Der Dezember 2010 6 Years ago  

Ihr Lieben,

der Dezember 2010 war ein aufregender Monat, keine Frage, der bisher aufregendste.
Nachdem uns Anfang des Monats von mehreren Seiten geraten wurde Indien zu verlassen, da unsere Visa noch immer nicht verlängert worden waren, sind wir relativ überraschend aus Indien abgereist. Der illegale Aufenthalt hat uns und unsere Partner doch sehr nervös gemacht. Mit Hilfe unseres Anwaltes konnten wir eine Ausreisegenehmigung erwirken und, trotz vieler Befürchtungen, ohne Komplikationen ausreisen.
Wir haben bevor wir geflogen sind mit unseren indischen Projektpartnern alle weiteren Schritte besprochen, so daß wir die Hoffnung haben, daß in unserer Abwesenheit das Haus in den Zustand gebracht wird, der einen direkten Start nach unserer Rückkehr erlaubt. Das heißt, daß die Stromversorgung geklärt, daß Frisch-und Abwasser geregelt und daß die Probleme mit ungewollten Regenwasser im Haus gelöst sein müssen. Eine große Liste an Arbeiten und wir alle dürfen auf das Ergebnis gespannt sein.
Wir hatten unterdessen viele Wege in Deutschland zu gehen, da wir vor allem alle Partner und Unterstützer über den aktuellen Stand der Dinge informieren wollten und natürlich das Visaproblem mit dem indischen Konsul in Frankfurt zu diskutieren hatten. Letzteres konnten wir am 29.12. weitestgehend klären. Unsere Ausreisegenehmigung enthält auch einen Einreisestichtag an dem wir wieder in Indien zu sein haben. Alles weitere kann und wird einzig und allein durch die indischen Behörden in Delhi und Chennai zu lösen sein. Nach unserer Info kam kurz nach unserer Ausreise eine Bescheinigung, daß die Visa verlängert sind. Ein Vermerk in unseren Pässen ist aber nur in Indien möglich. Also werden wir versuchen, am 9.01.2011 wieder nach Indien zurück zu fliegen, was nach Aussage des indischen Konsuls in Frankfurt mit der bereits erwähnten Ausreisegenehmigung ohne Probleme möglich sein soll. Auf die Ansage „no problem madam“ reagiere ich zwar wirklich allergisch, aber was bleibt uns? Wir werden es also versuchen und ihr könnt heute schon mal anfangen, die Daumen zu drücken, daß alles gut geht. Insgesamt eine mehr als verwirrende Prozedur, die es schafft reichlich, Sorgen zu kreieren.
Aber trotz aller Unklarheiten kam ich so jedoch in den Genuß, Weihnachten mit meiner Family zu verbringen und das war einfach wunderbar! Ich konnte viele Freunde besuchen, auch wenn ich es nicht geschafft habe, alle zu sehen, was mich schmerzt. Der Schnee hat das Seinige getan, manche Besuche einfach platzen zu lassen. Aber zumindest konnte ich mit vielen ausgiebig telefonieren und das ist ja auch schon mal was.
Und ich konnte ein bißchen Kraft und Energie tanken, es geht eben nix über ein Verwöhnprogramm von Mama.
Somit blicke ich, wenn auch etwas unsicher, aber dennoch voller Zuversicht in ein hoffentlich tatenreiches neues Jahr.
Es kann nur besser werden!

Euch allen wünsche ich einen guten Start ins Neue Jahr! Bleibt gesund und munter!
Bis nächstes Jahr

