Der 18. August 2010! 6 Years, 5 Months ago

Meine Lieben zu Hause,

Heute ist ein ganz besonderer Tag, markiert ihn Euch rot im Kalender, macht ein dickes Kreuz hinein, malt eine Blume dazu,…, sorry, ich verliere mich…
Ihr werdet es nicht glauben, aber nach einem Jahre und einem Monat in Indien, bin ich heute, am 18.August 2010, nach Anaiyeri gezogen.
Endlich!
Dass dieser Tag wirklich noch kommen könnte, habe ich zwischenzeitlich kaum noch geglaubt.
Doch wie kam es nun zu diesem Ereignis?
Ich habe ja im letzten Monatsbericht angedeutet, dass wir am überlegen sind, wie wir die restlichen Baumaßnahen weiter beschleunigen können. Die Idee kam, wurde passend platziert und nun ist das Haus so gut wie fertig. Zugegebener Maßen war das nun auch kein Zauberstück mehr, aber in den letzten 2 Wochen ist mehr passiert als in den 4 Wochen davor.
Schade nur, dass man immer erst ernste Maßnahmen ergreifen muss, damit sich was tut, aber so sind sie eben die Inder.
Da nun die Waschbecken hängen (nach 2 maliger Reklamation heute sogar fest an der Wand), aus den Wasserhähnen Wasser kommt und die Minikläranlage angeschlossen ist und zunächst auch funktioniert, war das für mich der Startschuss meine 7 Sachen zu packen und endlich herzuziehen.
Seit ca. 14 Uhr indischer Zeit bin ich nun hier und seitdem putze ich und das wird wohl auch die nächsten 2 Wochen so weitergehen.
Putzen, PUTzen, PUTZEN.
Dennoch bekomm ich irgendwie die Geckos nicht aus dem Gästezimmer über der Küche, wo ich zunächst schlafen werde, da im Haupthaus außer Waschbecken und Wasserhähnen noch nichts steht. Ich hoffe nur, dass die Tierchen, von mir liebevoll Fred getauft, an der Decke hängen bleiben und sich nicht in mein Bett fallen lassen.
Also, es ist schon noch ein Berg an Arbeit, bis das erste Kind hier geboren werden kann, aber es geht voran und an dieser positiven Stimmung wollte ich Euch unbedingt teilhaben lassen.
Nächste Woche werden wir die Patientenbetten und sonstiges medizinisches Gerät aus Chennai abholen, ich hoffe, dass bis dahin alles geputzt ist. Dann heißt es Regale und Schränke aufbauen. Dann wird der Container ausgeräumt und dann kann es auch eigentlich schon bald losgehen.
Aber ich wollte ja keine Pläne mehr machen…

Also, ich werd mich jetzt mal, hoffentlich ohne Freds, ins Bett begeben.

Ich bin wirklich in Anaiyeri!

