Der April 2010 6 Years, 8 Months ago

     
Ihr Lieben,

es ist einfach nicht zu glauben, wie schnell so ein Monat vergeht! Vier Wochen sind mal wieder vergangen, wie ein Fingerschnipp, ich glaube hier in Indien läuft ein Zeitdieb herum…
Also, dann erzähl ich Euch mal schnell was diesen Monat hier so passiert ist.
Nachdem ja im März einige wichtige Besucher aus Deutschland da waren und die Bauarbeiten am Haus, aufgrund einer großen Anzahl an Arbeiter, ich will schon sagen zügig voran gingen, passierte nach der Abreise dieser Besucher und in der ersten Aprilwoche so gut wie gar nichts mehr. Und das, obwohl uns versprochen wurde, dass das Haus Mitte April soweit fertig gestellt sein wird, dass wir anfangen können einzurichten, was ja bekanntlich auch noch was dauern wird. Also, die Stimmung hier war frostig und das bei gut 38°C im Schatten. Was tun?
Merke: Telefonieren ist in so einer Situation immer eine gute Idee. Ein Anruf von uns bei Lothar in Deutschland führte zu einem Anruf von Lothar bei Samy in Indien. Ein Kindergarten ist nix dagegen, aber nun wird wieder gearbeitet. Über die Qualität der Arbeit kann ich eigentlich nicht viel sagen, weil ich nicht Handwerker bin, sondern Hebamme. Aber merkwürdig finde ich schon, dass zuerst der Fußboden fertig abgeschliffen wurde und danach erst die finalen Malerarbeiten an Decke und Wänden begonnen haben, dass die Scheiben in den Fenstern daumenbreit weiße Farbe vom Rahmen abbekommen haben, genauso wie die Fliesen an den Wänden von der Deckenfarbe und eben auch der fertig abgeschliffene Boden (irgendetwas abzudecken, damit es nicht vollgekleckert wird, scheint in Indien was für Warmduscher zu sein). Aber wirklich nur noch wundern können wir uns darüber, dass Zuckerrohrwasser auf dem Dach verteilt wurde, bevor es endgültig mit Fliesen abgedichtet wurde. Dies erklärt vielleicht die Scharen von Ameisen und anderem Getier, die bisher meinen, das Haus für sich Nutzen zu können, was Wolfgang und auch mich zusehends nervös macht, nicht zu vergessen, dass Zuckerwasser nicht unbedingt förderlich für die Bausubstanz sein könnte. Naja, was soll man machen? Der Glaube verlangt wohl, dass, damit „Gott“ nicht bös ist, weil ein Dach vor seiner Nase geschlossen wird, ihm Zuckerwasser quasi als Ausgleich angeboten werden sollte. Mh. Ich dachte, dass Gott immerzu und überall ist, auch in Häusern mit Dächern ohne Zuckerrohrwasser. Wieder was gelernt.
Zurück zum Haus: Was muss noch getan werden, bevor wir einziehen können? Wenn das Dach dann irgendwann fertig ist und etwas getrocknet hat, dürfen da zwei 1000 Liter fassende Frischwassertanks drauf. Sehr wichtig, weil sonst haben wir kein Wasser zu m Putzen, Duschen, Toilette etc.. Dann brauchen wir noch irgendetwas wohin unser gebrauchtes Wasser laufen kann, sprich einen septischen Tank, oder besser ein Waste-Water-Treatment-System. Dass in Indien aber auch der Kauf einer solchen Anlage nicht so leicht ist, wie es sich vielleicht anhören mag, ist zurzeit unser größtes Problem. Wolfgang bemüht sich seit mehr als 14 Tagen irgendwie den Vertreter dazu zu bewegen, uns so ein gutes Stück zu verkaufen. Hört sich merkwürdig an? Ist es auch. Erst wollte der Mann unbedingt nach Pondicherry kommen, sagte aber den Termin kurz vorher ab; dann war es schwierig bis unmöglich ihn telefonisch zu erreichen; dann wollte er unbedingt nach Anaiyeri kommen, um sich alles genau vor Ort anzusehen, den Termin hat er kurz vorher abgesagt, da er unbedingt mit seinem Chef kommen wollte und auch diesen Termin hat er dann wieder abgesagt. Nun haben wir für kommende Woche wieder einen Termin. Mal schauen. Es wird doch wohl möglich sein in Indien so etwas zu kaufen! Ich erzähl Euch das, damit ihr besser verstehen könnt, was hier so abgeht und nicht denkt, wir liegen nur in der Sonne und freuen uns.
Jedenfalls, wenn dann die Wassersituation irgendwann geklärt ist, brauchts nur noch ein paar Türen unten im Erdgeschoss, Mosquitonetze überall, Waschbecken, Wasserhähne, Licht, Ventilatoren, Schutzmauer ums Grundstück und fertig ist die Geburtshilfestation in Indien. Ich spekuliere so auf einen Einzug Ende Mai – Anfang Juni. Es ist also wirklich nicht mehr viel, auch wenn sicher so einiges wieder ausgebessert und verändert werden muss. Aber ein Ende ist wirklich langsam in Sicht. Und ich als Nichthandwerker und noch dazu Frau muss sagen, dass mir das Haus gefällt. Werde nächste Woche Gardinenstangen und noch mehr Stoffe für Gardinen kaufen, das wird ein Spaß!
Nun gut. Was gab´s denn noch im April 2010?