Eure Hanka

Der November 2010 6 Years, 1 Month ago  

Meine Lieben zu Hause,

wieder ein Monat rum… Tick tack tick tack und eigentlich ist wieder nichts wirklich Spannendes passiert.
Nein, wir haben noch immer nicht den Container aufgemacht, geschweige denn mit der medizinischen Arbeit begonnen. Dafür hat seit Mitte des Monats endlich der Monsun eingesetzt und wir haben reichlich Wasser. Überall. Was für den Container bedeutet, dass er nun die zweite Hauptmonsunzeit unausgepackt im Regen steht. Nicht so schön!
Man kann sich wirklich nicht vorstellen, wie viel Wasser so vom Himmel fallen kann.
Und wenn dann noch etwas Wind geht und der Regen gegen die Scheiben plätschert, dann kommt bei mir die Frage auf, warum Fenster? Es regnet so heftig rein, als ob wir sie vergessen hätten. Ok, fairer halber muss ich sagen, dass es nicht „nur“ ein bissel Wind ist, sondern schon richtige Taifungeschichten, die sicher nicht auf der Tagesordnung stehen, aber wozu Fenster, wenn sie keinen Schutz bieten?! Das Problem mit undichten Fenstern ist von Seiten unseres Ingenieurs nur durch den Vorbau von Schiebefenstern zu lösen. VETO! Jetzt wo das Haus so halbwegs fertig ist, sollen wir anfangen und neue Fenster einbauen? Abgelehnt!
Durch den reichhaltigen Regen bekommt leider auch der septische Tank eine gute Spülung von allen Seiten, was allerdings seine Funktionsfähigkeit einschränken könnte. Wir werden sehen. Was uns wirklich schockiert hat ist, dass seit einigen Tagen auch durch die Zimmerdecke in die Mitarbeiterzimmer im Haupthaus rein regnet, nicht viel, aber kleine unschuldige Tröpfchen kommen gelegentlich von oben. Manchmal frage ich mich, ist das der erste Monsun, den die Inder hier durchmachen müssen? Die Tatsache, dass es letztes Jahr auch einen gab, spricht dagegen. Aber warum versuchen sie dann nicht, sich dementsprechend vorzubereiten, anzupassen oder wenigstens ihre Häuser danach zu bauen?
Die Hütten und Straßen in der Umgebung sind alle in einem so gnadenlos schlechten Zustand, das kann man sich nicht vorstellen! Alles ist voller Schlamm, das Wasser steht so hoch, dass es in viele Häuser einfach durch die Haustür reinläuft, die Menschen haben keine Möglichkeit, ihre Sachen zu trocknen, oder sich selbst, gekocht wird irgendwie mit nassen Holz im Haus, weil draußen ja Regen und selbst die Straßen geben nach und nach ihren Geist auf. Im März dieses Jahres wurde die Straße vor dem MHC neu gebaut und ist derzeit so gut wie nicht befahrbar. Riesige Löcher tun sich auf, an denen man mit einem Zweirad irgendwie vorbeikommt, aber im Auto oder Bus… no way.
Wenn man auf dieser Straße weiter Richtung Viluppuram fährt, kommt man nicht weit, da sie einfach in einer Breite von 10m weggespült ist. Plötzlich hat man einfach das Ende der befahrbaren Welt erreicht und steht vor einem 10m breiten Flusslauf. Und die Menschen hier leben mit und in diesen Zuständen schon seit… immer.
Aber: Es kann ja nicht immer regnen! Und von der Seite geht wohl alles irgendwie irgendwann vorbei.
Genug Regengeschichten; was gab es noch im November 2010?
Das große Stromrätsel hat sich leider immer noch nicht gelöst. Folgende Frage sollten dringend beantwortet/bearbeitet werden: Warum ist nicht in allen Steckdosen eine Erdung (obwohl 100mal besprochen)? Warum ist der Durchlauferhitzer im Erdgeschoß mit dem Licht in Wolfgangs Zimmer in der ersten Etage verbunden (heißt, wenn man warmes Wasser im Erdgeschoß möchte geht bei Wolfgang das Licht an)? Und der Klassiker: Wie kann man eine Stromspannung von knapp 400 V handhaben (für die Nichtstromkenner unter Euch - mich eingeschlossen – normal sind 220V; by the way ist das der Moment wo bei Wolfgang das Licht definitiv wieder ausgeht, bildlich gesprochen)? Also alles in allem noch viel Arbeit, der Regen macht die Sache nicht besser und außerdem muss der Sohn des Elektrikers verheiratet werden und das geht eindeutig vor.
Dann haben wir diesen Monat sämtliche europäische Steckdosen eingebaut, mit tatkräftiger Unterstützung unserer indischen Putzfeen. Dafür mussten leider alle bisher dafür vorgesehen Öffnungen in der Wand per Schlagbohrer vergrößert werden, da diese schlicht und ergreifend zu klein waren. Mit fachmännischer Anleitung von Wolfgang und mir (der großen Schlagbohrerkennerin!) haben Seeli und Selvi (unsere Putzfeen) das eigenhändig ausgeführt. Und sie hatten riesigen Spaß, naja und wir natürlich auch! Eigentlich hätten sie ganz gern alle Steckdosen wieder neugemacht, aber genug Dreck ist genug Dreck.
Alle Zimmer mussten vorher komplett ausgeräumt und nachher geputzt und wieder eingeräumt werden. Aber zu guter Letzt sind jetzt alle Steckdosen fertig, die Zimmer wieder sauber und eingeräumt.