Eure Hanka

Der Juli 2010 6 Years, 5 Months ago

Ihr Lieben,

ab dem 20. Juli 2010 ist es offiziell: Wir sind ein Jahr in Indien und konnten mit unser Arbeit in Anaiyeri bisher nicht beginnen.
Das ist einfach nur Mist.
Ich erspare Euch die schier endlosen Erklärungen, die wir uns von indischer Seite anhören und die Gedanken, die ich mir dazu mache; einen Teil davon könnt Ihr Euch sicher denken oder habt Ihr in den letzten Monatsberichten gelesen.
Die Frage ist: WIE soll es weiter gehen bzw. KANN es überhaupt noch weiter gehen?
Aber zunächst möchte ich Euch kurz vom Juli 2010 berichten.
Wir schlafen und essen weiter in Pondicherry und verbringen die übrige Zeit in Anaiyeri.
Highlight des Monats war der Besuch von Valerie, einer Kinderärztin aus Paris. Als Spenderin einer französischen Organisation, wollte sie sich die Verwendung der Gelder direkt vor Ort ansehen und war deshalb zu Gast bei Samy. Ihre erfrischende Art hat uns beiden, glaube ich, noch einmal einen richtigen kleinen Motivationsschub gegeben. Aber das nur nebenbei.
Was haben wir in 4 Wochen erreicht? Die Waschbecken wurden problemlos umgetauscht (die von uns bereits so mühevoll angebrachten Waschbecken konnten leider nur mittels Hammer von der Wand entfernt werden).
Die Mini Kläranlage steht an ihrer Stelle und alle fehlenden bzw. defekten Teile wurden geliefert/ erneuert, die Abwasserrohre liegen weitestgehend korrekt.
Wir waren mit unseren indischen Kollegen in Chennai und haben Einrichtungsbedarf bestellt (Schränke, Stühle, Tische).
Mary-Agnes (unsere indische Hebamme) und ich haben begonnen, im Erdgeschoß zu putzen.
Wolfgang und ich haben eine Liste erstellt um zu helfen, die endgültige Fertigstellung des Hauses besser zu koordinieren und zu organisieren.
Drei Wochen später ist von diesem Plan nichts umgesetzt worden (heißt, nichts davon ist fertig), obwohl wir eigentlich ständig vor Ort sind. Euch die Gründe für diesen Fehlschlag zu erklären, ist ein weites Feld, würde sich am Ende auch nur nach Ausreden anhören und das Verständnis nicht erleichtern.
Was muss also noch getan werden?
Die Mini Kläranlage muss vollständig mit den Rohren vom Haus verbunden werden und braucht noch einen Ablauf, der das geklärte Wasser ins Feld leitet. Die noch immer fehlende Toilette stellt für mich bei den 10 Stunden Tagen auf der Baustelle eine echte Herausforderung dar.
Frischwassertanks auf dem Dach müssen mit dem Haus verbunden werden (spannender Moment: sind alle Rohre dicht?) und natürlich auch mit der Wasserpumpe.
Das Gelände um die Station muss begradigt werden; zurzeit sieht es aus wie eine Mondlandschaft mit einem pinken Gebäude in der Mitte.
Die Stromverlegung muss fertig gestellt werden und alle freiliegenden Kabel und offene Kabelkästen müssen versorgt werden.
Waschbecken und Wasserhähne müssen montiert werden.
Im Groben wäre es das dann auch schon.
Dem aufmerksamen Leser der vorangegangenen Berichte wird nicht entgangen sein, dass diese Punkte bereits seit mehreren Monaten an erster Stelle der „to do list“ stehen.
Die berechtigte Frage, warum es nicht einfach abgearbeitet wird, kann ich Euch nicht beantworten. Nur so viel, wir haben alles versucht und geben nicht auf, es weiter zu probieren. Noch nicht. Wie sagt man so schön: Entwicklungshilfe ist, wenn´s auch mal klappt. Und sicher gehört das, was wir hier so erleben zu den vielen Puzzleteilen der Entwicklungshilfearbeit dazu. Und ich glaube, das ist der Knackpunkt der ganzen Sache. Die ländlichen Gebiete Indiens sind eben ein klassischen Entwicklungsland und das vergisst man gelegentlich. Auch wenn in den Städten Raketen gebaut und Herzen transplantiert werden, die Situation auf dem Land könnte dazu gegensätzlicher nicht sein.
Dennoch, genug ist genug und somit sind wir am Überlegen, zusammen mit unseren deutschen Helfern und Unterstützern, welche Maßnahmen jetzt ergriffen werden können und müssen, um den Bau doch noch zu beenden. Das könnte unter Umständen nicht so ganz angenehm werden.
Die Zeit wird zeigen und natürlich der weitere Verlauf der Ereignisse hier, inwieweit eine Zusammenarbeit dann noch möglich ist.
Aber eines ist klar, die Lage hier in Indien steht auf Messers Schneide.
Man sagte uns, dass es in Indien gut möglich ist, dass sich alles in aller letzter Minute doch noch zum Guten wendet.
Die Hoffnung stirbt zum Schluss.