Am 15. Hatten wir unser erstes Meeting mit schwangeren Frauen und jungen Müttern aus der Umgebung. Ziel war, das Haus und seine Funktion bekannter zu machen, uns vorzustellen und die Frauen kennen zu lernen, ihre Nöte, Wünsche und Probleme rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Und es war sehr interessant! Es kamen 36 Frauen aus den umliegenden Dörfern Richtung Norden. Nachdem wir uns und die Funktion des Hauses vorgestellt hatten (ich habe mal wieder eine Rede in Tamil gehalten), gab es eine Vorstellungsrunde und dann Gruppendiskussionen und Gespräche über Erwartungen und Vorstellungen an eine Geburtshilfestation und eben Sorgen und Nöte in diesem Zusammenhang. Ich habe viel Neues erfahren und manches Bekannte hat sich bestätigt , z.B. dass die Frauen auch in Notfällen sich am Ende der Warteschlange vor den Krankenhäusern einreihen müssen, dass sie oft lang mit dem Bus über indische Straßen zum nächsten Krankenhaus fahren müssen und dort immer sehr unfreundlich behandelt werden, dass die Schwiegermütter die Frauen zur Arbeit antreiben, selbst Hochschwanger bzw. kurz nach der Geburt und dass Frauen quantitativ weniger Essen bekommen als Männer, auch wenn sie schwanger sind. Die Gesichter der Frauen bestätigen, was sie sagen. Sie sehen dünn und abgearbeitet aus, für die Bedürfnisse bereits vorhandener Kinder scheint keine Kraft mehr da zu sein und so bekommt das ein oder andere Kind schon mal mächtig eine geklebt. Das ist hier normal und wahrscheinlich haben sie es auch nicht anders erlebt.
Das Leben hier ist nicht leicht. Oft werden die Frauen im Alter von 17-18 Jahren verheiratet, an einen Mann den sie nicht kennen, geschweige denn lieben. Sie leben im Haus des Mannes, indem die Schwiegermutter das Sagen hat. Das Haus besteht meist aus einem Raum, Küche ist der Platz vor dem Haus, Toilette das Feld nebenan. Privatsphäre gibt es nicht, die Frauen leben wie Sklaven und wie die Kinder entstehen, will ich mir dann einfach nicht mehr vorstellen. Was kann aus den Kindern, die so entstehen und aufwachsen, werden?
Alles in allem fand ich das Meeting nicht schlecht, auch wenn es noch einiges zu verbessern gibt. Aber, mit ein wenig Glück, haben wir noch über zwei Jahre Zeit, das zu optimieren und dafür sind wir ja auch da.
Von unserer Visaverlängerungssituation gibt es kaum Neuigkeiten. Nach einem Treffen unseres Anwaltes mit den zuständigen Behörden in Viluppuram haben wir erneut die Auskunft bekommen, dass das alles kein Problem und auch noch genug Zeit ist. Wir werden also jetzt Anfang Mai alle Papiere einreichen und dann hoffe ich mal, dass alles wirklich problemlos läuft. In Summe wäre es, neben dem Kauf des Autos, das erste was glatt gehen würde.
Naja und ansonsten verbringe ich meine Tage weiter mit viel Computerarbeit (Standards übersetzen, nach Richtlinien im Internet suchen, Formulare für die Station ausarbeiten…). Allerdings packen mich oft auch Zweifel, ob sich das jemals ein Mensch durchlesen wird, was für die Motivation nicht wirklich hilfreich ist. Außerdem versuche ich weiter, hinter die Geheimnisse dieser Sprache Tamil zu kommen. Auch das gestaltet sich aufgrund meines fehlenden Sprachtalentes eher schwierig. Es ist für mich weiterhin nahezu nicht möglich, die Menschen hier zu verstehen. Einzelne Brocken ok, aber ganz Sätze, no way. Und wenn ich mir dann noch überlege, dass ich quasi seit einem Jahr am Sprachelernen bin, stellt sich die berechtige Frage nach dem Sinn oder Unsinn dieser Veranstaltung.
Wie immer waren wir auch im April regelmäßig auf der Baustelle. Da Wolfgang das Badezimmer im ersten Stock in Eigenregie fertigstellt, kam auch ich in den Genuss endlich mal wieder etwas zu „arbeiten“. Und als ich dann noch zu hören bekam, dass ich doch recht hilfreich auf der Baustelle bin, hüpft mein kleines Seelchen schon etwas.
Ja und dann ist Josefs Zeit hier in Indien nun auch abgelaufen und er ist zurück in Deutschland. Er wollte in der Anfangszeit der Arbeit in der Station so ein wenig als „Mädchen für alles“ fungieren, es war aber immer klar, dass seine Mitarbeit zeitlich begrenzt sein wird. Leider kam er nun nicht so richtig zum Einsatz, da das Haus nach 8 Monaten Verspätung immer noch nicht fertig und seine, für diese Arbeit vorgesehene Zeit, beendet ist.
Ich möchte mich auch an dieser Stelle für seine Hilfe und Unterstützung bedanken! Er wird hier fehlen, nicht nur wegen dem guten Essen, was er uns abends immer gezaubert hat.
Tja, und so sind Wolfgang und ich nun der harte Kern hier in Indien. Manchmal kommt es mir schon so vor, als ob wir die letzten, auf einem sich im Sinken befindenden Schiff, sind.
Aber wahrscheinlich macht mich die Wartezeit auch einfach nur mürbe. Außerdem ist es heiß. Sehr heiß. Auch wenn es vor 2 Tagen nachts mal anständig geschüttet hat, war es leider nicht der ersehnte Monsun, sondern nur ein Regenguss. Die Luft ist jetzt sauber, dafür kann die Sonne ungehindert von Staub und Dreck auf uns niederbrennen. Herrlich!
Ihr merkt, so eine richtige Stimmungskanone bin ich derzeit nicht, aber alles wird gut, wenn wir nur endlich in dieses Haus einziehen können und unser Visum verlängert ist.
Bis dahin freu mich erst mal darauf, dass meine Mutter mich Ende Mai für zwei Wochen besuchen kommt. Super, oder?! Mit 66 Jahren macht sie sich auf den Weg, um mal zu schauen, wo ihre Tochter sich so rumtreibt. Das hätte sie sich vor 10 Jahren wahrscheinlich auch nicht träumen lassen.
Es ist schon manchmal bestaunenswert, wo das Schicksal einen so hintreibt.
In diesem Sinne, gebt auf Euch acht!

