist unstrittig.)   Und langsam, ganz langsam, werde ich fern von meinen angestammten Menschen und Plätzen  ein mit der Deutschen Umgebung zufriedener Mensch, der lernt, Positives zu bemerken. 
Und so bin ich den Indern zweifach dankbar: Für die Möglichkeit, Neues zu erfahren und die Gelegenheit, Vertrautes zu schätzen..  Entwicklungshilfe ist nie einseitig. In meinem Alter an den Anfang des Lebens treten zu dürfen ist ein Geschenk.      Und ich danke allen!  

Möge das Neue Jahr allen Gutes bringen! 

Ihr Dr. W. Donné

P.S.: Auf einen Report wie bisher habe ich verzichtet. Die Neuigkeiten sind über die Bildergalerie oder die Forum-Einträge von Hanka John nachvollziehbar. (Die Internet-Geschwindigkeit verhindert mitunter zeitnahes Reagieren.)
Es ist gut, hier zu sein. Auch, um sicherzustellen, daß die Spendengelder sinnvoll verwandt werden. Klar auch, daß dies nicht  ungeteilte Freude auslöst. Aber: Ich weiß, wofür Ihr Geld ausgegeben wurde. Und dazu kann ich stehen!