Im selben Atemzug haben wir die Verbindungstüren zwischen den Entbindungszimmern und Arzt- und Hebammenzimmer eingebaut. Sieht alles sehr schön aus und ist gut gelungen.
Und dann habe ich im November die erste interne Fortbildung für das medizinische Personal abgehalten. Thema: Hygiene im MHC. Zum Glück hatte ich in meiner Vorbereitungszeit in Deutschland auch einen Kurs über Ausbildungsmethoden, was mir sehr geholfen hat, das Seminar zu gestalten. Es hat zwar etwas gedauert, bis ich alle Materialien organisiert hatte (in Tamil& Englisch), aber am Ende ist es wohl ganz gut gelungen und ich denke, wir alle haben was gelernt und hatten auch was Spaß dabei.
Mary-Agnes und ich haben im November begonnen erneut an unsere Umfrage zu arbeiten. Die im letzten Jahr erhobene zeigte keinerlei Ergebnisse, so dass wir beschlossen haben, die Fragetaktik und Art& Weise der Durchführung zu verändern und eben alles noch mal zu machen; das kennt man ja mittlerweile. In diesem Zusammenhang haben wir die für die umliegenden Dörfer zuständige Dorf-Krankenschwester um ihre Mithilfe gebeten. Diese hat ihren Arbeitsplatz in der Gesundheitsstation in Anathapuram und ist eine freundliche, recht pummelige Frau, die Menstruationsbeschwerden auf kleine Würmer, die in der Gebärmutter leben zurückführt, aber das nur nebenbei. Wie dem auch sei, so kam ich mal wieder in den Genuss, die Gesundheitsstation zu besuchen und schlagartig relativiert sich alles, was ich oben über den mangelhaften Zustand des MHCs geschrieben habe. Wir hatten diese Station schon einmal vor 4 Jahren besucht, auf unserer Bedarfsanalysetour. Was ich mir kaum vorstellen konnte, das Haus und die ganzen Gegebenheiten sind in einem noch schlechterer Zustand als vor 4 Jahren. Alles nass und schimmelig, alles voller Mosquitos, alles dreckig und irgendwie kaputt. Katastrophal! Wie hier eine Frau ihr Kind zur Welt bringen kann, ohne dass wenigstens einer von beiden einen bleibenden Schaden, wenn nicht sogar schlimmeres, davon trägt, ist mir ein großes Rätsel. Dieser Besuch hat wieder einmal sehr eindringlich die Notwendigkeit unseres Tuns gezeigt UND wir können sehr stolz auf das MHC sein, auch wenn sicher nicht alles perfekt ist, so ist es doch in einem um Kilometer besseren Zustand als alles Umliegende!
Was mich diesen Monat besonders gefreut hat ist, dass in Pondicherry ein Hebammen Kongress stattfand. Da der Stand der Hebamme in Indien eher dem eines Hilfsarbeiters entspricht, was wohl auch an der Ausbildung von 6 Monaten liegt, fand ich es unglaublich spannend und aufregend, diese zum Teil sehr interessierten und patenten Frauen zu treffen.

Mal abgesehen von den zu Hauf wohl einbestellten KrankenpflegeschülerInnen, die als Füllmasse für leere Stühle dienen sollten und die das alles die Bohne interessiert hat, war diese Tagung ein voller Erfolg. Ich habe viel Neues über die Art& Weise der indischen Geburtshilfe gelernt, das jetzt auszubauen würde einfach zu weit führen. Wer Interesse hat kann sich aber gerne mit mir in Verbindung setzen.
Und zu guter letzt hatten wir diesen Monat einen Schlafgast in der Wohnung in Pondicherry. Christina, eine Studentin aus Italien, suchte eine kostengünstige Bleibe und da sie mit unserem Sprachlehrer arbeitet, hat er vermittelt. Ausländer und Ausländer, das passt sicher gut, dachte er sich, und so war es auch. Wir waren zwar die überwiegende Zeit ihres Aufenthaltes hier in Pondi in Anaiyeri, aber selbst dieser eine Tag mit ihr hat mich mal wieder so richtig herzhaft zum Lachen gebracht und das tut einfach unglaublich gut!