Eure Hanka

Der März 2010 6 Years, 10 Months ago  

Hallo Ihr Lieben,

heute ist der letzte Tag im März, Zeit für einen kleinen Rückblick.
Der März begann für mich ganz wundervoll. Meine Freundin Anabel aus Dortmund war da und wir haben eine kleine Reise nach Delhi und Agra unternommen. Herrlich! Nachdem ich quasi seit 7 Monaten hier in Pondicherry bin, war es schon wie Urlaub auch mal etwas anderes zu sehen. Und ich muß Euch sagen, das Taj Mahal sollte man gesehen haben! Wir hatten beide etwas Pipi in den Augen, als wir morgens um 6.30 Uhr endlich vor diesem unglaublichen Gebäude standen. Und die Highlights an diesem Tag nahmen kein Ende, denn das Fort in Agra, von dem ich bisher noch nicht so viel gehört hatte, ist ein echter Augenöffner. Absolut wunderbar, was da gebaut wurde! Das so genannte Baby Taj, etwas kleiner als die große Schwester, dafür mit viel mehr liebe zum Detail, und dann noch einmal das Taj Mahal bei Sonnenuntergang machten diesen Tag zu einem perfekten Tag. Und nicht zu vergessen die Gesellschaft von Ana!
Die ganze Tour wäre nicht möglich gewesen, wenn Ana sie nicht gesponsert hätte, da meine Finanzen ziemlich auf Kante genäht sind. Dafür auch an dieser Stelle nochmal: DANKE Ana!!!
Zurück in Pondi hatte ich das erste Mal das Gefühl „nach Hause“ zu kommen. Merkwürdig, aber schön. Und der Alltag hat mich auch schnell wieder: Sprachunterricht, Papierkram vorbereiten, Internetrecherche, Meetings mit Samy und dem Architekten, regelmäßige Fahrten zur Baustelle, auf der im März erstaunlich viel gearbeitet wurde. Es standen wichtige Besuche aus Deutschland an, Frau Stroppel von Bengo und Lothar Kleipaß vom ILD, die eine Art Dopingwirkung hatten. So wurde das Gelände eingeebnet und mit der Schutzmauer um das Grundstück begonnen. Fast alle Fliesen sind verlegt, über die Farbauswahl in den Kreißsälen bin ich sehr glücklich, im 1. Stock ist der Zementboden fertig, alle Zimmer sind geweißt und sehen schon fast einzugsfertig aus. Die Haustür, aus schönem, aber leider recht dünnem Holz, ist eingebaut und das ganze Haus wurde von außen gestrichen (sieht leider aus, als ob es einmal in Gummibärchensaft getaucht wurde). Aber es macht zumindest von weitem den Eindruck, als ob es fertig ist. Leider nur von weitem, denn bei genauerem Hinsehen fehlt doch noch einiges, bevor wir dort wirklich arbeiten können. So haben wir ein neues Sorgenkind: den septischen Tank, denn das, was da momentan diesen Namen trägt, verdient ihn nicht. Wolfgang hat mit Hilfe umfangreicher Internetrecherche herausgefunden, dass es auch in Indien Firmen gibt, die kleine übersichtliche Kläranlagen herstellen und verkaufen. Ich denke, dass wir so etwas anschaffen werden, denn dadurch trägt wenigstens das MHC nicht zu einer weitere Verschmutzung Indiens mit Fäkalien bei. Dafür müssten dann auch die außen liegenden Abwasserrohre neu gelegt werden, die momentan in wellenförmigen Linien über das Grundstück zum Tank führen, und dann hoffentlich das Abwasser in einem angemessenen Gefälle in die Anlage leiten (denn auch in Indien läuft Wasser lieber bergab als bergauf, erst recht, wenn es benutzt ist und gerne zu Verstopfungen führt). Alles Dinge, von denen ich vor einem Jahr aber auch nicht den Hauch einer Ahnung hatte. Und, es stellt sich natürlich schon die entwicklungspolitisch ketzerische Frage, inwieweit Latrinenprogamme sinnvoll sind, wenn es auch richtige Kläranlagen gibt, die eine Verschmutzung des Grundwassers mit Fäkalien verhindern könnten.
Zurück zum Haus: die Zusammenarbeit mit den Bauarbeitern gestaltet sich weiterhin kompliziert. So wurde z.B. 3! Stunden über den Einbau eines vergessenen Türrahmens im 1.Stock diskutiert, in Anwesenheit aller Betroffenen, damit wir am letzten Montag feststellen durften, dass es doch anders gemacht wurde und somit der Einbau einer anderen Tür nicht mehr möglich ist. Mag sich alles nach Problemchen anhören, aber eine 3! Stunden Diskussion ist nicht nur in Indien nervenzehrend und wenn sie dann ohne Erfolg ist, frustriert das sehr.
Aber, wir versuchen es weiter, morgen ist schließlich ein neuer Tag.
Wir sind jetzt schon das Visaverlängerungsproblem angegangen, da ich im Internet gelesen hatte, dass das doch eine etwas umständliche Prozedur ist (23 Papiere müssen von 12 Beamten unterzeichnet werden). Da wir und auch Samy keine Erfahrung damit haben, haben wir einen Anwalt eingeschaltet, der das alles für uns regeln wird. Ich denke, dass man sein „no problem, Madam“ ernst nehmen kann und bin, was das angeht, guter Dinge.
Ja, und wie ihr schon unter „Aktuelles“ lesen konntet, standen am 22.03.2010 die Sterne besonders gut, sodass das Maternity Health Centre schon mal eingeweiht wurde. Sicher ist sicher. Somit sind jetzt alle Räume gesegnet und in einem Kreißsaal wurde sogar ein kleines Ritual abgehalten. Milch wurde auf einem Holzfeuer so lange erhitzt, bis sie überkochte. Eine herrliche Sauerei und die Wände dieses Kreißsaals sehen nun auch nicht mehr ganz weiß aus, da zusätzlich viele Öllampen angezündet wurden, die wunderbar qualmten. Alles in allem, ein berauschendes Fest, viele Frauen und Kinder sind gekommen (die Schüler hatten sogar schulfrei), viel Tanz und laute Musik, viele Ehrungen mit bunten Tüchern, sehr viele und extrem lange Reden und wirklich richtig gutes Essen. Riesig gefreut habe ich mich, dass meine beiden Sprachlehrer aus Deutschland, Mani und Alex, die zufällig gerade in Pondicherry waren, vorbei gekommen sind und auch die leitende Ärztin mit Ehemann aus dem Ashwini Hospital in Pondicherry, bei denen ich eine Woche im Februar hospitieren durfte. Eine gelungene Überraschung!
Nun heißt es, die gewonnene Aufmerksamkeit, die dieses Fest in der Bevölkerung erregt hat, auch auszunutzen und weitere Meetings und Treffen im Haus zu organisieren. Das erste dieser Art wird Mitte April stattfinden.
Leider kann ich immer noch nicht absehen, wann unsere „Wartezeit“ hier in Pondi endlich ein Ende hat. Tatsache ist nur, dass es langsam wirklich Zeit wird, denn mein Geduldsfaden wird zusehends dünner.
Hinzu kommt, dass ich mir die Arbeit hier ohne Teresa noch immer nicht so recht vorstellen kann, was meine Unruhe nicht wirklich mindert.
Aber: ein Schritt nach dem anderen, nur nicht huscheln…
In diesem Sinne.
Bis bald