Eure Hanka

Der Juni 2010 6 Years, 6 Months ago  

Ihr Lieben,

wieder ein Monat rum und keine Änderung.
Langsam weiß ich nicht mehr, wie ich mein Hiersein Euch bzw. mir selbst erklären kann. Ich kann Euch nur so viel sagen, dass wir unser bestes versuchen, die Dinge ins Laufen zu bringen, aber an so vielen, vielen Kleinigkeiten hängen bleiben.
Die Zeit vergeht und am Ende eines Monats sitze ich wieder hier und versuche einen Bericht zu verfassen, wo es eigentlich nichts Besonderes zu erzählen gibt; keine Meilensteine, die wir hinter uns gebracht hätten und die den Blick auf ein gutes Ergebnis offenlegen würden. Nur Unmengen an zum Teil frustrierenden und zeitaufwendigen Nebensächlichkeiten.
Trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf. Keiner hat gesagt, dass es leicht werden würde.
Wir sind also weiter in Pondicherry, da die Geburtshilfestation in Anaiyeri noch immer nicht bereit ist, uns dort wohnen und arbeiten zu lassen. Das liegt vor allem daran, dass es noch immer keine richtig angeschlossene Abwasseranlage gibt. Selbige ist zwar nach langer telefonieren-abwarten-nichts tut sich-telefonieren-Endlosschleife am Dienstag, den 29.6.2010, wirklich geliefert worden, allerdings nicht so wie gehofft. Zum Einen ist der Tank nicht so transportiert worden wie er sollte - im Stehen und festgebunden -, sondern im Liegen und hin-und her rollend auf dem LKW. Zum Anderen wurde er mit einem eher weniger zärtlichem Fußtritt vom Transporter getreten. Beides lässt die Vermutung keimen, dass irgendetwas innerhalb des Tanks nicht mehr an der Stelle ist, an die es gehört. Was aber an und für sich kein Problem ist, da sowieso ein Mechaniker der Firma Sintex aus Chennai für den Anschluss der Anlage kommen sollte. Dieser könnte dann gleich die nicht mitgelieferten, weil vergessenen, Anschlussschläuche mitbringen. Schöne Idee soweit, nur leider bekommen wir den Mechaniker nicht an Land. So ist das in Indien, Planung gut, Durchführung eher nicht. Also heißt es wieder telefonieren, sich Versprechen anhören, wann der Mensch in Anaiyeri sein wird, warten, feststellen, dass er nicht kommt, wieder telefonieren usw. diese Endlosschleife hatten wir ja bei der Lieferung schon. Dieses Verhalten ist für unsere europäischen Seelchen nicht leicht nachzuvollziehen. Es scheint, als ob man in Indien nichts verkaufen möchte, keinen Wert auf Kundenzufriedenheit und positives Firmenimage legt und jedem eigentlich alles egal ist. Diese „LMA“ Haltung ist für uns das schlimmste. Das raubt uns fast den letzten Nerv und so gut wie jede Motivation, da es sich auf alle Bereiche des Lebens hier zu beziehen scheint. Es ist egal, ob es um Handel, Umwelt, Verkehr, Mitmenschen, Tiere etc. geht. Jeder ist sich selbst der Nächste.
Das jetzt weiter auszubauen würde zu weit führen.
Also, was ist Gutes passiert in Monat Juni:
Die Mauer um das Grundstück ist fertig, wenn auch noch nicht komplett verputzt, aber sie steht. Der Fußboden im Erdgeschoß ist poliert und glänzt, dass es eine Freude ist. Die Mosquitonetze sind an allen Fenstern und mit etwas Glück auch bald an allen sonstigen Öffnungen (Türen, Lüftungen), die das Haus so aufweist, somit kann die Geburtshilfestation für mosquitofrei erklärt werden. Leider trifft das noch nicht auf Schlangen (einen Gast dieser Art hatten wir letztlich im OP) und sonstiges Kriechgetier zu, aber wir arbeiten an einer Lösung. Die Ventilatoren hängen, weiß und mit Verlängerung, damit bei 3,20 m Zimmerhöhe am Boden auch was ankommt. Allerdings muss auch diese Arbeit noch etwas ausgebessert werden, da die Stangen doch erheblich wackeln und leider auch im OP einer angebracht wurde, wo nun grad keiner hingehört. Die Türen im Erdgeschoß sind komplett, bis auf die Türgriffe, aber ich will Euch nicht mit Kleinigkeiten langweilen. Jedenfalls sehen sie sehr gut aus, zumindest von Weitem. Denn wenn man genauer hinschaut, könnte einem Auffallen, dass sie doch arg zerkratzt und verbeult sind, aber wer schaut hier schon genauer hin…