So, meine Lieben, das waren die Neuigkeiten aus Indien.
Gebt auf Euch acht und bis nächsten Monat!

Eure Hanka

Der Oktober 2010 6 Years, 2 Months ago  

Meine Lieben zu Hause,

ich habe diesen Monat die ehrenvolle Aufgabe, einen Bericht über die positiven Seiten unsere Arbeit im Oktober 2010 zu schreiben, Wolfgang wird die Probleme diskutieren. Das nenn ich Arbeitsteilung.
Also, dann:
Nachdem mir letzten Monat beim Anschalten der Ventilatoren kleine Blitze, die durch die Schalterkästen ziehen, aufgefallen sind, hat Wolfgang die ganze Stromsache noch mal genauer unter die Lupe genommen und festgestellt, dass die Erdung im Haus vergessen und viele Kabel nicht richtig verlegt wurden. Gefährlich, aber änderbar. Somit waren die extra aus Viluppuram einbestellten Elektriker den ganzen Monat gut beschäftig und das freut mich für die Jungs. Sie werden ihre Arbeit im November abschließen, denke ich.
Lothar Kleipaß (siehe unter „Partner“) hat uns im Oktober für eine Woche besucht, um eine Art Bestandsaufnahme der Geburtshilfestation, unserer Arbeit und der der PMD durchzuführen. Wir hatten einige gute Treffen, die mir für einen Moment wieder etwas Motivation und Hoffnung gegeben haben. Er hat uns viele Anregungen gegeben, wie wir unser Arbeit verbessern und Probleme offen und ehrlich zu kommunizieren versuchen können. Ich denke, dass das indisch-deutsche Team viel davon lernen kann, denn offenes Reden ist nicht unbedingt von den Indern erfunden worden.
Und, aber nur so nebenbei, war Lothar der erste, der im Haupthaus übernachtet hat, in einem Patientenbett. Dafür konnte er morgens auch warm duschen. Wolfgang und ich hausen ja aktuell noch im Gästezimmer über der Küche, welches wir mit dem ein oder anderen Streifenhörnchen teilen, die wiederum meine Matratze zum Nestbau benutzen. Letzteres finde ich nicht besonders lustig, da die abnehmende Matratzendicke mir zunehmend Rückenschmerzen beschert. *
Der letzte von uns bestellte Schrank ist geliefert. Mit Hilfe von Lothar wurde der Schrank dann auch fachmännisch aufgebaut und sieht ganz toll aus! Selbst Annie, unsere indische Ärztin, hat zum ersten Mal selbst mit handangelegt und Räder unter den Schränken angeschraubt, damit man sie zum drunter Putzen leichter verschieben kann.
Außerdem haben wir die Verbindungstüren zwischen den Entbindungszimmern und Arzt- und Hebammen Zimmern bekommen, die natürlich auch super sind.
Ihr erinnert Euch an die Schränke für den Steril Raum, die wir mit viel Aufwand im September bestellt haben? Ihr werdet es nicht glauben, sie sind pünktlich geliefert, richtig
zusammengebaut und aufgestellt wurden.
Es geht also doch! Der Steril Raum ist nun auch fertig und ganz wunderbar. *
Ich habe diesem Monat vor allem wieder viel mit den Mädels geputzt und Mary-Agnes (unsere indische Hebamme) und ich haben auch einen Putzplan erstellt, auf Englisch und Tamil. Den habe ich in Pondi tippen (weil mein Rechner kein Tamil kann), ausdrucken und laminieren lassen. So ganz langsam wird es.
Und, da die Schreiner, die die Steril-Raum-Schränke aufgebaut haben, was zum Essen brauchten, habe ich, zusammen mit Mary-Agnes und Silly (unsere indische Putzfee, die aber gerne Kochfee wäre) viel gekocht. Und das war wirklich gut. Wir waren in Ananthapuram einkaufen und haben alles vor- und zubereitet. Alles zusammen und überwiegend auf Tamil. Wenn es ums Essen geht, sind die Tamilen wirklich beeindruckend. Alles wird erst mal 3 Stunden besprochen (was wird zu welcher Mahlzeit gekocht und wie, wo wird es gekauft und wieviel), natürlich wird alles wieder zehnmal umgeworfen und dann wieder neu diskutiert. Aber neben viel Gerede wird auch viel gekocht. Und zwar Unmengen! Wir alle, in Summe 8 Menschen, haben in 3 Tagen 8 Kilo Reis gegessen, 3 Kilo Kartoffeln, 3 Kilo Tomaten, 3 Kilo Bohnen, 2 Kilo Linsen und so weiter. 1 Kilo Mehl allein für die Chappaties zum Frühstück an einem Tag. Wahnsinn. Und wenn es ums Essen geht nehmen die Tamilen auch kein Blatt vor den Mund, es wird knallhart gesagt, wenn’s nicht schmeckt. Was vor allem Silly ziemlich getroffen hat.
Also, ich hatte wirklich lustige Tage! * So ganz allmählich kommen meinem Hirn die tamilischen Hieroglyphen nicht mehr ganz so fremd vor und ich verstehe zunehmend mehr, wenn auch das Reden noch etwas unbeholfen ist. Aber ich habe tatkräftige Unterstützung von „meinen“ Mädels, die tapfer versuchen, mir Unterricht zu geben.
Und ganz nebenbei hatten wir auch unseren ersten Patienten. Mary-Agnes’ Familie hat nämlich ein kleines Grundstück auf dem ein Brunnen ist. Diesen haben sie reinigen lassen und bei der Gelegenheit kam es zu einem Unfall, wo sich 2 Männer kleine Schnittverletzungen zugezogen haben. Die haben Mary-Agnes und ich natürlich fachmännisch gereinigt und verbunden und dann gab’s noch zur Belohnung eine Tetanus Impfung. Davon waren die Jungs dann wirklich begeistert. Die „weiße Schwester“ hat den Einstichort mit der Hand bestimmt, die Einstichstelle vorher sogar desinfiziert und die Spritze hat auch gar nicht weh getan! Es geht nichts über gute Publicity! Ich hoffe, das spricht sich rum und die Leute, vor allem natürlich die Schwangeren, werden gern zu uns kommen. Die Männer waren aber schon mal ganz angetan, auch von der Sauberkeit im Haus.
Nach diesem Erfolgserlebnis blicke ich nun einfach mal positiv in den November und hoffe, dass irgendwann auch unsere Visa verlängert werden und wir die ganzen Probleme, die Wolfgang unter „Aktuelles“ erzählen wird, auch noch lösen werden.
Wir haben schon so viel erreicht, dann wird das wohl auch noch gehen, oder?!
Wäre doch gelacht!