Eure Hanka

Hebamme gesucht 6 Years, 10 Months ago    

 
Ihr Lieben zu Hause,

in meinem letzten Bericht hatte ich mich im Ton vergriffen, deshalb habe ich ihn aus dem Forum entfernen lassen. Das passiert mir leider in letzter Zeit häufiger, da meine Nerven manchmal einfach blank liegen. Ich möchte mich bei allen, die ihn noch gelesen und sich dadurch verletzt gefühlt haben, entschuldigen.

An dieser Stelle DANKE an Christian, der Betreuer unserer Webseite, der schnell und geduldig meine Fehler behebt.

Ich versuche es jetzt einfach nochmal, denn das ist vielleicht ähnlich wie wenn man vom Fahrrad fällt, man sollte zügig wieder aufsteigen.

Der Grund, weshalb ich mich so zeitnah nach meinem letzten Bericht schon wieder melde ist, dass hier eine Veränderung eingetreten ist, die für mich überraschend kam und ich hoffe, dass vielleicht eine von Euch helfen kann.
Teresa wird an dem Projekt hier in Indien nicht weiter persönlich teilhaben, befindet sich auf dem Weg zurück nach Deutschland und wird uns von da aus weiter unterstützen.
Ich bleibe etwas ratlos zurück, da viel Arbeit ansteht und ich mir nicht so wirklich vorstellen kann, wie ich diese als einzige deutsche Hebamme bewältigen kann.
Deshalb suche ich auf diesem Weg eine Unterstützung.
Welche Hebamme unter Euch hat Zeit und Lust zu einem großen Experiment?
Die Arbeit besteht zunächst darin, das Maternity Health Centre (MHC) funktionstüchtig zu machen, sprich Putzen, Container ausräumen und Haus einrichten. Da dies zusammen mit unseren indischen Kollegen geschehen wird, ist das sicher eine gute Gelegenheit Tamil zu lernen, weil ohne man in den Dörfern nicht weit kommen wird (im Englischen solltest Du fit sein).
Es wird häufige und regelmäßige Meetings geben, in denen zusammen mit den indischen Kollegen Konzepte und Richtlinien entwickeln, überarbeiten und verbessern werden. Wir werden viel durch die Dörfer fahren, uns und das MHC bekannt machen, mit den Menschen sprechen und fragen, zuhören, beobachten.
Da wir die Arbeit hier als Teamarbeit verstehen, wirst Du einen indischen Counterpart an Deiner Seite haben, von Ihr lernen können, genauso wie sie von Dir. Wir werden zusammen Fortbildungen, Kurse und Seminare vorbereiten und durchführen. Und es wird natürlich auch den „normalen“ Hebammenalltag geben, wie Vorsorge, Nachsorge und Betreuung von Geburten, inklusive Schichtdienst. Und das alles im ländlichen Südindien, wo viel Armut herrscht und es nicht nur im Sommer sehr heiß ist, umgeben von herrlicher Landschaft.
Hört sich nach Abenteuer an, oder? Ist es auch und zwar das Beste überhaupt. Ihr könnt dabei sein, wie hier etwas Großartiges entsteht! Ich glaube an dieses Projekt und daran, dass es funktioniert.
Ich hoffe sehr, dass sich eine Kollegin findet. Allerdings sollte ich der Fairness halber erwähnen, dass es da noch ein kleines Problem gibt, die Bezahlung. Kost und Logis sind frei und vielleicht ist auch ein kleines „Taschengeld“ möglich, aber in keinem Fall ein Gehalt wie in Deutschland.
Also, wenn sich das für eine von Euch trotzdem interessant anhört, dann schreibt mir.
Kontakt bitte über: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Ich freue mich sehr von Euch zu hören.