Zwei Waschbecken haben Wolfgang und ich im OP-Waschraum mit viel Aufstand in die Wand geklebt, da in den Wänden so große Hohlräume sind, dass die Dübel im Nirvana verschwinden bzw. keinen Halt haben. Also, zwei von 8 Waschbecken hängen und sehen sehr schön aus. Wenn nun auch noch die Abflüsse passen würden und alles DICHT verschlossen werden könnte, wäre das noch viel schöner. Dann könnten wir sagen: JA, wir haben etwas gut hinbekommen. Nun, sieben der acht Waschbecken müssen wieder umgetauscht werden, da es nicht möglich ist die Ausgüsse zu montieren. Man hat uns da wahrscheinlich 18. Wahl verkauft. Wie wir die eingeklebten Becken wieder herausbekommen sollen, wissen wir auch noch nicht.
Upps, da ist mir doch etwas weniger Gutes in meine Auflistung des Guten im Juni geraten – Sorry.
Weiter im Text.
Ich habe das Mädchen-Bad im 1. Stock gefliest. Ich!
Ich möchte Euch jetzt schwer beeindruckt sehen!
Na gut, sie sind vielleicht nicht ganz so gerade, wie die von Wolfgang, aber sie hängen und sehen den Umständen entsprechend gut aus (unter uns, die Fliesen, die wir auf Anraten des Ingenieurs gekauft haben, sind Mist. Sie wechseln ihre Farbe wie ein Chamäleon, je nach Nässegrat, sind zum Teil unterschiedlich groß und haben leider auch die Reise von Habvergessenwoher nicht so gut überstanden, viele sind einfach kaputt.) Aber sie sind an der Wand und das im platzsparenden Dünnbett. Da hier herkömmlicherweise Fliesen in einem 5-10 cm dicken Zementbett liegen, was die Räume noch kleiner machen würde, hatte Wolfgang diese Methode vorgeschlagen. Eigentlich unter der Vorstellung dies zusammen mit dem Fliesenleger zu erledigen. Leider hat der sich, nach der Beendigung seiner Arbeiten im Erdgeschoß, nicht mehr sehen lassen. Fehlendes Interesse oder Probleme in der Verständigung? Keiner weiß es. Aber, dadurch bin ich in den Genuss des Fliesenlegerstiftes gekommen und nach anfänglichen Reibereien nun auch gern dabei. Das bedeutet seit den letzten Wochen aber auch, 6 von 7 Tagen nach Anaiyeri zu fahren. Morgens 5 Uhr raus aus dem Bett, 6.30 Uhr los und abends im Dunkeln wieder zurück. Wenn der indische Verkehr nicht wäre, würde man die 65 km auch auf einer Pobacke absitzen. Aber der indische Verkehr ist da und er ist gnadenlos.
Auch finden weiter wöchentlichen Treffen mit unseren indischen Kollegen statt, die aber nur wenig nennenswerten Erfolg zeigen, da z.B. die Erstellung eines Dienstplanes eine befürchtete Herausforderung darstellt. Aber alle Seiten versuchen tapfer weiter eine Lösung zu finden.
Somit bleibt wenig Zeit für anderes. Sprachunterricht geht bei dem Zeitplan nicht und so versuche ich im Auto etwas Tamil zu sprechen, wenn wir Leute ein Stück des Weges mitnehmen. Und sie verstehen mich! Und was noch viel erstaunlicher ist, ich sie auch! Da bin ich schon was froh, wobei natürlich die einfachen Fragen nach Name, wohin, warum, kein Geniestreich sind. Aber es ist ganz lustig, was ja nicht ganz unwichtig ist. Aber am schönsten ist es, wenn wir durch die, um Anaiyeri liegenden, Dörfer fahren, wo man uns nun so langsam kennt und alle Kinder und viele Erwachsene wie wild anfangen zu rufen, zu winken, auf uns zulaufen und sich wirklich ehrlich freuen uns zu sehen. Da scheint auf einmal alles möglich, sogar dieses Projekt doch noch zum Laufen zu bekommen.
An dieser Stelle auch noch einmal ein großes DANKESCHÖN an den Indienverein des Auguste-Victoria-Gymnasium in Trier, die dem Geburtshilfe-Projekt das Auto gespendet haben. Ohne diesen kleinen Hyundai wäre die Betreuung des Hausbaues und der Kauf & Transport der vielen benötigten Dinge nicht möglich.