In diesem Sinne bis nächsten Monat

Eure Hanka

Der September 2010 6 Years, 3 Months ago 

Ihr Lieben zu Hause,

wie schnell doch immer so ein Monat vergeht! Aber das hatten wir ja schon…
Zunächst erst einmal wieder ein großes DANKE an Christian, der es immer wieder schafft, unsere Webseite zu reparieren. Leider gibt es wohl eine große Anzahl an Würmern und Viren, die unsere Seite total spannend finden. Da das keine Einzelgänger sind, wurde zwischenzeitlich die Möglichkeit der Neu-Anmeldung gesperrt. Aber keine Sorge, meine Monatsberichte werdet Ihr weiterhin lesen können (ich werde auch versuchen, das ein oder andere Foto einzufügen und hoffe, es gelingt) Womit wir direkt beim Thema sind – Monatsbericht.
Der September war unruhig.
Aber die guten News zuerst, ja? Die ersten zwei Patientenzimmer sind fertig! Fertig geputzt, fertig eingerichtet, fertig und großartig! Ich finde sie super! Und alle Inder in unserem Team auch, denke ich. Die Inder in unserer Region neigen nicht so zu Überschwänglichkeit und deshalb deute ich mal ein „Nalla irukku“ (es ist gut), als „Hey, dass sieht echt Spitze aus, das haben wir gut hinbekommen, super!