Bis bald

Eure Hanka

Januar und Februar 2010 6 Years, 10 Months ago

Hallo Ihr Lieben zu Hause,

Ein ganz großes SORRY, dass ich mich erst jetzt wieder melde, aber, Ihr werdet es nicht glauben, mein Rechner war mal wieder nicht ansprechbar. Nun redet er wieder mit mir und
somit kann ich auch wieder mit Euch reden. Was mich natürlich sehr freut. Die Frage ist nur, wo anfangen nach so langer Zeit.
Begonnen hat das Neue Jahr mit meiner ersten kleinen Tropenkrankheit (Dengue-Fieber). Alles nicht weiter schlimm, a bissel Fieber und eben Knochenschmerzen, was dem Guten auch den Namen Knochenbrecherfieber eingebracht hat. Hab mir sagen lassen, dass es erst beim zweiten Mal richtig schlimm wird, von der Seite war alles im grünen Bereich. Blöd war halt nur, dass mich das gut zwei Wochen lahm gelegt hat und ich eigentlich nicht viel machen konnte (ich hatte ja schon genug damit zu tun, mich umzudrehen). Aber es geht mir wieder sehr gut und alles ist beim alten.
Das erste Highlight in diesem Jahr war die Geburt von Annies Sohn Anuj Nilam am 18.01.2010. Leider per Kaiserschnitt, weil Annie, obwohl sie 3 Tage über Termin war, einfach keine Wehen bekommen wollte und sich noch dazu der Muttermund nicht öffnete. Wenn das mal kein Grund ist! Wie es das Schicksal so wollte, waren wir (Wolfgang und ich) während der Geburt im Krankenhaus dabei. Krankenhaus ist ein wenig übertrieben, eigentlich war es die Privatpraxis von Frau Dr. Poomadu - wenn Ihr mich fragt, acht Zimmer, mit mehr Mücken drinnen als Menschen. Wolfgang durfte sogar mit in den OP, wovon er sich Tage später immer noch nicht richtig erholt hatte. Er mag ja manchmal sehr genau sein, aber Mücken im OP Feld und ein neugeborenes Kind, das gut 1 Stunde in einer Plastikschale auf dem Boden unter einem Ventilator steht, geht halt wirklich gar nicht. Wer das überlebt hat schon mal was geschafft. Zum Glück haben beide das bisher ganz gut überstanden und auch Annie hat sich wohl so langsam von dem Schock erholt, dass sie nun eine Narbe längs über den ganzen Bauch hat, anstatt quer. Sie kannte das von ihrem Medizinstudium in Chennai auch anders. Am 14.Februar ist der Kleine dann getauft wurden. Es war ein großes Fest mit vielen Gästen, die alle ihren Segen auf dem Gesicht des Kindes hinterlassen haben. Armes Kind, denn, geschätzte 200, mehr oder weniger fremde, Leute, die mit mehr oder weniger sauberen Händen in meinem Gesicht rummachen, fänd ich persönlich nicht so schön. Deshalb hatte ich es vorgezogen, mich mit den restlichen anwesenden Kids (ca.15 zwischen 5 und 13 Jahren) näher zu befassen. Was für ein Spaß! Tamil-Lernen kann so einfach sein. Ich kann jetzt zumindest fließend bis 10 zählen und auch ein kleines Liedchen wozu man eigentlich zu zweit, wahlweise aber auch zu 15., in die Hände klatscht. Das war echt lustig!!!
Und so kommen wir auch gleich zu meinem zweiten Highlight im Januar. Samy hat zusammen mit einem Herrn Stalin (Gesundheitstrainer von der christlichen medizinischen Hochschule von Vellore) ein Seminar für Frauen aus den Selbsthilfegruppe organisiert mit dem Thema: Health Education Training in Punkto Säuglingsernährung. Davon war ich sehr begeistert!! Ich hatte riesigen Spaß mit den Frauen, und ich glaube die auch so ein Stückchen mit mir – Ihr wisst mein Tamil und so und dann bin i auch noch soo groß und weiß und überhaupt. Naja und wir alle zusammen hatten viel Spaß mit Herrn Stalin, der seinerseits der erste Inder ist, den ich getroffen habe, der wirklich an seiner Arbeit interessiert ist und Spaß dran hat, jemandem, in dem Fall auch noch Frauen, etwas beizubringen. Super! Ich hatte ja einen ähnlichen, wenngleich auch sehr viel ausführlicheren Kurs im Rahmen meiner Vorbereitung. Der Vergleich zwischen beiden ist vielleicht nicht ganz fair, dennoch würde der Indische in jedem Fall gewinnen. Selbst die Tatsache, dass ich nur, ich will jetzt mal maßlos übertreiben, vielleicht jedes 18. Wort verstanden habe, bringt dem ganzen keine Minuspunkte. Was für ein lebendiger Kurs, alle waren so interessiert und wissbegierig, jede wollte etwas sagen und selbst als am Ende die Präsentationen anstanden und das gelernte quasi in einer Art „Kurztrainingseinheit“ gezeigt werden sollte, waren die Mädels