Wo war ich?
Achja, Zeit für anderes:
Yoga findet nicht mehr statt, wobei ich mir eigentlich fest vorgenommen habe, morgens selbst auf unserem Dach etwas zu üben, aber mein Schweinehund… ihr wisst schon. Selbst unsere wenigen Kontakte hier in Pondi zu pflegen fällt schwer, da ich abends meist stumpf umfalle und bis zum nächsten Morgen tief und fest schlafe. Selbst die Straßenhunde, die sich wohl nachts immer wieder ärgern, höre ich nicht mehr. Nur unsere „Freunde“ von der Revelation Church nebenan schaffen es noch mich zu wecken, dafür aber recht zuverlässig und zur Zeit jeden 2.Tag ab 4.30 Uhr in der Früh.

Das waren die Neuigkeiten hier aus Indien. Ich mache jetzt keine Planungen mehr, was vielleicht im Juli alles passieren könnte. Falls aber doch Ungewöhnliches geschieht, werdet Ihr es hier zeitnah lesen können.
Passt auf Euch auf und gehabt Euch wohl!

Eure Hanka

Neues von der Visaverlängerungsfront 6 Years, 7 Months ago 

Ihr Lieben,

wie ich Euch versprochen habe, melde ich mich heute kurz, um Euch auf den neuesten Stand der Visasituation zu bringen. Wie Ihr ja vielleicht wisst, laufen unsere Visa morgen, 23.06.2010, aus. Nachdem wir alle unsere Papiere durch unseren Anwalt vor über zwei Monaten bei den entsprechenden Behörden eingereicht haben und bis Freitag, 18.06.2010 noch immer keinerlei Nachricht erhalten hatten, waren wir mehr als unruhig und sehr besorgt. Wir spielten sogar schon mit dem Gedanken, doch vorzeitig wieder ausreisen zu müssen, da ohne Verlängerung der Visa keine legale Aufenthaltsgenehmigung möglich ist.
Einige Telefonate mit unserem Anwalt, der uns weiter mit dem Satz „no problem, Madam“ versuchte, geschmeidig zu halten und zahllose Versuche auf dem deutschen Konsulat in Chennai einen Ansprechpartner zu bekommen, der uns irgendwie weiterhelfen kann, was uns aber nur endloses Warten in Telefonwarteschlangen bescherte, beruhigte uns nicht wirklich. Also sind wir heute Vormittag kurzentschlossen zusammen mit unserem Anwalt nach Viluppuram gefahren, um die Situation vor Ort zu besprechen.
Das Ergebnis: Unsere Papiere sind ordnungsgemäß und vollständig eingereicht. Sehr gut.
Nun ist es wohl aber in Indien üblich, dass, selbst nach Ablauf der bisherigen Visa bzw. Aufenthaltsgenehmigungen und trotz rechtzeitigen Einsendens aller für eine Verlängerung notwendigen Papiere, noch zwei weitere Monate über das Ablaufdatum hinaus, über unseren Anträgen gebrütet werden darf. Also haben wir einen schicken Stempel auf unsere „alte“ Aufenthaltsgenehmigung bekommen und dürfen die nun immer mit uns herumtragen, denn die Visa in unseren Pässen sind ab morgen abgelaufen und somit ungültig.
Heißt: In zwei (ich schätze mal grob in 4-5) Monaten werden wir Nachricht erhalten, ob unsere Verlängerung genehmigt ist und für wie lange. Beantragt haben wir eine Verlängerung für 2 Jahre, es kann aber sein, dass zunächst nur ein Jahr genehmigt wird und wir dieses Spiel nächstes Jahr wieder durchziehen dürfen. Herrliche Aussichten!
Aber, wie dem auch sei, wir bleiben zunächst hier und das sogar halbwegs legal und darüber freue ich mich jetzt einfach mal!!!
Wenn morgen dann auch endlich unsere kleine süße Mini-Kläranlage geliefert wird, was uns eigentlich für Samstag, 19.6., versprochen wurde, kann diese vielleicht auch noch in diesen Monat angeschlossen werden.
JAAAA!
Kaum zu glauben, denn dann würden wir endlich ins Haus ziehen und mit unserer Arbeit ein Jahr verspätet anfangen können.
Vielleicht geschehen hier noch Zeichen und Wunder, wer weiß.

So, nun fühlt Euch mal alle herzlich von mir gedrückt!
Wir gehen dass jetzt angemessen Feiern: in die klimagekühlte Schokolaterie und trinken eine heiße Schokolade bei 35° C im Schatten. Wunderbar!