Auf jeden Fall ist ein Anfang gemacht und das soll ja immer das Schwierigste sein.
Dann wurden diesen Monat tatsächlich 2 der 3 bestellten Schränke geliefert. Leider sind diese etwas zu groß, um sie wie geplant in die Kreißsäle zu stellen, aber das Haus hat ja glücklicherweise genug Zimmer. Offensichtlich habe ich mich etwas vermessen, aber das liegt bei mir in der Familie, ist also erblich bedingt und keine Frage von Vorsatz. Seitdem misst Wolfgang alles noch mal nach.
Außerdem konnten wir ein weiteres Regal für unseren Abstellraum erwerben, ein Hb-Meßgerät und haben es am Ende doch geschafft, das Mobiliar für unseren Steril-Raum zu ordern. Letzteres gefällt mir besonders gut und wird hoffentlich irgendwann im Oktober geliefert. Die ganze Bestellaktion hat uns allerdings gut 2 Wochen gekostet und gefühlte hundert Falten mehr, mal abgesehen von einer Stange Geld.
Seit einigen Tagen haben wir in Anaiyeri auch einen funktionierenden Stromzähler. Yippie! Die ganze Sache wurde auch gebührend gefeiert mit Blumenkranz und Kerzenanzünden und so. Indisch eben. Dass der Raum im Security Haus eine Müllhalde ist, interessiert da niemanden. Ich hoffe nur, dass diese Zeremonie dem guten Stück helfen wird auch wirklich zu funktionieren, denn auf die Arbeit von Mr. Shanmughan kann man sich wirklich nicht verlassen(siehe unten).

Ansonsten sind wir wohl auf, auch wenn zunehmend leicht reizbar, gesund und munter.
Das waren die guten News.
Nun also zu unseren Sorgen- und Problemfällen.
Samy hat zwar seine Herz-OP in Chennai gut überstanden, konnte es aber nicht vermeiden sich drei Tage nach seiner Heimkehr von mehreren Bienen stechen zu lassen, was eine böse allergische Reaktion hervorgerufen hat. Nach dem hastigen Genuss von reichlich Cortison, ist er nun sehr langsam auf dem Weg der Besserung und hat außerdem einen allergischen Husten geerbt. Alles in allem ist er schlapp und müde und gibt reichlich Anlass zur Sorge.
Am Haus gibt es, trotz aller Freude über zwei fertige Zimmer, auch viel Anreiz, sich zu sorgen. Die von Mr. Shanmughan (Plumber und Strommensch) erledigte Arbeit erweist sich zunehmend als schlecht, was vor allem Wolfgang an den Rand seiner Geduld bringt. Die Warmwassererhitzer sind falsch montiert, dass die Leitungen vertauscht wurden ist dabei sogar das geringste Problem. Hauptproblem ist, dass Verbindungsmuttern aus nichtedlem Metall bereits nach 3 Wochen rosten und die Innenwände der Schläuche schon so zerfressen sind, dass sie kaum noch dicht zu bekommen sind. (siehe: Galvanisches Element) Also alles musste ausgetauscht und umgesetzt werden. Das Dichtungsproblem zieht sich weiter bis zu den Wasserhähnen. Es ist frustrierend, und zwar nicht nur für Wolfgang, wenn in dem zweiten fertigen Patientenzimmer, am Morgen nach der Fertigstellung 10 cm hoch das Wasser steht, nur weil Mr. Shanmughan eine Dichtung vergessen hatte. So etwas darf nicht passieren, wenn das Haus in Betrieb ist, deshalb musste Wolfgang alle Wasserverbindungen noch einmal bearbeiten. Nicht lustig finde ich auch, dass wenn man die Ventilatoren an- bzw. ausschaltet ein Blitz durch die Schalter zuckt, sprich: alles muss nochmals kontrolliert werden. So Kleinigkeiten halten tierisch auf und von der eigentlichen Arbeit ab.
Auch nicht so schön, aber leider nicht mehr änderbar, ist, dass die Patientenbetten nicht durch die Türen passen. Dafür kann ich ausnahmsweise Mal nix, auch wenn sich das nach John´schem Augenmaß anhört. Laut Plan sollten die Türen 100 cm Öffnung haben, nun haben sie aber nur 90 cm und das heißt, die Betten (93 cm) müssen im Zimmer bleiben und können nicht wie geplant, zum Transport der Patienten von OP/Kreißsaal ins Zimmer genutzt werden. Ärgerlich.
Von der Visasituation gibt es leider nichts Neues zu berichten, was irgendwo auch sorgt. Aktuell scheinen wohl die „Commonwealth Games“ in Delhi wichtiger zu sein als die Bearbeitung von Visaanträgen von Ausländern.
Und, der Sorgen kein Ende, unserem Straßenhund fehlt seit geraumer Zeit ein Ohr, das er im Kampf mit so einem Stinkeköter von nebenan verloren hat. Das hat sich natürlich Mega entzündet und ihm mittlerweile das halbe Gesicht weggefressen. Das Antibiotikum von uns wollte er nicht mehr fressen und Tierärzte machen keine Hausbesuche. Somit stinkt er die ganze Straße zu, was eigentlich alles fernhält, was hier nicht unbedingt hin muss. Das trifft leider nicht auf die Gauner von der Revelation Church neben uns zu, die trotzdem mit Inbrunst jeden Abend ihr Halleluja singen. Aber zum Glück sind wir überwiegend unterwegs oder in Anaiyeri.