zwar aufgeregt, aber dennoch mit Eifer dabei. Ok, die Handytelefoniemanie der Inder kann man ihnen wohl einfach nicht abgewöhnen – denn selbst bei der Präsentation klingelt das gute Stück tapfer, wenn auch unbeantwortet, vor sich hin - wobei erstaunlicher Weise selbst Herr Stalin davon genervt war. Er erzählte uns auch, dass er wohl seit gut 20 Jahren versucht, seinen Mitmenschen die öffentliche Defäkation abzugewöhnen – ein Feld für die Mädels und ein anderes für die Buben, ist halt auf Dauer auch kein Zustand für eine aufstrebende Weltmacht wie Indien, wobei mich das jetzt wieder an diese kleine süße Maus im TV erinnert, die ständig versucht die Weltmacht an sich zu reißen, wie heißt sie doch gleich, egal – auf jeden Fall hat Herr Stalin damit bislang sehr wenig Erfolg. Eine Bekannte hier aus Pondicherry – Hilde, Ethnologin und seit 20 Jahren mehr oder weniger hier in Indien beschäftigt – erklärte uns unter anderem, warum es so schwierig ist das Toilettenproblem in Indien zu lösen. Spannende Sache, ihr seid bestimmt schon ganz aufgeregt das zu erfahren, gel? Wir könnten natürlich auch ein kleines Quiz veranstalten und Ihr schreibt mir Eure Vorschläge dazu ins Forum?!?
Besser nicht, wenn dann nix kommt bin i ganz traurig und mit der Preisvergabe wird es auch nicht so einfach.
Also, kurz und knapp: es ist wohl schlicht und ergreifend nicht üblich, um nicht zu sagen unsittig, Körperausscheidungen jeglicher Form in Indien zu sammeln. Ich finde, dass ist eine maßgebende Info, denn wenn man weiß, wo das Problem ist, kann man damit auch besser umgehen und es vielleicht gar beseitigen. Ist doch so, oder? Was mir persönlich jedoch in Punkto Hausbau im Januar auch nicht weitergeholfen hat. Ich weiß, was und wo das Problem war: es war ganz einfach niemand da, der gearbeitet hat. Aber was dagegen tun? Ich versuche es immer mal wieder mit Verständnis und das klappt auch meist ganz gut. Denn: die Arbeiter haben eigentlich das ganze Jahr keinen Urlaub – ok, unsere haben wenigstens den Sonntag frei, was nicht allen vergönnt ist – und da kann ich schon verstehen, wenn so herausragende Feiertage, wie Neues Jahr, Pongal (Erntedankfest) und besonders gute Tage zum Heiraten, etwas ausgedehnt werden. Leider führte das in unserem Fall zu einem kompletten Baustopp im Januar. Und da kommt dann doch Ärger auf, denn das Haus ist ja nicht für mich, sondern für die Frauen und Familien aus den eigenen Reihen und je schneller es fertig wird, umso schneller verbessert sich die Gesundheitsversorgung. Und wir sind ja eh schon fast 5 Monate im Verzug… Nun gut, aber Anfang Februar wird nun wieder mehr oder weniger fleißig gearbeitet, je nachdem, wer sich zu Besuch angemeldet hat. Zum Glück gibt es da zurzeit einige Ankündigungen aus Deutschland, die zu einer erheblichen Beschleunigung der Baumaßnahmen geführt haben. Und der aktuelle Stand ist der: Treppenaufgang zum ersten Stock hat jetzt auch ein Treppenhaus, es wurde endlich begonnen, die Fliesen im Erdgeschoß zu legen, das Security Haus ist gemauert, die Rohre für Strom und Wasser sind weitestgehend verlegt (mit ein bissel Glück bekommen wir sogar Licht im Vorratsraum), Türrahmen sind drin und die Fensterrahmen samt Glasfenster auch (leider vor dem Streicher der Rahmen). Wirklich deprimierend, was die ganze Strom- und Wasserverlegungssituation angeht, ist, dass Wolfgang sich so viel Mühe gegeben hat diese irgendwie zu verbessern. Er hat Pläne ausgearbeitet und Rohre gekauft, sich selbst Werkzeug gebaut, um alles irgendwie doch ein wenig besser zu machen, als es eben momentan ist. Leider haben wir es nicht geschafft, dass unseren Bauarbeitern nahe zu bringen. Mag sein, dass Bauarbeiter, egal ob deutsch oder indisch, nicht gern Verbesserungsvorschläge annehmen. Mag sein, dass man uns trotz Dolmetscherin, die wir dafür engagiert hatten, nicht richtig verstanden hat. Ich weiß es nicht. Tatsache ist nur, dass, außer dem Siphon, nichts von dem was vorgeschlagen auch angenommen wurde. Das macht mich ratlos, da hilft auch kein positives Denken.