Eure Hanka

Der Mai 2010 6 Years, 7 Months ago   

Ihr Lieben,

es ist Freitag der 4.Juni und nach einem Tag mit unerträglicher Hitze fängt es jetzt, 23.10 Uhr, endlich an zu regnen. Frei nach dem Motto „es kann ja nicht immer regnen“ freue ich mich riesig und nutze diese Hochstimmung, um Euch die letzten 4 Wochen zu erzählen (während der Doktor wie wild das Dach putzt, mit Hilfe der Unmengen an Regen, die gerade runter rasseln).
Tja, im Mai 2010, was soll ich Euch sagen, waren wir weiterhin in Pondicherry. Langsam fällt auch mir dazu nichts mehr ein. Es gibt offensichtlich unvorhersehbare Verzögerungen, die mit vielen Worten, mehr oder weniger sinnvoll, erklärt werden. Hauptproblem ist weiter unser Herzchen die Kläranlage. Nach mehreren persönlichen Vorsprachen in Chennai, etlichen E-Mails und unzähligen Anrufen haben wir noch immer nicht die Auskunft, ob und wann das gute Stück geliefert wird, geschweige denn einen Kaufvertrag (trotz Anzahlung von RS 25.000) oder mal die Info, wo denn hier überhaupt das Problem ist. Niemand fühlt sich zuständig und wir werden vertröstet, hingehalten oder auch schlichtweg verarscht. Und die Wut über dieses Verhalten steigt ins Unermessliche, wenn ich mir überlege, dass, wäre das Teil da wo es hingehört, nämlich in der knapp 4 Meter tiefen Grube vor der Geburtsstation, dann könnte man schon ernsthaft darüber nachdenken dort auch zu wohnen. Dann könnte man schon mal Putzen und unseren „Special Friend“ den Mauermeister zu Tode nerven oder wenigstens dazu bewegen, sich mal etwas zu beeilen. Ja, alles wäre viel einfacher, aber nicht ärgern, es regnet!
Wo wir gerade bei der Firma Sintex sind, würde mich mal interessieren, ob vielleicht jemand von Euch ähnliche Erfahrungen mit der Firma Sintex gemacht hat. Eigentlich dachten wir nämlich, dass durch den Kauf dieser Mini-Kläranlage der Firma Sintex für unsere Geburtsstation, die ganze Abwassersituation in der Umgebung revolutioniert werden könnte. Andere kämen dadurch vielleicht auch auf die Idee, dass diese Anlage doch viel besser ist als die herkömmlichen Septik-Tanks, da sie geklärtes Wasser auswirft, was bedenkenlos ins Feld geleitet werden kann und deutlich weniger Wartungskosten hat, zum quasi gleichen Preis wie die „alten“ Anlagen. Davon würde nicht nur die Umwelt profitieren und natürlich die Menschen der Region, sondern eben auch die Firma Sintex. Aber scheinbar sehen nur wir dieses Potenzial.