Trotz der ganzen Ärgernisse, Sorgen und dem Muskelkater (nicht lachen, aber die Treppen im Haus auf und ab, 1000-mal am Tag, das strengt echt an) ist es für mich weiterhin das Größte, hier zu sein.

Also dann, passt auf Euch auf.
Bis nächsten Monat.

Eure Hanka

P.S. Wir arbeiten daran, auch Bilder ins Netz stellen zu können. Ist aber nicht ganz so einfach...

Der August 2010 6 Years, 4 Months ago  

Hallo zusammen,

nachdem unsere Webseite erfolgreich von einem Virus befreit wurde, kann ich nun auch endlich wieder eine kurze Zusammenfassung der letzten Wochen hier in Indien schreiben.
Der August fing schon mal gut an: Ein Bekannter hier in Indien begrüßte mich, nachdem wir uns längere Zeit nicht gesehen hatten, mit der Frage, ob ich denn größer oder fetter geworden sei. Eine Frage, die man Frauen im Allgemeinen und mir im Besonderen nicht stellen sollte. Aber ich lerne hier auch eine gewisse Art von Humor, sodass ich darüber am Ende nur noch lachen konnte.
Dann gab es große Aufregung, da Wolfgang für zwei Wochen nach Deutschland fahren musste und die Visasituation weiterhin nicht klar ist und somit auch das Ausreisen aus Indien nicht so einfach möglich ist. Mit Hilfe unseres Anwaltes bekam er dann zwar ein Schreiben, das bescheinigte, dass alle Papiere ordnungsgemäß eingereicht und die Sache in Arbeit ist, dennoch konnte er nur mit viel Diskussion am Flughafen das Land verlassen. Auch die Wiedereinreise war wohl nichts für schwache Nerven.
Ich habe Wolfgangs Abwesenheit genutzt, um in der Geburtshilfestation das Wort PUTZEN neu zu definieren. Das Haus hat jetzt also eine gewisse Grundsauberkeit und ist sogar überwiegend krabbeltierfrei. Außerdem sind alle bisher gekauften Schränke aufgebaut, trotz zum Teil fehlender Aufbauanleitung! Allerdings fehlte dann doch das ein oder andere Schräubchen, sodass, nach Wolfgangs Rückkehr, wir erst einmal wieder nach Chennai fahren mussten, da die fehlenden Dinge in Pondi nicht zu bekommen waren. Den „Einkaufsmarathon“ in Chennai haben wir dann gleich noch dazu genutzt, um weitere Schränke und medizinischen Bedarf zu bestellen. Es ist schon recht anstrengend, durch diese 7 Mio. Stadt mit dem Auto zu kurven, auf der Suche nach dem richtigen Geschäft, mit den richtigen Schrauben. Und dann werd ich mich wohl nie daran gewöhnen, dass man nicht einfach in einen Laden geht, 20 Schrauben kauft, bezahlt und das Ganze ist in 10min. abgehakt – nein, über 2 Stunden für 20 Schrauben. Ich kann Euch auch nicht sagen, was dabei immer so lange dauert. Der obligatorische Tee nimmt wirklich nur einen Bruchteil der Zeit in Anspruch, da ich es auch mittlerweile schaffe, dieses kochendheiße Zuckerwasser in 2 min. runter zu bekommen.