Was dem Haus jetzt nur noch fehlt ist ein funktionierender Septiktank, die Rohre die das Abwasser in Selbigen leiten, die Mosquitonetze vor den Fenstern, sämtliche Türen, alles muss, denke ich, von außen und innen nochmal gestrichen werden (und ich hoffe noch immer, dass wir bei der Auswahl der Farben dabei sein dürfen; man erinnere sich nur an das grüne Klo im blauen Badezimmer im Gästezimmer auf dem Küchenhaus), alle Armaturen müssen angebracht werden, das Gelände muss eingeebnet werden und dann würde ich mal sagen, können wir mit dem Putzen beginnen und irgendwann dann auch den Containers ausräumen. Super, oder?! Ihr merkt, ich versuche tapfer zu sein… nicht ganz ist mir das jedoch gelungen, als wegen der herrlichen Schutzmauer, die um das Gelände gebaut werden soll, drei Palmen, die vor dem Haus standen und sich so wunderbar im Wind wiegten und soo tollen Schatten gemacht haben, einfach rausgerissen wurden. Da hatte ich dann doch was Pipi in den Augen und habe mir eigentlich vorgenommen, nicht mehr auf die Baustelle zu gehen, bis alles fertig ist. Ich kann eh nichts an dem ändern, was da passiert und ich brauche meine Nerven noch für anderes (keine Sorge, werd das aber nicht durchhalten, dafür bin ich einfach zu neugierig). UND: es gibt die vorsichtige Ansage, dass wir Ende März Einweihung feiern, sprich, dass das Haus fertig sein soll. Bin sehr gespannt, denn ähnliche Ankündigungen gab es auch schon im November 2009.
So, was hatten wir denn noch?? Achja, sehr spannend fand ich meine Hospitation in einer privaten Frauenklinik hier in Pondi Anfang Februar. Da es leider nicht möglich ist, als Ausländer in einem staatlichen Krankenhaus zu hospitieren, war ich sehr froh, dass unser Architekt diesen Kontakt herstellen konnte. Und so konnte ich eine Woche der einzigen Ärztin dieser Klinik zusehen. Es gibt sicher einiges, was in Deutschland anders gelaufen wäre und auch den Umgang mit den Patienten fand ich sehr fragwürdig. Allerdings sieht diese Frau am Tag im Schnitt über 130 Patienten in ihrer Sprechstunde (von Schwangerenvorsorge bis Sterilitätsberatung, von Impfungen der Kinder bis Brustabszesse, halt alles, was man als Frau bzw. Kleinkind so haben kann, selbst wenn es eine Mandelentzündung ist). Und wie nebenbei operiert sie, betreut Geburten, auch Fehlgeburten, und leitet eben diese Klinik und um es nicht zu vergessen, sie hat auch noch Familie. Sowas gibt es hier also auch – Powerfrauen. Nur frage ich mich halt zu welchem Preis und ob man diesen zahlen sollte. Denn vielleicht wäre es gut, die Arbeit etwas zu verteilen, auf mehrere Ärzte zum Beispiel. Dann wäre sicher auch Zeit für ein freundliches oder erklärendes Wort zu den Frauen und mehr „Behandlung“ als Blutdruckmessen und Medikamente verschreiben möglich. Außerdem könnte sie sich dann zwischen den einzelnen Patienten auch die Hände waschen bzw. desinfizieren. Das fänd ich sehr schön! Alles in allem aber eine sehr interessante Erfahrung und wieder einmal das Wissen, dass unsere Arbeit nötig ist. Denn ein gutes Vorbild regt vielleicht zum Nachahmen an…
Ja, so geht die Zeit dahin, um nicht zu sagen sie rast. Ich kann es manchmal gar nicht recht glauben, dass bereits März ist. Manchmal habe ich das Gefühl, nix auf die Reihe zu bekommen; verrenne mich in Übersetzungen von Standards, der Vorbereitung des ganzen Papierkrams für die Station, Tamil lernen, WHO Berichte lesen und merke eigentlich nicht, wie die Zeit vergeht. Das drückende Gefühl, irgendetwas Wichtiges bei der ganzen Vorbereitung vergessen zu haben, nagt. Dann die Sache mit meinem Rechner, die mich wieder mehrere Wochen quasi lahm legt und ich auf Wolfgangs Rechner ausweichen muss, übel. Aber irgendwie geht immer alles.
Ich habe heute in einer Zeitschrift einen Bericht über Hillary Clinton gesehen mit netten Fotos und so. Auf einem Bild war ihr Schreibtisch zu sehen, mit einem Briefbeschwerer drauf, auf dem stand: never, never, never, never give up!
Jep!!!
In diesem Sinne, man darf gespannt sein, auf die weiteren Entwicklungen hier.
Werden wir im März das „Maternity Health Centre“ wirklich einweihen?
Außerdem wird es spannendes von meiner Freundin Ana und mir zu lesen geben, die mich Ende Februar-Anfang März hier in Indien besuchte und somit leider eindeutig in den Monatsbericht März mit reingehört.
Ich versuche Euch jetzt mal etwas Sonne, in das wohl doch recht kühle Deutschland zu schicken!!!
Bis bald