Das nächste Problem, oder besser, was noch zu tun ist, bevor es endlich mit Einrichten losgehen kann, ist die Schutzmauer um das Grundstück. In den letzen 4 Wochen wurden gerade mal 3 Meter von noch insgesamt ca. 120 Meter Mauer gebaut. Tja, this is India. Angeblich sind Steine zurzeit nicht zu bekommen, was mich doch schon arg wundert, da der Bau der Mauer nun wirklich keine Neuigkeit ist. Vielleicht würde es schneller gehen, bekäme der Mauermeister die, dem Doktor unter vier Augen, vorgeschlagenen RS 200.000 für die Hochzeit seiner Tochter, vielleicht würde aber auch der von Wolfgang gekaufte Baseball-Schläger die Sache verkürzen. Ich weiß es nicht, finde aber beide Vorschläge nicht erbaulich. Die Verwunderung bleibt und nimmt auch gerne noch andere Formen an, denn die im November bis Januar ausgesuchten Mosquitonetze, Türen, Türfüllungen, Ventilatoren etc. waren zum Teil Anfang Mai noch nicht einmal bestellt. Und dann passiert, was eben passieren muss: „hammer nich määhr“. Kommt mit doch alles irgendwie bekannt vor.
Ansonsten muss ich sagen, sieht das Haus langsam aber sicher nahezu fertig aus. Die Malerarbeiten sind fast beendet, es wurden sogar die Fliesen und Fenster schon mal vorgeputzt, die Aluminiumrahmen für die Türen wurden eingebaut und auch die Türen, nur leider ohne Türfüllung, da die eben nicht bestellt wurden. Es scheint so, als ob eine Fertigstellung sich nicht mehr verhindern ließe und unter Umständen auch noch in diesem Leben eintritt.
Soweit zum Haus.
Trotz allem war der Mai für mich ein bewegender Monat, da meine Mutter mich hier besucht hat. Nach fast einem Jahr, indem wir uns nur über eine miserable Skype-Verbindung gesehen haben, war ich sehr froh, sie endlich mal wieder live und in Farbe zu haben. Ich finde es wirklich großartig, dass sie sich mit nun 67 Jahren, ganz allein und nach gut 16 Jahren mal wieder in ein Flugzeug setzt, dann 9 Stunden nach Indien fliegt und noch dazu mit 5 Worten Englisch durch die indische Passkontrolle kommt. In den zwei Wochen, die sie hier war, kam gelegentlich die Frage auf, von wem ich denn DAS wohl geerbt habe, tja Mutti, ich würd man sagen von Dir.
Und wir hatten eine schöne Zeit: wir haben uns tapfer durch den indischen Verkehr gekämpft, sei es auf dem Moped, im Auto oder zu Fuß und haben hier in Pondi und Umgebung einiges gesehen, haben abends im Sonnenuntergang Yoga auf dem Dach geübt, waren gut Essen, haben uns natürlich die Geburtsstation angesehen und haben eben viel geschnackt und Zeit gehabt. Da der Mai wohl der heißeste Monat hier sein soll, hatte ich im Vorfeld doch einige Bedenken, ob sie das auch alles so aushält. Hat sie und zwar besser als ich, die, bevor der große Regen kam, ihre Körperkühlung nur mit dem Verlust von reichlich Flüssigkeit aufrechterhalten konnte.
Möglich war das alles nur durch das Sponsoring meine Bruders und dafür nochmal DANKE Bruderherz – Du bist der beste!!!