Aber zurück zum Wesentlichen. Alle im Juli und Anfang August bestellten Einrichtungsdinge wurden geliefert. Somit haben wir jetzt 4 Patientenbetten mit abwaschbarer Matratze und abwaschbaren Kissen, Drehhocker, Instrumentiertische für OP und Kreißsaal aus Edelstahl, einen Rollstuhl, Patientenschränke, Schreibtische und 6 verschiedene Schränke zum Verstauen des Containerinhaltes. Und nicht zu vergessen Bettwäsche, Vorhänge und natürlich den ganzen Papierkram, sprich Patientenakten, Formulare und Mutterpässe. Ich finde, dass hört sich doch alles ganz gut an. Wie gesagt, haben wir noch weitere Schränke und Regale bestellt, denn mit den 6 Schränken werden wir wahlweise nicht weit kommen. Außerdem haben wir Unmengen an verschieden großen Plastikkisten.
Somit ist, finde ich, alles gut vorbereitet für die Öffnung des Containers, wenn denn mal alle Schränke und Regale wirklich stehen.
Auch das Wasserproblem, was ich in meiner Alleine-Zeit in Anaiyeri hatte, scheint zunächst gelöst. Die Pumpe war kaputt und ich hatte für mehrere Tage eine Campingsituation vom Feinsten. Die Pumpe ist also wieder in Ordnung und liefert auch, dank Regenzeit, reichlich Wasser. Inwieweit das auch funktioniert wenn Trockenzeit ist, müssen wir wohl oder übel abwarten. Dennoch muss das Wasser auf Reinheit getestet werden, da auch in Indien eine Gesundheitsstation nicht ohne sauberes Wasser arbeiten darf. Das dürfte noch ein Problem geben, denn das Wasser aktuell hat eine bräunlich-gelbe Farbe, sieht nicht lecker aus und riecht auch nicht gut.
Klar ist auch, dass das Haus vom Gesundheitsamt in Viluppuram abgenommen werden muss nachdem die Einrichtung fertig ist. In dem Zusammenhang wird dann auch unsere Arbeitserlaubnis beantragt, was ein nicht unwesentliches Problem geben wird, da wir, wie gesagt, zurzeit noch nicht mal eine gültige Aufenthaltsgenehmigung haben. Und da unsere Papiere erst am 28.8.2010 – 3 Monate nachdem sie in Viluppuram eingereicht wurden – ihren Weg von Chennai nach Delhi aufgenommen haben, rechne ich nicht mit einer Antwort noch in diesem Jahr. Aber ich habe hier auch gelernt, mir um ungelegte Eier keine Sorgen mehr zu machen.
Wirklich ernsthafte Sorgen hat uns unser indischer Projektpartner Samy im August gemacht. Er hat wohl schon seit mehreren Jahren ein Herzproblem, was jetzt so problematisch wurde, dass er sich einer Bypass Operation in Chennai unterziehen musste. Aber zum Glück hat er alles gut überstanden und ist nun wieder zu Hause bei seiner Familie.

Insgesamt war also meine erste Zeit in Anaiyeri ganz produktiv. Ich konnte mich auch in einem Tamil-Englisch-Hände-und-Füße-Gemisch irgendwie verständigen. Was, glaub ich, für alle total lustig war.
Die Leute auf dem Land sind sehr hilfsbereit, neugierig und freundlich. Allerdings stirbt wohl die Hoffnung zuletzt, dass sie sich irgendwann an meinen Anblick gewöhnen werden und mich nicht immerzu anstarren, als ob ich grad vom Mars gefallen wäre – groß und fett wie ich nun mal bin. Einer ist sogar vom Fahrrad gefallen, als er mich sah…
Naja und die Ruhe und Landschaft und die saubere Luft – was soll ich sagen – phänomenal.
Das war es in Kürze aus Indien.

Bleibt gesund und munter!

Bis bald

Eure Hanka