Eure Hanka

Dezember 2009 in Indien 7 Years ago      

Wie Ihr vielleicht schon auf „Aktuelles“ gelesen habt, ist unser Container seit dem 22.12.2009 frei !!! GROßE FREUDE!!!!
Nach einem über drei Monaten andauernden Wechselbad der Gefühle steht er nun endlich vor dem Maternaty Health Centre in Anaiyeri und ich muß sagen ,daß ist ein großartiges Gefühl.
Ein erster Meilenstein, den wir gemeinsam hier in Indien aufgestellt haben. Sicher ist nicht alles optimal gelaufen, aber diese Aktion war für Inder und Deutsche gleichermaßen Neuland.
Am Hausbau geht es Stückchen für Stückchen voran. Der Fußboden im Erdgeschoß liegt und sieht sehr hübsch aus. Die Räume haben zum Teil schon eine erste weiße Grundierung, was sie hell und groß, heißt sehr gut aussehen läßt. Wir haben entschieden, wo in jedem Raum das Waschbecken sein wird und die richtigen Türen fürs Erdgeschoß gefunden. Jetzt müssen nur noch die Fliesen verlegt werden, die Moskitonetze vor die Fenster, die Wasser- und Stromverlegung vollendet werden und natürlich alles gut durchtrocknen und dann kann es losgehen mit dem Ausräumen des Containers und überhaupt. Jaja, wir stecken voller Tatendrang. Und ein Ende des Baues ist auch abzusehen, positiv Denken!!!
Ich habe angefangen, tamilische Zeitung zu lesen. Ok, daß ist vielleicht etwas übertrieben, aber mit Wörterbuch schaffe ich in 30 Minuten 1 Überschrift. Rom wurde auch nicht an einem Tag... Mit dem Sprechen habe ich weiter so meine Problemchen. Verstehen kann ich das ein oder andere, aber ob es richtig ist... und Nachfragen ist auch komisch: „Entschuldigung, haben Sie gerade über Essen gesprochen? Und wenn ja was?“ Aber das wird schon alles werden, wenn wir in Anaiyeri sind und mit englisch nicht mehr weiterkommen. Die Grundlagen sind ja da.
Im Dezember war am Morgen leider keine Yogastunde. Da hilft auch kein positives Denken, daß war einfach blöd.
Die Temperaturen sind zur Zeit sehr angenehm, tags 30 °C, nachts 20°C. Auch wenn in den Zeitungen von einer Kältewelle die Rede ist, können unsere deutschen Temperaturfühler das nicht so recht bestätigen.
Mein Tagesablauf sieht weiterhin so aus, daß ich meist bis Mittag vor dem Rechner sitze und Mails/Berichte/Übersetzungen schreibe und danach dann versuche Tamil zu verstehen.
Ab 16 Uhr, wenn hier nach der Mittagspause wieder alle Geschäfte geöffnet haben, versuche ich Wolfgang auf der Suche nach Wasserhähnen, Waschbecken, Siphons, Rohren, etc. zu unterstützen. Da ich aber ein klassisches Mädchen bin, versteh ich davon nun leider so gar nichts, was mich bei diesen Aktionen nicht wirklich hilfreich werden läßt. Also verkrümel ich mich lieber auf den Markt und fange Essen für den Abend. Gegen 19 Uhr wird gekocht, meistens sogar eßbar und dann zieht mir meist irgendjemand den Stecker raus und ich schlafe stumpf ein. Ihr seht also, hier ist nicht wirklich „Arbeit“, aber auch keine Ferien mit Langeweile. Aber es geht mir gut und die meiste Zeit mag ich es, hier zu sein, auch wenn ich es mir irgendwann mal anders vorgestellt habe.
Achja, Weihnachten hatten wir ja auch noch. Sehr schön!!! Nach feudalem Essen, waren wir zur Mitternachtsmesse in der Stadtkirche hier in Pondicherry. Wir und der Rest der christlichen Inder in und um Pondicherry macht zusammen gefühlte 4000000 Menschen. Sehr schön!!! Alles war festlich geschmückt, mit vielen Weihnachtssternen aus Papier und noch mehr Lichtern und was in Indien nie fehlt: viel und laute fröhliche Musik. Einfach atemberaubend! Und auch bei uns in der Straße waren um die Zeit noch viele Menschen auf, man wünscht sich Merry Christmas und zieht fröhlich weiter. Mag ich!
Silvester war dann ähnlich, wenn auch geräuschvoller. Da in Indien das Abfeuern von Raketen und Knallern zu Silvester verboten ist, benutzt man hier eben seine Stimme. Ideen muß man haben! So kommt es, daß sich 0.00 Uhr alle wie wild anschreien und sich ein HAPPY NEW YEAR wünschen.
Und das möchte ich Euch nun auch noch an dieser Stelle wünschen.
Ich hoffe es wird ein glückliches Neues Jahr für Euch, bleibt gesund und munter und nicht vergessen: POSITIV DENKEN!!!

Eure Hanka