Viel mehr Neues ist im Mai dann auch leider nicht passiert. Zu den regelmäßigen Treffen mit unseren indischen Kollegen, Sprachunterricht, Fahrten nach Anaiyeri und Papierkram-Vorbereitungsarbeit am Rechner, kamen nun noch die, schon fast regelmäßigen, Fahrten nach Chennai zu den extrem hilfreichen Mitarbeitern der Firma Sintex (rrrh). Wenigstens konnten wir das in-Chennai-Sein nutzen, um nach medizinischem und handwerklichem Bedarf zu schauen, so waren die gut 4 Stunden Hinfahrt und 4 Stunden Rückfahrt nicht ganz umsonst. Und wir haben gute Läden gefunden, die sehr hilfreiche und noch dazu freundliche Mitarbeiter haben. Es geht also auch anders.
Da ich leider bisher noch keinen Ersatz für Teresa finden konnte (hat denn wirklich keine von Euch Lust auf ein Abenteuer?!?), wird es nun erst mal so sein, dass zuerst die Arbeit in der Station zum Laufen gebracht werden soll und danach erst mit der „mobilen“ Arbeit in den Dörfern begonnen werden kann. Ich finde das so eher suboptimal, da für meine Begriffe die Hebammenarbeit nicht nur in der Geburtshilfe besteht, sondern vor allem in Aufklärungsarbeit, Vorsorge und Nachsorge direkt in den Familien. Nur so können alle Frauen erreicht werden, die aus welchen Gründen auch immer, nicht in die Station kommen können. Außerdem planten wir ja überwiegend ambulante Geburten zu betreuen(heißt Entlassung aus der Station 6 Stunden nach Geburt), deshalb gibt es auch nur zwei Patientenzimmer, was eben eine regelmäßige Nachsorge zu Hause von Anfang an absolut notwendig macht.
Offensichtlich scheint es für indische Hebammen/Krankenschwestern leider nicht so spannend zu sein, wie für mich, auf dem Land zu arbeiten. Deshalb überlegt die indische Regierung, eine Zusatzzahlung von monatlich RS 3500 einzuführen, sodass eine Landhebamme dann ca. RS 6000 (~100 €) monatlich verdienen würde (bezugnehmend auf die wohl in Deutschland heißen Diskussionen über die Bezahlung von Hebammen, rege ich daher zu einer Überdenkung des Ausdrucks „am Hungertuch nagen“ an, der mir doch in diesem Zusammenhang eher unpassend erscheint).
Wie dem auch sei, wir brauchen also mindestens 3 weitere indische Hebammen, die dann natürlich zunächst ausgebildet und eingearbeitet werden sollten.
Von der Visumsituation kann ich leider auch nichts Neues berichten, außer, dass unser Anwalt alle unterschriebenen Papieren und die nicht unerhebliche Bearbeitungsgebühr in der „Meldebehörde“ in Viluppuram abgegeben hat. Es bleibt also weiter aufregend, um nicht zu sagen zum Nägelkauen spannend.
Im Juni 2010 wird sich so einiges entscheiden.
Werden unsere Visa verlängert?
Wird die Kläranlage dann doch noch geliefert?
Werden wir endlich nach Anaiyeri ziehen und mit der (Einrichtungs-) Arbeit beginnen können?
Ich werde Euch engmaschig auf dem Laufenden halten und sobald es irgendetwas Neues gibt, könnt Ihr das genau hier lesen. Es lohnt sich also im Juni öfter mal auf die Internetseite zu schauen!
Frei nach meinem Monatsmotto „es kann ja nicht immer regnen“, genieße ich die kühle Regenluft und hoffe, dass alles gut gehen wird.

Eure Hanka